Unschooling – so mache ich das

—Vorgeschichte—-

In einem „Offenen Brief an alle Bildner“ (Educators) wurde behauptet, dass der Wert von Informationen gegen 0 tendiere, lernen damit für’n Arsch sei und man lieber gleich zu leben anfangen sollte.

Dieses wurde bei Rete-Mirabile aufgegriffen und die 3 Hauptthesen diskutiert. Meine Meinung war, dass die Information zwar stetig entwertet wird, dafür die Interpretation immer teurer wird, Lernen direkt ins Leben gehört, also man wirklich anfangen soll zu leben, und damit käme auch das richtige Leben (eine typische Unschooler-Position eben 🙂 ).

In der weiteren Diskussion fiel mir ein großer Unterschied zwischen dem Verhältnis zwischen meinen „Schülern“ und mir auf und dem der Lehrer und ihren Schülern. Die Frage war: woher mittlerweile Inhalte kämen, ob das Internet schon so weit ist? Verwies dabei auf iTunesU, nalandaU.com, academicearth.org. Insbesondere liegt mir Librivox sehr am Herzen. Die Lehrer meinten darauf, dass die Qualität von Librivox aber nicht für den Unterricht reichte. Woher kommt dieser Unterschied zwischen meiner Wahrnehmung und ihrer? Und hier kommt der Punkt, wie ich Unschooling betreibe ins Spiel.

—-Des Pudels Kern—–

Unschooling bedeutet für mich in erster Linie, dass jeder in unserer Familie ein Unschooler ist. Nicht nur die Kinder ge-unschooled werden, sondern insbesondere auch Mama und Papa (und die ganze Community).

Wenn ich also Materialien suche, dann sind die (und das mag die meisten schockieren) für mich. Und nur für mich. Ich interessiere mich gar nicht, was die Kinder zur Zeit interessiert. Ich habe ein Wissen, von da aus will ich weiterarbeiten und die Welt besser durchdringen und verstehen. Und danach richtet sich all meine Auswahl. Nach überhaupt nichts anderem und nach überhaupt niemand anderem.

Das bedeutet also, dass ich Librivox gut finde, weil es für mich die richtigen Dinge bietet. Ich finde dort Humboldt, Augustinus von Hippo, Dostojevski, Mill, Bakunin, Adam Smith und Marx. In der Bücherei hole ich mir noch Ernest Gellner, Buddhismus und Gestalttherapie. Aber was zum Teufel sollen die Kinder mit Philosophie, Politik, Wirtschaft und Nationalismusforschung sowie Angstbewältigung. Nichts. Es ist für mich.

Das klingt wahrscheinlich für viele jetzt sehr egoistisch und ich will da auch gar nicht widersprechen. Aber ich will versuchen hier zu erklären, wie ich Unschooling verstehe. Beim Unschooling versuche ich nicht die besten Materialien zu finden, die die Kinder lernen sollen, sondern ich versuche der beste Mensch zu werden, der ich werden kann. Damit werde ich selbst das Material. Sie bekommen einen authentischen Menschen, der versucht sein Leben komplett zu verstehen und es zu meistern.  Und dabei geht es bei der Befreiung aus dem künstlichen Kontext Schule, in dem Kinder nur Menschen vorfinden, die darauf optimiert wurden sie auf den Lehrplan und ein Funktionieren in der Gesellschaft zu optimieren.

Sie bekommen einen echten Menschen, mit Problemen, mit Hoffnungen, mit Wünschen, Wutausbrüchen (keine Angst, sind sehr gemäßigt), Ängsten, Träumen und dem stetigen Ziel sein „Telos“ – den Zweck seines Lebens – zu erfüllen. Und dadurch, dass ich Leben und Lernen vereinige, ja eigentlich überhaupt gar nicht erst trenne bekommen sie noch einen „Lehrer“, der stets lernt und immer neue inspirierende Dinge bietet. Nicht weil ich Stoff für sie suche, sondern weil meine aktuellen Dinge (wie alle Dinge auf der Welt) interessant sind. Und auch ein paar interessante Aspekte für die Menschen in meiner Umgebung bieten. An diesen Aspekten lernen sie jetzt nicht unbedingt, aber sie beginnen sich auch Fragen zu stellen.

So bereite ich nie Unterricht vor, oder Lektionen, sondern ich lebe und wachse. Und wenn wir in die Bibliothek gehen, dann suche ich meine Dinge und sie suchen ihre Dinge (ich helfe ihnen nur die Scheu in den Gesprächen mit den Bibliotheksangestellten zu überwinden). Und so stellt Chopper auch nicht in den Mittelpunkt, was mich interessiert, oder Nami; sondern er interessiert sich nur für das, was ihn eben interessiert. (Was für eine triviale Erkenntnis). Und das ist auch das einzige, was ihn optimal erreicht und ihn am besten unterstützt er selbst zu sein und sein Leben zu finden.

So vermeide ich den einen großen Fehler, der die Schule beherrscht und von dem sie sich nicht losreißen kann. Ein Fehler, in meinen Augen, der uns allen als fundamentale Wahrheit erscheint. Wir wollen, dass sich die Kinder für das interessieren, wofür wir uns interessieren. Und wir wollen sie dafür interessieren, dazu motivieren. Im Gegenzug bereiten wir unser Wissen und unsere Interessen so auf, dass die Kinder es verstehen können. Und das ist falsch. In meinen Augen führt das zu mehreren Problemen.

Einmal schätzen wir die Kultur der Kinder damit nicht, wir hindern sie konsistent zu reifen.

Dann sind wir enttäuscht, wenn sie sich nicht für „das Richtige“ interessieren. (also für unseren Kram)

Und wir bleiben selbst oberflächlich, weil wir dauernd portionieren, aufbereiten und verlehrplanen. Anstatt, dass wir immer tiefer und weiter forschen.

Das ganze führt zu einer erzwungenen Konvergenz, wo sich beide Seiten gegenüberstehen und oft schwächen, anstatt sich bestmöglichst zu entwickeln.

Wie sähe eine Klasse von 30, 40 oder 100 Kindern aus, die alle nach ihren Interessen forschen und leben würden? Wie sähe ein Lehrer aus, der ein ganzes Leben lang geforscht hätte und nicht an ein Fach gebunden wäre, sondern einfach seine „Zone der nächsten Entwicklung“ stetig ausbaut? Was für eine Welt hätten wir, wenn wir nicht dauernd Wissen wieder und wieder recyceln würden, sondern immer tiefer, breiter und und höher hinaus wollten?

So mache ich Unschooling, indem ich selber Unschooler bin und jede Idee von einem Aufbereiter und Planer loslasse. Ich helfe, wenn ich gebraucht werde und ich antworte und erkläre, wenn ich gefragt werde. Und ich gebe meinen Kindern die Sicherheit, dass ich immer da sein werde, wenn ich gebraucht werde – wenn auch oft versunken in ein Buch, dass nur mich interessiert und nur meine Fragen beantwortet.

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13 Kommentare zu “Unschooling – so mache ich das

  1. : Das soll aber nicht bedeuten, dass man als Unschooling-Daddy nicht den Stand und die aktuellen Interessen der Kinder kennt und dabei nicht unterstützt. Aber es sind eben die Interessen der Kinder, die man unterstützt – nicht die eigenen Pläne, wohin sie sich entwickeln sollten.

  2. Viel wichtiges in Deinem Post!
    Ich glaube, Du unterschätzt aber, wie wichtig es für die Lernprozesse Deiner Kinder ist, mit Deinen Kindern gemeinsame Projekte zu verwirklichen – und sei es nur dies: wir gehen in die Bibliothek und jeder sucht sich was zu seinen Themen (gemeinsam: Wir recherchieren und lesen). Denn das gehört zu einem (Dir nicht explizit bewussten) Curriculum für Deine Kinder: Sie sollen lernen, wie sie für ihren eigenen Sinn lernen. Und Du vergisst all die Antworten, die Du auf ihre Fragen gibst – nicht inhaltlich auf ihre Themen und Gegenstände – sondern z.B. darauf: „Wie finde ich ein Buch über …“ oder wie auch immer, die sich auf die Beschaffung des „Stoffs“ beziehen. Du vergisst, dass Du ihnen eine Lernumgebung bereitstellst und als Lernberater fungierst. Das wäre es, was Lehrer können müssten. Und wenn sie dann auch noch genau beobachten und die Zone der nächsten Entwicklung erkennen könnten, dann könnten sie auch die Lernumgebung noch passender machen. Professionelle Lehrer/Lernberater könnten sich auf das konzentrieren, was Du nebenbei tust, während Du Deine eigenen Lerninteressen verfolgst.

  3. Kann man sich darauf einigen, dass es die „natürliche“ Aufgabe des Kindes ist, sich auf das Leben als Erwachsener in einer Gesellschaft vorzubereiten? Wie soll es leben, wenn es diese Aufgabe nicht löst?
    Und nur vor diesem Hintergrund erhält der Begriff der Zone der nächsten Entwicklung einen Sinn, er beschreibt den nächsten Schritt auf diesem Wege.
    Haben die Erwachsenen dabei nicht auch eine „natürliche“ Aufgabe?

  4. Hallo Lisa,

    mir geht es eher darum, dass ich zwar als Lernberater fungiere, aber nur ein kleiner Teil meiner Zeit und Selbstverwirklichung dafür „geopfert“ wird. Und dies macht mich als „Lernberater“ relevant. Würde ich also nur Lernberater sein, hätte ich kein eigenes Ziel, kein eigenes Leben und wäre irrelevant. Somit auch uninteressant als Vorbild.
    Das bedeutet also, dass Lernberater immer auch etwas echtes machen müssen, das sie zu den Fragen bringt. Also ein Lehrer müsste auch noch ein politischer Aktivist, ein Schreiner oder was auch immer sein. Lehrer alleine wäre sozusagen ein Inzest und Bildung wäre in ihm zwar manifestiert – aber eben sinnlos (da er keine Verbindung zur Umwelt herstellt) und ziellos.
    Ein Schüler eines „Nur-Lehrers“ könnte als Ergebnis nicht mehr sagen, was Bildung eigentlich ist.
    Das beschreibt unseren aktuellen gesellschaftlichen Zustand ganz genau, in dem wir alle vor PISA, IGLU und TIMMS stehen und zwar wissen, dass wir schlecht sind, aber überhaupt nicht mehr wissen worin und was das Ziel ist. Lesen können? Aber warum? Rechnen/Integrieren können? Wozu das denn?
    Alle Messungen sind relativ im Verhältnis zu anderen Teilnehmern der Messung und somit nutzlos, weil wir nicht mehr feststellen können, ob wir an einem Pferderennen oder einem Schneckenrennen teilnehmen. Ob es überhaupt ein Rennen sein sollte und ob wir in die richtige Richtung laufen.

  5. Aber Deine Aussage stimmt natürlich, ich benütze wirklich immer meine neuesten Arbeitstechniken und diese gehen dann auch auf die Kinder über.

  6. Warum sollte man sich ausgerechnet bei dem wichtigsten im Leben – dem Lernen – professionell NICHT beraten lassen? Wir lassen uns ernährungsberaten, fitnessberaten, wenn wir krank sind, suchen wir Gesundheitsexperten, Ärzte, Psychotherapeuten auf oder wir holen uns diese Beratung aus dem Netz (dahinter stehen aber auch wieder Menschen als Berater) usw.
    Das heißt ja nicht, dass man immerzu einen professionellen Berater braucht.
    Das Schulische Lernen hat das informelle und implizite Lernen ganz verdrängt und verpönt. Es ist dringend nötig, dieses Lernen wieder besonders zu kultivieren. Aber allein schon diese Überlegung setzt eine gewisse Reflexion voraus über den Gegenstand „Lernen wie funktioniert das?“. Wir brauchen nicht bloß Lernpraxis-Experten, die uns beim Lernen beraten (z.B. kann es ein ganzes Leben brauchen, wenn jemand ohne Hilfe ganz für sich alleine analytisches systematisches Denken entdecken möchte, v.a. wenn er gar nicht weiß, wonach er eigentlich sucht, weil ihm die Begriffe dafür fehlen! 🙂 Lies mal das Buch von James Bach, Secrets of a Buccaneer Scholar, es gibt es auch inzwischen auf Deutsch: Die Freibeuter-Strategie. Darin beschreibt ein Lernexperte, der die Schule abgebrochen hat und völlig ohne Zertifikate ist, wie er nach Abbruch der Schule selbst Lernen gelernt hat. Es ist nicht bloß eine interessante Geschichte, sondern quasi ein Beratungsbuch erster Qualität geworden. Dort wird jedoch auch sichtbar, dass man Lernen lernen nicht automatisch und nicht für sich alleine lernt, sondern in einer lernförderlichen Umgebung mit anderen Menschen, die selbst etwas vom Lernen verstehen. Wieviel Zufall es braucht, um in diese Voraussetzungen hineingeboren zu werden! Du hast Glück gehabt, James Bach hat schlussendlich Glück gehabt (aber auch nur, weil sein Vater eine kluge Entscheidung traf). Wir können auf gar keinen Fall das Lernen unserer Kinder und Jugendlichen solchen Zufälligkeiten überlassen! Wir müssen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass ALLE sehr gute Bedingungen zum Lernen bekommen. Dafür muss man 1. genau wissen, was Lernen ist, und was es heute bedeutet; 2. welche Bedingungen es dafür braucht, damit es so gut wie nur irgend möglich immerzu stattfindet und 3. wie die Gesellschaft diese Bedingungen herstellt. Und dabei geht es gar nicht nur um das Lernen von Individuen, sondern auch um das Lernen von Organisationen (sozialen Systemen), von dem man noch nicht viel weiß. Mit anderen Worten: Wir brauchen Lernexperten noch und nöcher: als Lerntheoretiker mit Feldforschung zum Verständnis des Gegenstands „Lernen“ und als Lernberater, um für jeden (Individuum und Organisationen)die förderlichsten Lernstrategien und Lernbedingungen zu schaffen. Und Du wirst lachen, obwohl ich selbst eine Art Lernberater bin, lasse ich mich ständig von anderen Experten für mein eigenes Lernen und meine eigene Entwicklung beraten. Und wenn wir das als Erwachsene brauchen bis zum Ende unserers Lebens, um wieviel mehr sind Menschen mit wenig Lebenserfahrung (also Kinder und Jugendliche) angewiesen auf kluge BeraterInnen?
    Du kannst Dich außerdem nicht darauf verlassen, dass alles, was du tust, einfach so auf deine Kinder „übergeht“. Zum Glück tut es das nicht! Je älter sie werden, desto kleiner wird der Raum, in dem sie einfach nur implizit lernen durch Nachahmung. Sie sind keine Imitationsaffen, sondern bewusste menschliche Wesen mit eigenem Willen und eigenen Entscheidungen.

  7. Ein Lehrer müsste auch noch etwas anderes sein, sonst wäre es Inzest, sagst du. Ich weiß nicht genau, was du mit Inzest in diesem Zusammenhang meinst, aber genauso wie bei Ärzten und anderen mit dem Menschen professionell Beschäftigten muss man natürlich auch von einem Lehrer verlangen, dass er in erster Linie ein verantwortungsvoller Mensch ist, der etwas von seiner Domäne versteht und Interesse an den Menschen und ihrem Wohlbefinden hat. Von der Domäne „Lernen“ kann man natürlich nur etwas verstehen, wenn man sich genügend lange experimentierend, reflektierend und theoretisierend damit beschäftigt hat. Das dauert mindest ebenso lange und fordert den ganzen Menschen mindestens genauso wie ein Medizinstudium. Warum sollte man sich dann auch noch als Handwerker (Schreiner oder so) ausbilden lassen? Verständlich wird diese Forderung nur, wenn man unter Lehrer immer den Belehrer versteht, der dem Zögling etwas „vormachen“ kann. Wenn Kinder, mit denen ich Lernprozesse organisiere, sich die Begegnung mit einem Schreiner in der Werkstatt wünschen, dann muss ich als Lehrer in der Lage sein, soetwas zu organisieren. Aber ich muss nicht selbst der Schreiner sein. Auch ein Schreiner kann ein guter Lernberater sein – fürs Schreinern. Ein echter Lernberater, der nicht bloß Wissen seiner Fachdomaine weiterreichen kann an die, die es interressiert, muss auf einer höheren Ebene Lernen beraten. Er muss auch Lernprozesse beraten können, bei denen es sich um Dinge handelt, für die er nicht Experte ist. Aber er muss wissen, wo und wie er an dieses Expertenwissen herankommt.

  8. Er muss auch Lernprozesse beraten können, bei denen es sich um Dinge handelt, für die er nicht Experte ist. Aber er muss wissen, wo und wie er an dieses Expertenwissen herankommt.

    Sehr interessant. Sehr, sehr.

    Gerade dachte ich, ihr versteht euch nicht. Aber vielleicht doch? (Ihr wollt es bloß nicht einsehen…)

  9. Hallo Andrea, ja, wir müssen wohl noch eine Weile diskutieren, um herauszufinden, wo die Übereinstimmungen sind, und wo die Differenzen. 🙂

  10. Hi Lisa,

    ja wahrscheinlich 🙂
    Ein erster Punkt, der mir auffällt ist, dass ich die Arbeitsteilung ablehne und Du sie voraussetzt.
    Ich glaube, dass wir einen Punkt in der Geschichte erreicht haben, in der jeder mehrere Dinge sehr gut lernen kann (also Schreiner + Medizin + Autobauer + Hausbau + Essensanbauer + Biologe + Nanotechnologe + Politik + Wirtschaft), wenn wir das Lernen in das Leben reintegrieren und die existierenden didaktischen Mittel bis zum Anschlag benützen.
    Wenn wir nun (durch Städtearchitektur + technische Neuerungen + geändertes Freizeitverhalten) die Atomisierung des Menschen aufheben und auch die Spezialisierung der Institutionen fallen lassen (z.B. Gemeindehaus + Schule(fürAlleAuchErwachsene) + Bibliothek + Uni + gemeinsame Werkstatt richtig verschmelzen) arbeiten die Leute mit den oben genannten Fähigkeitsclustern zusammen und sind überhaupt nicht mehr auf industrielle Konzerne u.ä. angewiesen um ihre Bedürfnisse zu befriedigen und gleichzeitig weiter zu forschen.
    Was mir vor Augen schwebt ist ein integraler Individuums, anstatt des durkheimschen anomischen Experten.
    Das mag zuerst utopisch klingen, aber wenn ich mir die aktuellen Bewegungen anschaue, dann scheinen wir kurz davor zu sein es still und heimlich zu verwirklichen.

    Als wir damals angefangen haben Software außerhalb von Konzernen zu entwickeln, sagte die gesamte Industrie, dass das Irrsinn sei. Kommerzielle Qualität und Verlässlichkeit seien unschlagbar. Mittlerweile gilt Open Source als das überlegene Modell. Und überall wird „Open“ angestrebt – ein Modell in dem am Ende – die produzierten Produkte nicht mehr aus industrieller Fertigung kommen, sondern aus menschlicher, selbstgesteuerter Arbeit.

  11. @Georg
    Ich denke, dass es diese Zweiteilung „Auf-Das-Leben-Vorbereiten“ und „Leben“ nicht gibt. Sie ist künstlich. Man bereitet sich auf seine Aufgaben stetig vor.
    Sie ist wieder eine Idee, die im Diskurs „arbeitsteilige Gesellschaft“ verwurzelt ist.
    Bei Unschoolern sehe ich das ganz deutlich. Sie leben, ab der ersten Minute. Und ihr Leben und Lernen ist verwoben, dass ich eigentlich versucht bin, den Ausdruck „Lernen“ auf die Müllhalde zu werfen und einfach nur noch „Leben“ benutzen möchte.
    Also nicht mehr „Kinder lernen für das leben“. Sondern „Menschen leben“ – fertig. Und da ist dann schon alles drinnen. Die Trennung zwischen Leben und Lernen ist tot (für mich 🙂 ).

  12. Was mir vor Augen schwebt ist ein integraler Individuums, anstatt des durkheimschen anomischen Experten.

    Erklärst du mir den Satz? Bitte? 😀

  13. Emile Durkheim hat die Erfüllung und das Glück des Menschen in der Arbeitsteilung gesehen. Je geteilter und spezialisierter desto besser. Das maximiert die Anzahl unserer sozialen Interaktionen und dadurch werden wir total vernetzte soziale Menschen.

    Ich denke, dass wir nicht viele sondern intensive Kontakte brauchen. Und nur freiwillige.
    Ein integrales Individuum ist auch ohne Gesellschaft lebensfähig (im Gegensatz zum abhängigen Spezialisten) und geht freiwillig in die Gesellschaft um dort seine Erfüllung unter Menschen zu suchen.

    Der Spezialist ist immer gezwungen in einer Gesellschaft zu leben und somit stellt sich ihm die Frage nach einer Freiwilligkeit gar nicht. Somit kann er nie ein freier Mensch sein und kann seinen Mitmenschen auch nichts anderes anbieten als die Erfahrungen eines Sklaven.

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