ein paar Tage

Angstbekämpfung

Meine Angstbekämpfung geht immer noch weiter. Eineinhalb Jahre sind vergangen, seitdem ich nicht weiter konnte als bis zum Ende des Hauszauns, und ich habe diesen Samstag wieder einen großen Schritt gewagt. Ich bin in einen Zug eingestiegen und eine Station mitgefahren. Alle haben mich begleitet und für die Kinder war es wirklich toll – sie lieben Zugfahren. Mein Herz hat natürlich beim Einsteigen feste geschlagen und meine Hände haben gezittert, aber nach ein paar dutzend Sekunden nachdem der Zug losgefahren war spürte ich eine Erleichterung. Die Angstspirale ergriff mich nicht, kein Gefühl der endlosen Verlorenheit – auf einer zu großen Welt, die Welt war nicht zerbrochen bis auf den Platz an dem ich stehe, und kein Alles Dunkel um mich herum. Kein Gefühl des Sterbenmüssens sofort und auf der Stelle, ohne Vor und Zurück. Es war einfach schön und draußen war alles grün und der Zug glitt langsam von Baggersee zu Feld zu Baggersee… Dann sind wir noch ein paar mal Hin- und Hergefahren. Und mein fester Vorsatz ist, jetzt jedes Wochenende mindestens einmal Zugfahren. Wenn ich den Leuten erzähle, dass wir am Wochenende von Berg nach Lauterbourg gefahren sind lächeln die meisten … es sind schließlich nur 4 Minuten.

Nach dem Zugfahren gab es dann einen Kurzaufenthalt im Penny, wo wir alle möglichen Süssigkeiten und Chips gekauft haben (diese Belohnungsstrategie möchte ich nicht missen 🙂 ).

Über Gefängnisse

Wenn man nirgendwohin kann, es aber möchte, so ist man irgendwie ein Gefangener. Diese Woche war die Gran da (also Mummy1000Sunnys Mutter) und meinte es sei doch eigentlich ganz gut, dass ich die Angst habe. Ich müsse ja eh zu Hause bleiben um auf die Kinder aufzupassen. Ich war so erstaunt über so einen verqueren Gedankengang, dass ich gar nicht antworten konnte, sondern einfach nur nachdenklich zurückblieb.

Die Idee ist natürlich die alte Idee, dass unsere Strukturen und Blockaden und Verbote und Du-Musst-Abers uns einen guten und sicheren Platz im Leben geben und einen wertvollen und berechenbaren Platz in der Gesellschaft.

Gegen diese Idee wehre ich mich zum aller äußersten. Ich mache das was ich mache, weil ich es will. Würde ich nicht auf die Kinder aufpassen wollen, und täte es nur weil mir meine Angst keine andere Option auf ein sinnvolles Leben gäbe, so würde ich nur ein Geiselnehmer sein. Und würde meine eigene Gefangenheit an meine Kinder weitergeben. Ich bin mir sicher, dass es Menschen gibt, die sich durch Äußeres zwingen lassen. Manchmal bewundere ich das sogar. Wenn auf mich ein Zwang wirkt, dann bekämpfe ich diesen mit allen Mitteln. Würde ich wirklich wieder einen Job wollen und Karriereleiterklettern mit den anderen großen Jungs im Sandkasten spielen wollen, so würde ich alles tun, damit das geht. Ich habe mich von meiner Angst nicht abhalten lassen nach Frankreich zu fahren, und würde mich auch nicht abhalten lassen einen Job in Karlsruhe anzunehmen.

Aus einer Gefangenschaft entsteht nie etwas Gutes! Gefangenschaft ist immer schlecht und sollte etwas Gutes aus etwas Schlechtem entstehen, so ist die Frage wieso das Gute so teuer sein musste. Die Idee, dass man etwas Gutes über etwas Schlechtes erreichen kann/muss ist die dümmste Idee, die jemals in die Gehirne der Menschen gesickert ist. Wenn man etwas durch Gewalt oder Zwang erreicht, dann hat man nichts erreicht, außer den Samen für Gegengewalt gesät und alles Gute, was entstanden ist, lebt in diesem Schatten.

Und Heute

Heute sind wir dann an den See gefahren – das dauert hier ganze 5 Minuten. Nun ja, es hat länger gedauert, da wir genau in der Mittagspause an der Schule vorbeigefahren sind und ein paar Kinder gleich riefen: „Hallo Nami!“, „Hallo Chopper!“. Da sind wir umgekehrt und haben mit denen noch den Rest der Mittagspause verbracht. Da konnten alle Kinder miteinander spielen und ich habe herausgefunden, dass der örtliche Polizist der Onkel von dem Mädchen ist, dem wir als erstes erzählt haben, dass wir Unschooler sind 🙂 Oh!

Es wurden noch Spielverabredungen für Mittwoch getroffen (nationaler Homeschool-Tag) und dann ab  an den Strand. Eines der Mädchen fragte noch: „ob sie denn nichts lernen müssten?“ Ich sagte: Doch schwimmen, tauchen, …

Am Strand waren wir dann alle im Wasser und verbrachten dort den größten Teil des Tages. Auf dem Rückweg fuhren wir noch an der Kirche vorbei, dort ist jeden Tag nach der Schule ein großes Treffen der meisten Schulkinder und deren Eltern.

Ich spielte dort mit den Kindern Karussell (alle halten sich an meinen Fingern und ich drehe sie so schnell wie möglich) und ähnliche Spiele. Ich bin dort schon richtig beliebt *freu* und ein paar Jungen löcherten mich dann darüber ob Chopper wirklich nicht in die Schule müsse und erzählten wie Mist die Schule ist und wie früh sie raus müssen und… sogar im Winter !

Ich war natürlich ganz verwundert und fragte, ob sie das nicht total genießen 🙂 Und sie waren wirklich empört als sie hörten, dass Chopper vielleicht 20 -40 Minuten am Tag „lernt“, während sie um 6.30 aufstehen müssen und dann bis 16 Uhr ( minus 2 Stunden Mittag) rumschulen müssen.

Naja, so ist das Leben. Die einen müssen in die Schule, die anderen wissen es besser 🙂

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