Segregation beim Homeschooling?

Homeschooling bekommt immer wieder den Vorwurf zu hören, dass es sich von den anderen Menschen abkapselt.

Dass das Kind nur noch die Kontakte bekommt, die den Eltern genehm sind… aber warum? Ich halte dieses Argument für absurd und es läßt meiner Meinung nach auf ein komplettes Unverständnis von HS/US schließen.

Hier mein Punkt:

Ich beobachte oft, wie Schuleltern ganz genau darauf schauen, welchen Umgang ihre Kinder haben. Dieser Umgang soll nach „oben“ zeigen. Insbesondere keine HarzIV-Kinder, die den sozialen Abstieg als ansteckende Krankheit übertragen zu scheinen können.
Auf der anderen Seite ist es kein Problem, dass unsere Kinder sich mit allen möglichen Kreisen umgeben. Insbesondere suchen wir sehr stark niederschwellige Angebote auf (Kinder und Jugendfarm u.ä.) – dort kommen primär niedere Einkommen hin (während die anderen sich mit Chinesisch und Geige plagen um „Vorsprung“ zu erreichen).
Der Punkt ist, als Unschooler braucht man dieses ganze Konkurrenzdenken nicht mehr (das ist schulisch) und kann den Kindern einfach die Welt zeigen, so dass sie das Beste aus sich machen können, was in ihnen steckt. Im Gegensatz zum Schulsetting, in dem sie nicht das Beste aus sich machen sollen, sondern besser als 2/3 der Klasse sein müssen um weiterhin bei der Selektion die Nase vorne zu haben.

Damit das in der Schule in Zukunft auch nicht mehr der Fall sein muss, könnte man Ideen von Unschooling übernehmen: Tests außerhalb der Schule und nach freier Wahl (keine direkte Konkurrenzsituation mehr) und Universitätszugang (zumindest die Prüfungen) für Alle (keine Selektion – ob früh, ob spät).

Selektion an sich – egal ob sie mit 10 oder mit 12 Jahren passiert (wobei sie meistens schon im Kindergarten geschieht) ist immer menschenverachtend. Da hilft auch „ein längeres gemeinsames Lernen“ „unter einem Dach“ nichts.
Wenn also hier einer zur Zeit segregiert, dann genau die Schulen (und das weiß auch jeder).

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3 Kommentare zu “Segregation beim Homeschooling?

  1. Das ist ein Thema, dass zwar in der Schule passiert, aber in jeder Gruppenbildung zu beobachten ist: Eltern, die die Freunde ihrer Kinder aussuchen und zwar nicht anhand von ’nett‘ oder ’nicht nett‘, sondern anhand von ‚beruf der Eltern‘ und ‚Marke der Klamotten‘.
    Wie kommt man als Eltern bloß auf so eine Idee?

  2. Bei unseren Bürgertum-Mittelstands-Nachbarn wurden immer nur die erlesensten Mitschüler eingeladen.
    Festigt die soziale Verbindung innerhalb der Schule, eigenes Kind wird mit geringerer Wahrscheinlichkeit Mobbing-Opfer, vernetzt die Mütter zwecks Mikro-Konkurrenz untereinander (die Väter kümmerten sich irgendwie sehr wenig um die Schulkinder), Hausaufgabenhilfe und Kollegialität im Klassenzimmer eingebaut.
    Dabei wurde auch oft die ganze Stadt durchquert um Sonntags einen Spielgefährten zur Verfügung zu stellen.

  3. Tja, dann sind wir wieder mal nicht mainstream: unsere Kinder suchen sich ihre Freunde selber aus 🙂 Und haben ein Händchen für witzige, unkonventionelle Typen. Leider ist jedoch alles wahr, was Du an vermeintlichen Vorteilen aufzählst: diese Netzwerke sind stark, irgendwie passen die Kinder dieser Art von eltern zusammen, obwohl sie sich nicht selber füreinander entschieden haben, die Mütter halten solange zusammen, wie es dem egoistischen Vorankommen nützt. Kollegialität erlebe ich nicht, denn die Kinder halten nur zusammen, solange ein eigener Vorteil dabei herausspringt. Deshalb zerspringen solche Gruppen auch so schnell, oder es werden Kindern gnadenlos ausgestoßen, nur weil sie der Gesamtgruppe keinen Vorteil mehr bringen. Diese Kinder sind nicht sozial oder es wurde ihnen abtrainiert.
    Ich verzichte gerne auf diese Art von Mütternetzwerken 🙂

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