Freiheit oder Zwang

In der Geschichte der Menschheit (oder besser den Geschichten der Menschen) scheint es zwei große Strömungen zu geben.

Die eine ist das Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit; das andere ist die Konzentration von Macht, Zentralisierung und Kontrolle.

Die Entwicklung von einer Freiheit zu einem Zwang ist sehr interessant und man sollte sie genau anschauen.

Sie läuft (meines Wissens) immer in dieser Reihenfolge ab:

Freiheit -> Privileg -> Recht -> Pflicht -> Zwang

Ich will das am Beispiel „Wohnen“ aufzeigen.

Das Bedürfnis zu wohnen ist für praktisch alle Tierarten lebenswichtig. Alle Tierarten bauen sich ihre Unterkünfte und so konnte man auch bei allen menschlichen Kulturen verschiedene Arten des Wohnens finden.

Dieses hing ab von den Rohstoffen, die vorhanden waren. Von dem Untergrund und seiner Stabilität. Von den Klimabedingungen und von den kulturellen Bedingungen. Wenn wir also in die Geschichte sehen, so sehen wir Jurten und Lehmwellerbau, Holzhäuser und Steinbauten.

Das gemeinsame Merkmal war, dass sich jeder gesunde Mensch eine Wohnstätte bauen konnte und darin nach kurzer Zeit leben konnte. Je nach Bedarf konnte er diese erweitern und umbauen – er lernte es als Bestandteil seiner Kultur.

Mit der Zeit wurde dann der Wohnungsbau professionalisiert und das Wissen dazu monopolisiert (Gilden, etc). Dieses machte die „guten“ Wohnungen zu einem Privileg für die, die es sich leisten konnten und stempelte alle anderen gleichzeitig als minderwertig ab. Dies kann man heutzutage noch in Entwicklungsländern sehen, wo der Bau eines modernen Rathauses, Schule oder einer anderen Institution inmitten einer traditionellen Siedlung den neuen Standard setzt und somit alle anderen Häuser zu Baracken und Scheunen degradiert.

Hatte man zuerst noch vollkommene Freiheit *zu wohnen* wurde es nun zu einem Recht eine *Wohnung zu haben*. Ein Recht, weil man nun auf jemand anderen angewiesen war, der einem das Recht genehmigte und später auch jemanden der einem dieses Haus baute. Und erst mit dem Schritt auf andere angewiesen zu sein benötige ich ein Recht, dass ich gegenüber diesen geltend machen kann.

Der nächste Schritt ist nun, dass bestimmte Lobbies sich durchsetzen und aus Rechten Pflichten machen. Dieses geschieht immer aus dem Punkt heraus, dass die Sicherheit, Hygiene oder andere gerade gehypte Werte des Bürgertums als Recht-Fertigung dienen. So sind natürlich alle besorgt, dass ein Haus niederbrennen könnte, wenn der Kamin verstopft ist – Menschen könnten dabei sterben. Der Kaminkehrer muss also regelmäßig kontrollieren und auch das Haus abnehmen.  Also muss dieses zur Pflicht werden. Kein Haus darf nun mehr ohne Kamin gebaut werden.

Natürlich ist es auch unmöglich, dass Häuser unsichere Elektroinstallation haben, oder nicht an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen sind (Menschen könnten sterben, krank werden, durch eigenmächtige Entsorgung die Pest verursachen, usw). Also benötigt man auch hier Spezialisten, die diese Arbeiten abnehmen.

Zusätzlich kommen andere zivilisatorische Einschränkungen. So können etliche ältere Menschen die ich kenne, neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit, auch eine Mauer hochziehen, Stromleitungen verlegen, Dachstühle ausbauen usw. Ich kenne aber keinen jungen Menschen mehr, der das kann. Alle sind festgenagelt auf ihre eine Stelle am Fließband. Der Maurer kann Mauern, dafür kann er alle möglichen Mauern mauern, kennt die Theorie des Mauerns und bald wird er auch noch Dissertationen über die chinesische Mauer und die Berliner Mauer anfertigen.

Mit all diesen Pflichten wird man auf immer mehr Hilfe von Anderen angewiesen, bis man am Ende seine Wohnung nicht mehr selber bauen kann und auch nicht mehr darf. In Deutschland ist das sogar soweit pervertiert, dass, selbst wenn man Freunde aus allen Sparten hätte und alle sich gegenseitig helfen würden die Wohnung zu bauen, so dürfte man das nicht. Denn Freunde dürfen nur bis zu einem gewissen prozentualen Anteil umsonst helfen. Danach *muss* es teuer werden.

Da die Menschen nun abhängig sind und praktisch immer auf Bauträger angewiesen sind, werden weitere Bestimmungen erlassen um die Menschen vor den schwarzen Schafen unter den Bauträgern zu beschützen. Dass man auf dem Gerichtswege „Recht“ bekommt können sich aber die, die gerade mal ein Haus finanzieren konnten und das nun nicht beziehen können (weil ja der Bauträger pfuschte und das Haus nicht abgenommen wird) nicht mehr leisten. Hier gibt es grausame Berichte über Schimmelhäuser (Bauschäden kann der Otto-Normalo mittlerweile ja nicht mehr sofort erkennen und versucht es daher meistens auch nicht), die wieder abgerissen werden müssen und das Gerichtsverfahren sich schon über Jahre erstreckt und die Familie meist schon unter dem Druck zugrunde gegangen ist. Sie haben schließlich ihr Traumhaus finanziert, müssen weiter in provisorischer Miete wohnen und haben Anwaltsausgaben und Ärger.

Eines dieser Rechte ist Decken-Mindest-Höhe. Rechte-Produzenten lieben Mindeststandards. Das klingt verlockend, da ja niemand unter gewissen Mindeststandards zu leben gezwungen sein müsste. „Standard“ ist hier der interessante Übergangsbereich an dem ein Recht zur Pflicht wird und man es weder als das eine noch als das andere bezeichnen kann. An den Zeitpunkten solcher neuen Standards kommen also dann Beamte der lokalen Baukommission in die Häuser und sehen nach ob die Decke auch hoch genug ist.

Hier gibt es eine witzige Geschichte, in der einer Familie gesagt wurde, dass ihre Decken nicht hoch genug sind und das Haus in zwei Wochen geräumt werden müsse. Die Familie, die sich das Haus damals selbst erbaut hatte und nicht wegen 2 Zentimetern jetzt ihr Haus verlieren wollte, nahm – kaum waren die Beamten weg- die Dielen aus dem Haus und gruben den Boden ein paar Zentimeter tiefer. Dann setzten sie die Dielen wieder ein und als die Beamten zwei Wochen später wiederkamen ergab die erneute Messung, dass alles in Ordnung wäre.

An dieser Geschichte sieht man aber ein sehr interessantes Merkmal der Mindeststandards. Sie müssen von sehr vielen Menschen erfüllbar sein. Hätten die Leute das nicht durch „Graben“ lösen können, so wären sie zum protestieren gegangen. Bei der Festlegung von Mindeststandards müssen also praktisch alle Leute noch erfasst werden (oder man erlässt der Einfachheit Übergangsregelungen) – jeder Zeitungsbericht über einen Rentner, der durch die neue Heilsbotschaft sein Haus verliert wirkt entstellend. Das gute an Mindeststandards ist, dass man sie später noch höher schrauben kann. Ja, man muss sie sogar höher schrauben, da man als Nation mit anderen Nationen im Wettstreit um die höchsten Mindeststandards steht.

Der Punkt ist aber, dass mit jedem Zentimeter Deckenhöhe tausende von Dachstühlen als Wohnung wegfallen, die Baukosten der Wohnungen steigen, bestimmte Materialien ausgeschlossen werden – und somit jeder Mindeststandard mehr und mehr Leute von einer eigenen Wohnung ausschließt.

Sind die Mindeststandards erst einmal flächendeckend etabliert, so ergibt sich daraus auch ein Zwang – dieser wird manchmal auch noch gesetzlich festgeschrieben. Dieses ist aber oft nicht einmal mehr nötig, da die Realität diesen Zwang schon längst festlegte.

Da aber „Wohnen“ nun als Recht, mit all den Pflichten ziemlich teuer wurde, können sich die meisten Menschen nun kein eigenes Haus mehr bauen (und sowieso nicht leisten) – so haben wir hier Bezirke mit riesigen Hochhäusern in denen gesunde, junge Menschen leben, die den ganzen Tag in Abhängigkeit verbringen und nur versorgt werden ohne jemals auch nur die Chance zu bekommen sich selbst zu versorgen und sich aus der Unabhängigkeit zu befreien. Wir treten sogar in eine Zeit ein, in denen viele von diesen Menschen sogar eine handwerkliche Ausbildung hätten.

Man erkennt, dass all die Mechanismen, die von einer Freiheit zu einem Zwang führten Dinge sind, denen die meisten von uns zustimmen würden. Ja sogar humane und zivilisatorische Errungenschaften, die irgendwie bittere Konsequenzen haben. Es sind subtile, gut gemeinte Veränderungen, die über Jahrzehnte zu einer Fessel werden.

Nun haben wir noch die andere Richtung zu bearbeiten. Die Erhaltung der Freiheit und die Rückgewinnung der Freiheit.

Die Rückgewinnung der Freiheit läuft klarerweise andersherum – aber abrupt. Während bei dem Ausbau von Zwängen das Endergebnis nicht feststeht (der Vorgang zieht sich oft über Jahrhunderte und ist verworren) muss der Abbau von Zwängen die komplette Lösung als Blaupause vorlegen. Menschen werden ihre Zwänge nicht abschütteln für ein hohles Freiheitsversprechen (sie könnten in einem schlimmeren Zustand als dem der Sicherheit enden, an die sie schon gewöhnt sind). Die Freiheit muss klar ersichtlich sein und sie wird nur die erreichen, die mehr dadurch gewinnen, als sie verlieren können. Dadurch wird sich die Freiheit durch soziale Neuerungen auch nur langsam verbreiten. Zeiträume von 40 – 100 Jahren sind hier angemessen. Die Menschen, die unter den alten Konditionen ihre Schäfchen ins Trockene gebracht haben, werden sich nicht wieder hinaus in die wilde Welt begeben. Erst die nächste oder übernächste Generation wird hier die neue Freiheit attraktiver finden und versuchen sie mit ihren Privilegien zu vereinen. Alle die ihre Schäfchen nicht im Trockenen haben, ringen mit den alten Unfreiheiten und versuchen das Beste aus ihnen zu machen. Sie haben weder Zeit noch Energie sich auch noch für Freiheiten einzusetzen, geschweige denn sie für sich zu erkämpfen.

Dennoch gibt es anscheinend immer welche, die die Muße finden, oder die zu stark unter dieser oder jenen Einschränkung leiden, als dass sie nicht nach der neuen Freiheit greifen wollen. Andere werden von ihrem Gewissen nicht in Ruhe gelassen. Auf diesen Gruppen ruht der soziale Fortschritt der Menschheit. Ihre Verteilung ist so zufällig, wie ihre Kriterien, sie mögen im Greenpeace-Boot sitzen oder in einem Gefängnistrakt. Sie mögen soziale Unruhen stiften oder in der Politik tätig sein. Von dem Hausmann/frau über den Beamten bis zum Professor oder Priester. Zwang und Unfreiheit müssen mit Angriffen aus allen Ecken rechnen.

Die Freiheit selber folgt klaren Kriterien (die ich von Kant entleihe), sie ersetzt Heteronomie (die Abhängigkeit von zunehmend mehr Leuten, die mir Rechte einräumen und mir dafür Pflichten abverlangen) durch Autonomie (die Abhängigkeit von zunehmend weniger Leuten). Sie ersetzt den großen Überbau (die Superstructure) durch das Wirkliche (die Basis-Struktur). Dieses wird auch jedem Kämpfer für Freiheit sofort den Ruf eines „Separatisten“ und „Individualisten“ bringen, der sich aus dem „großen gemeinsamen Gesamtprojekt“ zurückziehen will, nur um seine „partikularistischen Interessen“ auf „Kosten der Mehrheit“ durchsetzen will.

Konsumenten kehren sich ab von den riesigen Legebatterien in der Nähe von Superkonsumzentren und werden zu Produzenten ihrer eigenen Gebrauchswerte. Sie wenden sich ab von Dienstleistungen und Waren, bei denen sie auf den Kundenservice und die Verbraucherhotline – auf Kulanz und Verbraucherschutz angewiesen sind. Sie befreien sich aus der (wie auch immer verschuldeten) Abhängigkeit. Sie reißen sich den Schnuller der abhängigen Rundumversorgung aus dem Mund, der sie mit allen Annehmlichkeiten verhätschelt, sie aber unmündig macht und ihnen das eigentlich wichtige nimmt: Das Recht auf ein eigenes produktives und erfülltes Leben.

Humboldt prophezeite schon, dass der Mann der Arbeit hat, mehr vom Leben hat, als der der von diesen Arbeit profitiert. Und getreu diesem Paradigma streiten sich die Menschen um Arbeit, die nur deswegen begrenzt ist, da sie in Abhängigkeit von einer begrenzten Industrie gesehen wird.

Um auf unser Beispiel vom Wohnen zurückzukommen, so entdecken immer mehr Menschen, dass Häuser sich auch selbst bauen lassen. Dass durch moderne Technik eine Selbstversorgung mit Energie, Wasser und sogar eine Klärung einfacher ist als je zuvor. Und sogar qualitativ hochwertiger. Dass man nicht tausende von Spezialisten braucht, die einem alle Mündigkeit abnehmen. Sondern, dass man durch Internet und den korrekten Gebrauch von Spezialisten, die ihr Wissen teilen, eine neue Mündigkeit erreicht. Und diese neue Mündigkeit führt zu dem Ergebnis, dass sich jeder Mensch ein Haus selber bauen könnte. So kommen immer mehr Menschen, die diese neue Freiheit genießen, die wohnen anstatt eine Wohnung zu haben. Diese Menschen verlangen mehr Freiheit und wollen das Gesetze zurückgefahren werden, alte Privilegien (die sich aus dem Zeitalter der Gilden erhalten konnten) aufgelöst werden.

Immer mehr Menschen sehen dann, wie verlockend es ist, sein eigener Herr zu sein und wie wenig Erlösung die Doktrin der allumfassenden Arbeitsteilung bis hin zur Atomisierung der Menschen gebracht hat. Die Existenz der neuen Lösung und ihre Durchführung (die in strengen Ländern schon oft unmöglich ist) fasziniert immer mehr Menschen, denn Freiheit ist ein Wert, den der Mensch erkennt, wenn er vor ihm steht und er erkennt, was die neue Lösung für ihn bedeutet und welche Fesseln von ihm abfallen werden. Und auf diese Weise breiten sich freiheitliche Lösungen aus. Sie lösen uns von der durkheimschen deprimierenden Heteronomie, die uns nur zu Zuarbeitern macht und zu Abhängigen, die sich nicht mehr bewegen können, ohne dass sich vorher nicht die ganze Welt bewegt.

Die Befreiung aus der Abhängigkeit, der Heteronomie, ist nicht separatistisch. Im Gegenteil sie sorgt für eine stärkere Bindung unter den Menschen, da die Bindungen nun freiwillig sind und nicht mehr auf gegenseitigem Zwang beruhen. Der gegenseitige Zwang führt nur zu Misstrauen, Überwachung und einer Neidgesellschaft. Nicht mehr Versorger und Abhängiger prägen die menschlichen Interaktionen, sondern freier Mensch und freier Mensch. So wird der Versorger nicht mehr von seinen Abhängigen verlangen, dass diese ihr Leben nach seinen Wünschen und Vorstellungen führen und auch nicht, dass sie ihre Kinder nach seinen Werten erziehen – oder gleich von ihm erziehen lassen. So wird – um der gerechten Verteilung der Konsumgüter willen – nicht länger die Lösung der Bevölkerungsreduktion in Betracht gezogen werden. Je Selbständiger, Mündiger und Unabhängiger die Menschen sind, desto weniger Schutzbedarf besteht und desto geringer werden die Ungleichheiten in Rousseaus Sinne der amour-propre (die Selbstliebe, die dann pervertiert, sobald der Mensch kein Gehör mehr findet, da er unwichtig geworden ist).

Der Abbau von Heteronomien ist somit der Maßstab, mit dem wir das Wort „Freiheit“ messen können. Somit kann man auch erklären, dass Institutionen, die Heteronomien abgebaut haben schwer zu einer Einschränkung von Freiheit geführt haben (z.B. Bibliotheken, Ersetzung der piktogramm-basierten Schrift durch Alphabete)

Als letztes interessiert mich noch die Erhaltung der Freiheit, denn während Deutschland zur Zeit immer stärker in Richtung „Generation Pflichterfüllung“ geht, deren Modedroge Ritalin und Konformin sind, gibt es in den USA und UK besonders im Gebiet der OpenEducation unglaubliche Erschütterungen, die die akademische Welt nachhaltig erschüttern. Auch oben beschriebene Wohn-Arten gewinnen an Vielfalt.

Ich denke, dass dieses mit der Art der Erziehung zu tun hat. Denn wie jemand mal sagte (Freire vielleicht?) es gibt nur zwei Arten von Erziehung – zur Freiheit oder zur Sklaverei. In den USA werden die Texte von Martin Luther in den Schulen gelernt, die Reden der Präsidenten wie Washington, Lincoln und Franklin fast auswendig gelernt. Freiheit ist dort ein wirklicher Wert, für den die Menschen aufstehen und dessen Einschränkungen sie gut erkennen. Doch auch dieses muss täglich gelernt werden, damit Freiheit nicht zum bloßen Wort wird, das keine Bedeutung mehr hat, außer schön zu strahlen. Wichtig für dieses ist aber der offene Umgang mit der eigenen Vergangenheit. In den Vorlesungen in den USA wird darüber nachgedacht, wie es nur passieren konnte, dass man in der Verfassung die Sklaverei zulassen konnte. Und wie man so etwas in Zukunft schneller erkennen kann.

Natürlich haben die USA auch schlechte Seiten, auf die an diesem Punkt immer gerne hingewiesen wird. Doch zum einen geht es darum, dass wir von den guten Dingen lernen anstatt pöbelhaft auf die schlechten Dinge zu verweisen. Und zum anderen denke ich, dass es die schlechten Dinge sind, die eher auf Gemeinsamkeiten beruhen (Angst (z.B. vor Terrorismus), Aspekt der Rache (z.B. in der Justizgebung)) als auf Verschiedenheiten. Also sollten wir versuchen von den guten Dingen zu lernen (und dazu gehört die Überlegenheit im Kampf um die Freiheit), als auch von den schlechten Dingen, die wir – anstatt sie dort anzuprangern – bei uns suchen sollten.

Zu guter letzt will ich noch sagen, dass ich stets für ein Indiz gesucht habe, ob die Menschheit sich in Richtung Freiheit oder in Richtung Zwang entwickelt. Hier gibt es deprimierende soziologische Analysen, die sich über Jahrhunderte erstrecken, die in Richtung Zwang zeigen (Huizinga, Norbert Elias, Foucault) und natürlich auch die Ideenlehre von Augustinus und seiner „Libido dominandum“ (die leider die westliche Kultur prägt). Dennoch gibt es auch viele Analysen, die in die Gegenrichtung zeigen – insbesondere aus dem Bereich der Psychologie.

Das Bild ist sehr verwirrend und es hat ein bisschen den Anschein, als hätte John Stuart Mill doch Recht, als er behauptet: Die Menschheit hat keine klare Tendenz zu Freiheit oder Zwang, es wird entschieden nach Laune und aktueller Stimmung.

Ich will hinzufügen, dass die Freiheit strukturell auch immer die Kreativität auf ihrer Seite hat, während der Zwang strukturell immer die Masse hinter sich hat.

Anmerkung: Alle Zitate sind frei aber inhaltlich korrekt wiedergegeben. Ein Hegel-Zitat habe ich ohne konkreten Verweis auf Hegel zitiert (da Hegel aber sowieso bei Schelling geklaut haben soll, bin ich mir keiner Schuld bewußt ;P )

Hier noch ein paar Cob-Häuser, Buchempfehlungen, Webseiten und Blogs:

http://small-scale.net/yearofmud/

http://www.greenhomebuilding.com/cob.htm

http://www.cobprojects.info/
http://earthhome.wordpress.com/

(Es gibt auch analoge Ideen von Buckminster Fuller (nicht dass mir hier jemand vorwirft ein fundamentalistischer Freund der Natur zu sein 🙂  )

Und hier eine Landkarte mit Projekten verschiedener Bauarten:

http://naturalhomes.org/homesmap.htm

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4 Kommentare zu “Freiheit oder Zwang

  1. In Bezug auf deine Äußerungen zu den USA bin ich etwas verwirrt. Ist es nicht so, dass seit längerer Zeit Ritalin auch dort „in“ ist?
    Außerdem bekomme ich von den US-Blogs, die ich lese, den Eindruck, dass dort zurzeit das Gefühl für Freiheit unter der breiten Masse der Bevölkerung immer mehr abstumpft, sowie die Regierung versucht, Freiheiten stärker zu beschneiden oder kein Interesse daran hat, Einschränkungen aufzuheben.

    Ich frage mich also, ob diese Erschütterungen wirklich so stark sind, wie von dir beschrieben?

    Allerdings denke ich schon, dass sich in den USA weitaus mehr Menschen für ihre freie Entfaltung einsetzen als in der BRD, was unter anderem an der kulturellen Prägung liegen kann.

  2. Hi,

    ich wollte auf jeden Fall nicht sagen, dass die USA eine absolute Freiheit haben. Sie haben eine relative Freiheit, die aber sehr viel weiter geht als unsere. Freiheitsbeschneidungen kommen sehr subtil daher, ich habe versucht darzustellen, dass eben die meisten Menschen nicht klar sagen können, dies führt zu mehr Freiheit und das zu weniger. Oft zeigt es auch erst die Geschichte. So tobt aktuell ein Krieg ums Internet, denn sobald alle Notebooks erst einmal mit einer Webcam eingebaut sind, kann man dies (z.B. zum Schutze der Kinder) als Kontrollinstrument verwenden. Die Schule hat meiner Meinung nach eindeutig verloren. Die wissenschaftliche Beweislage ist mittlerweile zersetzend. Es hat eine starke funktionale Expansion eingesetzt (jede Woche werden neue Aufgaben definiert, die sie erfüllen soll), die ein Vorzeichen des Kollapses ist und es gibt zu viele Alternativen, die Überlegenheit bewiesen haben. Da Bildung strukturgebend ist, wird das starke Umwälzungen nach sich ziehen. Ein Pflichtlehrplan ist außer Reichweite der dortigen Doktrin. Wenn Bildung mit der DIY-Shelter/Mobility/Food Bewegung in Kontakt kommt, wird es wohl eine Ironie der Geschichte sein, dass die USA als erste ein Subgesellschaft von frei vergesellschafteten Produzenten bekommen (allerdings die individualistische Variante).
    Aber das sind alles Spekulationen – was ich damit sagen wollte, die USA haben strukturgebende Freiheiten, für die wir hier in Deutschland noch ein paar Jahre/Jahrzehnte arbeiten müssen. Nicht jeder nützt die Freiheit – das ist klar – und ich kann mir vorstellen, dass der Ritalin-Verbrauch pro Kopf sogar höher ist als hier (da ja Leistung noch mehr im Fokus steht), aber es gibt die Freiheit ADHS-Kinder komplett ohne Schule (und damit Ritalin) zu unterrichten und diese Freiheit kann man sich nehmen.

  3. Sehr interessant das ganze.
    So habe ich das noch nicht gesehen.
    Und das ist ein sehr gutes Beispiel mit dem wohnen.
    Würde mich interessieren, wo es da Alternativen gibt.

    Zu dem Thema USA möchte ich dazu sagen, daß wir ja nicht alles wissen, wies da abgeht.
    Klar werden die Massen genauso manipuliert und erzogen wie wir, das kann keiner bestreiten.

    Ist euch schon mal aufgefallen, daß z.B. in Deutschland kaum etwas über den Mittelstand in Amerika berichtet wird?
    Immer nur von den großen Firmen ?
    Kann natürlich sein, daß es dort auch nicht anders ist.

    Wie ich gehört habe kann man von Amerika einiges lernen, z.B. werden in Schulen die Menschen etwas mehr nach Persönlichkeit und Stärken ausgebildet durch Projekte und so was.

    Vielleicht eine Anmerkung dazu:
    Viele Dinge werden ausgenutzt um Macht auszuüben. Manches davon bekommen die Betroffenen ja gar nicht oder erst sehr spät mit.
    Und das Miteinander reden und arbeiten zum Überlegen, was läuft hier eigentlich und was kann man besser machen, ist schon aufwendiger, als nur den Alltagstrott mit zu machen und zu schimpfen.
    Hmm, wenns jetzt immer mehr Menschen gibt, die arbeitslos werden, könnte das dazu führen, daß die sich auch langsam Gedanken machen über ihr Leben…
    Aber da können wir unbesorgt sein, es gibt ja so fortschrittliche “ “ Dinge wie z.B. das Fernsehen…
    Talkshows (gibts sowas noch? Lange nichts mehr davon gesehen…?), „Superstars“, Problemkinder und -Teens, zerrüttete Familien, oder auch Superreiche usw. die uns immer wieder vorgestellt werden laden regelrecht dazu ein, sich mit denen zu vergleichen.
    Sollte sich nicht jeder seiner Individualität stärker bewußt werden, das machen, was ihm liegt, Verantwortung übernehmen, sich auch mal etwas zutrauen ?

    Dann kommen die Gedanken zur Freiheit von ganz allein, und vor allem sind es dann nicht nur Gedanken, wie schlecht es einem geht, sondern, was kann ich persönlich ändern, damit ich mehr Freiheit bekomme, meine Individualität verstärke und einfach mehr lebe.

    Ich finds geil, daß es dazu immer mehr Menschen gibt, die sich z.B. auch mit Hilfe des Internets austauschen und somit auch „gehört“ werden.

    Ich bitte euch, bringt euch ein, sagt eure Meinung, meldet Posts, Nachrichten, Mails, zeigt interessante Webseiten anderen, twittert, facebookt, xingst usw.

    „Das Leben ist viel zu kurz, um es als allgemeiner, normaler, unauffälliger Einer von vielen zu verbringen!

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