Im Krankenhaus

Trotz meines fortgeschrittenen Alters ( 🙂 ) werde ich im Herzzentrum immer in die Kinderstation gesteckt. Das ist ganz normal für Erwachsene mit angeborenem Herzfehler.

Was man dort erlebt ist dennoch oft weit hinter allem, was man erleben wollte. Ich kam in das Zimmer mit einem 5 jährigen Kind und einem ganz kleinen Kind, das ich für 3-4 Jahre hielt. Später stellte sich heraus, dass er schon 8 Jahre alt ist. In diesen 8 Jahren hatte der Kleine schon 8 Operationen am Herz – und 27 Herzkathether. Und der Termin für die nächste Operation stand schon im Raum. Dauernd lief die Sauerstoffversorgung und wenn sie zum Test mal ausgeschaltet wurde, dann fiel die Versorgung gleich um 10 Prozentpunkte.

Und dann sieht man ihn, wie er mit seiner Mutter ganz normal spielt und wie er sich Spongebob anschaut – und bei all diesen Sachen ist er ein ganz normales (allerdings sehr kleines) Kind. Wie er in einer Minute noch in seiner Miau-Katzen-Sprache sagt, dass es ihm gut geht und schon bald darauf krümt er sich vor Schmerzen, die er keinem mitteilen kann.

In unserer Gesellschaft tragen die Kranken die Kosten für ihre Krankheiten – dies wird zwar sozial verteilt über die Krankenkassen, dennoch spürt man die Sparmaßnahmen bei jedem Wort, das man mit einem Arzt wechselt. Und so werden die Kosten genau dort gespart, wo die Kostenfrage überhaupt nicht zählen dürfte. Nämlich bei den Kranken in ihrer Krankheit. Das merkt man heute schon, wenn man mal was Kleines hat und man geht zum Allgemeinarzt. Das habe ich letzte Woche gemerkt, wo mir ein Allgemeinarzt ein Generika aufgeschrieben hat, dass nie für Herzpatienten verschrieben werden darf. 3 Ärzte, 20 €, Fehlmedikation, oberflächliche Diagnose, oberflächliche Untersuchung – das war meine letzte Woche, die mich so viel Kraft kostete, dass wir am Ende nur den einen Weg sahen: Ins Herzzentrum; dort haben noch ein paar Ärzte Zeit und Mittel sich um Kranke zu kümmern.

Menschen wie dieser Junge, die bestimmt gerne darauf verzichten würden jedes Jahr am offenen Herzen operiert zu werden sind die, die am meisten durch Einsparungen im Gesundheitssystem leiden. Ich glaube wir müssen auch hier, wie bei so vielem in unserer Gesellschaft, einen Paradigmenwechsel vollziehen. Kein Mensch ist mit Absicht krank. Und jeder Mensch will wieder gesund werden. Ein Gesundheitssystem muss den Menschen beistehen und alle Kräfte auf ihre Gesundung bündeln.

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3 Kommentare zu “Im Krankenhaus

  1. Das kranke am Krankenhaussystem sind in der Tat die kosten. In der Hightechmedizin ist alles so unglaublich teuer. Wenn man ein Frühling in der 27. Woche hochpeppeln will, dann kostet das nunmal 10000€ – Der eingriff für die Herzkathether wird sicher auch über 500€ liegen – das ist schon unglaublich und man fragt sich ob sich das dann lohnt.

    Die allgemeine Medizinische Versorgung könnte pro Kopf jedoch viel günstiger sein. Die Leute, die arbeiten müssen zwischen 100 und 400€ pro Monat an die Krankenkassen abdrücken – das müsste nicht sein! Ökonomen haben vielfach berechnet, das ein viel kleinerer Betrag ausreichend wäre. – Man fragt sich nur wo das Geld verschwindet.

    Das gibt es da noch die lieben, armen Pharmacie-konzerne. Die ihre Medikamente für das vielfache ihrer Herstellungskosten verticken und nachweislich dann maximal Nebenwirkungen haben.

  2. Ich diskutiere über dieses Thema seit Jahren. Das Problem ist, dass es so komplex ist:
    ein ethisches Thema
    ein betriebswirtschaftliches Thema
    ein volkswirtschaftliches Thema
    ein ordnungspolitisches Thema
    ein umverteilungsthema
    ein medizinisches Thema
    ein pflegerisches Thema
    ein parafiskalisches Thema
    Überall sitzen Experten, die eine Lösung aus ihrer individuellen Sicht kommunizieren, die jedoch von den Vertretern der anderen Themen verdammt wird. Und dann haben wir noch Ulla. Das Ergebnis der Diskussionen sit das aktuelle System, das schon als Paradigmenwechsel, als Reformpaket, als Jahrhundertreform vorgestellt wurde. Tatsächlich aber ist es nur Flickwerk zwischen Lobbiisteninteressen. Allerdings ist der Große Wurf auch wirklich schwierig, denn da soviele Gruppen betroffen sind, wird man auch immer irgendeinem auf die Füsse treten.

  3. @blueyo
    Ich glaube es ist nichts Lohnenderes auf der Welt als ein Menschenleben zu retten.

    @sevenjobs
    Interessant finde ich, dass die wirklichen Experten nie gefragt werden. Das sind die Kranken. Aber so ist das nun mal in dieser komischen Regierungsform. Zu Kinderpornographiebekämpfung werden nicht die Mißbrauchsopfer befragt. Zur Gesundheitsreform nicht die Kranken. Zur Schule nicht die Kinder. Zu Gewalttaten werden auch nicht die Gewalttäter über ihre Motive befragt. Es gibt immer ein paar Gruppen, die wirklich betroffen sind. Diese haben aber meist keine Lobby und sind somit auch keine Gruppe.

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