Richtigstellung

Als ich auf anderen Blogs ein bisschen die Rezeption meiner Gedanken zum Amoklauf gelesen habe, da war ich doch teilweise sehr überrascht. Auf der einen Seite war mir klar, dass nur wenige dem Gedankengang folgen könnten, dass es an der Schulpflicht und dem Erscheinungszwang dort (gesetzlich / gesellschaftlich) liegen könnte – dennoch war es interessant zu sehen, wie stark die Menschen hier in Deutschland ein Gesetz, das Zwang und Gewalt bedeutet, verteidigen. Von wem dieses Gesetz ist (oder von wessen Minister) will ich hier nicht sagen, weil das ein Tabu ist – andere sind gottseidank nicht so feinfühlig. So dass die Chance auf Wahrheit erhalten bleibt.

Was mich am meisten überrascht hat, war die Idee, dass ich behauptet hätte: „Eltern die ihre Kinder in der Schule haben, lieben ihre Kinder nicht“. Hmmmm…. da war ich Baff, da der Großtenor meines Blogs eigentlich ist: „Alle Eltern lieben ihre Kinder“. Sogar schlimme Verbrechen gegenüber den Kindern verteidige ich mit einer absoluten Not-, Überforderungs- und Paniksituation des jeweiligen Elternteils oder einer starken charakterlichen Schwäche, wie der psychischen Abhängigkeit von einem neuen Partner.

Da es mich interessiert hat, wo so eine Idee herkommen könnte, habe ich den fraglichen Post noch einmal gelesen (da ich so fassungslos war, habe ich bei der Autorin nicht nachgefragt, wie sie auf so eine Idee kommt – Entschuldigung in diese Richtung).

Am Ende habe ich diesen Satz gefunden:

Wenn wir unsere Kinder wegsperren in riesige Gebäude und dort in professionalisierte Massenhaltung und Aufzucht geben, anstatt sie selber zu lieben und zu verstehen, dann werden wir nach und nach größere Dimensionen von Selbstmord erleben.

Dieser Satz könnte wahrscheinlich wirklich so interpretiert werden. Dennoch bezog es sich auf den Schulzwang. Dieser wird sehr stark vom Volk gestützt. Die Schulgebäude können gar nicht groß genug sein – ein Maßstab für den eigenen Status der Minister und des Lehrpersonals ist oftmals die Größe der Aulen in ihren Schulen. Und die Aufzucht dort ist streng professionalisiert und auf bestimmte psychologische Mechanismen abgestimmt, die hauptsächlich an Tieren Mitte des letztens Jahrhunderts erprobt wurden, um sie für mechanische Arbeiten abzurichten. Und einfache mechanische Reaktionen.

Das Wichtigste, was wir Kindern – besser gesagt, allen Menschen – entgegen bringen müssen ist Verständnis. Es tut mir weh, wenn ich eine Mutter die Tochter für eine Note 1 umarmen sehe und ein anderes Kind steht mit seiner Note 4 traurig daneben. Die Mutter liebt beide Kinder, da bin ich mir sicher. Dennoch werden beide Kinder auch gerade operant konditioniert. Und zwar durch Zuwendung oder den Entzug von Zuwendung. Ich bin mir auch sicher, dass die Mutter dies meist nicht bewusst macht, sondern einfach einer inneren Freude und auch einer eigenen Konditionierung aus ihrer Kindheit und den gesellschaftlichen Werten folgt. Würde sie sich bewußt, dass sie in dem Moment die Seele ihrer beiden Kinder korrumpiert, dann würde sie ihr Verhalten überdenken. Die Mutterliebe wirkt im Hintergrund und ist nur die eigentliche Triebfeder des Verhaltens, nämlich dass es beiden Kindern möglich ist ein gutes und effektives Leben zu führen – und dieses bewerkstelligt sie dann auch mit den gesellschaftlich etablierten Methoden.

Und in unserer Gesellschaft gibt es auch viele einsame Kinder, die nach der Schule allein am Zaun ihres Elternhauses stehen. Die Freunde sind über die Stadt verteilt, die Eltern sind beide Vollzeit mit ihrer Karriere in Büros oder anderen teils schweren Problemen beschäftigt. Zusätzliche Geschwister gibt es aus den allerverschiedensten Gründen nicht. Manche von diesen Kindern haben sich auch teilweise schon so weit von ihren Eltern entfernt, dass sie auch nicht mehr wüssten über was sie reden sollten. Auch dies ist ein von der Gesellschaft geforderter Vorgang. Karriere zu Hause „mit den Kindern“ ist nahe an der Ächtung, „Abnabeln“ ist für die Kinder ein gottähnliches Credo. Wer heute in der Pubertät nicht rebelliert gilt schon fast als „peinlich“ oder nicht komplett entwickelt. Und so kann unsere Gesellschaft es gar nicht erwarten, dass sich die Familie erst zu einer Kühlschrankgemeinschaft entwickelt und dann in eine Reihe von Single-Haushalten aufsplittert.

Und so haben wir auch von der Kita bis zum Altersheim für jeden Abschnitt seinen Platz, in dem die anderen Abschnitte nur Besucher sein dürfen – aber nie Teil. Und so müssen wir mit einer immer stärkeren Entfremdung der Individuen in unserer Gesellschaft rechnen, die nicht mehr die Frische der Jugend schätzen kann, Tatkraft des mittleren Alters und auch nicht die Weisheit des Alters. Sondern am Ende nur noch Angst vor den jeweils anderen Peer-Gruppierungen hat – eingemauert in ihrer eigenen (auf den Lebensabschnitt optimierten) Festung. Eine Gesellschaft, die sich nicht mehr durchwebt sondern in altershomogene Parallelgesellschaften gespalten ist- ständig den Generationenkonflikt und die Umverteilung der Steuergelder im Sinne.

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