Kinder In- und Export

Durch unseren Gemeinschaftsgarten kriegen wir von dem einen Kind, das gerade eingeschult wurde extrem viel mit.

Aktuell parkt alle 3 Tage mal ein Auto bei denen, liefert einen Schulfreund ab und kommt dann nach ein paar Stunden wieder um den Schulfreund abzuholen.

Natürlich geht es auch anders herum, da fahren die Eltern (oder Großeltern) das Kind dann zu einem Schulfreund – für ein paar Stunden.

Wir kriegen das besonders gut mit, da bei uns immer 2 oder 3 andere Eltern herumstehen und die Kinder alle zusammen spielen (diese Eltern sind aus der gleichen Straße – alles von den Kindern fußläufig erreichbar).

Manche kommen gleich öfters am Tag zu uns, manche nur jede Woche vorbei. Zusätzlich kommen auch immer mal wieder Neue. Eine ganz Schüchterne kuckt immer mal wieder, geht dann weiter, redet mich mit Herr Nachbar an. Vielleicht spielt auch ihre Tochter in einer Woche mit.

Nur das Kind der Schulfanatiker-Mutter (ich muss die wirklich so nennen, weil sie wirklich eine ist) kennt niemanden aus der Straße. Er bekommt alle seine Freund importiert und manchmal wird er auch exportiert. Er kennt zwar uns, aber unsere Kinder gelten für ihn als gefährlich – zumindest wird er immer nach 1.5 Minuten reingerufen, sobald er rauskommt.

Wenn ich die ganzen Kinder in unserer Straße so spielen sehe, dann fällt mir oft das Lied ein:

Girls and boys come out to play,

the moon doth shine as bright as day,

leave your supper and leave your sleep,

and join your playfellows in the street,

come with a whoop and come with call,

come with a goodwill or not at all,

I bring the milk and you bring the flower,

and we’ll have pudding in half an hour.

Mit diesem Lied sind die Kinder (ganz früher) durch die Straße gezogen und alle anderen Kinder kamen aus den Häusern zum spielen.

Heute gibt es um diese Zeit: Essen, Wiki, Sandmann, Bettchen

Ich bin mir sicher, dass sich das bald wieder ändert. 1970 war der Höhepunkt des Schuldogmas, seitdem bröckelt und bricht es. Der Dinosaurier strauchelt und bald dürfen die Kinder wieder spielen, lernen und leben, wann sie wollen, wie sie wollen und was sie wollen.

Bis dahin ist die Auflösung der nachbarschaftlichen Freundschaften und der Kinder In- und Export ein strukturelles Problem der Schule. Die Schulen zwingen Kinder zu Freunden, die außerhalb der Reichweite ihrer Füße liegen, so werden sie früh abhängig vom Auto und können es bald nicht mehr erwarten einen Führerschein zu machen. In dem Alter, in dem ihre Füße am Leistungsfähigsten sind und ihre Energie unendlich, entwickeln sie eine Abhängigkeit nach passiver Bewegung.

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Ein Kommentar zu “Kinder In- und Export

  1. Ja, das hoffe ich auch…das sich das wieder auflöst.
    Wenn wir das eine Extrem hatten, müsste das Pendel ja eigentlich auch wieder zurück schlagen.

    Schönes Lied, by the way. 🙂

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