Papa über Bildung

Da ich öfter gefragt werde, was denn Bildung für mich bedeute, will ich hier einmal dazu Stellung nehmen.
Ich setze jetzt einfach mal meine persönliche Bildungshierarchie hier auf, so wie ich sie empfinde:

Bildung 0.1 Fremdgesteuertes Lernen nach ideologisch vorgegebenen Inhalten, Ruhe und Ordnung über Kreativität

Bildung 0.5 Spielerisches Lernen ideologisch vorgegebener Inhalte

Bildung 1.0 Freies Lernen frei gewählter Inhalte

Bildung 2.0 Freies Lernen frei gewählter Inhalte + Selbst kreierte Inhalte (wie in Wikipedia) + Selbst-Evaluierung

Bildung 3.0: Bildung 2.0 + Benützung aller technischen Hilfsmittel und stetige Verfeinerung und Neuexperimentieren der eigenen, individuellen Methodik.

Ein Entwurf der Mainstream-Schule konkret:

Hier richte ich mich primär nach dem Mini-München Konzept. Mini-München kann man sich wie eine Art Super-Sudbury vorstellen.

Zusätzliche Erweiterungen sind: Kinder können „echte Studiengänge“ anfangen. Hier kann man studieren; aus den Büchern für Erwachsene oder auch aus vereinfachten Büchern.

Besonderes Merkmal: Kinder dürfen auch Jura studieren. Eltern aus der „realen Welt“ können wirksame gerichtliche Vorladungen bekommen, sollten sie bei der Erziehung gegen ihre Kinder unfaire Mittel angewandt haben. Dort kommen sie vor ein Kindergericht, das aber einer normalen Gerichtsbarkeit gleichgestellt ist. Statt Bestrafung sollen hier Lösungen gefunden werden (hier bin ich aber gedanklich noch nicht sehr weit).

——–

Für alle, die jetzt erwartet haben, dass ich sage Bildung ist: Buch1 + Buch2 + Buch3 + Fachgebiet Y – denen will ich sagen: Ich kann nicht in die Zukunft blicken, ich weiß nicht, was unsere Kinder später einmal brauchen werden. Ich kann auch nicht in die Köpfe aller Kinder blicken und weiß nicht, was sie gerade interessiert.

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Für alle die jetzt sagen: Wir Erwachsene bezahlen aber die Bildung unserer Kinder; dies geschieht im Sinne eines Generationenvertrages. Haben wir denn jetzt gar kein Recht mehr die Inhalte mitzubestimmen? Schließlich wollen wir, wenn wir in Rente sind, z.B. auch Ärzte haben.

A.) Ich bin der Meinung, wer seine Kinder liebt, der braucht gar keinen Vertrag mit ihnen.

B.) Natürlich haben wir ein Mitbestimmungsrecht. Aber dieses ist sehr klein. Wir dürfen von unseren Kindern erwarten, dass sie auch bestimmte Fähigkeiten ausbilden, die wir (und sie) später mal zum Leben benötigen. Hier würde ich eine Art Belohnung vorschlagen. Das hat die Real-Wirtschaft aber schon umgesetzt und wir brauchen keine Erweiterung mehr. Z.B. ist Arzt ein sehr hoch angesehener Beruf, wohingegen Lehrer gerade abstürzt, Universitäts-Professor aber ein Hoch nach dem anderen feiert.

Die staatliche Schule stelle ich mir als sinnvolle Ergänzung zu Homeschooling vor 🙂 – dennoch sollte Unschooling auf jeden Fall einen Anteil von 40 % in der Bevölkerung haben (Wunschtraum)

Um Selbstbestimmung zu fördern, ist der erste Schritt ein Bildungsgeld für Kinder einzuführen. Ob sie dieses dann an staatlichen Schulen oder an privaten Schulen oder in einer Buchhandlung ausgeben (oder dafür sorgen, dass die Familie in ein Umfeld ziehen kann, wo Lernen überhaupt möglich ist und kein Blei in den Wasserleitungen ist), das muss den Kindern und Familien überlassen werden. Da staatliche Schulen und private Schulen nun frei und unabhängig von der sozialen Schicht konkurrieren (keine Zuschüsse mehr, Finanzierung nur durch Bildungsgeld von Kunden) werden sich die Schulen sehr schnell den Bedürfnissen der Lernenden anpassen. (Also weg von der erzwungenen Planwirtschaft).

Aktuell sind die staatlichen Schulen zwar kostenlos, aber das bedeutet nur, dass man nicht die Freiheit hat bei einem Angebot zu wählen. Ein Bildungsgeld und deckende Bildungsgebühren (erhoben von den jeweiligen Anbietern) befreit von allen staatlichen Zwängen würden eine neue Ära einläuten.

In der Hoffnung auf blühende Bildungslandschaften.

Papa

PS: Und was war Papas Karriere in Mini-München? Erst gab ich Skateboard-Kurse, dann Taxi-Fahrer, dann gab ich Computer-Kurse und dann wieder Taxi-Fahrer (hat sich aber voll gelohnt 🙂  ) – ich habe nämlich die Eltern immer gegen echtes Geld zur U-Bahn chauffiert.

Ein Kommentar zu “Papa über Bildung

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