Explosion

Wir wussten alle, dass es schwer werden wird, wenn wir zu meiner Mutter ziehen. Wir sind ungefähr die schlimmsten Non-Konformisten auf diesem Planeten (noch schlimmere gerne bei mir melden 🙂 ) und sie ist Gottes Gegenentwurf. Ein großer Reibungspunkt waren natürlich die Bettgehzeiten für kleine Menschen.

Wir hatten keine – und sie hat diese Vorstellung, dass Kinder SPÄTESTENS um 8 Uhr ins Bett gehören. Wir haben uns dann irgendwie auf 10 Uhr geeinigt und gehen jetzt alle um 10 Uhr ins Bett. Wie die Hühner. Das schaffen wir natürlich nicht genau und vor allem Nami sträubt sich richtig dagegen um diese Zeit schon die Zähne geputzt zu bekommen.

Mit der Zeitumstellung (die Nami anscheinend nicht automatisch auch macht) wurde es dann ganz heftig und als wir ihr gestern die Zähne putzen wollten, sagte sie immer nein. Irgendwann hatte Mummy keine Zeit mehr und musste etwas anderes machen, dann kam ich. Und sie wollte Mummy. Dann musste ich auch etwas machen und Nami stellte sich mir in den Weg. Als ich sie dann aus dem Weg stellte (jaja, ich mache solche Sachen, wenn es nur noch stressig ist) da warf sie sich auf den Boden und schrie. Richtig laut, so wie man es in der Werbung sieht.

Ich blieb ganz ruhig und ließ sie ausflippen, dann musste aber die Oma auf die Toilette und ich musste Nami rausnehmen. Nami schrie dann halt draußen weiter. Auf einmal begann aber die Oma auch auszuflippen und beschimpfte Nami und drohte sie zu schlagen und mit dem Besen und so weiter. So wie man das hier früher in Deutschland machte – als der gute alte Adolf die totale Schulpflicht einführte (wofür ihm ja die meisten heutigen Politiker sehr dankbar sind: „Ach der Adi, Autobahnen, Schulpflicht, keine Arbeitslosen, das waren noch Zeiten – der hat noch was für die Kinder getan“) – bis dann die bösen 68er kamen (und viele von denen waren auch noch Lehrer; sozusagen Maulwürfe mitten im autoritärsten System). Die stülpten irgendwie alles um und jetzt dürfen Lehrer Kinder nicht einmal mehr physisch zu besseren Leistungen motivieren (aber dafür dient die Forschung neue Manipulationstechniken an). Aber ich drifte ab.

Da hab ich der Oma gesagt: „Sie soll sich verziehen“. Sie schrie weiter. Dann hab ich es ihr noch einmal gesagt und als ich es ihr dann noch einmal sagen musste, fing ich auch an zu schreien. Nami machte das einzig Vernünftige (ich wünschte ich wäre bei meiner Mutter auch so vernünftig) und lief schweigend ins hintere Zimmer. Meine Mutter und ich schrien uns noch weiter an und dann knallte sie die Tür und das machte mich richtig sauer (erinnerte mich an früher) drohte mit Polizei und Jugendamt und wir schrien uns nur noch an. (Kommt bei Euch in solchen Konflikten dann auch immer das ganze alte Zeug hoch?  – Bei mir leider schon. )

Irgendwann war das ganze dann gottseidank vorbei. Sie ging wieder ins Wohnzimmer und schaute weiter fern und ich ruhte mich erst mal aus (war natürlich super für mein Herz). Ich weiß nicht, wie lange wir es hier noch aushalten, aber Mummy1000Sunnys Diplomarbeit dauert anscheinend schon noch 2 Monate (!)  und ich bin auch noch nicht so fit, dass ich es im Zug aus dem Land schaffe… Die Situation ist ein bisschen verzweifelt, da wir dauernd überlegen müssen: Kinder stark einschränken/mit ihnen normal umgehen – oder Oma.

Ich bewundere an Chopper, wie cool er bleibt. Er hat die ganze Zeit Comics gelesen und ist auch heute ganz normal. Er kennt die Oma schon und ihre Art, das hilft ihm wohl sehr.

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5 Kommentare zu “Explosion

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  2. Seufz.

    Ich kenne solche Geschichten als wir mit meine Schwiegereltern die Wohnung teilten…

    Die Zeit geht vorbei. Ja. Ich erlebe jetzt wunderschöne Momente mit meinem Schwiegervater (die Schwiegermutter ist fast zwei Jahre tot). Auch die Kinder kommen mit ihm inzwischen blenden aus.

    Muss sagen, die Krankheit und das Sterben, das bewirkt schon einiges. Aber auch ganz banal die Tatsache, dass wir noch zusammen sind (physisch im Haus).

    Das macht Eure Situation nicht erträglicher. Außer dass Du die Erkenntnis gewinnst, dass Du noch einiges zu lernen hast 😉 .

    Am Ende, wenn alles vorbei ist (egal, wie diese Zustand erreicht wird), wirst Du feststellen, dass Du gewachsen bist. Und das ist gut so.

    Viel Kraft für die nächsten 2 Monaten!

    [Ich gehe stark davon aus, das dies kein Aprilscherz ist…]

  3. Ich wünsche euch auch viel Kraft und GEduld miteinander! Ich kenne das zu gut, und hatte wegen der Kinder im letzten Jahr zwei Auseinandersetzungen – einmal mit meinem Vater, einmal mit meiner Mutter. Und jedes Mal tat es mir weh – vor allem, weil das ganze alte Zeugs wieder hoch, oder sagen wir: endlich raus kam.
    Ich war hinterher ehrlich gesagt auch stolz, endlich mal auf meinem Standpunkt geblieben zu sein.

    Allerdings ist es schwer, wenn man auf so engem RAum zusammen lebt. Da müssen beide Seiten Kompromisse eingehen. Und es ist ja nicht für immer – wenn ihr im Sommer umzieht, habt ihr das Ende doch schon in Sicht.

    Ich wünsch euch alles Gute!

  4. Mummy 1000Sunny
    Es ist wirklich Zeit, dass wir uns auf den Weg machen. Chopper ist nicht wirklich so cool, wie es scheint. Er weint immer öfter, wegen immer kleineren Dingen. Er kann vielleicht mit der Oma umgehen, aber er kann nicht mit dem Druck der Spannungen umgehen. Und dadurch, dass er „Oma’s Liebling“ ist, hat er es wirklich schwer und sitzt zwischen den Stühlen. Für die Kleineren ist es leichter, da ist es klar, wo die Bezugspunkte sind.

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