Teratom-Ding

Mummy 1000Sunny

Seit etwa 3 Wochen wissen wir es: Unser 4. Kind (eine Tochter) wächst mit einem Teratom in meinem Bauch heran, der beim letzten Ultraschall die selbe Größe hatte wie ihr Bauch.
Ein Teratom verhält sich in etwa wie ein gutartiger Tumor. Er entsteht wahrscheinlich dadurch, dass während der allerersten Entwicklung, in der die Linie an der später sich unser Rückenmark bildet und die Wirbelsäule definiert wird, ein paar Stammzellen der strengen Kontrolle, die normalerweise die Entwicklung der Zellen genau reguliert und in die richtige Richtung schickt, entkommen, und sich ohne diese vollständige Kontrolle verselbständigen (Man, was für ein langer Satz. Tschulligung.) . Sie differenzieren sich teilweise aus, sodass man in diesen Teratomen die verschiedensten Gewebetypen wild zusammen gewürfelt findet.
Das Gute daran ist, dass sobald das Teratom entfernt ist, normalerweise wohl nur noch eine Narbe bleibt. Es kommt normalerweise nicht zu irgendwelchen Langzeit-Effekten. Auch die Operation selbst ist für die betroffenen Kinder „nicht so schlimm“, weil nur etwas entfernt wird, und die Operation weitestgehend nicht im Körper des Kindes stattfindet… Gut ist auch, dass unser Teratom nicht allzu durchblutet zu sein scheint, sodass es das Herz unserer Kleinen nicht zusehr belastet.
Das Schlechte ist natürlich, dass überhaupt eine Operation notwendig ist… Und dass die Operation recht bald nach der Geburt durchgeführt wird, weil so ein Klumpen am Po ja auch die Bewegungsfreiheit einschränkt, und vom Baby-Herz mit versorgt werden muss. Und dass eine Entbindung per Kaiserschnitt geplant wird, wegen der Größe des Teratoms. Wenn es im Geburtskanal mit den Beinen zusammen durch müsste (und dabei vermutlich in alle Richtungen gedrückt würde), wäre die Gefahr sehr groß, dass es im Teratom Verletzungen gibt, die lebensgefährlich sein könnten.
Blöd ist auch, dass ich vermehrtes Fruchtwasser habe (eine typische Begleiterscheinung). Zusammen mit dem zusätzlichen Baby-Volumen macht das ganz schön Druck im Bauch. Ein Gefühl, das ich sonst nur vom 9.Monat kenne. (Ich vermute, das wäre bei einer Zwillingsschwangerschaft noch viel extremer…) Ich ernte immer sehr erstaunte und mitleidige Blicke wenn ich sage, dass ich erst im 6. Monat bin. Ich hoffe so sehr, dass die Kleine und ich es bis Februar aushalten.
Auch piekst es manchmal an immer unterschiedlichen Stellen, wenn ich lache, niese, oder mich einfach irgendwie bewege. Ich kann nicht sagen, ob ich das auch schon vor dieser Untersuchung hatte. Ich nehme jetzt einfach alles wahr, was ich vorher vielleicht ignoriert hätte.
Aber am schwierigsten ist es, sich für eine Klinik zu entscheiden, wo der Kaiserschnitt und die Teratom-Entfernung gemacht werden soll. Erst wurden wir von einem Frauenarzt, der das Teratom „entdeckt“ hat, nach Freiburg geschickt. Die hätten einen hervorragenden Kinderchirurgen, und Erfahrung im Umgang mit Teratomen.
Aber, es sind eben auch die alten Kollegen von dem Herrn Frauenarzt, der uns dahin empfohlen hatte. Vertrauenserweckend?
Ein Telefonat mit dem Karlsruher Krankenhaus ergibt, dass sie ebenfalls sehr erfahren sind. Und dass sie noch viel mehr für Nähe zwischen Mutter und Kind sorgen wollen, als in Freiburg üblich. (Zum Beispiel behaupten sie, eher die Überwachungsmaschinen für die Kleinen nach der OP mit ins Zimmer zu stellen oder die Mutter auf Intensiv einzuquartieren, als das Baby von der Mutter zu trennen. Aber warum hab ich das noch nie gesehen oder gehört???) Diese Klinik hat auf alternativen Mailing-Listen einen sehr schlechten Ruf, vorallem was Stillfreundlichkeit und Ernstnehmen der Mütter angeht. Immerhin ist Freiburg als „Baby-freundlich“ zertifiziert.
Es kommen etwa 15 Teratom-Kinder pro Jahr in Deutschland zur Welt. Ausserdem bieten Teratome tollstes Untersuchungsmaterial für Entwicklungsbiologen / Mediziner… Kein Wunder also, dass sie alle die Finger danach ausstrecken. Aber nach welchen Kriterien kann man denn da als Patient entscheiden? Ich kann nicht die Unterm-Mikroskop-Präparieren-Fähigkeit des Chirurgen beurteilen. Ich weiß, das liegt manchen Menschen, und manchen nicht. (Ich kann es z.B. ganz gut… aber nur unterm Mikroskop. Beim „einfachen“ Präparieren habe ich nicht halb so viel Geduld wie unter dem Mikroskop…)
Man muss sich wohl aufs Gefühl verlassen – und auf die Erfahrungen anderer. Ich habe nach längerem Suchen jetzt immerhin eine internationale Mailing-Liste zu diesem Thema gefunden.

Ich werde versuchen, öfter über die weitere Entwicklung zu bloggen, auch für mich. Also wird es in Zukunft ein paar mehr Schwangerschafts-Beiträge geben.

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von 1000sunny Veröffentlicht in Allgemein

Ein Kommentar zu “Teratom-Ding

  1. Oh wow…was für eine Nachricht. Es tut mir sehr leid, dass ihr und Eure Tochter diese Umstände mitmachen müßt. Auf der anderen Seite, wie gut, dass es behandelbar und sogar heilbar ist! Man kann herauslesen, dass Du Dich schon ganz gut mit dem Thema befasst hast und es auch, soweit ich das jetzt hier erkennen kann, akzeptierst, wie es ist. Eine wichtige Voraussetzung, dass alles gut wird 🙂
    Ich würde mir nicht zu sehr die Mühe machen, auf Mailinglisten usw. zu setzen. „Meine“ Klinik, in der die Kinder geboren wurden und eine Woche auf Intensiv verbrachten, schneidet da nicht schlecht ab. Ich fand die Gyn Abteilung aber subjektiv so schrecklich, dass ich am liebsten alle verklagt hätte. Grauenhaft. Nur wegen der super tollen Kinderstation bin ich geblieben. Such Dir doch zwei Kliniken aus, wie oben schon erwähnt, fahr dort hin und spreche mit den Ärzten. Die, die Dir am sympathischen sind, da geh hin. Die Entfernung eines Teratoms bekommt ein versierter Kinderchirurg hin, egal wo. Wichtiger ist, dass Ihr Euch wohl fühlt…Ich wünsche Euch alles, alles Gute für die Schwangerschaft! Haltet durch, solange es geht. Dafür drück ich Euch die Daumen!
    (Ist Eure Beziehung wenigstens wieder gekittet?)

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