Hart – Härter – Nami

Letztes Wochenende waren wir in Starnberg. Eigentlich wollten wir spontan Freunde besuchen, aber die waren für 7 Wochen in Thailand (!!!).

Irgendwann am Abend saßen wir dann am See und ich ging mit Nami ins Wasser. Das Wasser war EISKALT und ich musste nach ein paar Schritten wieder raus. Nami sagte auch: „Freezing“ – ging aber wieder rein.

Ich ging dann noch zweimal mit ihr rein, musste dann aber draußen bleiben, da meine Füße blau wurden. Nicht so Nami, sie spielte mittlerweile mit Stöckchen im Wasser. Und die Kälte interessierte sie nur am Rande.

Wer jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlägt – Nami wurde nicht krank. Es geht ihr ausgezeichnet. Stattdessen wurde die Mumy1000Sunny krank (die gar nicht im Wasser war) und ich wurde gestern Nacht krank.

Nami hüpft und sproingt durch die Gegend, als ob es Hochsommer wäre. Sobald sie irgendetwas anhat, beschwert sie sich sofort, dass ihr heiß sei und es wird sofort ausgezogen.

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9 Kommentare zu “Hart – Härter – Nami

  1. Hast du schon mal von den Nikitin-Kindern gehört? Sie haben dasselbe bei ihren Kindern beobachtet. Es ging sogar so weit, dass die Mutter die Babys zum schlafen auf die Veranda gelegt hat. Und die Hautkrankheit der Kinder wurde in der kühlen Luft besser. Sie haben dann die Kinder „abgehärtet“ indem sie sie nie zwangen Socken anzuziehen etc. Faszinierende Familie, deise Nikitins.

  2. Allerdings sind die Kinder heute erwachsen und – so wie es geschrieben wird – nicht so glücklich.
    Weißt Du, was da dran ist?

  3. Bei uns ist das ähnlich.
    Lisa, meine älteste, wird sehr schnell warm und zieht sich als erste aus. Sie geht auch im kühlen (für mich KALT) See baden. Das stört sie garnicht. Sie ist fast nie erkältet oder sonstwie krank.
    Aber sie ist so ein Typ – sie ist ein Kind mit viel Energie, sie braucht viel Bewegung, ist immer in action.
    Jamie ist eher langsam – körperlich gesehen. Er trödelt gern, träumt, braucht Zeit.
    Er friert eher und zieht sich gern viel an.
    Jamie bekommt am ehesten eine Erkältung – zumindest Husten.
    Amelie dagegen ist so ein kleiner zierlicher ‚Zappelphilip‘ und läuft am liebsten nur mit t-shirt rum.
    Im Winter anziehen war eine Qual. Aber ohne Kleidung konnten wir nicht los. (Bei 10 Grad Minus *brrr*)
    Amelie ist an Händen und Füßen immer kühl und leicht bläulich (das habe ich auch schnell). Trotzdem ist auch sie so gut wie nie krank.

    Alle drei haben eine andere Konstitution, und sie suchen sich selber aus, wieviel sie anziehen wollen.
    Kann man Kinder denn bewusst ‚abhärten‘, oder einfach nur ihre persönliche Körperwärme respektieren? 😉

  4. Isla, Deine Bemerkung über die erwachsenen Nikitin-Kinder hat mich neugierig gemacht. Ich habe das hier gefunden:
    http://www.zeit.de/1990/44/Irgendwie-ein-trauriges-Ergebnis?page=1

    Vielleicht sind Kinder, die so aufwuchsen, einfach für unsere Leistungsgesellschaft nicht geeignet?

    Ich selber habe ja immer das Gefühl, daß es grundfalsch ist, das Augenmerk bei Kindern darauf zu richten, was sie alles schon können. Lernen sollen wir nicht um des Lernens willen, sondern wir sollten einfach Freude am Leben haben, und das kann man auch mit „abhängen“.

    Die Aussage über die Langeweile in dem Zeit-Artikel finde ich selber nicht richtig. Mir war und ist nie langweilig, aber ich kann Muße, Ruhe, Nichtstun genießen, konnte das auch schon als Kind.

    Das Wichtigste was Eltern für Kinder tun können, ist ihnen ehrlich zu begegnen, sie auch zu beschützen, wenn nötig, sie gefühlvoll an- und aufzunehmen. Alles andere außen rum, Materialien, Wissensträger (Bücher etc.) usw. sind sicher zweitrangig. Das Staunen zu erleben (überhaupt erfassen zu können) – auch gemeinsam, über die Teppiche gelber Anemonen und blauer Veilchen jetzt im Frühling z. B., ist sicher vorrangig.

  5. Das denke ich mir heutzutage auch immer. Es scheint kein Spielzeug mehr zu geben, das nicht irgendwas fördert und nicht irgendwie Buchstaben und Zahlen vermittelt. Dabei sind diese nur Abstraktionen, das Wort ist nie so reich, wie der Gegenstand. Dieser Förderwahn hat eine unglaubliche Dimension erreicht.

    >Kann man Kinder denn bewusst ‘abhärten’, oder einfach nur ihre persönliche Körperwärme respektieren?
    Diesen Ausdruck „die persönliche Körperwärme respektieren“ finde ich sehr schön.

    Es gab mal ein ähnliches Experiment mit absolut Hochbegabten (Human-Termites-Projekt). Von denen wurde auch keiner so richtig was – Eysenck hat eine Untersuchung gemacht, in der herauskam, dass große Leistungen oft mit starken persönlichen Verlusten und einem guten Maß an sozialer Unangepaßtheit zusammenhingen.

    Bei den Nikitin-Kinder tritt erschwerend hinzu, dass sie an dem Punkt, an dem es interessant wurde in russische Schulen gegeben wurden. Und die russische Gesellschaft ist auch nicht gut zu sprechen auf Freiheit. Diese ganze Konditionierung auf Kulturtechniken hat irgendwie den Beigeschmack einer Zirkusnummer.

    Generell finde ich, dass die Schulen so eine starke Verzerrung mit sich bringen, dass alles, was wir über Pädagogik wissen falsch ist. (Vielleicht nicht alles, aber 95% schon)

  6. Ja, ich habe diesen Artikel in der Zeit auch gelesen. Ich finde ihn arg parteilich. Nur, weil die Kinder keine Supererwachsenen geworden sind, ihre ganze Kindheit, ja sogar ihre ganze Existenz als gescheitert zu erklären, das ist ganz schön anmaßend. Natürlich waren das andere Zeiten und die Eltern haben ganz klar ihre Erwartungen an die Kinder gehabt.
    Ich habe das Beispiel mit dem „Abhärten“ gebracht, weil es mir spontan zu dem Thema Kinder und Kälteempfindlichkeit eingefallen war. Mama-Nikitin hat ihr Kind nicht mit Absicht „abgehärtet“, sondern einfach ihre Kinder aufmerksam beobachtet und geguckt, wie weit sie gehen kann. Und stellte fest, dass sie viel mehr können, als ihnen (damals) in ihrem Alter zugetraut wurde. Z.B. wurden Kinder in Russland damals in Tücher eingewickelt, so dass sie sich nicht rühren können, und unter dicke Decken zum Schlafen gepackt. (Ich komme aus Russland, daher weiß ich das ). Da war es schon eine kleine Revolution, wenn die Mama das Baby einfach ohne alles auf einer Decke liegen ließ, und wurde schon von den besorgten Großeltern als brutales Abhärten empfunden.
    Dass man die Erfahrungen einer Familie aus Russland nicht unhinterfragt auf heutige Verhältnisse übertragen kann, ist mir auch klar. Aber die Bücher über diese Familie sind allemal interessant.

  7. @life42
    ! Da stimm ich Dir voll und ganz zu. Manch anderer wäre dankbar für einen Juristenjob in einer größeren Firma.
    Das „nicht so richtig was geworden“ bezog ich auch nur auf die Nobelpreisträgererwartungen, die die Autorin ja suggeriert.
    Aber Du hast vollkommen recht, die „Zeit“ hat schon irgendwie eine komische Einstellung – das habe ich an den Anti-Romeike-Artikeln dort gesehen, nur Vorurteile und althergebrachtes, was nicht sein darf und was nicht sein kann.

    Ich erlebe diese „Kälteangst“ auch bei unseren russischen Nachbarn, der Kleine ist so dick eingepackt und kann sich fast gar nicht rühren.
    Ich habe früher russisch gelernt und viel gelesen, da fiel mir auf, dass dort (in der Literatur) der Kindstod sehr präsent ist, deswegen kann ich mir die von Dir beschriebenen Reaktionen der Großeltern auch gut erklären.

    Wenn man hier die Literatur über Phasenmodelle und sensible Phasen und den ganzen Quatsch liest, dann denk ich mir auch: „Hauptsache, die Kinder bleiben klein, süß und steuerbar“

    Wenn dann einer etwas anders macht, als der Mainstream, dann muss das sofort ein Nobelpreisträger werden, sonst gilt das ganze als gescheitert – irgendwie deprimierend.

  8. Wenn dann einer etwas anders macht, als der Mainstream, dann muss das sofort ein Nobelpreisträger werden, sonst gilt das ganze als gescheitert – irgendwie deprimierend.

    Zeigt:

    * Wir erkennen, dass die herkömmliche Wege, ein Nobelpreisträger vermütlich nicht herzaubern wird.

    * Wir erwarten schon, dass es etwas „anderes“ bedarf, damit es ein Nobelpreisträger wird.

    Das spricht Bänder, wenn Du mich fragst. Schade nur, dass dann solche Schlussfolgerungen daraus abgeleitet werden: Gescheitert.

  9. ja, dieser Gedanke kam mir bei dem Artikel auch. ‚Er ist zwar geworden, was er wollte – nämlich Physiker – aber in einer mittleren Position.‘
    Was ist daran verwerflich?
    Nur weil ich meine Kinder in Freiheit lernen lasse, heißt das ja wirklich nicht, das etwas ‚Besonderes‘ (was ist das überhaupt), aus ihnen werden muss.
    Was mich erstaunt hat war, dass die Kinder selbst so eine Einstellung hatten. Dass sie sich ausgebrannt fühlten, etc.
    Aber ich sehe an der Methode eben auch die Steuerung. Es standen dahinter Erwartungen und Lenkung durch die Eltern (und später durch die Schule).
    Und…mir kam die Frage – was war mit der Kreativität?
    Aber so ganz kann ich mir kein Urteil erlauben, denn ich habe die Bücher nicht gelesen.
    @Eljascha: Deinen letzten Absatz finde ich sehr schön. Wir staunen auch gerade wieder. Der Frühling bringt so viel Neues! 🙂

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