Family Think Tank

Es ist schon eine Weile her (ungefähr ein Jahr), da habe ich den Eintrag geschrieben „Papa über Bildung“ – dort habe ich geschildert, wie ich mir Bildung vorstelle und wie ich mir Schulen vorstelle. Damals sah ich freie Schulen noch als eine gute Ergänzung zum familiären Unterricht, dort wo die Familie nicht reicht (oder die eigenen Bildungsambitionen). Nun ja, ich denke ich habe mich weiterentwickelt und inzwischen sind auch viele Grundfesten gefallen, so wie der Gesellschaftsvertrag…. und ich fühle mich, als ob ich noch einmal neu schreiben müsste, wie ich mir familiäre Bildung vorstelle. Bevor jetzt jemand schreit: „Schöne neue Welt!“ – Nein, ich schreibe das nicht als Allgemeinempfehlung, aber für mich fühlt es sich richtig an – und ich bin gespannt, ob das klappt es so umzusetzen.

Ich stelle mir die Familie als eine Art modernen Think Tank (Denkabrik/Ideenschmiede) vor.

In einem FTT geht jedes Individuum seinen persönlichen Zielen nach und versucht seine Träume zu realisieren – die anderen helfen ihm dabei so gut sie können. Man sucht zusammen Synergien und unterstützt sich, ohne sich zu bevormunden und zu lenken.

Durch das gegenseitige Unterstützen sind alle interessiert aneinander und auch veranlasst sich weiter zu entwickeln. Auf diese Weise bleibt niemand stehen und man entwickelt sich auch nicht unverträglich auseinander. Hierzu ist es aber wichtig jeder Beschäftigung des anderen Respekt entgegen zu bringen – dies ist aber leicht, wenn man sich mit dem Anderen beschäftigt.

Dadurch, dass die Elterngeneration sich immer weiterentwickelt bleibt auch der Generationenkonflikt aus – das „Abnabeln“ geschieht durch ein Zugewinnen an Selbständigkeit und nicht durch eine Kampf um Respekt und für Freiheit.

Irgendwann leben wir dann in einem Mehrgenerationenhaus harmonisch zusammen und wir verlieren unsere Kinder nicht, bis ins hohe Alter. Sie profitieren von unserer Lebenserfahrung. Niemand drängt jemandem Ratschläge und Lebenskonzepte auf, die der andere nicht haben will.

Die ganze Familie kümmert sich um die Enkel und sich gegenseitig – gearbeitet wird im Homeoffice oder in einem hauseigenen Betrieb – so dass auch die Frischlinge gleich in eine funktionierende Lebensgemeinschaft kommen. Dennoch haben sie Platz sich nach ihren Wünschen zu entwickeln.

Es ist eine Art Fürsorgegemeinschaft. Die Rentenbeiträge entfallen, da man ja von seinen Kindern direkt versorgt wird, so wie man sich um sie weiter sorgt und beiträgt, was man beitragen kann. Sollte jemand ins Ausland gehen wollen, so hat er immer einen Platz zu dem er zurück kommen kann. Sollten die Gründe politische Verfolgung sein oder Systemunverträglichkeit, wird sich wahrscheinlich unsere ganze Familie anschließen, da wir ja an den Interessen und Aktivitäten partizipieren – und die Ungerechtigkeit der Verfolgung genauso spüren.

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7 Kommentare zu “Family Think Tank

  1. Ja, so sehe ich das auch.
    Aber das ist eben auch das ‚Idealbild‘.
    Malsehen, ob es funktioniert.

    Ich finde nicht, dass die freie Schule dabei
    stört (bis jetzt noch nicht). 😉
    Wenn ich es mir allerdings aussuchen könnte, dann kämen wir ohne Schule aus.

  2. Findest du nicht, dass es ab einer gewissen Anzahl Leute schwierig wird wirklich in einem „Betrieb“ alle Interessen und Ambitionen zu befriedigen? Also, dass dann doch die individuellen Seiten zugunsten der Gemeinschaft aufgegeben werden (müsseen).

  3. Was machen großelternlose Alleinerziehende mit einem Kind ? Ist das dann ein Zweier-FTT ?

    Ich finde den Gedanken an sich ganz nett, nur nicht unbedingt sehr realitätsnah.

    Ganz zu schweigen davon, dass es auch gruselige Großeltern gibt (ich habe da einige in der Kundschaft), die noch die Rohrstockmentalität propagieren.

  4. @Isla
    Jetzt weiß ich wieder, was mich an den Konzepten der freien Schulen stört – schreibe ich vielleicht einen extra Eintrag.

    @life42
    Hallo und Willkommen auf dem Blog.
    Ich glaube dieser „Family Think Tank“ ist eine große soziale Neuerung – und da kann man natürlich nicht sagen: „Alles wird ganz einfach und es ist garantiert, dass es klappt“. Dennoch gibt es eine Chance und ich finde wir sollten sie nutzen. Es ist weiterer Schritt von einer Leistungsgesellschaft zu einer Selbstverwirklichungsgesellschaft – und ich denke es kann wirklich großartig werden. Ich glaube wir sollten langsam Abschied nehmen von der Ameisen-Mentalität eigene Interessen der Gemeinschaft unterzuordnen und Wege suchen eigene Interessen in die Gemeinschaft zu integrieren.

  5. @Sylvia
    Diese Großeltern hätte ich bis vor ein paar Wochen noch als eher ungeeignet bezeichnet. Oma1000Sunny ist ja sehr autoritär. Da müssen Kinder folgen und alles (allerdings gehauen wird nicht). Und genau deswegen ist es faszinierend, was für Strategien Chopper entwickelt hat, um sie zu zähmen.
    Dennoch es bleibt eine soziale Neuerung und wird nicht sofort flächendeckend angewandt, sondern ist bedingt durch einen Gesinnungswandel einer Subkultur.
    Ich glaube übrigens auch Alleinerziehende haben eine Chance – generell halte ich die Größe nicht für so wichtig, wie den Respekt für die Entscheidungen und die Ziele des Anderen.

  6. Da bin ich aber gespannt.
    Zumal man auch nicht ausser Acht lassen darf, dass nicht alle Freien Schule gleich sind.
    Die Umsetzung ist ganz individuell, und nicht jedes Konzept orientiert sich an denselben Grundgedanken.

  7. Mittelalterliche Familienclans haben zum Teil so gelebt und gewirtschaftet. Und in Zentralafrika tun sie es heute auch noch so. Subsistenz statt Erwerb und existieren statt leben waren / sind da die kennzeichnenden Merkmale. Sie erreichten damit ein Lebensniveau dass jeden Hartz-IV-Empfänger vor das Sozialgericht treiben würde.

    Ob das ein Modell für das 21. Jahrhundert sein kann?

    Und ob zwischenmenschliche Konflikte durch ein rosarotes „jetzt sind wir mal alle ganz lieb zueinander und machen keine Probleme“ einfach so verschwinden?

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