Bernicia frei

In den letzten Tagen beschäftigte uns dieser Fall: http://www.netzwerk-bildungsfreiheit.de/html/hochbegabung_brandenburg.html

(auch auf schul-kritik.de)

Und gestern kam Entwarnung – hier der Brief vom Netzwerk-Bildungsfreiheit:

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Liebe Freunde der Bildungsfreiheit,
der nachfolgende Bericht von Bianca Schröder erreichte uns heute über Dagmar Neubronner. Wir geben Ihn an Euch zur Kenntnis weiter. Wenngleich noch manche Fragen offen bleiben, ist doch ein erster Teilerfolg erzielt worden und die Behörden vor Ort merken, dass sie genau beobachtet werden und nicht einfach im Verborgenen ihr Spiel treiben können.
Wir bedanken uns bei allen, die aktiv dazu beigetragen haben.
Viele Grüße vom Netzwerk Bildungsfreiheit
Jörg Großelümern

Hallo Dagmar,

ich habe es noch nicht geschafft, alle Emails zu lesen. Dennoch will ich kurz berichten. Du kannst meine Email dann weiterleiten. Es gibt viele gute Neuigkeiten.

Bernicia ist NICHT in diesem Heim. Ich habe es ihr versprochen, dass sie dort nicht hin muss. Und wenn Mama „nein“ sagt, dann meint sie auch „nein“. Das war so ziemlich die erste Lektion meiner Kinder. Wir waren beim Kinderarzt, der keinen Krankenschein ausstellen will. Wir brauchen eigentlich auch keinen, da ich entscheide (und es noch entscheiden darf), wann mein Kind krank ist. Zur Sicherheit hätte ich ihn natürlich schon gern, aber der nächste in Frage kommende Arzt wohnt weiter weg.

Am Montag war der Heimleiter hier, während wir schon unterwegs zum Arzt waren. Wir hatten eine Nachricht am Gartentor hinterlassen. Am Dienstag kam er nicht. Am Mittwoch kam er auch nicht. Ich schicke jeden Abend formgerecht eine Email an die Heimleitung, dass Bernicia krank ist.

Heute kam eine Mitteilung des Ordnungsamtes, dass das Bußgeldverfahren (aufgrund Schulpflichtverletzung) wegen Verjährung (nach zwei Jahren) eingestellt wurde.

Die Psychologin hier aus der Region, die Bernicia auf Empfehlung der Gutachterin kennen lernte, teilte mir am Montag mit, dass Bernicia keine Schulphobie hat und keine Therapienotwendigkeit besteht. Heim schon gar nicht. Schriftlich kriege ich das demnächst auch. Sie will mit dem Schulamt (Frau Kittel) und dem Jug endamt (Frau Hesse) reden; ob das was bringt, weiß sie nicht. Ich auch nicht.

Gestern rief mich Frau Bredow vom Landesjugendamt an. Sie bekäme so viele persönliche Emails aus aller Welt – New York und Süddeutschland – und sie wäre nur für Kindergärten zuständig. Sie verwies mich an Frau Tripp vom Landesjugendamt. Diese Frau war sichtlich erschüttert und entsetzt, sie hatte von der Geschichte schon vor einigen Monaten gehört, war aber nicht auf dem neuesten Stand. Sie versprach mir, sich im Ministerium bei den richtigen Leuten für mich einzusetzen. Ich hatte einen guten Eindruck von ihr.

Mit meinem Anwalt habe ich die weitere Vorgehensweise besprochen. Das Fax ist bereits beim Amtsgericht. Inhaltlich möchte ich mich dazu erst einmal nicht äußern.

Der Judotrainer war im Jugendamt und sprach mit Frau Hesse. Sie würde sich bemühen, es zu ermöglichen, dass Bernicia im neuen Schuljahr am Judotraining teilnehmen könnte. War das das größtmögliche Zugeständnis von Frau Hesse oder ist das Borniertheit?

Es erreichten mich viele, viele Emails. Ich habe einige beantwortet, manche Fragen will ich im Moment nicht beantworten. Wer eine Antwort erwartet hat und noch keine bekam, möge bitte noch einmal an mich mailen. Es verschwinden ja auch immer mal wied er Emails.

Ich hoffe, dass die Proteste beim Schultz-Hencke-Heim bereits etwas bewirkt haben, ich hoffe, dass von dort keine negativen Reaktionen ausgehen.

Im Schulamt und im Jugendamt sitzen sture Betonköpfe, diese Kombination aus Dummheit und Macht. Bleibt abzuwarten, wann die Proteste dort zu wirken beginnen. Zumindest wissen sie schon, dass ganz viele ihnen auf die Finger schauen.

Einige vereinzelte Kontakte zu den Medien gab es, auch Politiker haben Gesprächsinteresse bekundet.

Als erste Rückmeldung soll das genügen. Ich bedanke mich bei allen, die mir persönlich geschrieben haben, Emails weitergeleitet haben, Emails an die Behörden geschrieben haben, telefoniert haben.

Viele Grüße
Bianca Schröder

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Anscheinend scheint unsere Gemeinschaft nun schon groß genug (und vor allem aktiv!!!) zu sein, dass wir auch etwas bewegen können und Unrecht und Grausamkeit abwenden können, dort wo Bürokratie und Ignoranz sie blühen lassen. Vielleicht wird Homeschooling dieses Jahr nicht legalisiert – aber vielleicht ist dieses Jahr auch der große Wendepunkt, in dem die Behörden merken: „Die lassen sich nicht mehr tyrannisieren und unterdrücken“.

Die Abwendung eines solch großen Unheils innerhalb nur weniger Tage ist wie ein Wunder – und das in Deutschland, wo die Schulpflicht nicht mehr herrscht, sondern bröckelt.

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6 Kommentare zu “Bernicia frei

  1. „Gestern rief mich Frau Bredow vom Landesjugendamt an. Sie bekäme so viele persönliche Emails aus aller Welt – New York und Süddeutschland – und sie wäre nur für Kindergärten zuständig. Sie verwies mich an Frau Tripp vom Landesjugendamt. Diese Frau war sichtlich erschüttert und entsetzt, sie hatte von der Geschichte schon vor einigen Monaten gehört, war aber nicht auf dem neuesten Stand. Sie versprach mir, sich im Ministerium bei den richtigen Leuten für mich einzusetzen. Ich hatte einen guten Eindruck von ihr.“

    es scheinen also nicht nur „betonköpfe“ im JA zu sitzen wie die frau am ende ihrer mail schreibt……ich verstehe die wut auf das JA nur bedingt. unfassbar viele menschen in vielen JAs dieses landes machen sehr viele gute dinge, sie fällen gute entscheidungen, sie stehen morgens mit den konsequenzen dieser entscheidungen auf und nehmen sie abends mit ins bett – das macht sich keiner leicht, gewiss nicht. ich finde es nicht gut, dass das JA angegriffen wird, weil es rein formal eingeschaltet wird, um die vom schulamt angestrebte lösung umzusetzen. was sollen sie sagen? machen wir nicht? das wäre wie wenn die polizei sagt, nö, wir haben keine lust dafür zu sorgen dass gesetze eingehalten werden, die wir nicht für sinnvoll erachten.

    was zb soll denn das JA mit dem judotrainer zu tun haben!? was denkt sich diese frau, dem JA evtl. borniertheit vorzuwerfen, weil eine JA mitarbeiterin sagt, sie bemühe sich, dass es klappt! wieso sollte irgendein JA der welt für die freizeitaktivitäten diverser kinder zuständig sein?

    es ärgert mich maßlos dieses reflexhafte verurteilen der jugendämter ohne auch nur eine ahnung davon zu haben wozu jugendämter eigentlich tatsächlich laut gesetz da sind. diese menschen ziehen wichtige arbeitszeit und gedanken von den wirklichen kindeswohlgefährdungen ab!

    (tschuldigung. aber das musste raus, das macht mich stinksauer.)

  2. Oh ja, die Leute tun nur ihre Pflicht und selbstverständlich setzen sie doch nur um, was an anderer Stelle (hier wohl das Schulamt) entschieden wurde. So reicht jeder die Verantwortung weiter und ob das alles dem vielbeschworenen sog. „Kindeswohl“ dient, das fragt sich offensichtlich niemand von diesen Erfüllungsgehilfen.

    tschuldigung, das musste jetzt auch raus

  3. @amidelanuit:

    „diese menschen ziehen wichtige arbeitszeit und gedanken von den wirklichen kindeswohlgefährdungen ab!“

    Dieser Satz bringt mich echt zum kochen.

    Da Bernicia in der Schule unterfordert ist und ihr der Zugang zum Gymnasium verwehrt wird, müssen sich ihre Eltern anderer Mittel bedienen, um sie angemessen zu fördern. Und darum kämpfen Bernicias Eltern eben, und setzen sich für sie ein, soweit es nur geht!
    Durch den Eingriff des Jugendamtes wurde erst recht das Wohl des Kindes gefährdet.
    Also sollen auch „wichtige arbeitszeit und gedanken“ abgezogen werden, um den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen, in den es das Jugendamt reingefahren hat!

    Außerdem kann ich dir erklären, was das Jugendamt mit dem Judotrainer zu schaffen hat. Es geht darum, dass Bernicia unter der Woche sich wenigstens einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen widmen kann, dem Judotraining. Aufgrund einer gewissen Zwangsmaßnahme ist ihr das jedoch verwehrt. Stattdessen darf sie sich nun in der Psychatrie noch mehr langweilen, als in der Schule.

    Dein Zynismus ist echt zum kotzen und macht mich stinksauer!

  4. Hallo Bratze,
    versuchen wir uns doch respektvoll zu unterhalten. Wir haben auf der einen Seite ein Gesetz, das uns aufeinander hetzt. Auf der anderen Seite haben wir aber moderne Kommunikationsmittel und können damit miteinander in Kontakt treten (vorbei an Gesetzen, Politiker und Medien).
    Diese Chance sollten wir nutzen und nicht aufeinander losgehen. Auch wenn es für viele von uns schwer ist, solche Sätze zu lesen – so denke ich ist es auch für JA Mitarbeiter schwer mit dieser neuen Anforderung umzugehen. Man muss sich vorstellen, zur Zeit hetzen die meisten Medien komplett gegen Eltern (jede Sorte) und Winterhoff schreibt einen Bestseller nach dem anderen.
    Da können selbst Politiker nicht mehr mit einem Machtwort dran vorbei (sie würden von der Lehrergewerkschaft geschlachtet) und beim ersten verwahrlosten Baby wären sie unwählbar.
    Dennoch und diesen Tenor finde ich wichtig, muss das Gewissen immer vor dem Gesetz kommen. Besonders bei Beamten und insbesondere bei Polizisten.
    Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit, dass sich JA-Mitarbeiter auf der Mailingliste von http://www.netzwerk-bildungsfreiheit.de anmelden. Vielleicht könnten sie auch einen Brandbrief schreiben, dass Schulverweigerung keine Kindesverwahrlosung ist, sondern die Schule jeden vernünftig denkenden Menschen abstoßen muss.

  5. danke 1000 sunny für die ruhigen worte:)

    ich denke, unbestritten ist, dass sich die dinge ändern und auf die neuen anforderungen auch von seiten der behörden einzugehen ist. natürlich! aber denen sind einfach schlicht die hände gebunden – was sollen sie denn machen, wenn sie ein gesetz vor der nase haben!? ich kenne zahlreiche mitarbeiter (und ich nehme mich nicht aus!!) die haben herz UND hirn und da werden paragraphen gedehnt bist zum zerreissen – und dennoch. manche sachen gehen einfach nicht zu dehnen….

    und zu: „Durch den Eingriff des Jugendamtes wurde erst recht das Wohl des Kindes gefährdet.“ mmh. kann sein, dass ich das falsch gelesen habe, ich habe es so in erinnerung, dass das JA noch gar nichts unternommen hatte sondern „lediglich“ das schulamt….

  6. @1000sunny
    „Vielleicht könnten sie auch einen Brandbrief schreiben, dass Schulverweigerung keine Kindesverwahrlosung ist, …“
    Also die JA-Mitarbeiter in der Gegend, in der ich wohne, sehen „Schulverweigerung“ als Gefährdung des Kindeswohls. Da wird Eltern ganz schnell das Sorgerecht entzogen. Wie es mit dem „Kindeswohl“ in der Schule, z.B. bei Mobbing, aussieht, interessiert das JA nicht und auch nicht, ob die Schulverweigerung z.B. wegen Mobbing ist.

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