Finanzkrise, wer war schuld?

Während der Finanzkrise gibt es ja einiges an Erklärungsversuchen. Ich will auch mal einen starten.

Man wirft den Banken vor nicht funktioniert zu haben – und somit dem freien Markt.

Dann kommt der freie Markt und wirft den Zentralbanken vor ihre Kreditzinsen planwirtschaftlich zu steuern.

Daraufhin kommen die Regierungsanhänger und werfen den Banken vor, immer das Maximum herauszuholen und Kredite an die zu vergeben, die sich keine leisten können.

Als nächstes kommt wieder die Antwort, dass sie von der Regierung gezwungen wurden an Ghettos Kredite zu vergeben.

Die Regierung sagt dann, dass dies eine Maßnahme war um die weitergehende Getthoisierung der Ghettos zu verhindern – die die Banken durch das sogenannte Red-Lining verursachten (zur Erklärung: Banken zogen um Bezirke rote Linien, Kreditanfragen aus diesen Red-Line-Gebieten wurden generell abgelehnt).

Die Banken sagen, sie mussten Red-Lining machen, da sie aus diesen Gebieten dauernd Zahlungsausfälle hatten und es eine Menge Gesetze gibt, die unwirtschaftliches Handeln bestrafen – zumal auch die Aktionäre (oft von der Regierung überzeugte Besitzer von Rentenfonds) auch einen Anspruch auf Gewinn anmelden (sogar einen gesetzlich gestützten).

Irgendwann werden wir, wenn wir den Faden immer weiter zurückverfolgen, auf Goethe treffen, der den sozialen Abschluss anprangerte (zur Erklärung: sozialer Abschluss bedeutet, dass die oberen Schichten nach unten zumauern. Keiner darf hoch, aber man kann leicht fallen.)

Und so können wir es weiter und weiter spinnen, bis wir im Mittelalter angelangt sind und noch weit davor. Denn jede Reaktion hat eine Ursache, jede Maßnahme ihre Gegenmaßnahme.

Buckminster Fuller wies darauf hin, dass wir in immer kürzeren Abständen immer größere Krisen bekommen werden.

Wenn ich jetzt also „wissenschaftlich“ an das Programm herangehen würde, würde ich mir folgenden Umstand ansehen:

Es ist bekannt, dass große System sehr stark sind, jedoch auch sehr spezialisiert und damit sehr träge sind. Wären sie nicht stark spezialisiert, würden sie im Chaos versinken. Eine starke Spezialisierung ermöglicht aber kein schnelles Umschwenken.

Es gibt Untersuchungen, die gezeigt haben, dass Überspezialisierung zum schnellen Aussterben führt. Dieses kommt daher, dass die Umweltbedingungen (seien sie natürlich, oder vom Menschen geschaffen) sich ändern. Mal mehr, mal weniger. Mal schneller, mal langsamer.

Überspezialisierte Strukturen können bestimmte Änderungsamplituden oder kurze Intervallen nichts entgegensetzen. Sie sterben aus, weil sie sich nicht schnell genug verändern können. Auf diese Weise bekommen die Strukturen auf dem Planeten indirekt eine obere Wachstumsgrenze gesetzt.

Das bedeutet Finanzkrisen müssten eigentlich die spezialisierten, großen Banken zuerst abschlagen. Änderungen in den Essgewohnheiten müssten die großen Nahrungsmittelkonzerne, die nur ein enges Spektrum haben (z.B. nur 5 verschiedene Burgersorten) ausselektieren.

Sie sind sozusagen die Dinosaurier. Allerdings haben wir einen Mechanismus, der diese Selektion verhindert. Nach Lewis Mumford bilden die aktuellen Gesellschaften eine Megamaschine – oder mehrere Megamaschinen. Diese Megamaschinen werden durch allerlei Opfer von kleinen Leuten am Leben gehalten. Diese Megamaschinen sind auch Dinosaurier, deren Kraft über die Steuern in den Regierungen aggregiert ist.

Für den Dinosaurier Regierung sind jedoch die Rettung weniger einzelner anderer Dinosaurier (Banken, Konzerne) wichtiger, als die Rettung der vielen kleinen Ameisen. Diese gelten als „systemrelevant“. Der aktuelle Regierungsdinosaurier scheut sich nicht einmal, dies öffentlich zuzugeben.

Die Megamaschinen stehen im direkten Kampf miteinander. Früher war es der kalte Krieg, heute sind es die Glaubenskriege (christlicher Atheismus vs. Islamismus). Der Erde war nur eine beschränkte Tragfähigkeit zugetraut worden, nach Thomas Malthus hieß es also „Du oder Ich“. Verschiedene Ideologen behaupteten, dass ihre Gruppe die wäre, die die Erde verdient hätte: Marx glaubte es wären die Arbeiter (schließlich stellten sie als einzige Mehrwert her), andere die Kapitalisten (schließlich besaßen sie die Erde und die Arbeiter waren nur Werkzeug) die nächsten glaubten, es wären die Intellektuellen. Jeder beanspruchte die Erde für sich.

Gerard Piel, der Mitgründer von Scientific American, bekannte in den 70er Jahren, dass die Erde nun doch für alle genug hätte, und die Ideologen sich nicht mehr bekämpfen müssten. Jedermann verbindet einen ähnlichen Satz mit Gandhi: Die Welt hat genug für jedermanns. Bedürfnisse, aber nicht genug für jedermanns Gier. Hier ist der Satz „Wohlstand für Alle“ bekannt geworden.

Wir wissen also, dass der Kampf beendet ist. Wir brauchen die Megamaschinen nicht mehr, um uns gegenseitig in einen internationalen Wettbewerb zu stürzen. Dennoch trainieren wir uns immer noch verbissen, vom ersten Mozart-Stück im Mutterbauch, bis zum Ende unserer Universitätskarriere und dann schlagen wir uns im Beruf, als ob wir Todfeinde wären.

Ich denke, das ist nicht mehr nötig. Wir müssen einen Weg aus der Megamaschine finden. Die Regierung, so sie denn diesen Weg mitgehen will, muss umdenken und nicht mehr die Dinosaurier finanzieren, sondern die kleinen Ameisen. So dass jeder ohne Angst sein Leben gestalten kann und damit das Maximum zum Fortschritt und zur Konvivialität beiträgt.

Dass wir keine Dinosaurier brauchen um Großes zu bewirken hat die Open-Source-Bewegung gezeigt und ihre gesellschaftlichen Ableger Wikipedia und Co . Und neuerdings stellt auch die Unschooling-Bewegung die Größe der aktuellen Schulgebäude in Frage. Ich kenne mittlerweile Homeschooler, die bauen ihr Auto selber und auch Häuser – beides auf dem neuesten Stand der Technik; ohne große Fabrikhallen. Auch wird sich, und davon bin ich überzeugt, die restliche Forschung ebenfalls bald dezentralisieren und ein Netzwerk bilden, dass keine Campus-Universität jemals bewerkstelligen könnte. In vielen Ländern der Welt gründet und etabliert sich zur Zeit eine politische Kraft, die ihre Meinungsfindung offen und transparent für Jedermann gestaltet und somit die Gremien und Konferenzen der alten Politik in Frage stellt.

Dieses ist der Beginn des postindustriellen Zeitalters. Wir werden die Dinosaurier sterben sehen, einen nach dem anderen. Dieses ist nicht nur der Beginn eines neuen Zeitalters, dieses ist die große Revolution, die seit Beginn der Machtzentralisierung voranschreitet und die nun eine neue Stufe erreicht hat.

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