Die Zerstörung des Staatsmonopols

In letzter Zeit sehe ich immer mehr Dinge, die überall besser geregelt werden als durch den Staat. Besonders Bildung schießt durch die Decke in Gerechtigkeit und Qualifikation, sobald der Staat sein Monopol (gestützt durch Gewalt und Zwang) freigibt.

Bei dem Bildungssektor ermöglichen dies

1.) die „Freemium“-Modelle, bei denen man alle wichtigen Funktionen „for free“ bekommt und weitere Dienste im Premium Paket zuschalten kann.

2.) Community-Ansätze, die sich im freien Internet etablieren (oder darüber koordiniert werden), aber auch bei der „realen Produktion“ Erfolg haben.

3.) Die hier schon beschriebenen DIY und Selbstversogeransätze, die immer relevanter werden je mehr Produktionsmittel so billig und einfach werden, dass jeder hier zum Produzenten werden kann. (Hier gibt es sogar schon interessante Feldversuche für medizinische Versorgung)

Ich wage die steile These (an deren Beleg ich zur Zeit arbeite), dass man die komplette Bildung mittlerweile schon für umsonst (oder fast umsonst) bekommen kann.

Google bildet die Leute mehr als irgendein Staat zuvor das jemals vorzutäuschen gewagt hat. Facebook vernetzt die Leute mehr als alle staatlichen Projekte die Bürger zusammenzubringen.

Vielleicht ist es überhaupt mal an der Zeit den Staat in seine Teile aufzuspalten und dann zu sehen, bei welchen man einen gesunden Wettbewerb zulassen sollte? Aktuell hat ein Staat das Monopol über einen gewissen Landstrich (oder mehrere) – auf diesem Landstrich kann er dann weitere Monopole errichten: Gewaltmonopol (was immer schreckliche Konsequenzen hat, aber aus dem sich die restlichen Monopole ableiten), Steuermonopol, Gesetzmonopol, Sicherheitsmonopol, Währungsmonopol, Bildungsmonopol, Patentmonopol, Landmonopol, … – überall darf nur nach den Regeln dieses einen großen Agitators gespielt werden.

Ich bin mir sicher, dass es 1000 Vorschläge gibt, wie man die Judikative besser machen kann, wenn man sie dem Staat entreißt. Ich bin mir auch sicher, dass es zu einer gerechteren Landverteilung kommen muss, wenn der Staat das Landmonopol aufgibt. Das Patentmonopol will man dem Staat ja gerade entreißen.

Aber worauf es ankommt, ist die Perspektive zu wechseln. Der Staat ist der größte Überrest der von der religiösen Motivation geblieben ist. Und als nichts anderes sollten wir ihn sehen, es ist ein kleiner MenschenGott namens Leviathan, der alle seine Entscheidungen mit MenschenGottes-Strafe stützt. Und wir, da wir zufällig dem ein oder anderen Staat angeboren wurden, sollten auch nicht nur aufgrund unserer geographischen Lage dazu gezwungen werden uns diesem oder jenem großen MenschenGott zu unterwerfen.

Die aktuellen MenschenGötter behaupten ja sowieso sie wären durch Wahlen legitimiert. Und das ist es, was wir verlangen sollten, nämlich die Wahl. Und damit eine freie Wahl für jeden. Jederzeit!

Wir sehen, wie sich die ganze Welt erneuert und der Staat als riesige Schildkröte hinterherkriecht. Und das bedeutet, der Staat benötigt Konkurrenz und zwar auf dem eigenen Gebiet! (und jetzt bitte nicht mit der 16-Länder-Lösung kommen 😉 )

Während die meisten Leute Angst vor Google oder Facebook haben, meine ich: Nein! Wir sollten diesen Firmen die Möglichkeit geben auf allen Gebieten dem Staat Konkurrenz zu machen. Wir sollten Gerechtigkeits-Startups erlauben, die neue Ideen entwickeln, wie man Gerechtigkeit herstellen kann.

Und dann sollten wir genau darüber nachdenken, was das bedeutet. Und uns nicht von alten Ängsten leiten lassen, die der Staat täglich in uns pflegt. Jeder Gott benötigt für sein korrektes Funktionieren den Glauben seiner Anbetenden. Jede Emanzipation benötigt den Zweifel und das systematischen Nachdenken für ein Leben ohne diesen Gott. Und die Enttarnung was Glaube und was Aberglaube ist.

Ich glaube nicht, dass wir das extra initiieren müssen. Ich glaube die Entwicklung ist da, wir müssen uns nur vom Gott Leviathan trennen und uns Gedanken machen, wie die Welt aussehen könnte.

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6 Kommentare zu “Die Zerstörung des Staatsmonopols

  1. „Ich wage die steile These (an deren Beleg ich zur Zeit arbeite), dass man die komplette Bildung mittlerweile schon für umsonst (oder fast umsonst) bekommen kann.“

    „Google bildet die Leute mehr als irgendein Staat zuvor das jemals vorzutäuschen gewagt hat. Facebook vernetzt die Leute mehr als alle staatlichen Projekte die Bürger zusammenzubringen.“

    Nach meiner Wahrnehmung – die auch darauf beruht. dass ich den Facebookclient beim Scannen eines E-Mailordners über die Schulter geschaut habe – sehe ich das bei Weitem nicht so positiv wie du. Du zahlst mit Informationen über dich – Geld kosten diese Angebote jedoch tatsächlich nicht. Den Facebookclient zu mir einzuladen, war auf Neugier gegründet, nicht auf Angst.

    Meine momentane Bildung kommt übrigens nicht von Google, sondern von Menschen.

    Bei Unternehmen handeln kapitalistisch, extrem kapitalistisch, weil sie u.a. mit deinen eingespeisten Informationen (du bist weitgehend rechtlos nach dem „Hakerl“) ihre Profit maximieren möchten.

    Ist es nicht inkonsequent, beide Unternehmen in den Klee zu loben, das System, was ihr Handeln hervorbringt jedoch immer wieder heftigst zu kritisieren? Was ist damit gewonnen, wenn nicht mehr der „böse Staat“ das Informationsmonopol innehat, sondern ein oligarchischer Wirtschaftstrust (soweit sind wir zum Glück noch nicht)? Ich verstehe den Vorteil daran nicht.

    Gruß,

    Maik

  2. Hi,

    für mich ist der Vorteil ganz klar darin, dass ich Firma X nur die Informationen geben *muss*, die ich will, dass sie von mir hat. (Allerdings mache ich auch keine Syncs/automatischen EMailscannereien usw. (wobei EMails sowieso auf 1000 privaten Knoten liegen))
    Der Staat schreibt mir aber Briefe in denen steht, welche Informationen er von mir über mich *will* und mit welchen Gesetzen er mich bei Nichterbringung *bestrafen* wird.
    Zudem sehe ich im Staat (so wie er jetzt und die letzten 500 Jahre war) einen oligarchischen Wirtschaftstrust, der jetzt von neuen Unternehmen bedroht wird. Davor war er ein Konkurrenzkampf zwischen feudalistischen Mächten.
    Ich lobe sozusagen von 3 kapitalistischen Unternehmen die beiden am meisten, die ihr Monopol auf Qualität anstatt auf Gewalt beruhen haben.

    (Indirekt lerne ich natürlich auch von Menschen, z.B. scannt Google ja nur Bücher/Informationen ein, die Menschen geschrieben haben)

  3. „für mich ist der Vorteil ganz klar darin, dass ich Firma X nur die Informationen geben *muss*, die ich will, dass sie von mir hat. (Allerdings mache ich auch keine Syncs/automatischen EMailscannereien usw. (wobei EMails sowieso auf 1000 privaten Knoten liegen))“

    Ich glaube, dass das ein Irrtum ist. Die Information, die ein Rechnercluster über dich durch Algorithmen gewinnt, hast du ihm nicht freiwillig und selbstbestimmt gegeben – allein die Tatsache, dass deine Mails auf 1000 verschiedenen E-Mailkonten liegen, sagt etwas Statistisches über dich aus.

    Vergiss bitte auch nie die Informationen, die Dritte – gewollt oder nicht gewollt, bewusst oder unbewusst – über dich einspeisen und potentiell irgendwann auch dem verhassten Staat offen stehen werden. Der träumt doch davon, diese Dinge in die Hand zu bekommen und er hat notfalls auch die Mittel dazu, das zu können. Digitale Überwachung ist kostengünstig und wenig personalintensiv – mächtige Motivatoren. Facebook hat deinen Interneteinwahlknoten und Facebook hat dein Netzwerk und deine Lieblingstags. Der Raketeneinschlag wäre jetzt schon ganz dicht bei deiner realen Person.

    Aus deiner Kritik am Staat müssen wir doch lernen, dass die Daten uns gehören und niemand damit etwas machen darf ohne unsere Zustimmung. Es ist jetzt schon möglich, jemanden mit den Handy zu fotografieren und zu 98% nach ein paar Sekunden den Realname auf dem Display zu haben (Zeitungsbild der z.B. Abschlussklasse plus Namen reicht) – statistische Dinge wie z.B. der Verhältnis zwischen Augenabstand und Länge Nasenspitze-Mund sind bereits in deiner Kindheit mathematisch festgelegt – die Software ist bis jetzt noch nicht freigeschaltet, bis jetzt. Schöne, neue Welt: Ich möchte mir ein Urteil über ein Gegenüber machen, aber das wird mir u.U. abgenommen. Freiheit ist etwas anderes (krasses Beispiel, ich weiß).

    Ansonsten – gerade gefunden:
    http://carta.info/26515/die-social-media-blase-nennen-wir-es-beziehungsinflation/

  4. Hi,
    ich habe nicht gesagt, dass mir der Staat verhasst ist. Er hat nur monopolistische Funktionen aus der Vergangenheit rübergerettet, die er langsam verlieren wird.

    Ich suche nun ein neues Paradigma, das aus dem alten langsam hervorgeht. Wir haben den Staat (Sub-Gott: Leviathan) vs. die Kirche (hat schon verloren) vs. Kapitalismus . Der Staat muss Menschen atomisieren – genauso wie der Kapitalismus. Für mich stellt sich die Frage: Welches Produktionsparadigma schlägt den Kapitalismus (mit diesem muss er sich ironischerweise selbst abschaffen) und raubt Leviathan all seiner Monopole. Wenn wir ein Paradigma finden, dass uns nicht entfremdet, dann ist das gut, wenn nicht dann ist das schlecht.
    (solltest Du davon jetzt gar nichts verstanden haben, so ist das OK, ich werde demnächst noch einen Blogpost schreiben, der das wirre Zeug erklärt 🙂 )

    Der Link ist gut, verschweigt aber den Grad der Isolation, den wir ohne Internet erfahren würden (haben). (Kafka usw.)

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