Zu den Holzmedien

Seit ein paar Jahren, nein eigentlich schon Jahrzehnten und Jahrhunderten (und wahrscheinlich sogar länger) kämpfen die einfachen Menschen für ihre Freiheit.

Als beste Regierungsform gilt dafür die schon in der Antike gescheiterte und nicht nur von Platon heftig kritisierte Demokratie.

Als beste Sicherung des Friedens gilt die totale Entwaffnung des Volkes, welches sich anscheinend in „Scharfschützenlobbies“ organisiert, und das Hochrüsten des Staates und dessen unanfechtbarem Gewaltmonopol. Was keinen Waffengegner stört ist, dass die Bürger eigentlich ein Widerstandsrecht haben, für den Fall, dass die staatliche Ordnung versagt. Dieses ist sogar im Grundgesetz festgehalten. Dieses Widerstandsrecht wurde so wichtig angesehen, dass man es sogar als unveränderlich erklärte. Anscheinend ist das Grundgesetz aber nicht mehr so richtig wichtig und muss deswegen von Journalisten, die sich mit Freiheit und so einem Kram beschäftigen nicht gekannt werden, sondern dient eigentlich nur Scharfschützen, die von Hausdächern Politiker erschießen.

Ob man das Problem von Amokläufern auf gesellschaftlicher Ebene angehen sollte und jedem Menschen Gehör verschaffen sollte, anstatt ihn niederzuschreien oder zu unterdrücken – damit will sich keiner so richtig befassen. Denn alle Amokläufer – und an dieser Binsenweisheit führt kein Weg vorbei – hatten Waffen in der Hand. Ach ja, außer die Amokfahrer, die hatten Autos – aber dafür gibt es ja die Abwrackprämie.

Doch generell ist es für die Holzmedien generell schwer gesellschaftliche Lösungen zu entwickeln. Sind sie ja selber nur eine Art Vermittler. Sie sind gar nicht zur Meinungsfindung gedacht. Sie sind nur dazu gedacht das Volk mit den zentralen Ideen der Zeit bekannt zu machen. Nun ja, allerdings nicht mit allen. Die Kritik an der Demokratie reißt ja nicht ab, besonders nicht in „Fachbüchern„, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Interessant wird hier, wie die alten Medien ihre Themen auswählen. Das kann man beispielhaft im Blog der Tagesschau verfolgen. Da fällt der Chodorkowski schon mal unter den Tisch – es gibt Wichtigeres und man hat auch nur 15 Minuten.

Die Massenmedien waren schon immer ein Instrument in dem die aktuellen politischen Entscheidungen dem Normalo auf der Straße ohne Diskussion vorgesetzt wurden. Natürlich durfte man diskutieren, aber bitte im Biedermeierstil – am Stammtisch ohne Rückwirkung auf die Politik und mehr im Sinne eines Konsens im Promillebereich, oder heute ganz Zwei-Nullig im Internet z.B. im Forum der FTD oder in anderen Klickviehgehegen, in die man sich erst einmal einloggen muss und auf keinen Fall Links zu eigenen Seiten oder Schlimmerem mit sich tragen darf. Ist schon fast ein bisschen so wie im Forum der EPetition gegen Zensursula.

Doch schon lange bevor es das Web2.0 gab war ich ein Kritiker von diesen Massenmedien – sogar schon bevor es EMails gab. Mich störte es immer, wenn ich etwas las, das in keiner Weise meine Realität beschrieb, oder die von mir beobachtete Realität und dann damit alleine war. Meine Meinung hatte kein Gehör. Es hatte sogar den Anschein ich sei alleine mit meiner Meinung. Und so, niemand wird mir das glauben, habe ich mir noch nie eine Zeitung gekauft – noch niemals! Die Massenmedien haben sich auf dieser unanfechtbaren Position ausgeruht. Sie haben schlecht recherchiert und einfach Meinungen von oben übernommen. Das ist nicht neu. Ich behaupte, das gab es schon immer. Prominentes Beispiel ist der Verriß von Emil Zolas Germinal.

Interessant ist auch das Schweigen zum bedingungslosen Grundeinkommen. So still war es wohl noch nie im Blätterwald – der scheint wohl erst ab 50.000 Stimmen aufzuspringen – was ja dann einige auch getan haben. Ich erinnere mich hier an das Streitgespräch im Fernsehen zwischen der Petentin, einer Tagesmutter und einem versierten Politiker dessen Beruf es ist Menschen von ihm zu überzeugen. So schien es am Ende doch, als ob der Politiker als Robin Hood uns vor der bösen „gesellschaftlichen Partizipation“ bewahrte und uns anstatt dessen das viel begehrte Versprechen auf abhängige Vollbeschäftigung gäbe. Die „Vermietung von Lebenszeit für alle für immer“ ist überhaupt das Wichtigste – auch daran zweifeln die Holzmedien nicht.

Was mich noch stört ist die willkürliche Vermischung von Argumenten. So wurde die Schulpflicht zum Beispiel so gerechtfertigt, dass es Staaten gibt, die keine Schulpflicht haben und die Mädchen damit von der Bildung ausschließen. Man muss aber bedenken, diese Staaten schließen Mädchen generell von Bildung aus. Gäbe es dort eine Schulfplicht, so würde sie nicht für Mädchen zutreffen. Gäbe es dort eine Schulpflicht für Mädchen, so würden diese auf Hauswirtschaftsschulen geschickt – so wie die Mütter unserer Elterngeneration in Anwesenheit einer Schulpflicht in Deutschland. Mit derselben Argumentation könnte man behaupten, weil es Staaten gibt, die Menschenrechte missachten, Regierungen generell abgeschafft gehören. Es bringt also nichts irgendwelche Experten zu zitieren und zu interviewen. Nein, sie müssen auch zum Thema passen. Eine Professorin für Gleichberechtigung und Integration wie Bettina Hannover kann ich also nicht zur Schulpflicht generell befragen. Sondern zur Gleichberechtigung und Integration.

Gleiches gilt für die Stammzellenforschung. Eine Journalistin erklärte mir, als ich das Thema ansprach: „Ich bin gegen klonen“ – Ähhhh – die Journalistische Metapher wäre hier, was halten sie von einer leeren Buchseite – Antwort: „Ich bin gegen das Kopieren von Buchseiten“ – OK. Entweder Journalisten haben einen Berufsethos und sprechen nicht von Dingen, von denen sie nichts verstehen (und formen auch noch Volkes Meinung zum Unverständnis) oder sie sprechen über alles und lassen ihren Berufsstand damit platzen. Zu einer guten Recherche gehören für mich aber auch QUELLENANGABEN. Ganz wichtig. Wenigstens Namen und Kontaktmöglichkeiten. Und nicht so hirnlose Wörter wie: „Die Amokforschung“.

Es gibt natürlich noch eine dritte Möglichkeit, sie könnten Kommentare zulassen, auf diese eingehen, Backlinks und all das zulassen, was sie hinunter auf die Ebene des Diskutanten bringt. Dazu müssten diese Medien aber sich von ihrer Meinungsformer-der-Gesellschaft-Stellung trennen. Und auch wenn mittlerweile schon prominente deutsche Blogger das Gezeter als „Quark“ bezeichnen, so glaube ich zum einen nicht, dass ich „Zetere“ und auch nicht Mordio schreie. Und zum anderen glaube ich, dass eine Kritik immer so gut ist wie die Gründe, die sie hat. Man sollte diese weder als Gezeter noch als Geplärr oder Geschrei bezeichnen. Sie ist eine Kritik, die man bedenken sollte. Wenn sich etwas bessert, dann freut es den Kritiker zuerst.

Bei der ganzen Kinderpornographie-Debatte fehlt mir doch ein Aspekt sehr. Was ist jetzt aus dem Tauss geworden? Und warum war der so schnell öffentlich demontiert? Seine Nachforschungen, für die er von den Zeitungen angedruckschwärzt wurde, zeigten ja, dass das Internet nicht mehr der primäre Vertriebskanal ist.

Bei der ganzen Abwrackprämie-Debatte fehlt mir auch eines. Wie konnte das Geschehen. Das Parlament segnete die Entscheidung im Nachhinein ab. Wurden etwa schon die Notstandsgesetze ausgerufen? Müssten investigative Journalisten nicht ein paar Amtsenthebungsverfahren anstreben? Oder verstehe ich was falsch?

Mir gefallen Zeitungen nicht, sie verbrauchen eine Menge Holz, das nur einen Tag lang gültig ist. Sie beschäftigen sich nicht in relevanter Tiefe mit Themen. Sie lassen keine Möglichkeit zu einer gleichberechtigten Diskussion. Sie verstecken ihre Meinung viel zu oft in der Wortwahl – anstatt sie offen hin zu schreiben. Sie sagen niemandem, dass es eine Meinung ist. Und die Reporter haben kein Recht auf Anonymität (was ich sehr, sehr wichtig fände).Zeitungen funktionieren aktuell genauso wie Regierungs-Politik. In der Regierungs-Politik werfe ich alle paar Jahre meine Stimme in eine Urne. Bei Zeitungen werfe ich meine Stimme (in Form einer Münze) in einen kleinen Metallbehälter. Und so werde ich mich weiter an Monographien halten. Und auch an Blogs, die mir das echte Leben meiner Mitmenschen zeigen und nicht das sinnlose Kondensat, das mir Zeitungen bieten.

Ich bin froh, dass es mittlerweile Blogs gibt. Und dass ich Menschen finden kann, die zu Kindern und Erziehung eine ähnliche Einstellung haben wie ich. Eine die auf Gleichberechtigung beruht – denn Kinder sind auch Menschen – und auch wenn sie ihre Ziele, Wünsche und Bedürfnisse nicht so gut formulieren können, wie Erwachsene, so ist das kein Grund sie zu ignorieren, zu „verpflichten“, zu erpressen und zu bestechen. Genauso geht es mir ja auch, bloß weil ich nicht so gut formuliere und meine Vergleiche nicht so einleuchtend sind, möchte ich dennoch, dass meine Ziele, Wünsche und Bedürfnisse deswegen nicht ignoriert werden. Oder noch schlimmer, mir fremde Wünsche aufgezwungen werden.

Ich wünsche mir eine Diskussion, die die Gründe sucht und nicht die Symptome behandelt. Wenn wir uns auf eine Symptomdiskussion einlassen, so werden wir eine symptomkurrierende Gesellschaft. Das fängt in der Politik an und hört in der Medizin auf. So versperrt eine oberflächliche Diskussion eine tiefer gehende Lösung der Probleme. Und gedruckte Zeitungen lassen keine tiefe Diskussion zu. Das ist inhärent im Medium. Da kann man kein Widget dagegen entwickeln.

(Eine Ausnahme habe ich allerdings die letzten Tage gefunden, das Handelsblatt scheint nun Trackbacks zu seinen Artikeln zuzulassen – das ist vorbildlich – jetzt müssen sie nur noch daran arbeiten, wie sie die Print-Ausgabe eliminieren können und trotzdem noch Geld erwirtschaften. Denn Print und das war ja mein eigentlicher Punkt, ist eine ungeheure Umweltverschmutzung, das fängt beim Abholzen an und geht bis zur Distribution und Entsorgung).

Ach, und was mich noch stört. Ich bin ja ein Fan von „Information ist Frei“ – aber das ist nun wirklich ein anderes Thema 🙂

Ich bin aber gespannt auf die großen gesellschaftlichen Neuerungen oder Kämpfe für die Freiheit, die von Zeitungen initiiert wurden. Und ich meine jetzt nicht die chiffrierten Kleinanzeigen mit denen sich die Kämpfer der Ressistance über Zeitungen verständigten.

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Ein Kommentar zu “Zu den Holzmedien

  1. So, dann wollen wir mal. Erstmal: ich wollte jetzt nicht explizit Dich in die Ecke der Motzblogger stellen, das war halt ein möglichst weit-räumiger Begriff. Dein Blog hat ja einen ganz anderen Schwerpunkt.

    Was die Zeitungen angeht: ich lese auch nicht alle Zeitungen, weil eben jede einen anderen Schwerpunkt setzt – gerade oder auch politisch. Die Taz zB ist eher links einzustufen, während zB die Welt eher konservativ/liberal ist. Des weiteren gibt es in Zeitungen verschiedene Arten von Texten. nicht jeder Text, der geschrieben wird, muss auch objektiv sein. Kommentare zB sind immer subjektiv. Ich für meinen Teil bin ein recht großer Freund derartiger Kommentare oder auch Glossen, da ich mich dann mit der Meinung des Journalisten beschäftigen kann (sofern es nicht schon meine Meinugn ist). So, das wollte ich nur mal eben erklärt haben, da es gerne missverstanden wird. Dass nicht alles, was irgendwo auf Papier gedruckt ist auch gleichzeitig Qualitätsjournalismus ist, das ist klar.
    Gerade jetzt, wo sich unsere Politiker-Riege im Verbotswahn befindet, habe ich schon einige hervorragende Artikel in den Medien gefunden, wobei gleichzeitig auch auf die Meinungen der Kommentatoren eingegangen wurde.

    „Ich wünsche mir eine Diskussion, die die Gründe sucht und nicht die Symptome behandelt. Wenn wir uns auf eine Symptomdiskussion einlassen, so werden wir eine symptomkurrierende Gesellschaft. Das fängt in der Politik an und hört in der Medizin auf. So versperrt eine oberflächliche Diskussion eine tiefer gehende Lösung der Probleme. Und gedruckte Zeitungen lassen keine tiefe Diskussion zu. Das ist inhärent im Medium. Da kann man kein Widget dagegen entwickeln.“

    Damit bin ich vollkommen einverstanden. Und da werden Dir auch sehr viele „Killerspieler“ beipflichten.
    Vielleicht fällt mir noch was ein, muss aber erst mal los, nen kühles Bierchen unter Freunden wartet…

    Schönen Abend noch

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