Weihnachten und Entwicklungshilfe

Jedes Jahr zu Weihnachten blühen sie wieder: die Spendenaufrufe. Sie kommen von überall und was man nicht alles für 5 € bewirken kann.

Hier reicht es nicht mal mehr für eine Tageskarte in die Innenstadt – dort reicht es für einen Brunnen oder ein Jahr Schule für ein Kind.

Sieht man sich diese Projekte näher an, so ergreift einen das Schauern.

Die Brunnen, die mitten in der Wüste gebaut werden und Wasser so leicht verfügbar machen, dass die Kinder jetzt sogar mit sauber gewaschenen Händen zur Feldarbeit gehen können, bohren unterirdische Wasserreservoirs an. Diese Reservoirs werden erst beim nächsten Regen wieder befüllt. Wenn das Reservoir erschöpft ist, muss tiefer gebohrt werden oder es gibt überhaupt kein Wasser mehr – auch der Dorfbrunnen funktioniert dann nicht mehr. Die unterirdischen Wasserreservoirs in allen Ländern (sogar den USA) entleeren sich rapide. Auch wenn die ganzen Wasserfonds schlauer Spekulanten (die das nämlich schon wissen) abgestürzt sind, so hilft jeder gespendete Cent für einen dieser Brunnen einer humanitären Superkatastrophe auf den Weg.

Die Schulen, die dort gebaut werden haben auch einen Nachteil. Kindern wird westliche Konsummentalität beigebracht und der große Traum vom Arbeitsplatz. Ein Haus aus Beton und Glas mit westlichen Sicherheitsnormen gebaut von der Industrie aus dem Westen.

Im gleichen Schritt aber werden die aktuellen Häuser dieser Menschen zu Scheunen entwertet und die Wohnungsnot nimmt Ausmaße an, wie man sie nur von europäischen Metropolen kennt.

Im gleichen Schritt werden die Kinder reif gemacht für eine Ausbildung, erlernen aber nicht die notwendigen Traditionen, wie sie sich in einem kargen Land selbst ernähren, wie sie sich mit Gesundheit selbst versorgen und wie sie Tiere pflegen und für ein Dach über den Kopf sorgen. Da sie all das nicht mehr können, sind sie auf den Zukauf von Nahrung, Medizin und Häusern angewiesen und somit ist die Konsumentenerziehung vollständig. Die Ausbildung muss vollendet werden und die Kinder dürfen nun – dank der Schule und Entwicklungshilfe – ein Leben lang anderen die Haare schneiden oder andere Billigjobs verrichten.

Andere Kinder schaffen den ganz großen Wurf. Sie werden von einem aus dem Westen importierten Schulsystem ausgewählt (selektiert) aufgrund ihrer Leistung zu studieren und an die medizinische Fakultät ihres Landes zu gehen. Diese Fakultäten sind von den Steuergeldern der ausgebildeten Friseure und anderen Billigjob-Löhnern bezahlt. Die Ausbildung kostet das 4000 (?) Fache der Ausbildung eines Billigjob-Löhner. Ist das Studium dann beendet so wird der Absolvent von hohen Lohnangeboten aus der „1.ten Welt“ gelockt und die gesamten Steuerleistungen der Billigjobber werden gratis an die Westnationen geliefert. Der Export von „Gehirnen“ (Brain-Drain) aus den 3.te Welt-Ländern allein übersteigt die gesamte 3.te Welt Hilfe – und sorgt für eine positive Bilanz von Spendengeldern (hier – nicht dort).

Kinderarbeit ist verboten und die Familien müssen oft auch noch zur Schulausbildung zusteuern. Dieses ist ein unterschätzter Armutsfaktor. Die Kinder, die nicht auf den Höfen mithelfen, sondern in der Schule büffeln lernen zum einen nicht die wirklich wichtigen Dinge und zum anderen fehlen sie bei der Arbeit (ja Schule an sich verursacht oft zusätzliche Arbeit in diesen Familien). Der Verlust des Hofes ist oft die Konsequenz, die Armut der Familie und die Prostitution die weiteren Folgen. Die beschulten Kinder kommt entfremdet zu einem Scherbenhaufen zurück – eine enteignete Familie und ein abhängiges Leben mit Minilohn erwarten es. Auch hier ist die Prostitution oft der einzige Ausweg.

Die Entfremdung ist ein weiterer schwerwiegender Punkt. Nach einer gewissen Zeit an West-Beschulung blickt das Kind auf seine eigenen Eltern herab, nimmt seine Traditionen (die nicht wissenschaftlich sind) als peinlich wahr und wendet sich dem westlichen Sozialisationsideal zu: Dem ultimativen Konsumismus. Für die Kinder, sowie für die Eltern ist dieses eine schwere Zerreißprobe die oft mit Drogenkonsum (beginnend mit Alkohol) ausgehalten wird.

Die westliche Sozialisation zum gehorsamen Untertan in Verbindung mit Entfremdung und Brain-Drain hat eine schwerwiegende Folge. In Afrika kann nur schwer eine intellektuelle Entwicklung entstehen, die sich in den eigenen Traditionen verwurzelt und das Land in die Freiheit führt. Als die Kolonialisierung auf Selbstkontrolle durch etablierte und erprobte Mechanismen upgedatet wurde – also auf Erziehung statt Auspeitschen im Erwachsenenalter – wurde eine fast auswegslose Situation für diese Länder geschaffen. Die Intellektuellen, die das Land als Absolventen verlassen haben kommen als Fremde zurück in eine Welt, die sie nicht mehr kennen und an deren  Zerstörung sie mitgewirkt haben. Die Alten betrachten sie argwöhnisch und die Jungen blicken misstrauisch zurück. Es ist die Geschichte vom verlorenen Sohn – ohne Happy End.

Wir haben unsere West-Probleme exportiert und eine Sklaverei etabliert, die so subtil ist und deren Grundmechanismen so entfremdend und verdummend sind, dass sie jede Initiative zur Befreiung lähmt.

In Afrika hieß es früher: Die westlichen Industrieländer? Was sollen wir von ihnen lernen? Wie man Weltkriege anfängt und den Planeten zerstört?

Wir haben auch auf diese Frage eine Antwort gefunden: Ihr müsst nichts von uns lernen. Wir kommen persönlich vorbei und spenden euch mit unseren Lektionen zu, bis ihr nicht mehr anders denken könnt. Am Ende haben wir das Gold und ihr die Glasperlen…

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Ein Kommentar zu “Weihnachten und Entwicklungshilfe

  1. ich bin ganz deiner meinung. die tradition wird mit absicht abgeschafft. der mensch soll sich bloß nicht selbst versorgen können, wo kämen wir denn dahin wenn es jeder lernen würde!? „familie“ wird auch nicht mehr so gelebt wie es früher mal war. nein es scheint oft nur ein wort zu sein, doch gelebt wird es nur noch selten.
    ich gebe dir voll und ganz recht.
    weiter so!

    liebe grüsse
    ania

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