Gründe für Unschooling in München und anderswo

Ich habe lange über eine Liste nachgedacht, die sagt „Warum wir Unschooling machen“.

Meistens verhakt man sich dabei in Trivialitäten oder spricht Dinge aus, die genauso gut in „freien Schulen“ (wie paradox) oder Reformschulen gemacht werden. Z.B. die freie Wahl der Lernmittel. Dennoch will ich jetzt mein Glück versuchen.

1.) Die Familie kann ihren Lebensweg finden und ihren Platz in der Gemeinschaft und auch in der Nachbarschaft

2.) Die Kinder können ihren Platz in der Familie finden und die Eltern können lernen mit Kindern umzugehen und ihre Art zu lernen zu respektieren

3.) Kein institutioneller Überbau fesselt die wilde Kraft des Lernens – so wird man nie vom Lernen der Zukunft sprechen, sondern kann alle aktuellen Erkenntnisse gleich anwenden. Auch Experimente haben so einen ungebändigten Platz – und können genauso gut in Sekunden verworfen werden und in einem halben Jahr noch einmal probiert werden.

4.) Die Lerngemeinschaft kennt nicht nur das Lernen und die Leistung der anderen, sondern den ganzen Menschen.

5.) Man kann jederzeit hinausgehen und gemeinsam oder allein die Welt erfahren

6.) Die Kinder/Jugendbibliothek am Gasteig bietet ca. 60.000 Medien (von Büchern bis DVDs) und freie Auswahl – der Gasteig bietet 1.3 Millionen Medien – da braucht man viel Zeit.

7.) In München leben 1.5 Millionen Menschen, das sind 1.5 Millionen potentielle Freunde aus denen man frei auswählen kann, da braucht man viel Zeit

8.) München hat unendlich viele Museen, kulturelle Institute, Vereine und unverschlossene Universitäten mit offenen Hörsälen – da braucht man viel Zeit

9.) München hat eine reiche Geschichte, die überall auf den Straßen ihre Spuren hinterlassen hat und die es zu entdecken gilt – da braucht man viel Zeit.

10.) Kein Konzept – auch kein noch so freies – bildet die Grenzen des eigenen Handelns. Die einzigen Regeln, die binden, sind die, die es auch später im echten Leben gibt. Das liegt daran, dass Unschooling schon das echte Leben ist.

11.) Ach ja – ganz wichtig, weil aktuell. Eine Krankheit oder eine Besonderheit ist nichts besonderes oder schlimmes mehr. Es ist nichts, das einem aus dem Leben herausreißt und zurückwirft. Es ist ein Teil des Lebens, den man akzeptieren lernt. Dieser Teil hat kein davor und kein danach, sondern er reiht sich ein in ein kontinuierliches Leben, Lernen und Wachsen.

12.) Und genauso ist Lernen nicht ausgelöst vom Leben und auf bestimmte Reservate und Zeitabschnitte beschränkt. Sondern es bettet sich ein in die Natur und das Leben eines jeden Menschen. Und so kann das Lernen auch immer ein Verwirklichen nach sich ziehen. So wie jeder Fehlschlag und jeder Erfolg weiteres Lernen mit sich bringt. Und so geht das anfängliche Lernen in den ersten Jahren in das alltägliche Lernen im Leben über – es gibt keine Narbe und keinen Sprung. Es ist und es bleibt einfach nur Bildung und Genuss.

Und München ist nur eine von vielen Städten auf dieser Welt. Nur ein Platz von vielen Plätzen auf dieser Welt. Und jeder Ort, selbst der kleinste bietet seine eigenen, unendlich vielen Herausforderungen. Man kann es sich gar nicht leisten, nicht an diesen echten Orten zu sein. Um alles zu entdecken braucht man so viel Zeit.

Für jeden dieser Punkte braucht man so viel Zeit, dass Kinder und Jugendliche keine Sekunde ihres Lebens zu verschenken haben. Selbst wenn sie jede Minute ihrer Kindheit und Jugend für sich haben, stelle ich mir die Frage: „Kann die Zeit überhaupt jemals reichen?“

Es wäre Unsinn diese Zeit nicht mit dem eigenen Leben zu verbringen. Deswegen sind wir Unschooler. Unschooling bedeutet der Herr über sein Leben zu sein – von der ersten Minute an.

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5 Kommentare zu “Gründe für Unschooling in München und anderswo

  1. Ich erwarte ja immernoch Deinen Artikel über die freie Schule. 🙂

    ‚Unschooling bedeutet der Herr über sein Leben zu sein – von der ersten Minute an.‘
    Das ist für mich der wichtigste Punkt überhaupt!

  2. Pingback: Gründe für Unschooling « KiFaSchuLe

  3. Da kann man viel machen, Ami 😉

    Immerhin gibt es mehr als 1000 Familien in Deutschland, die sogar im Kontakt mit den Behörden die gewünschten Ergebnisse erzielen.

    (letzte Zeile zensiert – immerhin habe ich dem Kultusminister diesen Post geschickt- als Link)

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