Feeling Down

Mummy 1000Sunny

Jetzt ist dieser schicksalhafte Tag 3 Wochen her – und ich habe schon viel weniger mit den akuten Schmerzen zu kämpfen, vor allem was den Kaiserschnitt angeht.

Was aber bleibt, ist die körperliche Verletztheit.

Ich habe Probleme mit der Atmung – vor 2 Monaten habe ich noch Kolleraturen mit dem Metronom hochtrainiert. Jetzt hole ich alle paar Minuten tief Luft, ein deutliches Zeichen dass die normale Atmung zu flach ist.

Mir ist schwindelig, egal ob ich mich ganz viel ausgeruht habe oder ob ich unterwegs bin, ich muss mich täglich mehrmals irgendwo festhalten, bis alles wieder normal aussieht.

Ich habe jeden Tag Kopfschmerzen, ich vermute dass die Kopfschmerzen, die wohl von der PDA kamen, vorbei sind (die waren auch stärker). Das jetzt kommt – vermute ich – von meiner total verkorksten Haltung, die ich zur Zeit automatisch einnehme. Immer gekrümmt…

Ab dem Bauchnabel abwärts piekst mein Bauch bei Berührung, so, wie wenn eingeschlafene Beine wieder normal werden. Die Kleidung löst das den ganzen Tag lang aus…

Die äußere Narbe selbst ist taub. Sie ist etwa 20 cm lang (es wurde großzügig geschnitten damit Lily mit ihrem Teratom leicht rauskommen kann). Sie ist an manchen Stellen dünn, an anderen Stellen spüre ich einen großen harten Hügel unter dem dünnen oberflächlichen Strich. Sie schmerzt, wenn ich ein bisschen mehr mache als nur in der Wohnung zu sein und vielleicht einmal die kleine Straße entlang gehe. Sie schmerzt aber nicht einfach stetig stärker, so dass ich einschätzen könnte wenn ich zuviel mache, sondern fängt irgendwann später, wenn ich wieder auf dem Bett liege, an immer wieder stechend weh zu tun.

Die Wunde an der Gebärmutter – oder die Region, wo dieser Schnitt gemacht wurde, mittlerweile ist die Gebärmutter ja schon so ziemlich zurückgebildet – schmerzt bei Berührung (und die Haut darüber tingelt besonders stark). Mir wurde empfohlen, die beiden Wunden zu massieren, aber ich habe das Gefühl, dass davon nur alles empfindlicher wird.

Vielleicht wäre es besser, wenn die Lily es ins Leben geschafft hätte. Vielleicht wäre ich dann mehr versöhnt mit dem Zustand meines Körpers.

So muss ich mich immer wieder erinnern, dass ich ohne Medizin wahrscheinlich viel größere Probleme gehabt hätte. Ich hätte die Lily auf natürlichem Wege wahrscheinlich nicht herausbekommen… Dazu wäre das Teratom zu groß gewesen…

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5 Kommentare zu “Feeling Down

  1. Lass Dir Zeit! Ein Kaiserschnitt ist die zweitgrößte Bauch-OP die es gibt. Gravierender ist nur eine OP am Rücken, die aus welchen Gründen auch immer durch den Bauch vorgenommen werden muss.
    Also: Du hast eine sehr große OP hinter Dir. Vor Jahren lag man mit einem Kaiserschnitt noch sechs Wochen stationär im Krankenhaus.

    Und Du hast eine Geburt hinter Dir und bist im WochenBETT. Auch wenn Du Lily nicht bei Dir hast, hast Du sie zur Welt gebracht. Und das ist für Deinen Körper auch eine sehr große Leistung.

    Lass Dir Zeit, mach nichts anstrengendes. Leichte Spaziergänge, damit der Kreislauf gut arbeitet.

    Alles Gute.

  2. Danke. Die zweitgrößte? das wusste ich nicht. Der Kaiserschnitt wird so heruntergespielt. Ein Arzt (bei dem ich nicht war), hat behauptet, ein Kaiserschnitt wäre viel angenehmer und schonender für die Frau, die Schmerzen nicht halb so schlimm wie bei einer natürlichen Geburt.
    Das hab ich ihm zwar gleich nicht abgenommen, aber ich bin doch geschockt, das Frauen die wochenlangen (Monate?) Probleme eher in Kauf nehmen als ein paar vielleicht schmerzhafte Stunden.

  3. Du sollst die Narben massieren, damit sie nicht hart werden. Aber zumindest für die äußere solltest du auch eine Creme oder Ähnliches bekommen haben. Davon gibt es auch schmerzlindernde.
    Und ich stimme Katrin zu, ein Kaiserschnitt ist eine schwierige OP, und auch schwierig für deine Seele. Du darfst dir viel Zeit lassen um beide, die körperliche und die geistige Wunde, heilen zu lassen. Du brauchst Zeit und du darfst dir auch Zeit nehmen.
    Werd wieder gesund. Du wirst wieder gesund.

  4. Liebe Mummy1000sunny – es tut mir so so leid, was Ihr erlebt, ich kann das gar nicht richtig in Worte fassen.
    Ich hab auch 2 Kaiserschnitte erlebt, und mein Körper hat sich durch die Oxytoninausschüttungen durch das Stillen wahrscheinlich sehr viel schneller erholen können. Dein Körper muss sich ja nicht nur von dieser OP erholen, sondern deine Seele ist noch viel schlimmer verletzt. Du bist ja eine Einheit und wahrscheinlich dein Körper sehr viel schneller heilen als deine Seele jemals in der Lage sein wird.
    Ich war und bin auch immer wieder dankbar für die Möglichkeiten der modernen Medizin, auch wenn ich durchaus kritisch bin – ohne sie hätten mein erstes Kind und ich die Geburt nicht überlebt…
    Ich habe für die äußeren Narben des Kaiserschnitts eine Narbensalbe von wala benutzt, die mir gut geholfen hat gegen die Verknuppelungen. Jedenfalls erstmal. Nach der ersten OP entzündete sich die Narbe und blieb 9 Monate entzündet… für mich war das fast magisch. Und dann auch wieder nicht. Ich fühlte mich so lange so verletzt. Ich hatte mich auf eine Hausgeburt vorbereitet und musste mein Kind mit Kaiserschnitt zur Welt bringen. Das war ein langer Weg. Nach 9 Monaten heilte die Narbe ganz schnell…
    Ich glaube es ist wirklich wichtig zu wissen, was Katrin schon schrieb: Kaiserschnitte werden so runtergespielt durch die Medizin, und sind doch krasse Operationen.
    Ich habe auch 2 Bücher zum Thema gelesen: Th.M.de Jong/G. Kemmler – Kaiserschnitt Narben an Seele und Bauch. Das hat mir geholfen. Das andere heißt: Kaiserschnittgeburt Vorbereitung, Eingriff, Nachsorge geschrieben von Ines Albrecht-Engel und Manfred Albrecht – sie ist Geburtsvorbereiterin, er ist Gynäkologe. Die waren damals meine Vermieter 😉
    Und dennoch: Deine Situation ist so grundlegend anders. Du kannst deine Lily nicht im Arm halten. Und genau dieser Schmerz sitzt ja nicht nur in deinem Herzen, sondern in deinem Körper. Ich wünsche dir sehr, dass du die Zeit hast und bekommst die du brauchst für Regeneration und Ruhe, für Genesung und Trauer.
    Mir hat lesen immer viel geholfen, und als das (mehrfach schwerstbehinderte) Baby meiner Freundin 4 Wochen nach der Geburt starb, las ich „Wenn ein Kind stirbt“ von Barbara Rosof und fand es sehr hilfreich.
    Ich hab keine Ahnung, ob das hilfreich für dich sein kann. Aber vielleicht ja doch?
    Ich wünsche dir und euch jedenfalls dass ihr die Liebe in Eurer Familie spüren könnt und euch soweit erholen könnt, wie es eben geht. Herzlich, Zora

  5. Danke sehr für die lieben Worte. Ich werde wohl langsam mit dem Lesen anfangen, und vielleicht Kontakte suchen… Und werde versuchen, mich mit der Zeit mit diesen Wunden zu versöhnen.

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