Zwischen Magnolienblättern

Zur Zeit gehe ich manchmal spät spazieren und genieße den Abend, die Luft – die das ganze Leben des neuen Jahres verspricht und berühre den Duft der Blüten die alle gleichzeitig zu kommen scheinen. Die viel früher zu kommen scheinen, so als könne dieser kurze und dunkle Winter gar nicht schnell genug vergessen werden können – und mit ihm der Schnee der sich in meine Seele brannte.

Und dann stehe ich zwischen den Magnolienbäumen… und diese Blätter voller Zartheit… und dieser intensive Duft berühren mich so tief und ich spüre ihre Schönheit mit allen Sinnen. Ein Wind kommt und um mich herum entfaltet sich ein rosa Blütenregen, der in all seiner Intensität und Schönheit schon seinen eigenen Tod ankündigt und dann ist Lily da.

Und immer kommt sie wieder. Und sagt „Hallo Daddy“. Ich gehe spazieren und verliere schon den Weg, bis ich auf einmal vor dem Trauerhilfeinstitut stehe. Und auf dem Weg zur Arbeit, oder beim Tanzkurs steht auf einmal die Dame vor mir, die mir erklärte, wie ich eine Trauerfeier leite. Und oft kommen sie einfach so, die Tränen… bei der Arbeit, vor dem Einschlafen. Ich weine nicht. Aber mir stehen die Tränen tief in den Augen, dass die Welt verschwimmt und irgendein Teil in mir weiterarbeitet während der Rest von mir einfach nur ist und fühlt und gar nichts sonst.

Und dann stehe ich wieder zwischen den Magnolienbäumen. In einem Regen aus Rosa und Weiß und dem zarten Duft und dieser unendlichen Schönheit, die doch so schnell endet. Und immer wieder wiederkommt.

 

 

Intensive Momente

Mummy 1000Sunny

Immer wieder kommen sie, die Erinnerungen an die Lily, und der Wunsch, sie wäre bei uns.

Meistens ist es Nami, die sich wünscht Lily wäre hier. Mal ist es einfach nur ein Seufzen, mal kommen die Tränen.

Gestern war es Sanji. Er wird im Februar 3 Jahre alt, und ich war davon ausgegangen, dass Lily sehr schnell aus Sanjis Bewusstsein verblassen würde. Sicher, er würde wissen, dass Lily unser Baby war, und dass sie nicht bei uns ist, aber ich dachte, das wären alles für ihn recht nüchterne Fakten, nicht mit Schmerz oder Sehnsucht verbunden.

Als er neben mir im Bett lag, trat er fast in meinen Bauch, und kommentierte damit, dass er das ja nicht sollte, da wäre mein Autschi.

Weil die Lily da drin gewesen ist, und dann dort herauskommen musste.

Wo ist die Lily? Auf diese Frage entwickelte sich ein wirklich intensives Gespräch.

Ich meinte, dass das, was von ihr noch übrig ist, in der Urne ist, die neben dem Bett steht. Dass sie zwar nicht mit uns aufwachsen kann, so wie Sanji es kann, aber dass sie dennoch in der Familie ist, in unseren Herzen, und in unseren Gedanken. Dass er ihr großer Bruder ist.

„Aber ich will sie tragen! Hier!“ und zeigte auf seine Brust. Er war wirklich erschüttert, dass er sie nicht herum tragen kann.

Als er sich wieder beruhigt hatte, sagte er er würde aber schon mit uns allen aufwachsen. Er ist ja nicht die Lily, sondern der Sanji. Dann wollte er Lily sehen. Ich schlug vor, die Bilder anzuschauen, die ich im Krankenhaus von ihr gemacht habe. Mir selber fällt es schwer, die Fotos an zu schauen. Auf ihnen sehe ich erst, wie krank sie eigentlich war, wie weit fortgeschritten die Wassereinlagerungen waren. In echt habe ich das nicht gesehen. In echt war sie einfach nur mein wunderschönes Mädchen.

Aber Sanji gefallen die Fotos. Er freut sich, seine Schwester wenigstens so anschauen zu können, die kleinen Details zu sehen.  Er holt die Urne, und will sie aufmachen, um Lily dort zu sehen (was nicht geht, der Deckel ist fest geklebt. Für alle, sich jetzt Gedanken machen.)

Er meint, er hat auch eine Lily in seinem Bauch gehabt. Die ist jetzt nicht mehr dort. Wo ist meine Lily, Mama? Ich sage, vielleicht ist sie zusammen mit unserer Lily, der Lily, die in meinem Bauch gewachsen ist. Mittlerweile sprechen auch Nami und Chopper im anderen Zimmer mit Papa 1000Sunny über Lily.

Dann nimmt Sanji noch die Urne, trägt sie rüber ins andere Zimmer, setzt sich mit ihr zu den anderen dazu, und kuschelt sich dann nach einiger Zeit mit der Urne im Arm neben mich ins Bett. Er sagt mir noch, dass Lily gar nicht in der Urne ist, sie wäre viel zu groß dafür. Lily ist in Karlsruhe.

Ich versuche diesen Schritt auch noch zu erklären, aber da habe ich sogar bei den großen Kindern Schwierigkeiten. Die Vorstellung macht ihnen zuviel Angst. Also lasse ich es bei einem Versuch. Sanji hat sowieso entschieden, dass da Blumen drin sind.

 

Ein Tag mit Sanji

Heute habe ich (dank der Lauterbourger-Zelle) einen Tag allein mit Sanji verbracht……

Sanji geht jetzt ganz stark auf die 3 Jahre zu und ich kann mich voll gut mit ihm unterhalten. Es war so ein richtiger Vater- und Sohn-Tag.

Erst sind wir Zug gefahren und dann ICE (das ist für ihn etwas komplett anderes)…. weil ein ICE ist halt ein ICE. Als wir angekommen sind, haben wir eine lange Fahrt mit der Tram unternommen. Da waren viele „Woauh!!!!“ und „BIIIIG“ dabei 🙂 . Und dann haben wir uns am Bahnhof hingesetzt und zusammen Pizza gegessen…. Das war einfach zu schön. Als ich ihn ansah, erinnerte ich mich an die Zeit in der ich mit Chopper (dem ältesten) so einen Tag gemacht habe….. Nur damals war ich noch nicht reif… und damals war ich noch nicht in Frankreich und die Lauterbourger-Zelle an meiner Seite… ich kannte noch nicht Vygotskij, Goodman und all die anderen. Ich war ein Anfänger.

Und jetzt? Wir haben uns die ganze Zugfahrt unterhalten und dabei direkt in die Augen geschaut, die anderen Leute im Abteil müssen gedacht haben, ich unterhalte mich mit einem Erwachsenen. Und dann haben wir uns in Karlsruhe noch mal an den Brunnen gesetzt und ein Karamalz zusammen getrunken und dabei Wassermelone gegessen. Während dessen, hat er erzählt und erzählt und dann habe ich erzählt. Wir müssen ausgesehen haben, wie zwei Penner, die sich lange kennen und heute eine Party feiern.

Wenn er im Zug tanzt und wild gestikuliert, da haben alle anderen Fahrgäste angefangen mitzumachen. Sanji hat schon seinen ganz eigenen Zauber und immer wenn ich ihm in die Augen blicke, dann kommt mir das Lied von Debbie Boone: You light up my life. Denn genau das tut er. Dieses Strahlen, das er immer hat…. eigentlich genau wie bei all den anderen Kindern (obwohl sie gerade eine der schwersten Zeiten haben, die eine Familie haben kann) immer ein Lachen und ein Strahlen, und während Chopper sich über alles freuen kann, als ob es ein Lotogewinn wäre, ist Nami dauernd verrückt und verwandelt alles in einen Witz. Ich bin schon gespannt, wie das vierte Kind wird (ich habe gehört es soll eher der ruhige Typ sein). Denn wundervoll sind sie alle für mich, jedes auf seine schreckliche und einzigartige Weise.

Es tut so gut – insbesondere wenn man drei Kinder hat – dass man auch mal etwas nur mit einem von ihnen unternehmen kann… Dieser Tag hat der Beziehung zwischen mir und Sanji so gut getan. Ich glaube wir sehen einander jetzt wieder mit anderen Augen. Nicht mehr die „Oh mann, der schon wieder“… sondern „Ja! Wir!“-Augen.

Und was haben die anderen beiden gemacht? Die waren den ganzen Tag mit den anderen freien Kindern der Lauterbourger-Zelle und hatten (so ich das mitbekommen habe), eine Menge Spaß….. 🙂 (und wir haben allen natürlich noch Pizza und Wassermelone Abends an den See mitgebracht).

Und danke an Mummy1000Sunny, dass sie uns das alles ermöglicht…. auch wenn sie nicht bei uns ist, wir tragen sie in unserem Herzen immer dabei und das war immer so.

Sanji, oder Entscheidungen eines 1-jährigen

Mummy 1000Sunny

Chopper und Nami verbringen normalerweise einen Tag der Woche mit ihrer Gran, also meiner Mutter. Sie genießen es sehr, alle drei. Während der Endphase der Diplomarbeit waren wir darauf angewiesen, dass Sanji auch mitgeht. Ich hatte wenig Bedenken, da Chopper und Nami schon sehr gut mit ihm kommunizieren können, und sie bei eventuellen Schwierigkeiten aushelfen könnten. Auch ist meine Mutter ein ziemlich guter Baby-Versteher, spricht Englisch (wie ich) und hat einer sehr ähnliche Stimme wie ich. Und sie ist ja keine Fremde.

Es ging auch gut, aber nach der Diplomarbeit war er sehr anhänglich (verständlicherweise). Sobald es nur so aussah, als würde ich oder er alleine weggehen, brach er in Tränen aus. In den Wochen wurde er wieder sehr viel getragen und gestillt.

Letzte Woche holte also wieder Gran Chopper und Nami ab, und Sanji kletterte auch in ihr Auto, setzte sich auf den freien Platz, und schaute erwartungsvoll. Nach den letzten Wochen dachte ich, er würde nicht abschätzen können, ob er wirklich den ganzen Tag weg sein wollen würde. Vielleicht wollte er auch nur mit ins Auto klettern, und seine Geschwister nachahmen. Ich ließ ihn also sitzen, bis sie bereit waren loszufahren. Als ich ihn wieder herausholte, machte er wieder deutlich, dass er lieber wieder ins Auto wollte. Wieder dachte ich, er würde bei mir bleiben wollen, spätestens wenn er sieht, dass Gran mit den großen wegfährt und ich nicht mitfahre.

Aber sobald das Auto losrollte, musste ich ihn runterlassen, weil er so rumwuselte. Und er rannte los, dem Auto hinterher, fuchtelte wild mit den Armen herum, und rief seiner Gran hinterher.

Er wollte wohl wirklich mit, da half alles erwachsene Kleingerede und Besserwisserei nichts.

Er fuhr mit, und hat es nicht bereut. Gran auch nicht.

Er kann wohl doch so einiges abschätzen, obwohl er es nicht in wohlgeformten, wortreichen Sätzen darstellen und begründen kann. Sanji lehrt mich noch eine ganze Menge.

Exploring

Heute waren wir „exploring“ (also erforschen). Wir sind zum Altrhein gefahren und sind dort jedem Weg nachgefahren (natürlich alles auf dem Fahrrad). Es war so schön, der ganze Weg war ein kleiner Pfad mit einer Menge Schlaglöcher (und Sanji hat sich über jedes einzelne Schlagloch gefreut). Links und Rechts waren wundervolle grüne Bäume und manche davon waren sogar Kinderkletterbäume – in denen dann auch bald 2 Kinder hingen und riefen: „Mummy look how high I’m are already!“ oder „Daddy, schau wie weit oben ich schon bin!“

Hinter den Baumreihen, die unseren Weg säumten erstrecken sich Felder (alle ausgetrocknet, da es hier zur Zeit nicht regnet, sondern nur die Sonne scheint) bis hin zu den Hügeln. Als wir dann noch mehr in Richtung Rhein kamen war da auf einmal ein riesengroßer Baggersee – auf der rechten Seite. Und auf der linken Seite war immer noch der Altrhein – zugewachsen mit Schilf, als ob es ein Sumpf wäre. Der Pfad wurde immer holpriger und wir fuhren einfach weiter und weiter, durch Grün und Grün.

Vorbei an verschiedenen Lichtungen mit wundergemütlichen, schattigen Einstiegsstellen in den Baggersee. Es war märchenhaft – wie so vieles hier. Bis wir dann endlich auf eine Lichtung kamen wo zwei lange Seile an einem Riesenbaum hingen, zum dranhängen und reinspringen ( für besonders mutige ). Auf einem der Felder ging dann noch ein Fasan hin und her. Auf einmal fing er an zu rennen – meine Güte, ich wußte nicht, wie schnell Fasane sind (ich glaube er hatte uns bemerkt).

Auf dem Rückweg haben wir dann noch die Bahngleise und den Bahnhof angeschaut. Die Tür zum Weichenhäuschen war offen und ich bin mit den Kindern hochgegangen, wo uns eine Dame begrüßte. Wir fragten sie, ob wir reinkommen dürften und uns alles anschauen dürften. Drinnen erklärte und zeigte sie uns dann das letzte mechanische Stellwerk in Frankreich – es war zwar auch ein Computer da, doch der war nur für die Durchsagen. Die Weichen und Signale wurden noch mit riesigen Hebeln bedient, die über Stahlkabel alles bewegten. Sie stellte sogar ein paar Weichen für uns um – das war wirklich nett.

Danach sind wir noch ein bisschen über die Felder und zum Sonnenuntergang auf einen Spielplatz der fast ganz in Rosa getaucht ist mit den ganzen Blüten seiner Bäume.

Ein Lob darauf, dass Deutschland nur ein Grenzstreifen ist, aus dem man ohne Probleme auswandern kann und so das Leben mit seinen Kindern richtig genießen kann.

Stadtgründungsfest

Mummy 1000Sunny

Eindrücke vom Stadtgründungsfest:

Es gab jede Menge zu sehen und zu hören, doch das beste war der Handwerks-hof für Kinder:

Ein Töpferer war da, und machte mit jedem Kind ein Ton-gefäß. Er war super-geduldig und lehnte kein Kind ab (zu klein). Ihm verging auch bei der immer wachsenden Schlange vor seiner „Werkstantt“ nicht einmal die Lust.

Vorallem Chopper hatte große Freude daran nützliche Dinge herzustellen. Wir haben jetzt eine Kupfer-Schöpflöffel, einen Holz Schaber, 3 Vasen und eine Schale, und viele Bilder.

Nami fühlte sich mehrzur Küche gezogen, wo es über dem Feuer gekochte Gemüsesuppe mit Kräuterfladen gab.

Vorallem beim Töpfern fiel mir eine Sache auf: Obwohl mir alle meine Kinder sehr unterschiedlich erscheinen, hatten sie dort – gegenüber den anderen Kindern – eine große Gemeinsamkeit. Wo andere Kinder sofort „parierten“ wenn der Töpferer Anweisungen gab („und jetzt die Finger zusammen, so“), und sofort vom Ton abliesen, wenn er seine Hände wegnahm, machten Chopper und Nami einfach weiter, was sie zuletzt gemacht hatten. Oder sie probierten selber etwas, wie sie es meinten. Sie ernteten auch viel „nein, nein, lass mich Deine Hände wieder halten!“. Jetzt wollen beide unbedingt wieder töpfern, sobald es geht. Und sägen.


Moral und so

(Vorsicht: In diesem Artikel benütze ich gefühlte 100 Mal das Wort „Packung“)

Neulich beim Arzt hat Chopper erst mal vom Arzt persönlich eine Packung Gummibärchen bekommen. Danach hat noch Nami bei der Sprechstundenhilfe gefragt und diese hat ihr und Chopper natürlich auch eine Packung angeboten (von diesen Mini-Gummibärchen-Packung).

Chopper hat ihr dann seine andere Arzt-Packung hervorgeholt und sie gefragt, ob er denn ihre Sprechstundenhilfe-Packung trotzdem behalten dürfe.

Das hat mich wirklich überrascht, wie ich mich einschätze, hätte ich das einfach so durchgezogen… nicht dass ich am Ende wieder eine Packung verliere. Da kam ich mir dann irgendwie schäbig vor und sinnierte mit gerührt und mit Tränen in den Augen, ob er mich nicht langsam moralisch abhängt und er vielleicht später einmal so über mich denken wird, wie so manche Kindergeneration von ihren Eltern.

Als wir dann draußen waren (er durfte übrigens beide Packungen behalten), da sang er fröhlich Nami an: „Haha, I’ve got more than you“ – Oh mann! Ich musste irgendwie erleichtert lachen. Das ist vielleicht noch komischer.

Eine rabige Woche

Diese Woche hatte ich die Kinder die ganze Zeit (also bis auf Abends und kleine sporadische Stillpausen).

Der Plan ist, dass ich mein „Gehen“ etwas zurückfahre und wir dafür 100% unserer Kräfte auf Mummy1000Sunny’s Diplomarbeit legen.

Gesagt, getan.

Diese Woche hatten wir dann auch zufällig gleich 3 Treffen mit anderen Rabeneltern – das ist eine Initiative in der sich Eltern zusammentun, die einfach die Zeit mit ihren Kindern genießen wollen und sie gleichberechtigt behandeln wollen.

Das hat den Kindern so gut gefallen, dass sie Freitag früh sofort sagen: „Ich will zu den Rabeneltern“. Ich musste ihnen dann klar machen, dass es am Freitag erst um 15 Uhr beginnt. Bis dahin haben wir dann noch Grießbrei gemacht. Die erste Portion wurde sofort gegessen (Nami in der Hängematte und Chopper auf dem Trampolin). Die zweite Portion habe ich ein bisschen versemmelt, da ich immer wieder wegging um etwas für das Finanzamt zu schreiben (das sind die, die eine Brieffreundschaft mit jedem Bürger pflegen möchten. Vorsicht! Sekte! Sobald man ihnen einmal viel Geld gegeben hat kommen die immer wieder). Die dritte Portion hat Nami dann von Anfang bis Ende sanft umgerührt und der Brei ist so lecker und cremig geworden, dass ich den Geschmack am liebsten fotografiert hätte. Die beiden Portionen haben wir dann zusammengepackt und zum Rabentreffen mitgenommen.

Auch ansonsten waren wir jeden Tag draußen und es ist unglaublich schön – durch die Gestalttherapie sehe ich die Welt mit ganz anderen Augen und genieße es richtig in den Eindrücken zu baden und die Farben und Formen zu entdecken, an denen ich Jahrzehnte einfach so vorbei ging.

Am Kindergartenspielplatz (so etwas gibt es hier in der Nähe, da benützt ein Kindergarten einen ganz normalen Spielplatz und man hat damit oft sehr viele Kinder dort) kam auch ein Mädchen auf uns zu und sagte: „Ich komme dieses Jahr in die Schule – weil ich bin schon 5 und werde 6“.

Ich fragte sie dann: „Freust Du Dich?“

Sie: „Ja“

Da es aber klang, als ob sie eine Nummer aus dem Telefonbuch vorgelesen hätte, fragte ich noch weiter: „Warum“

Sie: „Weiß ich nicht“

Die war wenigstens noch ehrlich. Die meisten 5-jährigen schwärmen einen ja zu, wie toll die Schule ist und was man dort alles lernt, wie sie sich freuen und was für gute Manieren sie bald haben werden (!) .

Auch trafen wir auf der Straße einen aus der 3.ten Klasse und der redete schon ganz anders über die Schule. Seine Mutter war gleich noch cooler und sagte, dass sie auch sofort verweigern würden, wenn sie dürften. Da hat sich im letzten Jahr aber ganz schön was getan in Deutschland.

Wenn Unschooler aufwachen…

Jeden Morgen, wenn die Sonne aufgegangen ist, wacht erst der eine und dann der andere auf. Kurz darauf der Sanji. Während dann Sanji schon herumklettert, ich ein bisschen lese und auch schon Chopper im anderen Zimmer ein Lustiges Taschenbuch aufgeschlagen hat, wacht langsam der nächste auf. Und Nami schläft noch etwas weiter… oder auch länger.

Irgendwann kommt dann Chopper und trägt sein Spielzeug vom Playroom zu unserem Zimmer und langsam füllt sich das Aufwachen mit Geräuschen. Inzwischen ist auch Nami wach und fängt an zu singen, und auch Chopper singt einen kleinen Marsch vor sich hin. Es ist als ob die Geräusche – ähnlich wie die Sonne – aufgehen. Und der Tag belebt sich immer mehr, bis dann der eine oder die andere aufsteht und auch anfängt dies oder jenes zu tun.

Und innerhalb von einer halben Stunde ist aus dem leisen Atmen im Schlaf ein lautes und singendes Leben geworden, das am Computer oder am Frühstückstisch klappert und es dauert nicht mehr lange, da „fliegen die ersten aus dem Stock“ und Dreiräder, Laufräder und Fahrräder setzen sich in Bewegung und wir machen alles mögliche und genießen die Zeit, die wir miteinander verbringen. Immer und überall treffen wir neue Leute und finden die Kinder neue Herausforderungen.

Bis wir dann nachts – total erschöpft – noch ein bisschen lesen und den Kindern vor lauter Müdigkeit und Erschöpfung die Bücher aus den Händen fallen. Oder Nami an uns vorbeischleicht und sich noch verabschiedet mit den Worten: „I’m going to bed now“ und 3 Minuten später schon schläft.

Kein Wecker, kein Gong – nur der eigene Rhythmus des Lebens.

Der Zauber eines schulfreien Lebens

Die letzten Tage war wunderschönes Wetter – so schön, dass wir so viel draußen waren, dass Sanji gleich krank wurde und als er dann Nachts so weinte ging Mummy1000Sunny lieber mit ihm ins Krankenhaus – man weiß ja nie (und irgendwie sind wir Babyweinen einfach nicht mehr gewöhnt).

Jetzt geht es ihm schon wieder sehr gut und er grinst frech in jede Richtung.

SDC14506

Das Besondere ist aber, wie alle Kinder jetzt auf einmal miteinander spielen. Es gibt sie zwar immer noch die Streitmomente, aber sie schaffen es jeden Tag öfter sie selber zu regeln und sich selber zu trösten.

Die meiste Zeit spielen sie einfach nur miteinander und erfinden dabei laufend *selber* neue Spiele:

SDC14518 SDC14519

Hier haben Nami und Chopper gerade ein Picknick für die ganze Familie vorbereitet:

SDC14509 SDC14508

Und Sanji hilft beim Brotschneiden, während Chopper aus seinem Brunnen “Trinkwasser” pumpt:

SDC14514 SDC14510

Ein besonders witziges Spiel ist “Hase, Rad, Flugzeug”:

SDC14525

Hier hüpft zwar gerade nur Chopper, aber wenn beide hüpfen, rufen sie sich immer Begriffe zu und hüpfen dann so, wie die Begriffe das tun würden. Darunter auch “Feuer”, “Schlange”, “Schubkarren” (wie bitte stellt man alleine einen Schubkarren dar? )

Apropos Schubkarren:

SDC14529 SDC14527

SDC14528

Und hier beim Bau der Strecke und einer Testfahrt:

SDC14517 SDC14515

Nach all der Anstrengung gibt es auch öfter mal eine Ausruhpause:

SDC14522 SDC14521

Ach, und wie zwei gute zivilisationskinder in einer konsummistischen Gesellschaft haben sie natürlich das “Shop-Spiel” entdeckt und verkaufen sich Süßigkeiten:

SDC14533 SDC14530

Meiner Meinung nach sind damit die Ziele einer erfolgreichen Schulsozialisation erfüllt. Oben ist der Kapitalist, der den Preis diktiert (in diesem Fall 50 € für ein Gummibärchen-Teil):

SDC14532 SDC14531

Und wenn dann der Papa kommt, laufen sie freudig auf mich zu und umarmen mich…

SDC14534

Nun – daran müssen wir noch arbeiten

Und sobald es Abend wird – und die ganzen Schüler Sandmännchen kucken und ins Heia-Heia-Bettchen gehen:

SDC14535

Spielen sie einfach weiter:

SDC14501 SDC14498

und Chopper baut an seiner Eisenbahn:

SDC14548

Mummy1000Sunny muss leider dauernd an der Diplomarbeit  arbeiten – das gestaltet sich ein bisschen schwierig:

SDC14547

Und wieder ist ein Tag mit viel Singen und Lachen vorbei und wir fallen erschöpft ins Bett und hoffen auf bessere Zeiten, wenn wir nicht mehr so beengt aufeinander leben – in Frankreich, wo Eltern nicht vor dem Jugendamt und jedem Polizeiauto Angst haben müssen und hunderte andere Familien dasselbe machen. Und wundern uns, wie es dann erst wird?

Ein Land, das seine Familien nicht verfolgt und den Eltern genauso traut wie seinem Beamtenapparat (oder gar mehr) – das können wir uns nach den letzten 3 Jahren nicht mehr vorstellen.