Über die Freude am Erfolg

Heute hat Chopper in der Logopädie ein Spiel nach dem anderen gewonnen. Am Ende kamen ihm die Tränen und er blickte zur Seite.

Die Logotherapeutin war ganz überrascht und fragte, was denn los wäre.

Chopper meinte: „Es ist so schön zu gewinnen.“

…..

So, das war Choppers Seite. Und jetzt meine. Wie ich schon öfter gesagt habe, finde ich ja, dass Vergleichen, Gewinnen/Verlieren der erste Schritt zur Gewalt ist. Gerade ordne ich das alles ein. Besonders, da ich gerade mit Nami an einem Puzzle spiele und sie sagt immer: „Hier, das kannst Du gewinnen (Puzzleteil erfolgreich einsetzen).“ Sie freut sich hier eindeutig über die Erfolge.

Jetzt kam gerade Chopper rein und sagte: „Schau mal wie schnell die Nami das schon kann… und ich kann es viel, viel schneller“.

Das nervt mich so! Und ich habe sogar ein Video, wie schön sie vor diesem schrecklichen Vergleichen gespielt hatten. Für mich ist es wie Gewalt. Gerade habe ich geschrieben, dass ich es einordnen wollte. Aber ich glaube ich muss hier meinem Gefühl vertrauen.

Ich habe heute die Logotherapeutin nicht gefragt, ob sie aufhören kann mit Gewinnen/Verlieren/Vergleichen – weil Chopper das so schön fand. Aber es ist so negativ für mich, dass es mich trifft wie ein Schlag.

Ich hoffe, dass ich bald mit stabilen Erkenntnissen aufwarten kann – bis jetzt überfordert das meinen Horizont. Es ist so irgendwie außerhalb unserer Kulturkuppel, die nur Vergleiche kennt. Die nur auf Gewinnen und Verlieren basiert. Es gibt noch keine Studien, die das langfristig untersuchen. Mit einer Nicht-Vergleichenden Testgruppe. Bis jetzt kenne ich einen Psychologen, der Vergleichen kritisiert und es als Hemmnis für unser Glücklichsein bezeichnet… mehr nicht.

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12 Kommentare zu “Über die Freude am Erfolg

  1. Diese Angeberei hört wieder auf – klassische 5-Jahres-Phase.
    Löwenzähnchen hasst Spiele mit Gewinnen/Verlieren. (Er ist auch immer ziemlich langsam damit, irgendwas anzufangen und verliert dann oft, und das kann er nicht ausstehen.) Wir müssen alles, aber auch alles, kooperativ spielen – was mich wiederum manchmal sogar schon nervt.

    Welcher Psychologe ist es denn?

  2. Würd ich so nicht sagen.
    Meine Kinder vergleichen sich auch, oder spielen Gewinnen.
    Ich denke, wenn das kein Fokuspunkt ist, in der Familie, dann bleibt das auch in einem ganz natürlichen Rahmen.

    Ich schrieb glaube ich schonmal, dass wir uns ganz normal vergleichen. Wenn wir ein Wettrennen machen, ist das ja nicht, weil wir Leistung bringen wollen, sondern weil es Spaß macht. Und oftmals bin ich dabei natürlich schneller.
    Das ist einfach so, und die Kinder finden es trotzdem toll.
    Oder: Meine große vergleicht ihr Gemaltes mit meinem und stellt fest – ‚Du kannst viel besser malen als ich.‘
    Ich erkläre dann, dass sie das nur so empfindet, dass es beim Malen (und überhaupt bei Kreativität) kein besser gibt, sondern nur ein anders.
    Beim ‚Schneller, Höher, Weiter‘ finde ich es nicht schlimm, zu vergleichen. Die Kinder sagen ja auch ‚Du bist größer als ich‘, ‚Du bist dicker als ich‘ etc.
    Das ist ja keine Bewertung, sondern nur eine Feststellung…oder?
    Hat das Vergleichen nicht auch mit der Selbstwahrnehmung zu tun und ist etwas ganz natürliches?

  3. Mich nervt dieses Vergleichen auch, weil es auch oft zu Tränen führen kann. Bis 5 JAhre war es kein Thema, dann fing es plötzlich an. Wir freuen uns über den schnellsten und spielen danach ein Spiel, dass der Verlierer von Spiel 1 gewinnen kann. Die Verlierer werden nich verpönt, sondern wir spielen um des Spasses Willen. Häufig lassen die Großen die Kleinen gewinnen, weil sie die Ungerechtigkeit des Altersunterschiedes wieder ausgleichen wollen. Sie machen das sehr dezent und gefühlvoll, denn sie möchten nicht, dass die Kleinen merken, dass ihnen der Gewinn geschenkt wird. Wir kochen dieses gewinnen/verlieren einfach nicht hoch. Es ist toll, aber es wird nicht mit dem Finger auf den anderen gezeigt. Wer erster ist : ist toll, wer letzer ist: ist auch toll, der kriegt dafür als erster ein Eis. Ich habe nur zwei Hände, es wird also zwangsläufig immer einen geben, der das Eis zuerst erhält. Auch das ist eine Gewinner/verliererSituation.

  4. Irgendwie juckt es mich jetzt mal wieder, einen Kommentar abzugeben, auch wenn es mir schwer fällt. Dies ist nämlich ein Thema, bei dem ich schrecklich gespalten bin.
    Ich weiß ja mittlerweile, daß du von Gewinnen / Verlieren und Vergleichen rein gar nichts hältst. Auf der einen Seite geht es mir auch so, tief in mir drin habe ich eine Abneigung gegen Vergleiche und Wettbewerb. Die hatte ich schon als Kind, was ein Hauptgrund für meine Probleme mit Gleichaltrigen war.
    Andererseits ist Vergleichen und Wettbewerb ein Ansporn für (Leistungs-) steigerung in jeder Hinsicht. Und Gewinnen tut gut, das habe ich auch oft genug erfahren.
    Mittlerweile bin ich auch zu der Überzeugung gelangt, daß das Verlangen nach Vergleichen und Wettbewerb keine Frage der Erziehung ist, sondern der Veranlagung. Bei eingen Menschen mehr, bei anderen weniger. Bei Kindern merke ich das ganz besonders. Die meisten wollen vergleichen, wollen gewinnen und das motiviert sie mehr als vieles andere. Kinder, die es nicht wollen (also sunnys, sowais, etc.) sind eine Seltenheit und entsprechend werden sie ziemlich schnell ausgegrenzt, werden zu Einzelgängern. Ich weiß nicht, wie’s bei dir war, bei mir war es jedenfalls so. Besser gesagt, ich habe mich selber abgesondert, weil ich eben nicht an den üblichen Wettbewerben teilnehmen wollte.
    Was mich nun extrem nachdenklich gestimmt hat, ist deine Beschreibung von Choppers Reaktion auf sein Gewinnen: „Am Ende kamen ihm die Tränen und er blickte zur Seite.“
    Kann sein, daß ich mich täusche, aber ich sehe da die Reaktion eines Kindes, das sich nicht traut, seiner Freude über das Gewinnen Ausdruck zu verleihen, weil er weiß, daß Papa das nicht gut findet. Ein Gewissenskonflikt zwischen seinen wirklichen Emotionen und dem Wunsch, deine Erwartung zu erfüllen.
    Chopper scheint eines der Kinder zu sein, die gerne vergleichen und Wettbewerbe mögen. Das habe ich auch aus früheren Posts schon herausgelesen, dieser bestätigt es extrem.
    Ich denke nicht, daß deine Versuche, ihm eine gegenteilige Einstellung zu vermitteln, seine Einstellung ändern werden. Sie bringen ihn lediglich weiter in einen Gewissenskonflikt. Vermutlich wird er versuchen, sich die meiste Zeit über deiner Erwartung anzupassen, aber er wird es tun, damit du mit ihm zufrieden bist, nicht weil es seinem Charakter entspricht.
    Vielleicht kannst du es mit einem Kompromiss versuchen? Statt ihm beizubringen, daß Vergleiche und Wettbewerb generell schlecht sind, ihm beizubringen, daß du das nicht magst, während du ihn gleichzeitig seinen Wunsch danach ausleben läßt? Mit anderen Kindern oder Leuten, die sich daran beteiligen.
    Was ich dabei sehr wichtig finde: es gibt einen großen Unterschied zwischen Gewinnen, weil man besser ist und Gewinnen um des Gewinnens willen. Letzteres impliziert alle Möglichkeiten der Unfairness und des Betrugs. Und Letzteres ist auch verantwortlich für die Negativität des Verlierens. Dafür, daß Verlierer gedemütigt und ausgelacht und in ein schlechtes Licht gestellt werden.
    Diesen Unterschied zu lernen finde ich wesentlich wichtiger, als das Vergleichen generell zu verteufeln. Nach dem Motto: Gewinnen ist wunderschön. Verlieren ist aber NICHT schlimm.
    Soweit einmal meine bisherigen Versuche, solche Situationen einzuordnen. Vielleicht helfen sie ein wenig weiter.

  5. Danke für Euren Input. Ich werde auf jeden Fall dran bleiben.
    Heute ist mir nach euren Kommentaren noch ein Gedanke gekommen:
    Als Chopper noch ohne V/G/V gespielt hat, hat er sich das ganze Spiel lang gefreut (ich habe sogar ein Video hier). Er sprudelte permanent über. Das VGV hat seine spielerische Haltung stark verändert, er konzentriert sich stark auf die Dinge, die Punkte bringen und zeigt fast keine Emotionen außer Anspannung. Am Ende löst sich der Knoten in Wut (wenn er verliert) oder Freude (Euphorie – wenn er gewinnt)…

  6. „Vergleichen, Gewinnen/Verlieren der erste Schritt zur Gewalt ist“

    Unschooling hat einen Platz in Relation zur klassischen Schule. Damit ist der Vergleich in *diesem* Kontext wichtig, wenn nicht sogar unerlässlich.
    Ich vergleiche oft, damit ich meinen eigenen Standpunkt bestimmen kann. Das gibt mir eine gewisse Sicherheit.
    Gleichwohl fördere ich gleichzeitig in meinen Lerngruppen die Kooperation durch geeignete Spiele „ohne Gewinner“. Ich glaube, dass beides seinen Platz und seine Berechtigung hat.

  7. @mccab99
    Hi, es freut mich, dass Du hier noch mitliest 🙂
    Ich will dem obigen Beitrag noch etwas hinzufügen, denn sonst klingt er wirklich nicht lebensfähig.
    Ich unterscheide zwischen „Unterscheiden“ und „Vergleichen“.
    Nehmen wir das Urbeispiel (etwas neutraleres 😉 ) nämlich Mann/Frau. Man kann die beiden miteinander vergleichen. Und man kann beide voneinander unterscheiden. Eigentlich ist Dein Lerner-Beispiel auch sehr geeignet. Wenn ein Neuer in die Gruppe hinzukommt, so muss ich beim Unterscheiden diesen Neuen untersuchen und diagnostizieren. Beim Vergleichen müssen bei einem Neuen alle anderen anfangen ihre Position zu verteidigen – während ich versuche ihn relativ zu ihnen einzuordnen. Vielleicht gilt das aber auch nur, solange die Ressourcen begrenzt sind (Zuwendung, gute Noten, höhere Kompetenzen, Studienplätze). Beim „Unvergleichlich“-Experiment will ich genau diesen Platz und die Berechtigung herausfinden.

  8. ich würd mir da nicht so einen kopf machen. das haben wir hier auch gerade und ich glaube das gehört zur entwicklung dazu. es ist eine emotion, wie viele, die nur dann zum problem wird, wenn eben druck daraus wird. so wie es in der gesellschaft oft passiert und dich eben stört.
    ich könnte das auch noch mit dem beissreflex des hundes vergleichen, der nur dann böse ist, wenn man ihn zum kampfhund macht, oder so. das beissen selbst gehört zur überlebensausrüstung dazu. naja. etwas weiter vergleich 😉

    aber die emotion selbst, das siegen und verlieren gehört glaub ich eben zum menschen dazu und muss auch erlebt werden dürfen. denn nur die erfahrung macht einen sicher im umgang damit.
    wenn du unschooling konsequent betreibst, solltest du auch vertrauensvoll alle emotionen zulassen. er kann das dann später besser einordnen, was er sich jetzt spielerisch erarbeitet. oder er holt es später nach. und dann vielleicht nicht mehr spielerisch.
    du freust dich ja auch wenn er tanzt. vertrau ihm einfach.
    problem ist das ganze nur, wenn man den kindern auch noch dauernd erklärt, wie wichtig das besser sein in der gesellschaft ist. wenn du ihm deine standpunkte dazu klarlegst, falls es dir zu bunt wird, reicht das. glaub ich.
    nichterfahrene emotionen sind später meist ein problem.

    ich lasse hier einfach gewinnen, das verhindert wutausbrüche und zeigt, das es nicht wichtig ist. sie lässt mich jetzt auch schon manchmal gewinnen 😉

  9. Sofern das alles in einem lockeren Rahmen bleibt, finde ich gewinnen und verlieren sogar ziemlich gut, weil es eben Spaß bringt. Und wenn man mit Leuten zusammen ist, die man mag, dann kann man sich auch für den freuen, der gewonnen hat, obwohl man selbst eben verloren hat.
    So kenne ich das zumindest. Mag jetzt ein merküwrdiges Beispiel sein, aber wenn ich mal wieder zuhause bin (ich studiere), dann will unser Hund auch immer wissen, wer von uns beiden der stärkere ist, Natürlich könnte ich da oft gewinnen, aber ich tu es nicht immer. Dann läuft er (eigentlich sie^^) stolz herum und freut sich und ich freue mich im Gegenzug über seine Freude. Trotzdem respektiert er mich und gehorcht mir aufs Wort.
    Probier das einfach mal, dass ihr auch mal ein Spiel mit Gwinnen/Verlieren spielt. Solange keiner verbissen ist, kann das eine Menge Spaß bringen. Vielleicht lernt Chopper dann auch die „kooperativen“ Spiele besser zu schätzen.

  10. Ich muss mir da leider einen Kopf machen 🙂
    Das ist immer so meine Art. Dinge, die wir als unglaublich selbstverständlich betrachten noch einmal experimentell zu prüfen.
    Dennoch, keine Angst. Das Experiment selbst bleibt im lockeren Rahmen und ich werde Chopper nicht bestrafen oder ähnliche Methoden, die ich ja generell ablehne.

  11. Pingback: Muss man immer Erster sein? - Sevenjobs

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