Tiefschwarze Nacht

Ich wache mitten in der Nacht auf, mein Herz schlägt schnell und ich spüre die ganze Weite und Größe dieser Erde und des Universums. Ich fühle mich unendlich einsam und hilflos. Wenn mir jetzt etwas passiert, dann bin ich ganz allein und alles um mich herum ist schwarz. Nichts scheint zu existieren.

Ich kann mich nicht mehr an meinen Traum erinnern, dennoch war er genauso Angst einflößend und in dieser Welt scheint nichts mehr zu existieren, außer der schwarzen Nacht, die mich umgibt. Es ist auch egal, das einzige, was ich tue, ist mein Herz beruhigen.

Langsam den ganzen Körper entspannen, egal wie tief und schwarz die Nacht ist. Egal, ob sie jemals vorbeigeht. Dinge wie Sonne und Morgen, Tag und andere Menschen scheinen nicht zu existieren. Nicht einmal die Begriffe fallen mir ein. Es ist einfach nur schwarz und ich entspanne alle meine Muskeln in meinem Körper.

Ich weiß nicht einmal, ob ich die Augen offen habe, oder ob sie geschlossen sind. Es ist so uninteressant, denn was soll man schon sehen in einem unendlichen Schwarz. Eine Nacht, die ihr Ende nicht mehr fürchten muss. Wo vorher die Welt war, da ist jetzt nur Dunkelheit.

Mein Herz wird von Sekunde zu Sekunde langsamer und der Sturm geht in Stolpern über. Extraschläge, auch diese ebben ab. Und dann ist wieder alles normal. Mein Körper ist ganz ruhig, ganz entspannt. Es ist nur noch schwarz und ich schlafe wieder ein.

Der Tag kommt doch und die Nacht geht zu Ende wie jede Nacht. Als ich aufwache, weiß ich nicht, ob es ein Traum war oder Wirklichkeit. Ich bin mir sicher, dass es ein Traum war, weil ich einfach hilflos war. Ich bin mir sicher, dass es Wirklichkeit war, weil ich alles gespürt habe und mein Herz sich so beruhigt hat, wie es das auch in Wirklichkeit täte. Ich bin mir sicher, dass es ein Traum war, da ich nicht will, dass es Wirklichkeit war. Ich bin mir sicher, dass es Wirklichkeit war, da ich damit fertig geworden bin und nächstes Mal bereit bin.

In Lauterbourg sehen ich jeden Tag die sternklare Nacht, die Milchstraße und oft auch Sternschnuppen. Die Weite überwältigt mich. Alles fühlt sich so bedeutungslos an. Wir haben die Kultur und praktisch alle Wege darauf verlassen, die sie uns bietet. Wir haben praktisch jeden Sinn des Lebens, den sie uns bietet – jeden normalen Lebenslauf – in den Wind geschlagen. In ihr gibt es keine Befriedigung und keine Erfüllung. Wir handeln jetzt auf eigene Rechnung und jeder Weg ist neu – oder von so wenigen begangen, dass wir sie nicht kennen.

Manchmal frage ich mich – wenn ich in diesen weiten Sternenhimmel sehe – ob ich alles richtig mache, oder ob ich meinem Leben nur eine weitere Dummheit hinzufüge (wie alles verlieren in der Dot-Com-Krise und der Finanzmarktkrise). In der ich glaube alles besser machen zu können, als die Experten und am Ende alles verliere. Dieses mal ist der Einsatz so hoch und die Brücken hinter mir sind komplett zerstört. Ich kann nicht in die Kultur zurückkehren, irgendwo 5*8 Stunden am Tag an meinem Arbeitsplatz aufgehen, meinen Kindern einen tollen Schulabschluss ermöglichen, mich für Tagespolitik interessieren und auf Wochenmärkte gehen. Das ist alles tot.

Auch der aktuelle Weg macht mir Angst vor dem Tod. Es gibt nicht dieses kulturelle Fangnetz, dass mir jeden Tag Erfüllung in der Ameisenkolonie verspricht. Es ist alles auf eigene Verantwortung. Es ist das eigene Leben und zurückgehen wäre eine Alternative zu wählen, die sicher tot ist nur weil ich Angst habe vor dem was kommt. Oder, wie es jemand mal formuliert hat: Selbstmord machen, nur weil man Angst vor dem Tod hat.

Und so sage ich dann manchmal tief in der Nacht – zu mir – und zu den Sternen: Wenn ihr wisst was ich machen soll, wenn ihr es besser wisst, oder wenn ihr wisst, dass ich einen großen Fehler mache, dann sagt es mir. Wenn nicht, dann schweigt und lasst mich weitermachen – denn dann weiß ich keinen besseren Weg, als den den ich gerade gehe.

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3 Kommentare zu “Tiefschwarze Nacht

  1. Ich habe Hochachtung vor Euerm Unternehmen insbesondere durch Deine Ängste und behindernde Blockaden. Ängste wahrnehmen, erkennen, benennen UND sich damit konfrontieren ist für mich die höchste Lebenskunst. Dies ist mein Ziel und wäre mein Weg aber ich lasse mich noch lähmen von meiner Angst und vermeintlichen Sicherheiten die mir ebenso vermeintlich ruhige Nächte bescheren. Meine Nächte sind manchmal ähnlich den Deinen aber tagsüber zerstreue ich mich in meiner Kolonie und konfrontiere mich sehr selektiv.
    Ich wünsche Euch grossartiges Gelingen, die Erfahrung ist sicherlich einzigartig und die Kinder werden es auch.

    Ich bin ein bißchen sprachlos aber auch tief berührt.

    Liebe Grüsse…Bianca

  2. Ich verfolge Euren Weg – auch wenn wir uns gar nicht persönlich kennen und Ihr von mir nichts wisst – weil ich Euch sehr bewundere. Ich bin mir sicher, dass Ihr zu den wenigen gehört, die in unserer kaputten Welt/Gesellschaft anfangen, das Richtige zu tun. Es wird sich alles ändern in der Zukunft, über kurz oder lang, und wer während dem Prozeß der Wandlung möglichst unabhängig ist, weil raus aus dem System, der wird es gut haben und der wird vor allem zu denen gehören, die die neuen Wege finden und bereiten. Davon bin ich überzeugt. Wir brauchen Leute wie Euch, weil es so wie es momentan ist, nicht ewig weitergehen kann. Ihr seid nicht allein!

  3. Hi,

    vielen Dank ihr beide. Ein bisschen Zusprache tut manchmal ganz gut 🙂
    Gottseidank war das bis jetzt die einzige Nacht, die so schlimm war.
    Die Fragen bleiben natürlich alle offen…

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