Ein sehr inspirierender Talk

Als ich damals Ken Robinsons Talk auf Ted gehört habe: Do schools kill creativity

http://www.youtube.com/watch?v=iG9CE55wbtY

habe ich nur gedacht: „Oh der nächste Schulreformer will die nächste Lehrplanänderung ankurbeln“

 

Doch jetzt habe ich diesen Talk gefunden, von einem 13 jährigen Jungen, dessen Eltern damals Sir Ken Robinson hörten.

Und was haben sie als Reaktion darauf gemacht? Sie haben ihren Sohn aus der Schule genommen.

Und jetzt ein paar Jahre später hält er selbst einen Talk auf Ted. Wie cool ist das? Und er hat sich noch zusätzlich mit der Frage beschäftigt, wie man glücklich wird und was glücklich sein bedeutet.

Man muss sich diesen Kontrast vorstellen, hätten die Eltern ihn in der Schule gelassen. Er würde immer noch bedeutungslose Übungsaufgaben zu bedeutungslosen Fächern machen, deren Fragen schon längst alle 10.000 Male beantwortet wurden und die bedeutungslos für sein ganzes Leben sein würden. Korrigiert von bedeutungslosen Menschen, die grau in grau ihr Leben dort fristen um bedeutungslose Gehälter zu bekommen und sich einzureden etwas Gutes, etwas Soziales, etwas Wichtiges zu tun.

Weder er noch seine Mitschüler noch seine Lehrer hätten dort jemals irgendwas gemacht, was Impact gehabt hätte. Bedeutung. Und ich denke die Bedeutung ist es, was unserem Leben einem Sinn gibt und uns zu erfüllten Menschen macht. Und was den Unterschied macht, zwischen einem Leben das nicht gelebt wurde und einem Leben.

Natürlich finden noch die allermeisten Menschen ihre Bedeutung dann später in ihrem Leben, sei es in Arbeit, Beruf, sozialem Engagement… halt überall nur nicht in der … wie hieß sie noch mal? Vergessen… war wahrscheinlich bedeutungslos.

Ich denke diese Eltern haben ihrem Kind das größte Geschenk gemacht, sie sind gegen eine restriktive Gesellschaft aufgestanden, haben das Dogma hinterfragt und ihm zuallerletzt die Freiheit geschenkt. Und damit auch eine Chance seine Bedeutung früher zu finden… und nicht erst einen der schönsten Teile seines Lebens in der Bedeutungslosigkeit verwesen zu lassen. Was so eine Entscheidung und so ein Leben bedeutet kann man an diesem Jungen wirklich gut sehen:

http://www.youtube.com/watch?v=h11u3vtcpaY

 

 

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Schul-Ausstiegs-Empfehlungen

Ich höre immer wieder von Kindern, die gerne in die Schule gehen und da richtig hinwollen. Ich finde das ein interessantes Phänomen: Auf der einen Seite die revolutionären Eltern, auf der anderen Seite die spießigen Kinder die (ums mal zu übertreiben).

Für all diese leidgeplagten Eltern will ich hier mal ein paar leichte Einstiege ins Deschooling und Unschooling geben, die sie vielleicht mit ihren Kindern zusammen genießen können und dann drüber reden können. Das schlimmste ist ja, wenn es aufgrund von verschiedenen Wertvorstellungen zwischen Eltern und Kindern zu einer Kommunikationsblockade kommt. Also, dass man sich nichts mehr zu sagen hat, weil ein gegenseitiges Verständnis fehlt. (Wobei verschiedene Wertvorstellungen an sich auch bereichernd sein können und für gute Gespräche sorgen können, also spreche ich nur den Blockadefall an).

Also:

1.) Fight Club (der absolute Deschooling-Top-Tipp für mich)

2.) Das Milgram Experiment (auch als Film)

3.) und natürlich „One Piece“ (die ultimative Serie um Unschooling zu verstehen)

und hier die Englische Übersetzung des Liedes:

 

Stadtgründungsfest

Mummy 1000Sunny

Eindrücke vom Stadtgründungsfest:

Es gab jede Menge zu sehen und zu hören, doch das beste war der Handwerks-hof für Kinder:

Ein Töpferer war da, und machte mit jedem Kind ein Ton-gefäß. Er war super-geduldig und lehnte kein Kind ab (zu klein). Ihm verging auch bei der immer wachsenden Schlange vor seiner „Werkstantt“ nicht einmal die Lust.

Vorallem Chopper hatte große Freude daran nützliche Dinge herzustellen. Wir haben jetzt eine Kupfer-Schöpflöffel, einen Holz Schaber, 3 Vasen und eine Schale, und viele Bilder.

Nami fühlte sich mehrzur Küche gezogen, wo es über dem Feuer gekochte Gemüsesuppe mit Kräuterfladen gab.

Vorallem beim Töpfern fiel mir eine Sache auf: Obwohl mir alle meine Kinder sehr unterschiedlich erscheinen, hatten sie dort – gegenüber den anderen Kindern – eine große Gemeinsamkeit. Wo andere Kinder sofort „parierten“ wenn der Töpferer Anweisungen gab („und jetzt die Finger zusammen, so“), und sofort vom Ton abliesen, wenn er seine Hände wegnahm, machten Chopper und Nami einfach weiter, was sie zuletzt gemacht hatten. Oder sie probierten selber etwas, wie sie es meinten. Sie ernteten auch viel „nein, nein, lass mich Deine Hände wieder halten!“. Jetzt wollen beide unbedingt wieder töpfern, sobald es geht. Und sägen.


Lernen aus der Konserve

Das Internet  ist für viele die Lernressource Nr.1 geworden. Überall findet man Vorlesungen, Sprachkurse und jeden Tag gründet sich ein neues Startup mit irgendeinem hilfreichen Werkzeug (Mindmaps, Notizblöcke, …) oder ein Verein bringt eine wichtige Funktionalität der Schule online (z.B. freie und kooperative Schulbücher) – die Industrie verwöhnt uns mit tragbaren Geräten, die uns vorlesen und nur ein paar Gramm wiegen (die teuersten sind so billig, wie ein Fernseher vor ein paar Jahren).

Diese Ressourcen sind meist phänomenal und der Schrott ist schnell aussortiert – wobei selbst dieses aussortieren andere Blogger machen und man sich eigentlich nur noch (wie im Schlaraffenland) in den Schatten der Bäume legen muss, aus dem Milchbach trinken kann und wartet bis einem die gebratenen Hühnchen in den Mund fliegen.

Kurz gesagt: Wir sind da (außer Deutschland, die noch versuchen das Bildungskaiserreich zu errichten – aber die paar Quadratkilometer kann man -global gesehen- ignorieren). Also noch mal: Wir sind da! Applaus!

In diesem Stadium ist es belustigend zu hören, dass manche das Lernen aus dem Internet als Konserven-Lernen betrachten.

Wenn wir uns nur den Ausdruck Konserve anschauen, dann ist es klar, dass alles und jeder der konserviert (also existierendes Wissen trägt/aufbereitet) eine Art Konservator ist und die Wissensvermittler allesamt Konserven.

Die billigste Konserve – die uns aber auch den Gedanken der frischen Frucht am nähesten bringt – (ist) und war das Buch.

Die teuerste Konserve – mit der größten Schwankungsbreite zur originalen Quelle – ist der Lehrer (oder früher der Priester).

Es gibt nun Menschen mit gar schlichtem Gemüt die denken, dass ein Lehrer, der das Wissen konserviert allein aufgrund seiner Bewegungsfähigkeit keine Konserve wäre! Ihre Argumentation ist, dass sie noch nie eine Konserve gesehen haben, deren Inhalt sich bewegt – und wenn, dann nur weil der Kühlschrank ausgefallen war und die Konserve schon länger geöffnet drinnen stand.

Nun stimmt dieser eine Unterschied nicht mehr, seitdem die Bilder angefangen haben sich zu bewegen.

Der nächste Unterschied wäre nun, dass man nur eine Richtung hat und die Rückrichtung fehlt. Also der „konservierte Lehrer“ kann einem zwar etwas beibringen, aber man kann ihn nicht mehr mit Fragen löchern. Dieses stimmt jedoch auch nicht mehr, seit dem überall Kommentarfunktionen und EMail-Buttons sind und das einzige, was einen Lehrenden am Antworten hindert sein Tod ist.

Der nächste gewichtige Unterschied ist natürlich, dass man seinen Lehrer nicht anfassen kann – und er einen auch nicht. Nun ist das auch nicht so ein immenser Unterschied, da ja anfassen von Lehrern und Schülern sowieso verboten ist und ich auch keinen Schüler kenne, der während einer Unterrichtsstunde über Integralrechnen vom Lehrer gestreichelt wurde.

Was bleibt also für ein Unterschied? Nüchtern betrachtet: Nichts. Eine Konserve bleibt eine Konserve. Sie konserviert erarbeitetes Wissen und gibt es wieder sobald jemand es haben will.

Wobei hier ist schon der gewaltige Unterschied, ein echter Lehrer, der mir aus Fleisch und Blut gegenübersteht hat Bedürfnisse und ist ein Mensch. Ich kann ihn nicht mit auf einen Spaziergang in den Wald nehmen, wo ich mich nur auf ihn konzentriere. Ich kann ihn nicht auf den Spielplatz mitnehmen und während er seine Korollare runterspult und nur 10% meiner Aufmerksamkeit benötigt werden noch nebenbei mit meinen Kindern spielen – oder einkaufen gehen.

Ich kann auch nicht vor- und zurückspulen. Oder für eine Wiederholung 5 Minuten überspringen, 10 Sekunden anhören, 5 Minuten überspringen, 10 Sekunden anhören usw. Oder wenn ich es kurz machen will mir eine Konserve mit 1,5-facher Geschwindigkeit reinziehen. Was zu erhöhter Aufmerksamkeit führt! All dieses macht aber der Lerner2.0 mittlerweile. Ich kann auch nicht an drei schlechten Tagen nicht zur Vorlesung gehen, während ich dann an einem guten Tag ein komplettes 10er-Pack bearbeite. Bookmarks setzen! Pause drücken! Originaltexte in diesen Pausen bearbeiten! Lauter stellen! Leiser stellen! Abschalten! All das geht für den neuen Lerner.

Die Überlegenheit von Lernen2.0 wurde mittlerweile schon untersucht. So wurden die Vorlesungen gehalten und gleichzeitig aufgezeichnet. Eine Gruppe Studenten „durfte“ in die Vorlesungen kommen, die andere Gruppe wurde gebeten zu Hause zu bleiben und nicht zu kommen („echte“ Hörsäle und Klassenzimmer haben ja immer noch Platzprobleme). Während also die einen entspannt zu Hause lernen mussten, wann sie wollten bekamen die anderen das Privileg sich zu einer bestimmten Zeit in einen engen Raum quetschen um dem Lehrer ohne Unterbrechung zu lauschen (Essen war erlaubt, Spazierengehen eher nicht, den Lehrer um eine Pause zu beten um sich unterhalten zu dürfen war nicht einmal gestattet, wenn es dazu dienen sollte sich über den Stoff auszutauschen).

Am Ende wurden dann beide Gruppen gemeinsam geprüft. Und siehe da: Die Lerner2.0 waren wirklich den Präsenz-Studenten überlegen. Durch die Bank!

Und das obwohl ihre Anwesenheit nicht überwacht wurde, sie nicht ermahnt wurden, wenn sie „schwätzten“ und niemand sie zwang zwischen 8.00 und 8.45 konzentriert zuzuhören.

Ja, man möchte es gar nicht glauben.

Wie werden die deutschen Kultusministerien darauf reagieren? Nun, zuerst werden sie erst einmal leugnen, verzerren, ignorieren und anfechten. Wenn dann -internationalen Vergleichen sei Dank- das deutsche „Bildungssystem“ auf dem letzten Platz landet werden sie zögerlich die Erkenntnisse umsetzen. Stets darauf bedacht, dass sich keine Parallelgesellschaften bilden und auch die terroristisch veranlagten Eltern ihre Kinder nicht in Al-Kaida-Scientology-Camps aufwachsen lassen (eine der Hauptbeschäftigungen deutscher Terroristen-Eltern, vor denen sich die Regierung von Rot bis Blau fürchtet).

Die Schule/Uni2.0 wird also so aussehen. Es gibt einen Raum in dem die Schüler sich zusammen mit einem Überwachungsspezialisten aufhalten (dieses wird in der Übergangsphase ein Polizeibeamter sein – oder ein Kinderpsychologe). Die Kinder werden dort alle Notebooks, Kindles und Mp3-Player haben (Schul- und Staatseigentum, das Mitbringen eigener Geräte wird weiterhin verboten sein). Im Nebenraum wird ein Lehrer den Unterricht halten und auf Fragen direkt über Twitter eingehen. Dieses wird aufgezeichnet und kann dann im Internet von den Schülern im anderen Raum über Youtube abgerufen werden. Der Zugriff ist über IP aber auf das Schulgebäude beschränkt, hier wird es einen Staatsvertrag mit Youtube geben.

Das Kultusministerium wird dieses als ungeheuren Fortschritt verkaufen – allerdings werden die Mehrkosten das Geld für die Schulrenovierung auffressen und während alle anderen Völker schon im Bildungsschlaraffenland, kooperativ und dezentral lernen, werden die deutschen Schüler in maroden Gebäuden weiterhin auf das Funktionieren in der industriellen Fertigungslandschaft des 19.Jhds vorbereitet. Die Webmaschinen und Stahlwalzen sind nun durch Notebooks ersetzt und aus dem damaligen Fabrikarbeiter wurde der moderne Wissens-Fabrik-Arbeiter.

Für alle Eltern, die ihren Kindern ein freies Leben wünschen (und auch für sich selbst) gilt es Deutschland großräumig zu umfahren.

Hier die Keynote on Open-Education (großartig! )

Wenn Unschooler aufwachen…

Jeden Morgen, wenn die Sonne aufgegangen ist, wacht erst der eine und dann der andere auf. Kurz darauf der Sanji. Während dann Sanji schon herumklettert, ich ein bisschen lese und auch schon Chopper im anderen Zimmer ein Lustiges Taschenbuch aufgeschlagen hat, wacht langsam der nächste auf. Und Nami schläft noch etwas weiter… oder auch länger.

Irgendwann kommt dann Chopper und trägt sein Spielzeug vom Playroom zu unserem Zimmer und langsam füllt sich das Aufwachen mit Geräuschen. Inzwischen ist auch Nami wach und fängt an zu singen, und auch Chopper singt einen kleinen Marsch vor sich hin. Es ist als ob die Geräusche – ähnlich wie die Sonne – aufgehen. Und der Tag belebt sich immer mehr, bis dann der eine oder die andere aufsteht und auch anfängt dies oder jenes zu tun.

Und innerhalb von einer halben Stunde ist aus dem leisen Atmen im Schlaf ein lautes und singendes Leben geworden, das am Computer oder am Frühstückstisch klappert und es dauert nicht mehr lange, da „fliegen die ersten aus dem Stock“ und Dreiräder, Laufräder und Fahrräder setzen sich in Bewegung und wir machen alles mögliche und genießen die Zeit, die wir miteinander verbringen. Immer und überall treffen wir neue Leute und finden die Kinder neue Herausforderungen.

Bis wir dann nachts – total erschöpft – noch ein bisschen lesen und den Kindern vor lauter Müdigkeit und Erschöpfung die Bücher aus den Händen fallen. Oder Nami an uns vorbeischleicht und sich noch verabschiedet mit den Worten: „I’m going to bed now“ und 3 Minuten später schon schläft.

Kein Wecker, kein Gong – nur der eigene Rhythmus des Lebens.

Nami und Chopper

Vorgestern habe ich mit den Kindern vor dem Supermarkt balancieren geübt.

Erst hielt ich beide an der Hand und begleitete sie rüber. Als nächstes nahm ich immer nur einen abwechselnd und wollte sie nur auffangen, sobald sie das Gleichgewicht verloren.

Chopper griff beim kleinsten Ruckeln sofort nach mir und versuchte gar nicht sich selber auszugleichen. Er konzentrierte sich auf das Fallen und war eigentlich nicht zu einem eigenständigen balancieren zu bewegen.

Nami auf der anderen Seite konzentrierte sich aufs balancieren, lernte recht schnell, wie sie sich selber ausgleichen konnte und kicherte die ganze Zeit und besonders, wenn sie umkippte und ich sie auffing.

Auch bei anderen Sachen ist Nami immer sehr mutig und offensiv im Umgang mit allen (manchmal zu offensiv, dass sie sich sogar Autos in den Weg stellt, die ihr auf einem Parkplatz entgegenkommen :O ). Chopper dagegen ist immer sehr defensiv und teilweise scheint ihm das Vertrauen zu fehlen – das ist schon seit ein paar Jahren so.

Vielleicht haben wir es mit Chopper am Anfang überspannt und von ihm immer Sachen erwartet, die er noch nicht konnte und ihm so Angst gemacht. Vielleicht ist es aber auch seine Natur.

Das Gute ist, dass in einem industriellen Lernumfeld mindestens einer von ihnen untergehen würde. Im natürlich Leben können wir auf diese Verschiedenheit Rücksicht nehmen, auf sie eingehen und sie annehmen. Dafür bin ich dankbar, dass wir unsere Kinder so gut kennenlernen können und mit ihnen lernen, leben und wachsen. Ohne uns zu entfremden und bestimmte – gesellschaftlich gewollte – Eigenschaften mehr schätzen. Und dass wir nicht auf das andere Verhalten mehr Druck ausüben um ihn auch „gesellschaftlich gewollt“ zu machen. Wir können unseren Kindern die Sozialisation ersparen und sie anstatt dessen so annehmen, wie sie sind.

Wir können ihre Natur kennenlernen anstatt ihre Unterschiede zu unserer künstlichen Welt zu unterdrücken.

Wir können sie beobachten und unterstützen anstatt sie mit all unserer Kraft zu verändern und so ihr Vertrauen in unsere Unterstützung zu untergraben.

Unschooling – so mache ich das

—Vorgeschichte—-

In einem „Offenen Brief an alle Bildner“ (Educators) wurde behauptet, dass der Wert von Informationen gegen 0 tendiere, lernen damit für’n Arsch sei und man lieber gleich zu leben anfangen sollte.

Dieses wurde bei Rete-Mirabile aufgegriffen und die 3 Hauptthesen diskutiert. Meine Meinung war, dass die Information zwar stetig entwertet wird, dafür die Interpretation immer teurer wird, Lernen direkt ins Leben gehört, also man wirklich anfangen soll zu leben, und damit käme auch das richtige Leben (eine typische Unschooler-Position eben 🙂 ).

In der weiteren Diskussion fiel mir ein großer Unterschied zwischen dem Verhältnis zwischen meinen „Schülern“ und mir auf und dem der Lehrer und ihren Schülern. Die Frage war: woher mittlerweile Inhalte kämen, ob das Internet schon so weit ist? Verwies dabei auf iTunesU, nalandaU.com, academicearth.org. Insbesondere liegt mir Librivox sehr am Herzen. Die Lehrer meinten darauf, dass die Qualität von Librivox aber nicht für den Unterricht reichte. Woher kommt dieser Unterschied zwischen meiner Wahrnehmung und ihrer? Und hier kommt der Punkt, wie ich Unschooling betreibe ins Spiel.

—-Des Pudels Kern—–

Unschooling bedeutet für mich in erster Linie, dass jeder in unserer Familie ein Unschooler ist. Nicht nur die Kinder ge-unschooled werden, sondern insbesondere auch Mama und Papa (und die ganze Community).

Wenn ich also Materialien suche, dann sind die (und das mag die meisten schockieren) für mich. Und nur für mich. Ich interessiere mich gar nicht, was die Kinder zur Zeit interessiert. Ich habe ein Wissen, von da aus will ich weiterarbeiten und die Welt besser durchdringen und verstehen. Und danach richtet sich all meine Auswahl. Nach überhaupt nichts anderem und nach überhaupt niemand anderem.

Das bedeutet also, dass ich Librivox gut finde, weil es für mich die richtigen Dinge bietet. Ich finde dort Humboldt, Augustinus von Hippo, Dostojevski, Mill, Bakunin, Adam Smith und Marx. In der Bücherei hole ich mir noch Ernest Gellner, Buddhismus und Gestalttherapie. Aber was zum Teufel sollen die Kinder mit Philosophie, Politik, Wirtschaft und Nationalismusforschung sowie Angstbewältigung. Nichts. Es ist für mich.

Das klingt wahrscheinlich für viele jetzt sehr egoistisch und ich will da auch gar nicht widersprechen. Aber ich will versuchen hier zu erklären, wie ich Unschooling verstehe. Beim Unschooling versuche ich nicht die besten Materialien zu finden, die die Kinder lernen sollen, sondern ich versuche der beste Mensch zu werden, der ich werden kann. Damit werde ich selbst das Material. Sie bekommen einen authentischen Menschen, der versucht sein Leben komplett zu verstehen und es zu meistern.  Und dabei geht es bei der Befreiung aus dem künstlichen Kontext Schule, in dem Kinder nur Menschen vorfinden, die darauf optimiert wurden sie auf den Lehrplan und ein Funktionieren in der Gesellschaft zu optimieren.

Sie bekommen einen echten Menschen, mit Problemen, mit Hoffnungen, mit Wünschen, Wutausbrüchen (keine Angst, sind sehr gemäßigt), Ängsten, Träumen und dem stetigen Ziel sein „Telos“ – den Zweck seines Lebens – zu erfüllen. Und dadurch, dass ich Leben und Lernen vereinige, ja eigentlich überhaupt gar nicht erst trenne bekommen sie noch einen „Lehrer“, der stets lernt und immer neue inspirierende Dinge bietet. Nicht weil ich Stoff für sie suche, sondern weil meine aktuellen Dinge (wie alle Dinge auf der Welt) interessant sind. Und auch ein paar interessante Aspekte für die Menschen in meiner Umgebung bieten. An diesen Aspekten lernen sie jetzt nicht unbedingt, aber sie beginnen sich auch Fragen zu stellen.

So bereite ich nie Unterricht vor, oder Lektionen, sondern ich lebe und wachse. Und wenn wir in die Bibliothek gehen, dann suche ich meine Dinge und sie suchen ihre Dinge (ich helfe ihnen nur die Scheu in den Gesprächen mit den Bibliotheksangestellten zu überwinden). Und so stellt Chopper auch nicht in den Mittelpunkt, was mich interessiert, oder Nami; sondern er interessiert sich nur für das, was ihn eben interessiert. (Was für eine triviale Erkenntnis). Und das ist auch das einzige, was ihn optimal erreicht und ihn am besten unterstützt er selbst zu sein und sein Leben zu finden.

So vermeide ich den einen großen Fehler, der die Schule beherrscht und von dem sie sich nicht losreißen kann. Ein Fehler, in meinen Augen, der uns allen als fundamentale Wahrheit erscheint. Wir wollen, dass sich die Kinder für das interessieren, wofür wir uns interessieren. Und wir wollen sie dafür interessieren, dazu motivieren. Im Gegenzug bereiten wir unser Wissen und unsere Interessen so auf, dass die Kinder es verstehen können. Und das ist falsch. In meinen Augen führt das zu mehreren Problemen.

Einmal schätzen wir die Kultur der Kinder damit nicht, wir hindern sie konsistent zu reifen.

Dann sind wir enttäuscht, wenn sie sich nicht für „das Richtige“ interessieren. (also für unseren Kram)

Und wir bleiben selbst oberflächlich, weil wir dauernd portionieren, aufbereiten und verlehrplanen. Anstatt, dass wir immer tiefer und weiter forschen.

Das ganze führt zu einer erzwungenen Konvergenz, wo sich beide Seiten gegenüberstehen und oft schwächen, anstatt sich bestmöglichst zu entwickeln.

Wie sähe eine Klasse von 30, 40 oder 100 Kindern aus, die alle nach ihren Interessen forschen und leben würden? Wie sähe ein Lehrer aus, der ein ganzes Leben lang geforscht hätte und nicht an ein Fach gebunden wäre, sondern einfach seine „Zone der nächsten Entwicklung“ stetig ausbaut? Was für eine Welt hätten wir, wenn wir nicht dauernd Wissen wieder und wieder recyceln würden, sondern immer tiefer, breiter und und höher hinaus wollten?

So mache ich Unschooling, indem ich selber Unschooler bin und jede Idee von einem Aufbereiter und Planer loslasse. Ich helfe, wenn ich gebraucht werde und ich antworte und erkläre, wenn ich gefragt werde. Und ich gebe meinen Kindern die Sicherheit, dass ich immer da sein werde, wenn ich gebraucht werde – wenn auch oft versunken in ein Buch, dass nur mich interessiert und nur meine Fragen beantwortet.

Deschooling – immer weiter

Die Schule hinterlässt ja leider bleibende Eindrücke in jedem von uns. Eine der größten Schwierigkeiten, die sie verursacht ist dass sie den Lese-Instinkt zerstört.

Den Lese-Instinkt, wie ich ihn nenne, kann man bei kleinen Kindern, Unbeschulten oder auch sehr hoch gebildeten Menschen beobachten.

Sie nehmen sich einen Text vor und versuchen ihn zu verstehen, dabei kucken sie in dem Text rum, als ob sie in einem Garten Ostereier suchen würden.

Das verschulte Lesen sieht dagegen aus, als ob man ein Briefträger wäre, der jedem Wort in einem Text nach der Reihe seine Aufmerksamkeit zustellen müsste. Dieses wird durch schulische Leseübungen trainiert und gefestigt, in denen man Wort für Wort liest und auch manchmal mit dem Finger unterstützend von Links nach Rechts fährt, ihn am Ende der Zeile hebt und auf den Anfang der nächsten Zeile setzt.

Dieses Verfahren (später ohne Finger) setzt der verschulte Leser fort, bis er das Buch zu Ende gelesen hat. Die Theorie, die die Kultusminister in ihren Kultusministerien dazu phantasieren ist: dass man einen Text verstanden hat, sobald man jedes Wort einmal angekuckt hat und sich innerlich vorgelesen hat. Da die meisten Leser dann den Wald vor lauter Wörtern nicht mehr sehen, wurden allerlei Techniken oben drauf gesetzt, die darauf abzielen, dass man den Text kurz nach dem Lesen zusammenfasst und dann noch einmal liest.

Ich denke, ich habe es jetzt nach über 130 Büchern, zusätzlichen Hörbüchern und Online-Vorlesungen geschafft das Schul-Lesen zu überwinden. Mittlerweile schaue ich wieder in die Texte und suche hier und da und versuche die ganze Zeit das zu verstehen und es mit dem Rest des Buches in Zusammenhang zu bringen und die Theorie mit aktuellem Wissen auszustatten. Zusätzlich male ich dann immer kleine Bilder und versehe die unbekannten Stellen mit Fragen.

Das erstaunliche ist, dass ich schon viel länger wusste, dass mein Schul-Lesen eine lahme Krücke ist, die mir den Text nicht näherbringt – zumindest nicht in dem Rahmen in dem ich Zeit investiere (Schul-Lesen dauert nämlich ewig! Deswegen wurden extra Schnell-Lese-Techniken erfunden und untersucht). Aber immer konnte ich mich nur kurzzeitig vom Schul-Lesen trennen. Es war so dominant und so tief drinnen, dass ich immer wieder in diese spezielle Unfähigkeit zu Lesen zurückfiel.

Immer hatte ich Angst „Das Wichtige“ zu verpassen. Einen Gedanken falsch zu verstehen, da ich das entscheidende Wort überlesen hatte (vielleicht steht ja irgendwo ein „nicht“ ?). Einen Gedanken zu übersehen; und dieser ist gaaanz wichtig – altes Prüfungsstoff-Denken.

Doch all das ist Quatsch. „Das Wichtige“ müsste jeder Text eigentlich hinreichend redundant feststellen. Also beim Kapital wird es wahrscheinlich auch um das Kapital gehen. Und bei Vygotskij um „Denken“ und um „Sprechen“. Verstehe ich am Ende des einen Buches die Rolle des Kapitals nicht und beim anderen den Zusammenhang zwischen Denken und Sprechen nicht, dann (und nur dann) habe ich wahrscheinlich „Das Wichtige“ wirklich und wahrhaftig überlesen. (Oder der Autor ist nicht so begabt, wie man sich das wünschte).

Dass man einen Gedanken falsch versteht kann aber nur vorkommen, wenn man das Gelesene nicht versteht – und zwar das ganze Buch. Versteht man nämlich nur einen Gedanken falsch und den Rest richtig, dann kommt man (mit-denkend) schnell darauf, dass dieser eine Gedanke nicht zum Rest passt. Im Ostereier-Lesen hat man ja einen guten Überblick über die Anordnung der Gedanken, da man sich nicht an jedem Wort vorbeiquält sondern eben dauernd versucht die Inhalte zu erfassen.  Dieser Überblick hilft die Stelle des einen Gedankens noch einmal zu finden und ihn genauer zu betrachten.

Den entscheidenden Gedanken zu übersehen ist genauso unmöglich, da man dann kein gutes Gebäude aus dem Text bauen kann. Er bleibt unzusammenhängend. Hat man ein Buch das sagt aus A folgt B weil C und man versteht C nicht, dann bleibt nur noch aus A folgt B. Der Ostereier-Sucher wird sich fragen: Aber Warum? (Denn es geht ja um das „Warum“).

Jetzt gibt es nur ein Problem, der verschulte Leser (also ich in diesem Fall) muss das erst einmal fühlen(sehen/hören) und dann kapieren. Die Anwendung dieser Erkenntnis muss dann auch nicht mehr „geübt“ oder „trainiert“ werden. Sie ist dann da, alles andere erscheint einem blöd und ineffizient. Lesen, wie die Schafe Gras fressen ist dann einfach nicht mehr im Bereich des Sinnvollen.

Beim Fühlen, denn darauf kommt es ja am meisten an, haben mir insbesondere die Hörbücher von LibriVox zusammen mit dem Buch „Geschichte der politischen Philosophie“ von John Rawls. Das besondere an den LibriVox-Aufnahmen ist, dass ich die Bücher anhöre, und auch wenn ich kurz zwei oder drei Sätze nicht mitbekomme (oder eine ganze Passage) – weil gerade ein Auto oder ein Bus an mir vorbeifährt dennoch den Text verstehe. Zusätzlich ist das Buch von John Rawls sehr wichtig. Es sind Vorlesungen von John Rawls, dort erklärt er die (für ihn) wichtigen politischen Theoretiker: Hobbes, Locke, Hume, Rousseau, J.S. Mill, Marx, Butler, Sidgewick. Der echte Inhalt des Buches ist aber, dass er seinen Studenten eigentlich erklärt, wie er liest.

Und das immer und immer wieder. Man muss versuchen, den Text immer so zu verstehen, wie es der Autor getan hätte (also das Maximum rausholen, das Argument so stark wie möglich machen). Sollte es Ungereimtheiten geben, sollte man davon ausgehen, dass der Autor viel intelligenter war als man selber und diese Ungereimheiten selbst gesehen hat – aber ich (der Leser) den Gedanken noch nicht so kapiert habe, dass ich die Theorie widerspruchsfrei wiedergeben kann. Das macht Rawls ganz bemerkenswert, es gibt nämlich ein paar Stellen, in denen er einen Widerspruch sieht. Dieses führt er konsequent auf sein Unwissen zurück und sucht nach einer Lösung, wie die Theorie doch noch passen kann oder warum es dem Autor wahrscheinlich nicht wichtig war, näher darauf einzugehen.

Ich finde die Vorlesungen von Rawls sind wirklich ein guter Unterricht in echtem Lesen. Ich hoffe (und ich bin irgendwie überzeugt), dass ich meine neue Fähigkeit nicht wieder verliere und in das stumpfsinnige Schul-Lesen zurückfalle. Es ist ein weiterer Schritt auf dem langen Weg des Deschooling und es ist überraschend welche innere Befreiung ich jedes mal verspüre, wenn ich einen weiteren Schritt gemacht habe und eine neue Schul-Schädigung überwunden habe.

Chopper liest so krass wie Feuer

Heute hat Chopper angefangen ganze Absätze vor zu lesen und am Ende jedes Absatzes hat er sich total gefreut.

Zusätzlich hat er sie immer mit sehr seltsamen Beobachtungen kommentiert: „Ich lese so krass wie Feuer“ oder „Da wirst Du echt wütend“ (???) oder „Da wird Dir richtig übel“ (da konnte ich mir nicht verkneifen zu sagen, dass ich 3 Tage lang kotzen werde 🙂 – er meinte dann: Nicht wirklich (was es wohl traf)).

Irgendwann blätterte er vor und sagte: Wenn ich bis dahin lesen kann, dann wird das echt krass sein. (und freute sich)

Er war richtig froh. Ganz am Anfang, im ersten Absatz den er an sich riss, wollte ich die 2.te Zeile lesen, doch er empörte sich sofort, verbot mir zu lesen und fing noch mal von vorne an.

Ich denke, jetzt dauert es noch zwei oder 3 Wochen und er erreicht das Stadium mit dem ich ein routinierter Leser geworden bin: Mit Comics! (von da an dauert es noch 4-6 Jahre bis zu Adorno, aber das hat noch Zeit 🙂 )

Zusätzlich hat er heute angefangen einen Salto zu üben. Nachdem Nami das Stockbett erfolgreich umgebaut hatte und nun immer vom ersten Stock, die Matratze runter in das Erdgeschoss rutschte, fingen beide an Purzelbäume hinunter zu machen. Und ich musste dann ein Video von einem Salto auf Youtube raussuchen. Und zusammen entwickelten wir dann verschiedene Stufen, wie man sich von einem Purzelbaum einem Salto nähert. Morgen ist ja sowieso Zirkus-Training, da kann er dann in die Akrobatik-Gruppe (wenn er mag).

Morgen ist auch Sanjis erster Geburtstag; Chopper hat heute schon den ganzen Tag Karten gemalt, gebastelt und beschriftet. Ich bin wirklich gespannt.

Es ist unglaublich wie Kinder sich übers Lesen lernen freuen und wie es sich in ihr Lebenskontinuum einfügt, wenn man es einfach nur begleitet und nicht forciert (über’s forcieren bin ich mittlerweile gottseidank ziemlich hinweg). Aber so ein bisschen rumlehrern kann man sich wohl beim ersten Kind nicht verkneifen; besonders wenn das Konzept Unschooling und Vertrauen in die natürliche Entwicklung der eigenen Kultur so fremd und unglaubwürdig erscheint.

Choppers Lesespiele

In letzter Zeit habe ich ein paar Dinge gemacht um Chopper, der gerade wieder zu lesen anfängt, ein bisschen zu unterstützen.

Als erstes habe ich mit ihm Lese-Bingo gespielt. Dabei nimmt man ein Feld von Karten mit Wörtern drauf und ordnet es, wie beim Bingo an. Dann sagt man die Wörter und er muss die Karten dazu finden und umdrehen. Ist eine Reihe umgedreht, dann hat er es geschafft – das hat ihm sehr gefallen.

Als nächstes lesen wir jetzt Bücher „gemeinsam“. Das bedeutet ich lese immer so vor und wenn ich auf ein Wort zeige, dann liest er es vor. Am Anfang zeigte ich immer auf das Wort „eine“, „ein“, „einer“, dann kam „kein, keiner, keine“ dazu. Dann kamen die „ist“s dazu und die „nicht“s. Und immer mehr Wörter, dann Hauptwörter usw. Auf der anderen Seite nahmen wir erst Kinderbücher mit großer Fibelschrift und dann immer mehr Bücher mit kleinerer Schrift… bis wir endlich bei den lustigen Taschenbüchern angekommen waren.

Und so kam es, dass wir vorgestern „Kreuz und Quer durch Deutschland“ und gestern „Spiel des Wissens“ gespielt haben (wir hatten noch „Das große Wissensquiz“ aber die Fragen waren so veraltet, dass wir es auf EBay eingestellt haben).

Chopper war so begeistert davon von Planet zu Planet zu reisen und kleine Zwischenstopps auf Kometen zu machen, dass er es sogar auf sich nahm die Fragen vorzulesen – und siehe da, es klappt; wir verstehen die Fragen schon, wenn er sie vorliest (mit ein bisschen nachdenken…).

Zum Ausgleich schaut er sich zur Zeit eine Menge „Donald Duck“ an. Wir müssen dann der Oma immer erklären, dass das schon OK ist und dass er das nach seinen persönlichen Bedürfnissen steuert. Aber sie denkt so sehr in Schulmustern, dass es schwer ist, da irgendwie durchzukommen.