2 Monate Windelfrei

Sanji ist windelfrei – das ist nun das 2te Monat.

Heute waren wir mit der S-Bahn unterwegs. Es war eine ca. 40 Minuten-Fahrt ohne Umsteigen.

Auf einmal musste Sanji. Selbst wenn wir ausgestiegen wären, wären wir nur in irgendeinem S-Bahn-Schacht gewesen und hätten 40 Minuten auf die nächste S-Bahn warten müssen (in der Kälte!! ). Doch Sanji bat förmlich darum auf die Toilette gehen zu dürfen. Wenn er schon Worte artikulieren könnte, hätte es nicht deutlicher sein können. Er sagte auf seine prä-verbale Art: „Ich muss jetzt wirklich auf die Toilette – ganz dringend, ich kann es noch ein paar Minuten aushalten, aber länger nicht mehr – bitte bringt mich an einen Ort, wo ich mich erleichtern kann“.

Doch wir mussten ihn in seine Windel machen lassen. Es hat sich für uns beide ganz schlecht angefühlt. Total komisch. Als wir ausstiegen, fragte ich die Mummy1000Sunny „ob Sanji jetzt in die Badewanne müsste?“ Dann erinnerte ich mich, dass es früher ja nur so war. Doch jetzt erscheint es uns so abscheulich, gleich der Vorstellung es einem erwachsenen Menschen aufzubürden.

Das ist wohl der Point Of No Return. Und den haben wir ganz eindeutig überschritten. Das ist wohl der Punkt, wo man nicht mehr darüber reden darf – ausser mit Gleichgesinnten – sonst fühlen sich andere Eltern leicht angegriffen.

Manchmal denke ich mir: „Wir können uns doch nicht noch weiter von der Mainstream-Kultur entfernen, was den Umgang mit unseren Kindern betrifft – irgendwann verstehen die Leute unsere Sprache nicht mehr“ – und dann kommt wieder etwas Neues. Und es fühlt sich wieder so richtig an. Und schon nach kurzer Zeit kann man nicht mehr verstehen, wie man jemals etwas anderes machen konnte – geschweige denn für normal halten konnte.

Doch der Mainstream scheint irgendwie alles falsch zu machen. So leid es mir tut, und so gerne ich etwas Versöhnlicheres über den Umgang in der heutigen Zeit mit Kindern schreiben würde, ich kann es nicht anders ausdrücken. Und all diese kulturellen Errungenschaften von Windeln über Kindergarten, Loben und Schulzwang – es erscheint mir mittlerweile alles so falsch. Kontraproduktive, kulturelle Schrullen, die durch jahrzehntelanges Wiederholen den Status von Dogmen erreicht haben.

Es ist schon deprimierend; nichts was unsere Mainstream-Kultur mich über den Umgang mit Kindern gelehrt hat war richtig oder irgendwie produktiv. Das meiste ist sogar schädlich. Ich sehe das jeden Tag, wie andere Kinder sich irgendwo auf den Boden werfen und schreien. Oder total klare Jugendliche liefer sich die heftigsten Kämpfe mit ihren Eltern, „weil halt gerade pubertät ist“. Ich hoffe es gibt Leute da draußen, die eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Kultur empfinden.

Je erfüllender die Beziehung zu meinen Kindern wird, desto weiter drifte ich von der Mainstream-Kultur ab. Und je weiter ich abdrifte, desto gesünder und einfacher wird das Leben mit unseren Kindern.

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2 Kommentare zu “2 Monate Windelfrei

  1. Das komische ist, dass ich immer denke, dass das doch alles ’normal‘ ist. Also, dass alle so denken wie ich, da es mir so selbstverständlich vorkommt.
    Es ist schon so in mich übergegangen, dass ich es mir anders nicht mal mehr vorstellen kann.
    Verstehst du, was ich meine?
    Wir machen so vieles ‚anders‘ als der sogenannte Mainstream. Aber bei drei Kindern kommt es mir nicht mehr ‚anders‘ vor, sondern vollkommen natürlich – wie das Selbstverständlichste auf der Welt. 🙂

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