Schulboykott

Kurzes Inhaltsverzeichnis
1.) Streik ist immer ein schlechtes Mittel
2.) Der Schulboykott
a.) Wie sieht der Schulboykott aus?
b.) Wie boykottiere ich persönlich (der konkrete Schulboykott)?
c.) Was bringt meine einzelne Aktion?
d.) Wann geht’s los?

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Will man heutzutage seinen Unwillen bekunden oder sich beschweren, so kennt man heute fast nur noch eine Antwort: Den Streik.

Der Streik hat viele Nachteile:

1.) Er erkennt die Macht des Bestreikten an

Der Streikende – ein Mensch – ist ein Wesen, das eigentlich produktiv sein will, und mit seiner Umwelt interagieren will. Für die Zeit des Streiks ist der Streikende aber auf einen Streikposten gefesselt. Er muss tatenlos vor einem Gebäude stehen und muss warten bis der Bestreikte sich bemüht ihm entgegenzukommen. Damit stärkt er die Macht des Bestreikten ins Unendliche.

2.) Er tut nichts um seine Situation zu verbessern

Ein Streik bedeutet: rumstehen, nichts tun. Ein Schild halten. Parolen zu rufen und ein paar Forderungen zu stellen (meistens sehr dezente): G9 statt G8 – also effektiv ein Jahr länger, nicht ein Jahr weniger oder sogar ein G0 🙂

Aber an seiner Situation ändert er in Wirklichkeit nichts. Der Einzige, der hier etwas ändert ist der Bestreikte. Er kann ein Zugeständnis machen.

3.) Nachher ist es noch schlimmer

Sobald der Streik vorbei ist, besteht für den Bestreikten die Möglichkeit die Daumenschrauben anzudrehen. In Betrieben sind hier betriebsbedingte Kündigungen oder ähnliches zu nennen. Man muss die verlorene Zeit ja wieder reinholen. In Schulen muss der Stoff ja auch aufgeholt werden.

4.) Dauerhafte Verbesserungen bringt es nicht

Wenn der Streik vorbei ist, kann man nach ein paar Wochen/Monaten die alten Bedingungen als Notregelung einführen, dann als Sonderregelung, dann als Alltag. Einen Grund für diesen Schritt findet man immer. Der nächste Streik bezüglich dieses Betreffs wird schon viel schwächer. Der übernächste Streik ist für die Medien nicht mehr berichtenswert (ist ja auch langweilig für die Zuschauer).

Wiederholte Streiks kosten den Bestreikten nicht so viel, wie Aufrechterhaltung der Verbesserungen.

Was soll man dann tun?

Es gibt noch den Boykott.

Ich will hier noch den destruktiven und den emanzipierenden Boykott unterscheiden. Im destruktiven Boykott zerstört man die Machtverhältnisse indem man die Werte zerstört. (z.B. Punks)

Im emanzipierenden Boykott, und um den soll es hier gehen, macht man sich unabhängig vom Boykottierten (in diesem Falle: die Schule) und entzieht ihr alle Macht.

Wie sieht denn ein emanzipierender Schulboykott aus?

Zuerst ist einmal zu sagen, dass die Schule alles in ihrer Macht stehende tut, um dieses zu verhindern. Jeder gut ausgebildete Schüler wird also meinen: „Ich kann das nicht. Nur die Schule kann mich in die Emanzipation führen.“ – das hat er schließlich gelernt und durch Noten bestätigt bekommen. Die Schule führt einen aber nicht aus der Unmündigkeit.

Der Schulboykott ist sehr einfach. Eine Abiturklasse hat das schon vorgeführt.

Man geht einfach nicht zur Schule, sondern lernt auf eigene Faust. Man trifft sich mit Freunden in der Bibliothek. Bespricht Lernziele. Liest Bücher. Besucht Museen. Lernt auf was man Lust hat. Und mit jedem Tag wird diese Lust größer. Bis man sich irgendwann fragt: Selbst wenn die Schule sich jetzt auf mich zu bewegt. Warum sollte ich da überhaupt noch hin? Das gilt für Schüler, sowie für Lehrer.

Das bedeutet jeder Tag Boykott ist eine Nagel am Sarg der Unterdrücker – hier tickt die Uhr nicht für den Streikenden, sondern die Zeit spielt für den Boykotteur.

Als Schüler fragst Du jetzt bestimmt: Was ist aber mit den Zeugnissen und meinem Abschluss. Keine Angst, hättest Du nicht die Möglichkeit Dein Zeugnis extern zu machen, dann würde die Bundesregierung auf einer Menge Hartz IV Empfängern sitzen blieben. Und darum geht es doch, wenn man dem Kapitalismus trauen darf. Je mehr Du selbständig lernst desto einfacher wird für Dich jeder Abschluss.

Als Lehrer fragen Sie bestimmt: Wenn ich aber Schülern helfe, die mich außerhalb der Schule nach etwas fragen, wie ernähre ich dann mich und meine Familie? Sie müssen es subtil machen. Unterstützen Sie den Schulboykott, schreiben Sie mich an. Wir finden eine Lösung, wie auch Sie beitragen können, mehr Freiheit und Selbstbestimmung für alle Beteiligten im Schulsystem zu erreichen. Auch können Sie uns anonym die Fehltageregelungen an ihrer Schule zukommen lassen.

Als Eltern können Sie natürlich ihre Kinder unterstützen – aber auch für sie ist das ganze nicht ohne Risiko – versuchen Sie heraus zu bekommen, wie die Fehltageregelungen vor Ort sind.

Generell: Wir werden in der nächsten Zeit ein Spendenkonto organisieren. Von dem gespendeten Geld werden Flyer finanziert und Aufklärungsmaterial. Auch können Designer und Ideengeber helfen. Jeder kann sich einbringen.

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Der konkrete Schulboykott

Der konkrete Schulboykott hat viele Wege:

1.) Wie oben besprochen öfter einen Tag freilernen (wenn Schulpflicht, dann vielleicht einen Tag pro Woche ohne Schule bilden).

2.) Sand ins Getriebe – hierbei aber nicht zerstörerisch wirken. Ich glaube hart an der Grenze ist: Kreide verstecken – und lesen, während der Lehrer sucht (sonst unter der Schulbank lesen).

3.) Aufklären – je mehr Schüler und Lehrer mitmachen, desto wirksamer ist der Schulboykott (Lokalisten, Freunde, …).

4.) Geh auch mal in die Uni und besuche eine Vorlesung, die Dich interessiert. Die Unis sind nicht zugesperrt. Niemand kontrolliert, wer in den Vorlesungen sitzt.

Was bringt denn meine einzelne Aktion?

Immer wenn Du eine Aktion gestartet hast, schreibe uns eine EMail (am besten von einem anonymen EMail-Account aus) – oder übermittle es uns unter Kontakt.

Beschreibe die Aktion. Die Schule (inklusive Ort), Klasse.

Wir werden die EMail-Adresse sofort löschen und die Aktionen auf einer Extra-Seite sammeln und laufend veröffentlichen. (Vielleicht mit Deinem Nickname und das, was Du an diesem Tag gemacht hast (z.B. welches Buch gelesen, ein Instrument geübt, eine Programmiersprache gelernt,…. -dann hast Du eine Art Lerntagebuch und Boykott-Statement)).

Wenn Du eine Aktion gestartet hast, hinterlasse irgendwo das Zeichen  mit Kreide (oder einer anderen abwaschbaren Substanz) – es ist das japanische Zeichen für Mensch. Es bedeutet, dass Schüler auch Menschen sind und sich als solche auch gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung wehren können.

Es hat noch weitere Vorteile: Es sieht dem griechischen Lambda ähnlich, es ist sehr einfach zu schreiben (die kleinen Zahlen bedeuten die Strichfolge, also erst oben anfangen -bei 1 )

Wann geht’s los?

Sofort. Fang am besten gleich heute an, und morgen ist Dein erster Tag als Freilerner 🙂

Tipp: Schreib für Dich selbst ein Boykott-Tagebuch, in dem steht, was Du an diesen Tagen gemacht hast – mit der Zeit gewinnst Du immer mehr Vertrauen in Deine eigenen Fähigkeiten etwas selber zu lernen – mit Spaß an der Sache. Dieses Tagebuch im nachhinein anzuschauen wird Dir das Wissen geben, dass Du auch etwas Gutes für Dich getan hast.

Vorsicht: Jeden, den Du zum Mitwisser machst, den bringst Du auch in die Verlegenheit ein Kronzeuge zu werden. Du gehörst Dir, keiner darf Dir das Recht auf Dein Leben nehmen – kein Zweck heiligt Zwang

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11 Kommentare zu “Schulboykott

  1. Und als Schülermama frage ich mich: Was ist mit Bußgeldern und drohendem Sorgerechtsentzug? Das riskiere ich nämlich, wenn mein Kind nicht zur Schule geht, sondern sich selber bildet. Die Homeschooler-Familie Neubronner ist nicht grundlos aus Deutschland geflüchtet …
    Wie wollt Ihr Euren „emanzipierenden Schulboykott“ durchführen, wenn Eure Kinder mal im sog. schulpflichtigen Alter sind?

  2. Hallo Konradmama,

    der Schulboykott ist (genauso wenig wie der Schulstreik) eine permanente Maßnahme. Es ist zwar noch ein Entwurf. Aber ich denke am effektivsten wäre es erst mal Interessenten zu sammeln und dann koordiniert jeweils einen Wochentag (wenn hinreichend viele Boykottierer) sich selbst zu bilden. Wenn Einzelne das machen, wird das zu wenig Verbesserungen und zu vielen Strafen führen. Wenn das aber geschlossen von einer größeren Menge praktiziert wird, dann ist das ein klares Signal an die Politik: Die Macht liegt eigentlich bei denen, die in der Schule unterdrückt werden.
    Die anderen haben nur das Gewaltmonopol auf ihrer Seite.

  3. Ein Spaziergang wird das nicht. Denn es bringt dem Staat so einige Vorteile seine Bürger selber zu bilden.
    Ich denke aber, dass es mit einer zentralen Koordination einfacher wird (welches Organ diese Funktion übernehmen muss man sich auch noch überlegen – vielleicht sogar ein ausgewanderter Homeschooler im Ausland).

  4. „Hinreichend viele Boykottierer“ – das ist der Knackpunkt. Wie findet man genügend Leute, die bei einem Boykott mitmachen?

  5. Hinreichend viele ist Gottseidank relativ. Boykottiert eine ganze Schulklasse geschlossen, ist der Staat schon recht hilflos.. boykottieren aber 30 Leute über ganz Deutschland verteilt kann der Staat alle seine Waffen anwenden.
    Am 12. Nov findet ja der so genannte Schulstreik statt (allerdings ist er nicht unbefristet, bis zur Verbesserung der Umstände) damit ist das eigentlich ja nur eine Demo.
    Hier muss man Aufklärungsarbeit leisten. Gemeinsam Ziele formulieren. Darüber hinaus gilt es Multiplikatoren zu finden und zu überzeugen… Warst Du schon im Netzwerk-Bildungsfreiheit (www.netzwerk-bildungsfreiheit.de)? Hier kannst Du sehen, Unschooler und Menschen, die sich für freie Bildung einsetzen sind nicht alleine auf der Welt. Wir sind jetzt schon viele. Aber die Arbeit beginnt erst.

  6. gibt es hier einen c. b. oder so?
    er ist schülersprecher der gesamtschule schinkel
    und ich hätte einige frage an ihn.

  7. Hallo Alice,
    bitte keine echten Namen von anderen Leuten (Deinen eigenen darfst Du gerne nennen).
    Wie kommst Du denn genau hierher um nach diesem C. B. an der Schinkel zu fragen?

  8. Hallo –
    den Boykott-Gedanken hatte ich auch schon, habe es dann aber aus Angst aufgegeben.
    Wie erkläre ich die Idee meinen jüngeren Kindern? Sie WOLLEN zu Hause lernen , müssen aber die meiste Zeit doch in die Schule. Sie können also keine ECHTEN Freilerner werden, sind dann aber auch keine ECHTEN Schüler mehr. Mein Sohn boykottiert jetzt schon, indem er nur noch liest, was er will, nichts für die Schule tut und schlechtere Zeugnisse bekommt, als er normalerweise hätte. So bekommt er sicherlich einen schlechten Abschluß, obwohl er als Freilerner mit Sicherheit exzellent wäre…
    Aber er ist auch innerlich nicht frei, wie ein unschooler es wäre… Es ist nichts Halbes und nichts Ganzes und ich würde am liebsten sofort auswandern, kann es aber aufgrund der Arbeitssituation nicht, denn leben müssen wir auch irgendwo von.
    HILFE, ich weiß nicht was tun.
    Boykott würde nur in großem Stil Sinn machen, aber alle (die ich so kenne) haben Angst vor Strafe, oder Angst, dass die Kinder/ ihr persönliches Lernen selber darunter leiden…

    Liebe Grüße

  9. Hallo Revolutionist,

    den Boykott-Gedanken haben wir dann wohl beide hinter uns 🙂
    Kinder sollen natürlich weiter boykottieren, wenn sie sich danach fühlen und die Sch… einfach nicht zu ihnen passt.
    Mein Ansatz ist jetzt, zu zeigen was freie Bildung heißt und neue Bildungsmöglichkeiten zu schaffen. Diese demontieren die alten Strukturen von alleine.
    (PS: Ich hab hier eine Mailingliste für Deschooling-Diskussion – vielleicht kommen über die ein paar gute Ideen zustande )

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