Widersprüchliche Doppelfunktion

Als ich gestern so vor mich hindachte, fiel mir auf, dass Geld eine widersprüchliche Doppelfunktion hat:

  • Zum einen ist es auf soziale Anerkennung ausgerichtet. Wer Geld hat/verdient der kann sich den Betrag in soziale Anerkennungspunkte umrechnen.
  • Auf der anderen Seite ist Geld aber auch für die eigene Interessensverwirklichung da und somit eine egoistische Sache.

Dieses führt z.B. bei Betreuungsgeld/Elterngeld und Konsorten zu dem Widerspruch, dass man mit dem Geld zwar Erziehungsarbeit anerkennen könnte (und viele diese Anerkennung ihrer Anerkennung im Job vorziehen würden), jedoch eben nur die Eltern auf das Geld als „Anerkennung“ angewiesen sind, die sich sonst alles leisten können. Denen will man das Geld nicht geben, da sie eh schon „genug“ haben.

Auf der anderen Seite sind die Eltern, die eben das Geld wirklich brauchen, schon von vornherein ohne soziale Anerkennung. Denen will man die Erziehung ihrer Kinder nicht anvertrauen. Und noch weniger ihnen das Geld geben, das sie dann nur für egoistische Zwecke ausgeben würden.

A sketch of a man facing to the right

Adam Smith prägte die Unsichtbare Hand, nach der Eigennutz jedem nützt.

Dieses Problem ist tief in unserer Gesellschaft verankert. Normalerweise ist egoistisches Handeln eines Einzelnen gut, denn damit wird er automatisch auch seiner Gruppe/Gemeinschaft Gutes tun. Unsere Gesellschaft ist aber so „atomisiert“, dass das Einzelinteresse sich nicht positiv auf die Mitmenschen auswirkt. Der Ökonom Adam Smith hat in seinem Buch „Wealth of Nations“ das Prinzip der „Unsichtbaren Hand“ benannt: Sobald jeder Mensch nach seinen Interessen handelt, wird die Gesellschaft automatisch verbessert werden. Durch die Atomisierung der Gesellschaft wird aber nun Adam Smiths „Unsichtbare Hand“ zur Faust, die alle bedroht, die wenig Geld haben – und auch alle anderen, die andere Interessen haben.

Unsere Gesellschaft ist ein riesiges Nullsummenspiel geworden, in dem jeder auf seiner Insel lebt, und was der eine gewinnt muss der andere verlieren. Aus einer Gesellschaft voller Individuen ist eine Gesellschaft voller „Isolate“ geworden, die hermetisch voneinander getrennt sind und in der jede Aktion oder Nicht-Aktion eine Bedrohung für den Anderen ist. Die Bewerbung des einen bedroht den Job des Anderen. Die gute Note oder Beförderung bedroht den Mitschüler oder den Chef und lässt die Kollegen zurück. Ein Kauf schadet der Umwelt und ein Verzicht schadet den Arbeitsplätzen. Bilde sich ein Student sehr viel, so nimmt er jemand anders seinen Studienplatz weg. Um in diesem System einen Nobelpreisträger zu generieren, müssen unzählige andere Menschen auf Universitätskonsum verzichten. Dieser eine Nobelpreisträger hat ein Und wie Illich so schön sagt: „Die Autos verdrängen die Fußgänger und die Ärzte die Kunst sich selber zu heilen“.

Ludwig XIV - der Sonnenkönig. Er steht für den Ausbau einer zentralen Verwaltung

Egoistisches Handeln eines Einzelnen ist nur noch schädlich, somit funktioniert Adam Smith nicht mehr. Nun behaupten viele: hier wäre auch der Kapitalismus gescheitert. Sehen wir aber in die Räte- und sozialistischen Organisationen hinein, so beobachten wir das selbe Scheitern. Nur halt dieses Mal langsamer und innerhalb eines Apparatschik.

Wir müssen wieder einen neuen Weg finden, auf dem wir das Nullsummenspiel beseitigen und die Ideologien wieder auf die Füße stellen, wo sie jetzt auf dem Kopf stehen. Der erste Schritt dazu ist, sich von der Machtpolitik zu trennen. Eine Politik (ob von einem obersten Rat, einer gewählten Regierung oder einer direkten Demokratie) muss einen Konsens abbilden. Jede Art von Machtpolitik und der dazu nötigen gesellschaftlichen Spaltung muss abgelehnt werden.

Für Bildung bedeutet das konkret: Wenn ich mich bilde, dann muss allen meinen Mitmenschen dadurch ein Wert entstehen. So wird jeder, der egoistisch nach Bildung strebt automatisch seiner Gemeinschaft helfen.

Fürs Autofahren bedeutet das konkret: Wenn ich Auto fahre, dann darf ich keine Fußgänger von der Straße drängen oder Kinder gefährden.

Shared Space: Ohne Straßenschilder fährt sichs rücksichtsvoller

Ivan Illich entwickelte den Begriff des radikalen Monopols, der Selbstbegrenzung und der Verhältnismäßigkeit

John Rawls entwickelte eine Theorie der Gerechtigkeit, bei der alle Interessen berücksichtigt werden sollen

Es ist egal, ob diese neue Politik auf einer Zentralverwaltung (legitimiert durch Wahlen oder Gott) oder auf einer direkten Demokratie beruht. Es ist wichtig, dass sie die Interessen aller Menschen als berechtigt anerkennt und radikale Monopole verhindert. Das Nullsummenspiel ist nicht mehr nötig – handeln wir danach.

Konsens statt Konflikt.

 

 

 

 

 

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Ein Kommentar zu “Widersprüchliche Doppelfunktion

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