Die Finanzkrise und das Schreien der Lämmer

Langsam merken wir es. Die Finanzkrise ist da. Uns persönlich hat sie schon vernichtet und wir sind schon drüber hinweg – heute ist der Elterngeldbescheid gekommen und wir sind aus dem Schneider.

Dennoch der Nachbar hat letzte Woche sein Motorrad zum Waschen gebracht – damit er es besser verkaufen kann. Auch in der nächsten Straße ist auf einmal ein Verkaufsschild in einem Auto. Nächsten Monat läuft die Abwrackprämie aus. Infineon ist ganz in der Nähe und wir werden sehen.

Auf vielen politischen Blogs ist zur Zeit viel über Wut und Frustration zu lesen. Das Leben wird teurer werden, die Inflation ohne Lohnausgleich geht ja schon über Jahre von statten. Ich habe seit 2001 keine Stundensätze erhöht. Ich habe aus Überbelastung aufgehört zu arbeiten. Heute würde ich auch nicht mehr anfangen. Es lohnt sich nicht mehr, wenn es keinen Spaß macht. Und ich bin wäge sehr genau ab, ob ich nicht lieber die Zeit mit meinen Kindern verbringen. Die Steuern werden erhöht werden. Die Inflation wird stärker steigen. Die Kreditvergabe zum Erwerb echten Eigentums wird weiter erschwert.

Das Schlimmste wäre, wenn es jetzt einfach so weitergeht. Wenn jetzt keine Währungsreform kommt. Wenn jetzt keine Hyperinflation uns von verlogenen Warenkörben befreit. Wenn weiter stetig immer mehr Kaufkraft abgeschöpft wird. Und wir weiter stetig mehr arbeiten müssen um den gleichen Lebensstandard zu halten. Wenn wir weiter langsam ausgepresst werden, wie eine Zitrone. Aber nie so schnell und so stark, dass es genug weh tut. Dass wir den Druck von außen spüren – von da wo er herkommt. Das schlimmste wäre, wenn es einfach so weitergeht und wir weiter diesen ganzen steigenden Druck mit Selbsterwartungen und Selbstzwängen begegnen. Wenn wir die Fehler weiter bei uns selber suchen und über das System nur meckern.

Die Chancen dafür, dass es so weitergeht wie bisher sind sehr gut. Und dass unsere Kinder in einem System des Überflusses selbst nur noch Sklaven sein werden, frei von Selbstbestimmung. Dafür sind die Chancen auch sehr gut. Wir haben es einfach nie gelernt aufzustehen und „Nein“ zu sagen. Wir haben gelernt zu schummeln und uns gegenseitig einen Vorteil abzuringen. „Wenn nicht alle gewinnen können, dann wenigstens Ich. Und wenn ich es nicht schaffe, dann liegt die Schuld nur bei mir.“ Das ist es was wir gelernt haben, und mit diesem Wissen kann man uns gemütlich und genüsslich gegen die Wand fahren. Wir werden motzen. Wir werden vielleicht sogar schreien. Aber aufstehen. Nein. Denn der Fehler, so haben wir gelernt, der liegt nur bei uns selber.

Uns so sagt der Protestforscher Roland Roth über die Deutschen:

Wir haben eine Kultur der Selbstzurechnung. Das lernen wir schon in der Schule: Jeder muss sich den gleichen Aufgaben stellen. Wer sie nicht meistert, ist automatisch ein Versager. Diesen fatalen Mechanismus müssen wir überwinden. Dafür braucht es tatsächlich den sozialen Protest, mit dem andere scheinheilig drohen.

Doch es gibt auch eine Form des Protests, den wir alle machen können. Wir können mehr Zeit mit unseren Kindern genießen. Das Geld, das wir über Bedarf verdienen ist in ein paar Jahren nur noch die Hälfte wert – selbst bei normaler Entwicklung des Warenkorbs. Jede Minute, die wir in aktiv und mit Freude mit unseren Kindern genießen ist in ein paar Jahren das tausendfache Wert.

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4 Kommentare zu “Die Finanzkrise und das Schreien der Lämmer

  1. Die Frage die wir uns alle stellen: Wer ist Schuld an der Krise?
    Am liebsten würden wir ja auf jemanden mit dem Finger deuten und alle Schuld auf ihn schieben.
    Das geht hier aber nicht, da eine Vielzahl von Faktoren mit hineinspielen.
    Fazit: Eigene Meinung bilden!!!

    Hier ganz gut dazu 🙂

    http://www.weristschuld.com

  2. Ich stelle mir die Schuld-Frage eigentlich nicht mehr 🙂
    Ich frage mich nur: Warum habe ich so viel Zeit meines Lebens damit verschwendet für Papiergeld zu arbeiten? Warum habe ich mein Leben sinnlos vermietet, anstatt es für echt gute Projekte zu verwenden? Die Frage ist also für mich nicht: Warum hast Du so viel Geld verloren? Sondern: Warum hast Du Dein Geld nicht anders verdient – so dass es Dir einfach Spaß gemacht hätte?
    Egal… damit fange ich jetzt an…

  3. Ehrlich gesagt, ich finde die Lösung nicht sehr kreativ. Die Reichen als Schuldige zu markieren und sie anzuklagen haben wir hier in Deutschland schon öfter versucht. Und selbst was bringt es, wenn wir Schuldige haben. Wir brauchen neue Lösungen und da stecken die Probleme in dem System und somit in jedem von uns. Oder?

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