Ist die PiratenPartei von Schupflis unterwandert?

So nach 5-6 Monaten (gefühlte 5 Jahre) bei der Piratenpartei ist es Zeit ein Resümee zu ziehen.

Die Piratenpartei, die damit wirbt, dass „Freiheit statt Angst“ herrschen sollte und Überwachung schlecht ist, da es keine Terroristen im Land gäbe – oder zumindest erst einmal die Unschuldsvermutung anzunehmen ist, zeigt sich sobald die Schulpflicht aufs Tablet kommt von einer ganz anderen Seite:

  • Überall sind fundamentale Christen – oder schlimmer!
  • Überall werden Al-Kaida-Camp/Schule gegründet werden!
  • Eltern werden sofort anfangen ihre Kinder erbarmungslos abzuschotten, isolieren, indoktrinieren, malträtieren und auf die Felder (oder zu H&M) zum arbeiten schicken!
  • Schulpflicht ist größte Errungenschaft seit der Entdeckung der Kartoffel!
  • Individualzombies werden entstehen, statt für’s BIP notwendige Fabrik- und Wissensarbeiter!
  • Wolkenkuckusheim!

Selbst wenn wissenschaftliche Studien angebracht werden, die blankweg das Gegenteil fundieren werden auf einmal alle wissenschaftlichen Grundsätze fallen gelassen.

Selbst wenn Artikel im Grundgesetz angebracht werden und deren Aufhebung durch Schulgesetze (wie z.B. BayEUG) schwarz auf weiß zitiert werden, kommt der Einwand, dass auch verurteilte Verbrecher nicht den ganzen Schutz des GGs genießen. Ja, kurzum Eltern sind nicht nur schlimmer als Verbrecher, sie sind auch schlimmer als Terroristen. Und das faule Kinderpack, das sowieso nichts lernen will sondern lieber Wii spielt, sowieso.

Selbst Beweise und das Sehen mit den eigenen Augen können die meisten Piraten nicht überzeugen. Es ist wie im Mittelalter, als man den ganzen Tag den horizontalen Horizont vor Augen hatte und ihn auf Bildern doch stets vertikal malte.

Überall scheinen dort Schupflis zu sein, das Ansprechen der Asyl-Genehmigung der Romeikes brachte nicht sofort die Bollwerke der Bürgerrechtspartei zum donnern, sondern veranlasste Diskussionen über Guantamo und die Todesstrafe. Fazit: Die USA brauchen nicht reden – die haben Guantanamo – wir haben die Schulpflicht.

Das ganze gipfelt in einer Liebeserklärung an die Schulpflicht:

Die NRW-Piraten sprechen sich für eine Beibehaltung der bestehenden allgemeinen Schulpflicht aus. Die Teilnahme am Schulunterricht sichert, dass Kinder und Jugendliche die Grundlagen einer gleichberechtigten, demokratischen, pluralistischen Gesellschaft kennenlernen, und in Form von Mitschülern, Lehrern und sonstigen Betreuern Ansprechpartner für Fragestellungen und Probleme finden, die von den Lebensentwürfe der Eltern oder dem sozialen Umfeld abgelehnt oder tabuisiert würden. Im Rahmen des Schulbesuchs ist den Kindern und Jugendlichen transparent zu machen, wie sie ihren eigenen Bildungsweg gegebenenfalls auch unabhängig von den Elternwünschen gestalten können.

Wer so staatsgläubig ist, dem kann man nicht mehr helfen. Die Zensur im Internet wird bekämpft, aber es wird vergessen, dass die staatliche Indoktrination schon die nächste Generation an Internet-Misstrauern erzeugt:

Ansonsten holten sich die Schulen aber auch immer häufiger Gastreferenten (z.B. Internetfahnder) in die Schule, damit diese vor Schülern die Gefahren des Internets demonstrieren.”

Bald wird das Internet in den Köpfen der dann Erwachsenen eine genauso große Gefahr darstellen, wie die freie Bildung es heute tut. Man wird sich ein unzensiertes Internet gar nicht mehr vorstellen können. Falls dann eine neue Partei entsteht, wird diese analog zur heutigen Piratenpartei zwar Freiheit für irgendeinen Nebenschauplatz fordern (z.B. Avatare in Chatrooms), aber caesaro-papistisch die Internet-Zensur gar nicht mehr in Frage stellen. Auch sie wird dann zu den größten Errungenschaften der Menschheit gehören, ohne die sich niemand frei ins Internet wagen kann. Sie werden statt freieren Menschen einfach mehr Konformin für alle beanspruchen. Und wenn das nicht hilft, noch mehr Konformin – denn auf keinen Fall dürfen die Kinder reicher Eltern einen Konformin-Vorsprung gegenüber der Arbeiterklasse haben.

Und das ist das Problem der ganzen Reformer, sie vergessen das zugrunde liegende Problem anzugreifen. Die ultimative Zensur – die Indoktrination von Kindesalter an. Die Ausbildung an das aktuelle Staatsdogma zu glauben, das egal ob China, Russland oder Deutschland uniform in den Schulen verbreitet wird und denen die Lehrer sogar hilflos ausgeliefert sind, solange sie sich an zentral vorgeschriebene Lehrpläne halten müssen. Denn dort steht – und die leistungsbewusste Mittelschicht wird das einklagen – drinnen, was richtig und was falsch ist und welches Wissen zu einer erfolgreichen Partizipation an der Gesellschaft berechtigt. Alle anderen, die es besser wissen (oder auch nur fühlen) werden aussortiert und kommen auf den Müllhaufen der Non-Konformisten.

Und so -dem Traum Johann Gottlieb Fichtes nach- braucht der Staat innerhalb einer Generation weder Polizei noch Militär, denn er hat Bürger, die ihre Fesseln verteidigen und selbst die größte kognitive Dissonanz überwinden nur um Sklaven bleiben zu dürfen.

Das Internet erschüttert diesen Traum Herrn Fichtes so gewaltig, wie es vorher nur der Buchdruck tat (der in Deutschland auch erst mal verboten wurde). Die Buchgesellschaft konnte man mit den Mitteln der Schule und der ununterbrochenen Beschallung durch zertifizierte Lehrkräfte mit zertifiziertem Stoff niederringen. Deswegen ist es wichtig in die Offensive zu gehen, die Schulpflicht und die Lehrpläne direkt anzugreifen, anstatt nur ein Rückzugsgefecht um Internetzensur zu führen.

In der Piratenpartei sind unglaublich viele Schupflis, vielleicht aufgrund des hohen „Ich habe gerade mein Abitur geschafft“-Anteils mehr als in der Restbevölkerung. Doch gibt es auch einige wenige, die sich gegen die Schulpflicht stellen (für die möchte ich meinen größten Respekt aussprechen, es ist nicht leicht über das deutsche Dogma hinaus zu denken – wer das schafft beweist nicht nur akademische Intelligenz sondern auch emotionale Stärke).

Edit: Ich bin mittlerweile gar nicht mehr so überzeugt davon, dass man die Schulpflicht in Deutschland auflösen sollte. Immer wenn in den USA ein Angriff auf Homeschooling vom Staat aus erfolgt, wird das mit dem Verweis auf die deutsche Schulpflicht niedergeschmettert. Vielleicht braucht die Welt das Bild des „faschistischen Deutschlands“ als Gegenpol um daran zu sehen, wie ein vertikaler Horizont gegenüber einem horizontalen Horizont aussieht. Vielleicht sind wir ein Mahnmal an den Rest der Welt, keine Schulpflicht zu haben. Vielleicht sind die Leiden der deutschen Familien und die Flüchtlingsbewegung und die Verweigerung Kinder zu bekommen eine große Aufforderung an den Rest der Welt nicht denselben Fehler zu machen und eine Schulpflicht zu begehen. Auf der anderen Seite sind die Verbrechen, die im Namen der heiligen Kuh Schulpflicht begangen werden nicht zu ignorieren, ohne sein Gewissen zu kompromittieren, also werde ich wohl auch weiterhin gegen eine Schulpflicht in D sein (oder zumindest gegen JA und Polizei außer Rand und Band)

Videos aus den USA, die Deutschland nützen um Ängste zu schüren (insbes. wegen der deutschen Vergangenheit):

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Ein Kommentar zu “Ist die PiratenPartei von Schupflis unterwandert?

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