Reden statt Schweigen

Der erneute Amoklauf hat viele erschüttert, und im Internet wurde viel diskutiert.

Während viele Menschen meinen, es wäre pietätslos, über das Ereignis und seine Hintergründe so viel zu diskutieren (und steigere zudem den Werther-Effekt), denke ich, es ist gut darüber zu reden.

Ich finde es auch gut, dass sich jeder so viele Gedanken macht. Die einen wollen mehr Sozialarbeiter, die anderen keine Waffen mehr, andere keine Killerspiele. Mehr hinschauen und Gewalt wahrnehmen, dazwischengehen und schützen, anstatt daneben zu stehen – auch das waren die Forderungen. Und einige fingen auch an ihre Kinder nicht mehr in die Schulen zu schicken, und ich forderte (wie zu erwarten) die Abschaffung der Schulpflicht und ihre Verwandlung in ein anderes, produktiveres Gesetz. Andere wiederum forderten eine Öffnung der Schulen und vielfältigere Methoden um auf Schüler zuzugehen, oder Eltern müssen wieder mehr für ihre Kinder dasein

Auch eine Menge Gegenargumente gegen die einzelnen Lösungen waren zu hören: Wir haben schon ein sehr scharfes Waffengesetz, die Familie ist manchmal auch nicht besser, die Schule kann die Erziehung nicht komplett leisten, die Schule darf die Erziehung nicht komplett leisten, Killerspiele entsprechen nicht dem Amok-Schema, usw.

Bei der Debatte fand ich es ein bisschen traurig, dass jeder dem Anderen Monokausalität vorwarf. Jeder forderte von dem Anderen ein komplexes psychologisches und gesellschaftliches Profiling, und DIE zweifelsfreie Methode, dies in Zukunft verhindern zu wollen. Alles in Minuten hervorgezaubert.

Ich denke, wenn wir uns all die monokausalen Denker anschauen – und all ihre verschiedenen Lösungswege, und Gegenargumente – und dann darauf aufbauen, dann haben wir den aktuellen Lösungsschatz, der im Volk existiert – es gilt nicht den Besten herauszufinden, sondern die sinnvolle Summe zu ermitteln. Wenn wird die Diskussion im Volk weiterführen, dann könnte es sein, dass wirklich ein gutes Paket an Methoden herauskommt, dass vielen Menschen helfen kann, die heute auf der Kippe stehen.

Wir haben mit dem Internet, Blogs, Twitter, Foren usw. ein starkes Instrument an die Hand bekommen, mit dem wir uns endlich austauschen können. Dies müssen wir jetzt noch lernen, nachdem wir die Kommunikation über einen sehr langen Zeitraum (aus welchen Gründen auch immer) verlernt haben – und für Lösungen immer den Weg wählten, auf Politiker zu schauen und uns dann zu beschweren, oder uns zu freuen (um dann über die Umsetzung zu jammern).

Ich glaube, all die Opfer waren nicht umsonst, und auch wenn schon in drei Tagen keiner mehr über den Amoklauf spricht – und er nicht mal ins Wahljahr 2009 eingehen wird – wenn wir weiter dran bleiben, Lösungen zu suchen und solche Geschehnisse nicht in Vergessenheit geraten lassen, dann kann sich etwas zum Besseren ändern.

Jeder nach seinem Spezialgebiet und vielleicht lernen wir langsam mehr und mehr die Argumente unserer Mitmenschen zu begreifen und mit Ihnen zusammen Wege zu finden.

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2 Kommentare zu “Reden statt Schweigen

  1. Noch ein lesenswerter Artikel, auf den im Forum des Netzwerkes Bildungsfreiheit verwiesen wurde – hier ein Auszug:

    Eisenberg: Das ist meine These von den „Kindern der Kälte“. Die politischen und medialen Interpretationen von solchen Amoktaten neigen dazu, die Täter zu vermonstern und sie zu betrachten, als kämen sie von einem anderen Stern. Damit drücken wir uns vor der unangenehmen Wahrheit, dass die Amokläufer Produkte dieser Gesellschaft sind, eben unsere Kinder. Sie halten uns den Spiegel vor, in dem wir uns erkennen könnten, wenn wir dazu bereit wären.
    Jede gesellschaftliche Entwicklungsstufe bringt die ihr gemäße Form des Verbrechens hervor. Der Amoklauf scheint mir das dem globalen Zeitalter entsprechende Verbrechen zu sein. Er ist das Produkt der fortschreitenden Anonymisierung und Entfremdung. Ein indifferenter Mensch löscht andere ebenso indifferente Wesen aus. Der frei flottierende Hass ist das Produkt der fortschreitenden psycho-sozialen Entleerung.
    In den öffentlichen Debatten werden mit Vorliebe Ursachen benannt, die in einem Bereich liegen, den man kurzfristig verändern kann. Man verhält sich wie ein Betrunkener, der seinen verloren gegangenen Schlüssel im Schein der Laterne sucht und nicht da, wo er ihn verloren hat. Um die verunsicherten Bürger bei der Stange zu halten, soll schnell politische Handlungsfähigkeit demonstriert werden. Die Ursachen liegen jedoch viel tiefer und entziehen sich solch kurzfristigen Lösungsvorschlägen.

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