Das ist nicht irgendeine Reform…

Es ist schon komisch. Kaum hatte der Mensch ein bisschen Ahnung und Intelligenz entwickelt, schon kamen die Hohepriester und reservierten und verstecken diese Erkenntnisse unter Ritualen und Mythen.

Später professionalisierten sich die Priester und Philister annektierten die Gestalt von Jesus und lehrten den wissbegierigen Menschen die Bibel – aber eben nicht mehr.

Dann sahen die weltlichen Herrscher, dass die Kirche irgendwie an Einfluss und Autorität verloren hatten und säkularistieren alles. Sie ersetzten die Interpretationshoheit der Priester oder der noch früheren Hohepriester durch die Interpretationshoheit des „Lehrplans“.

Es ist wirklich komisch und irgendwie traurig. Immer wenn die Leute mehr Intelligenz entwickelten und sich emanzipieren wollten, kam die nächste Machtinstanz daher und übertrug sich die Interpretationshoheit.

Oft habe ich die Hoffnung, dass es dieses Mal anders ist. Unschooling, die nächste Sprosse auf der Leiter der Emanzipation, demaskiert alle Lehrpläne und spottet über sie. Ein recht guter Ansatz endlich die Interpretationshoheit der Hoheiten abzuschaffen.

Die nächste Gegenreaktion wäre nun den Lehrplan direkt in die Umwelt zu kodieren. Also die „Kultur“ abzuspecken von allem, das die Augen öffnen könnte. Ob das gelingt ist fragwürdig. Allerdings ist es auch gelungen den Lehrplan über 2 Jhds aufrecht zu erhalten und er ist immer noch für viele ein Dogma – obwohl Gebildete Kreise heutzutage „Invarianz“ sagen 🙂

Dennoch Unschooling ist nicht irgendeine Bildungsreform. Es ist mehr eine Revolution. Und es ist nicht irgendeine Revolution, sondern es ist Die Revolution. Nach mehreren tausend Jahren Menschheitsgeschichte, seit Entstehung der Intelligenz sogar, wird das erste Mal Aufklärung und Bildung ohne „Interpretationshoheit von Oben“ getrieben. Das kann Freiheit bedeuten. Sogar freie Gedanken, ein Gut, dass es nur in sehr kurzen Phasen der Geschichte gab und die immer sehr schnell von „Oben“ wieder beschränkt wurden.

Aber vielleicht kommt auch dieses Mal wieder ein Montgelas, ein Johann Gottlieb Fichte oder ein Horace Man daher und entwickelt eine Idee, wie man die Gedanken doch wieder unterwerfen kann. Und das würde bedeuten, dass die Menschen für einen weiteren geschichtlichen Zyklus an einen „Wohltäter“ gebunden ist.

Der Hohepriester, der uns vor den Naturgewalten beschützt und uns sagt, wann die Felder bestellt werden müssen. Die Priester, die uns vor der Hölle und der ewigen Verdammnis im Jenseits bewahren. Die Lehrpläne, die uns vor der Dummheit bewahren. All diese haben wir in einer langen Geschichte und durch das menschliche Grundbedürfnis nach Freiheit und Selbsteffektivität überwunden.

Die Abschaffung der Lehrpläne ist nicht irgendeine Reform. Es ist die Revolution, die alle anderen Revolutionen wieder aufnimmt und sie zu einem erfolgreichen Ende führt. Wenn wir das freie Lernen unserer Kinder mit dem Lernen im Staatsgefängnis vergleichen, dann können wir die Tragweite dieser Revolution spüren. Und wir können selbst erleben, was uns verwehrt wurde. Wir sehen, welche Art Mensch die Freiheit gebiert.

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