Lesen, Legasthenie und Unschooling,

Bis jetzt habe ich noch keine Unschooled-Legastheniker gefunden. Zusätzlich habe ich noch irgendwo gelesen, dass es so etwas auch nicht gibt (noch nicht).

Ich habe ein bisschen herumgeforscht und auch den Chopper beobachtet.

Es gibt ein schönes Bild auf Wikipedia, das Legasthenie ein bisschen erklärt:

Erscheinungsbild der Legasthenie nach ICD-10

Es gibt mittlerweile viele Bücher über Unschooling – oft wird darin das Malen gelobt und das Schreiben/Lesen kommt dann schon.

Ich habe sogar einen Text gelesen, in dem beschrieben wird, wie ein Junge erst mit 16 zu lesen beginnt (dann aber richtig).

Wenn ich Chopper beim Malen zusehe, dann sehe ich, dass er viele Formen verzerrt oder spiegelverkehrt oder einfach anders wiedergibt.

Erst später dann wird das Malen so, dass es eine vereinfachte aber topologisch korrekte Wiedergabe des Gemalten ist.

Ich denke, diese Malentwicklung und die damit verbundene Wahrnehmung eines Zeichens und seine Wiedergabe ähneln sehr stark der Legasthenie, wenn man statt Bilder Buchstaben (die ja eigentlich nur stark vereinfachte Bilder sind) nimmt.

Zusätzlich habe ich auch einen Film über Legasthenie gefunden, der darstellt, wie sich die Buchstaben verzerren, wenn man Legasthenie hat – dieser Film hat mich sehr an meine Autobahnangst erinnert.

Ich glaube also hier kommen zwei Sachen zusammen:

1.) Man hat noch nicht die Fähigkeit Symbole korrekt wahrzunehmen und wiederzugeben – dieses für Buchstaben

2.) Durch Erwartungen, Druck und Zwang ufert diese Unfähigkeit in Angst aus – dieses dann zu einer verzerrten Wahrnehmung und Überforderung

Beides zusammen ergibt Legasthenie.

Würde man einfach warten, bis der Lerner selber anfängt die Buchstaben zu lesen – oder zumindest, bis die Malentwicklung einen ausgereiften Stand erreicht hat – so würde sich keine Legasthenie ergeben.

Also müssen wir einfach unseren Kindern vertrauen und sie die Geschwindigkeit ihres Lernens vorgeben lassen. Und auf keinen Fall Druck ausüben oder erwarten, dass sie mit einem bestimmten Alter lesen.

Dieses kann besonders bei Spätsprechern (Late-Talkers) wie Chopper ins Auge gehen (was ich leider erfahren musste). Seitdem ich also aufgehört habe zu erwarten und Druck zu machen, fängt er von selber an zu schreiben (lesen nicht).

Man, mein Weg vom autoritären Motivator zum coolen Unschooler ist so weit, und er scheint gar nicht schnell genug gehen zu können. Mit den ganzen Erwartungen, die die Gesellschaft in die Kinder hat lässt man sich hinreißen diese erfüllen zu wollen.

Das sollte man auf keinen Fall tun. Die Kinder werden geboren um ihr eigenes Leben zu leben und nicht um ein Rentenanspruch von irgendjemandem zu sein.

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