Aktiv gegen Amok

Dies ist ein persönlicher Appell von mir:

Wieder einmal hat die Schule viele Todesopfer gefordert. Umso wichtiger ist es den menschen verachtenden Schulzwang (Schulpflicht) sofort zu beenden. Denn jeder Zwang ist Gewalt. Und Gewalt erzeugt immer Gegengewalt. Und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis wieder etwas passiert.

Die Kultusminister müssen einlenken und endlich einen sinnvollen Ausstieg aus der Schule ermöglichen, für alle, die damit nicht zurecht kommen. Denn wenn man Kinder und Jugendliche wieder und wieder ermutigt ins offene Messer zu rennen – und sich zeigen lassen zu müssen, dass ihr Platz in der Gesellschaft ganz unten ist, dann ist das seelische Folter und mündet immer in Gewalt. Ob das nun Gewalt gegen sich selbst ist, und Selbstzerstörung nach sich zieht oder Gewalt gegen andere.

Gebt diesen Aufruf bitte an so viele Menschen, wie möglich weiter. Kopiert ihn und vervielfältigt ihn. Doch in erster Linie schreibt eurem Kultusminister (oder auch mehreren) – denn wo Zwang herrscht, da gibt es nur Opfer. Und deswegen muss die Schulpflicht fallen, wie einst die Mauer.

Adressen der Kultusminister:

Bayern: Ludwig Spaenle, ludwig.spaenle@stmuk.bayern.de

Baden-Württemberg: Helmut Rau, Poststelle@km.kv.bwl.de

Hessen: Dorothea Henzler poststelle@hkm.hessen.de

Thüringen: Bernward Müller leider nur Internetformular http://www.thueringen.de/de/tkm/briefkasten/content.html

Sachsen: Prof. Dr. Roland Wöller info@smk.sachsen.de

Nordrhein-Westfalen: Barbara Sommer poststelle@msw.nrw.de

Rheinland-Pfalz: Doris Ahnen poststelle@mbwjk.rlp.de

Saarland: Annegret Kramp-Karrenbauer poststelle@bildung.saarland.de

Niedersachsen: Elisabeth Heister-Neumann poststelle@mk.niedersachsen.de

Bremen: Renate Jürgens-Pieper office@bildung.bremen.de (Bildungssenatorin)

Sachsen-Anhalt: Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz minister@mk.sachsen-anhalt.de

Berlin: Senator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner briefkasten@senbjs.verwalt-berlin.de

Hamburg: Dr. Annegret Witt-barthel annegret.witt-barthel@bsb.hamburg.de

Mecklenburg-Vorpommern: Henry Tesch poststelle@bm.mv-regierung.de

Schleswig-Holstein: Ute Erdsiek-Rave  Sinje.Apsel@mbf.landsh.de (nur das Vorzimmer)

(wer Lust hat, kann uns ja über „Kontakt“ noch schreiben, was er wem geschrieben hat – ich kann das auf Wunsch auf einer Extra-Seite veröffentlichen oder einfach nur zählen)

(Und wer Ideen für weitere Aktionen hat, bitte schreiben – die Gewalt und der Zwang muss endlich ein Ende haben)

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38 Kommentare zu “Aktiv gegen Amok

  1. Wer bitte hat viele Todesopfer gefordert?

    Also, im Internet steht ja viel Schmarrn, aber das ist schon besonders feiner Schmarrn.

  2. Für mich zählt übrigens der Amokläufer auch zu den Opfern. Wie oft muss man einen Menschen brechen, wie viele seiner Hilferufe muss man verlachen, damit ein Mensch sein Leben nicht mehr erträgt und alle Menschen für ihn zu Feinden werden?
    Es gibt ein Experiment mit Schlafentzug. Wenn man einen Menschen immer wieder aufweckt, kann sich seine „Seele“ nicht mehr erhohlen – nach geraumer Zeit nimmt er alle Menschen als ekelerregende Würmer wahr.
    Wieviel Gewalt muss auf einen Menschen, einem Wesen, dass von Geburt aus sozial ist, ausgeübt werden, dass er so viel Hass empfindet.

    Einzige Möglichkeit ist, Menschen einen Rückzug zu erlauben. Sie nicht mehr zu zwingen – und ihnen zu sagen: „Wenn Du Dich aus der Schule zurückziehst und in Freiheit lernst, dann ist das OK. Das machen viele. Und aus denen ist immer was geworden“

  3. Und hören Sie bitte auf mich als Feind zu sehen, bloß weil ich den Zwang und die Gewalt beenden will und will, dass Kinder, Jugendliche und Familien einen Rückzugspunkt haben. Bevor es zum äussersten kommt.

  4. Ich bin grundsätzlich für die Schulpflicht. Besser noch, für eine Bildungspflicht.

    Aber ich wünschte mir eine sehr weite Öffnung der Methoden.

    Schon bei der Einschulung gibt es hier in Baden Württemberg in den meisten Orten die Sprengelpflicht, das heißt, man kann sich nicht aussuchen, auf welche Schule das Kind gehen wird. Gut informierte Eltern kennen natürlich genug Wege, dem zu entgehen, und wen interessieren schon die Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern ? Die können ja gerne auf die verrotteten Anstalten, die wir meiden, oder ?

    Jede Privatschule muss sich ganze drei Jahre lang selbst finanzieren – es ist also extrem schwer, genauer gesagt: Vater Staat versucht, private Schulgründungen zu verunmöglichen. Für sozial schwache Familien ist dies meistens sowieso keine Option, also landen deren Kinder auf den staatlichen Schulen.

    Theoretisch gibt es Hausunterricht, aber nur für schwere Fälle, bei Krankheit, und nur formal, denn selbstverständlich gibt es nirgendwo genug Lehrkräfte, die als „Feuerwehr“ in die Familie eines Kindes gehen, das zeitweise nicht in der Lage ist, eine Schule zu besuchen.

    Reines Homeschooling geht meines Wissens in D momentan nicht, jedenfalls nicht legal. Das wäre aber schon eine große Entzerrung. Man könnte Kindern, die gerade eine Krise haben, zeitweise mehr Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten bieten, ohne mit der Schulpflicht zu kollidieren.

    Ansonsten wünschte ich mir die üblichen Dinge: Halbierung der Klassenstärke, weg mit der Verbeamtung von Lehrern, bauliche Verbesserungen der Schulgebäude, ein Klima, in dem Menschen sich gut fühlen können.

    Der Amokläufer ist natürlich auch ein Opfer, da sind wir uns völlig einig.

  5. Wieviel Gewalt muss auf einen Menschen, einem Wesen, dass von Geburt aus sozial ist, ausgeübt werden, dass er so viel Hass empfindet.

    Hast Du mal von Doris Lessing „Das fünfte Kind“ gelesen?

    Ich tendiere ja auch sehr stark zu der Annahme, daß der Mensch gut und sozial veranlagt geboren wird, aber manchmal schleicht sich bei mir doch der Zweifel darüber ein (und dann denke ich an dieses Buch).

    Ob Menschen nicht auch schon mit einer kranken Psyche geboren werden können, so wie auch mit einer körperlichen Krankheit?

  6. Diese Frage gibt es in der Forschung. Man dachte eine zeitlang an das Diplo-Y Chromosom – aber das war eine statistische Fehlauswertung.
    Mittlerweile ist man (nach meinem Wissenstand) soweit zu wissen, dass es keinen „guten“ oder „bösen“ Menschen gibt. In einer Situation kann der Mensch einmal gut handeln und einmal schlecht (sozial verträglich oder nicht – gut und böse gibt es nicht, da für verschiedene Menschen zu verschiedenen Zeiten verschiedenen Ideale gelten – so brüsteten sich Ritter damals damit, wievielen Menschen sie gestern die Augen ausgedrückt haben (Norbert Elias)).
    Ich glaube Du kannst die entsprechenden Tests in (meiner Leseliste) „Differentielle und Persönlichkeitspsychologie“ finden. Es kommt auf das Umfeld, die länge der Einwirkung des Umfeldes und die persönliche Not an, dass jemand etwas „böses“ macht.

  7. Ich finde auch Tim war Opfer. Er war Opfer jahrelanger sellischer Gewalt die irgenwann zu Hass wurde und raus mußte.

    Leider gibt es wirklich kaum Möglichkeiten dem auszuweichen was menschen so kaputt machen kann.

    Ich war selbst ein Kind das ständig gemobbt wurde, und ich bin depressiv, nur ich bin noch so stark und weiß das ich das sowas auch keine Lösung ist. Ich könnt nie jemanden deswegen verletzen. Ich hab auch ein kleinen Sohn und weiß das ich als Mutter da verstärkt drauf achten muß.

    Denn leider fängt das Mobbing ja schon in Grundschulen an mittlerweile.

    Schade das da aber in den meisten Fällen weggeschaut bzw nicht gehandelt wird.
    Was widerum dann zu solchen Taten führen kann.

    Mir tut Tim K. leid, er hatte das Leben vor sich, hat zwar vielen auch das Leben zerstört, aber seins muß wohl auch sehr zerstört gewesen sein. Zumindest sein Psyche.

    Ich hoffe das irgendwann mal angefangen wird, das ganze nicht imemr nur auf SPiele oder Internet zu schieben soderna uch mal geschaut wird wo auf der Menschlichen Ebene versagt wurde.

    Denn bei der Therapie die er machen sollte, hätten die Eltern darauf schauen können das er diese macht, denn sie wußten davon.
    Und mit einer so kaputten Psyche hätten auch die Leute die Ihm näher standen reagieren müssen.

  8. @Ich
    Ich finde es gut, dass Du ihn Tim nennst. Ich bin auch davon abgekommen, ihn „den Täter“, „den Amokschützen“ oder ähnliches zu nennen. Tim war ein Mensch. Ein Mensch am Ende, total verzweifelt in einer Welt, die ihn nicht mochte (in seinen Augen).
    Es muss einen Exit für diese Kinder geschaffen werden – und zwar einen gesellschaftlich akzeptierten. Einfach weiter in die Schule schicken, ist keine Lösung. Jedes Kind muss verweigern dürfen – und zwar aus persönlichen Gründen, ohne weitere Angaben.

  9. Pingback: Schulpflicht und Amoklauf

  10. *arghs*

    nachdem ich nun mehr gelesen hab hier finde ich:

    helft doch einfach die Gesellschaft zu ändern, achtet mehr auf Schüler, Lehrer sollten besser darauf achten was in den Pausen so alles an den Schulen passiert. Und Eltern sollten einfach mehr darauf eingehen wenn sie merken ihr Kind zieht sich immer mehr zurück, denn da kann was net stimmen.

    Wenn alle ein wenig daran arbeiten würden und wirklich verstärkt drauf achten könnte man sowas verhindern wenn man Mobbingkinder auffangen würde..

    Das is mal meine meinung, weil ich kirge eigentlich nur noch Aggression wenn ich das alles so lese. Genauso schlimme finde ich das man Tim nicht beim Namen nennt.

    Er war ein Kind dessen Seele durch andere zerstört war, aber deswegen war er kein Monster.

    und ja auch er tut mir leid, genauso wie die unschuldigen Opfer die eigetnlich noch weniger damit zu tun hatten. nur vergessen alle anscheinend Das Tim auch noch ein Kind war, und zwar ein sehr hilflosen anscheinen, sonst wäre es nie soweit gekommen.

    So fertig… 🙂

  11. @Ich
    Ich finde auch, es ist wichtig die Gesellschaft zu ändern. Hier muss aber auch der gesetzliche Rahmen geschaffen werden. Bis jetzt ist Schule eine Zwangsveranstaltung. Man muss hingehen. Man hat keine Wahl. Man hat kein Recht auf Veränderung. Man hat kein Recht auf Emanzipation und auch nicht auf Flucht.
    Dieser Zwang muss weg und wir können die Gesellschaft ändern – ansonsten werden wir für jeglichen Versuch strafrechtlich verfolgt.

  12. Genauso schlimme finde ich das man Tim nicht beim Namen nennt.

    Er war ein Kind dessen Seele durch andere zerstört war, aber deswegen war er kein Monster.
    Ich möchte dem nicht unbedingt widersprechen, kann aber auch nicht einfach zustimmen. Ein 17jähriger ist bald wahlberechtigt, entscheidet dann mit seiner Stimme bereits über das Schicksal anderer Menschen, darf schon Autofahren, wenn er den Führerschein hat – ein 17jähriger sollte also fähig dazu sein, Verantwortung zu übernehmen.

    Ich würde die Betonung darauf legen zu sagen, er war krank, mehr, als man erkennen konnte.

    Und generell frage ich mich bei Aussagen wie der obigen: Was ist mit Hitler? Was ist mit (jugendlichen) Kinderschändern und -mördern? Usw.

    (Natürlich sind alle zurest irgendwann Opfer, aber einige wenige werden eben dann zu Tätern, die meisten anderen nicht.)

    Ich finde, daß wir es uns definitv zu einfach machen, wenn wir Täter zu Opfern reden! Das ist m. E. auch eine vollkommen unfaire zusätzliche Demütigung für die wahren Opfer solcher Taten und Täter!!!

  13. da stimme ich dir zu eljascha, er war krank.
    Nur hat ist es keinem aufgefallen.

    klar ich find es sehr traurig für die Angehörigen der opfer weil dihre ja nun wirklich gar nichts dafür können. Und ich sage ja nicht das Tim unschuldig ist. Im Gegenteil er hat auch seine Schuld.

    nur finde ich die Hauptschuldigen sind in meinen Augen die Leute die nicht gesehen bzw darauf geachtet haben was in Ihm vorgeht.

    hart aber is meine meinung. Und Tim war meiner Meinung auch ein opfer, ein opfer der gesellschaft.

  14. Ich will auch nochmal zu der Frage zurück kommen, wie ein Mensch geboren wird, da sie mich desöfteren beschäftigt.

    Es ist offensichtlich, daß manche Menschen mit Defiziten geboren werden, organischen Fehlern. Es gibt ganz scheußliche Krankheiten, von denen ich früher nichts wußte, wo die organischen Fehler z. B. dazu führen, daß der Mensch sich selbst körperlichen Schaden zufügt (weiß den Namen der speziellen Krankheit nicht mehr, habe es auf rehakids.de gelesen), also z. B. sich selbst zerbeißt, zerkratzt, den Kopf anschlägt usw. Das kann nur durch Eingreifen verhindert werden, wodurch diese Menschen durch Zwang von außen am Zerbeißen, Zerkratzen, Kopfschlagen usw. gehindert werden.

    Ich kann mir gut vorstellen, daß ein Mensch auch mit der Veranlagung zur psychischen „Schieflage“ geboren wird oder diese aus einer unerkannten organischen Veränderung resultiert, oder daß Faktoren aus der Virtualität wie aus der Realität organische Veränderungen hervorrufen können, was zu irreversiblen Störungen der Psyche führen könnten.

    Ich denke auch, daß psychologisch umfassender gedacht (also z. B. à la Jung), man davon ausgehen könnte, daß Menschen mit sehr unterschiedlichen Gemütsvoraussetzungen geboren werden – wer weiß, wie stark in dem einen bestimmte Archetypen wirken, die im anderen gar nicht zum Ausdruck kommen. Usw. (sind laienhafte Überlegungen). Ich beobachte eher – mich selbst und andere, als wissenschaftliche Abhandlungen zu lesen, die mich schon oft wegen ihrer Sprache abschrecken.

    Mein Sohn hatte bei der Geburt den Ausdruck eines weisen alten Mannes, meine Tochter einen völlig anderen (sie war bei der Geburt gesund und sehr munter und was mit auffiel war, daß sie von einem Bruchteil einer Sekunde zum nächsten von einem zufriedenen zu einem sehr schmerzvollen Gesichtsausdruck wechselte). Da spiegelt sich doch mehr als nur individuelle Unterschiede. Wir haben doch auch ein psychisches Erbe (ich gehe nicht von Wiedergeburt aus). Und das scheint recht individuell verteilt zu sein, aber daß die Famliengeschichte, die gesellschaftliche Geschichte usw. in Individuen nachwirken, das beobachte ich.

    Sogesehen wäre tatsächlich jeder Täter ein Opfer, denn die Geschichte ist voller gräßlicher Grausamkeiten, und es liegt mir sehr ferne zu behaupten, daß es vor der Industrialisierung menschlich gesehen besser war – denkt nur an den 30jährigen Krieg und ähnliches. Unsere Gesellschaft hat sich halt leider, wie so ein Amoklauf wieder einmal schmerzhaft deutlich macht, immer mehr in die Sackgasse hieinentwickelt, anstatt daß mal die Kurve genommen worden wäre. Das bringt Individuen hervor, die völlig aus der Bahn geworfen sind.

    Sicher gehört das sture deutsche Festhalten am Schulzwang und der Schulbesuchspflicht dazu, aber es ist ein kleines Puzzleteilchen in einem großen Ganzen.

  15. „ICH“ schrieb, „Wenn alle ein wenig daran arbeiten würden und wirklich verstärkt drauf achten könnte man sowas verhindern wenn man Mobbingkinder auffangen würde..“

    Wer soll denn die „Mobbingkinder“ auffangen? Soll es sich von den Lehrer_innen auffangen lassen, von denen es gemobbt wird? Sollen die Eltern zwischen Hausaufgaben und Zubettgehen das Kind auffangen, um es morgens wieder in die Hölle zu schicken? Oder soll das „Mobbingkind“ nicht gleich zum Psychiater, weil es ja schließlich „krank“ ist, denn nur die kranken und schwachen Kinder, die, die kein „richtiges“ „Selbstbewusstsein“ haben, werden schließlich zu Opfern von Mobbing?

    eljascha schrieb, „Ich würde die Betonung darauf legen zu sagen, er war krank, mehr, als man erkennen konnte.“

    Etwas als „krank“ zu bezeichnen, sehe ich in diesem Fall als abstempeln und abtun und wegschieben. „Der is krank, ich ja nicht.“ Und dann rechtfertigt dieses „krank“ auch noch, dass ich jetzt den „Kranken“ „gesund“ machen darf, ihn b e h a n d e l n. Was „gesund“ ist habe ich auch schon definiert. Im Fall Schule bedeutet gesund, nicht Opfer werden, brav hingehen, ungefähr den Protagonisten aus „Die wilden Hühner“ o.ä. zu entsprechen. Dass die glücklich sind und lediglich unter ihrer Pubertät leiden, ist ja klar. Dass Schüler_innen immer schon unter fiesen Lehrer_innen leiden und Angst vor Klassenarbeiten haben ist auch noch normal und gesund. „Krank“ ist, so sehr nicht mehr zu einem fiesen Leher oder fiesen Mitschülern zu wollen, dass man lieber zu Hause bleibt. Wie sehr wünschen sich doch HP-Fans einen richtig fiesen Lehrer wie Snape (darüber will ichmal in meinem Blog schreiben). Wir wollen uns doch alle mal so richtig in der Schule gruseln. Bei diesem Thema, wo mir jemand einen Beschulungszwang als seine eigene Meinung und „nur zu deinem Besten“ und Ergebnis der Demokratie verkaufen will, werde ich immer bitter.

  16. @Sumpffuss
    Endlich jemand, der mich versteht 🙂 Danke.

    @eljascha
    Jung und Freud haben ihre Berechtigung. Allerdings hat man in den letzten 60 Jahren auch Fortschritte gemacht. Und die sagen. Schule ist kein Puzzleteil. Schule ist die Wurzel. (Anita Woolfolk und Csikszentmihalyi, sowie Schustack schreiben sehr gut, also keine hoch-wissenschaftliche Sprache (ich habe diese Bücher in meiner Leseliste Grün markiert))
    Für Schule ist die Wurzel werde ich in nächster Zeit einen Eintrag über Sozialisation bringen.
    Die Menschen werden unterschiedlich geboren. Doch (von Geburt an) aggressive Menschen werden viel früher erkannt und meistens von der „Herde“ abgesondert. So konnte sich ein „von Natur aus böser“ auch genetisch nicht durchsetzen. Wenn dann müssten es Spontan-Mutationen sein. Die meisten genetischen Erkrankungen die ich kenne, bringen eher extrem gutmütiges Verhalten hervor. Außer man versetzt diese Menschen in Panik, oder drängt sie in die Enge – dann reagieren sie sehr stark, aber aus Angst und nicht aus „Böse“.

  17. “Krank” ist, so sehr nicht mehr zu einem fiesen Leher oder fiesen Mitschülern zu wollen, dass man lieber zu Hause bleibt.

    Nein, sumpfel, das ist GESUND! Es war die gesündeste Reaktion meines Sohnes, daß er nicht mehr zur Schule gehen wollte, als er anfing, psychosomatische Beschwerden zu entwickeln, und es war die gesündeste Reaktion von mir, ihm dies – auch hier in D – zu ermöglichen!

    Mit dem „krank“ bezog ich ich mich vor allem auf diese Aussage in einem der Kommentare in den Medien, daß letztendlich alle möglichen negativ beeinflussenden Faktoren zusammengenommen noch keinen Amokläufer machen, sondern daß bei den Tätern, die es eben ausgeführt haben, das massenweise Töten, eine Persönlichkeitsstörung vorliegt. Das ist krank!

    (Ich lebe seit mehr als drei Jahren mit so einem Nachbarn, dem vom Hausarzt vor Gericht eine Persönlichkeitsstörung attestiert wurde, unter einem Dach, und ich habe mir meine Angst, teils Todesangst, wegen diesem Mann nicht eingebildet. Ich habe auch Verrückte erlebt, die nicht gefährlich waren, nur eben verrückt, da gibt es große Unterschiede! Man muß es vermutlich selber erlebt haben – glauben kann man das oft trotzdem alles nicht so recht, daher wird es vermutlich auh nicht erkannt, in vielen Fällen. Und noch viel schlimmer: Die vielen Unschuldigen, die dann, wenn die Hetze in die andere Richtung ausbricht, psychiatrisiert werden!)

  18. eljascha schreibt, „Sicher gehört das sture deutsche Festhalten am Schulzwang und der Schulbesuchspflicht dazu, aber es ist ein kleines Puzzleteilchen in einem großen Ganzen.“

    Wer die Kindheit und Jugendzeit eines Menschen als Lebensphase mit Bedeutung für das ganze weitere Leben würdigt (und das dürften wohl mindestens alle die tun, die sich für Erziehung aussprechen), der wird im Schulbesuch keinen kleinen Puzzlestein sehen, sondern gerade den Schulbesuch für bedeutend erachten. Auch ich erachte den Schulbesuch für bedeutend, obwohl ich gegen Erziehung bin. Ich habe seine Bedeutng am eigenen Leib erfahren.

    Wie eine Gesellschaft mit ihren schwächsten Gliedern umgeht und wie sie ihre Kinder, ihre Zukunft quasi, behandelt, das kann doch kein kleines Puzzleteil sein.
    Zu Zeiten des dreißigjährigen Krieges gab es zwar keine Schulpflicht, aber dass es damals ohne Schulpflicht schlecht für die Menschen stand ist doch kein Beweis, dass nun die Bildungspolitik in der BRD ja nicht schuld sein kann am Elend. Gut, die Bildungspolitik ist vielleicht eher Ausdruck des Elends oder Mittel, das Elend fortzuführen. Damals gab es die Leibeigenschaft. Heute knechtet man die Leute im eigenen Land eben auf „humanere“ Weise. Eine „gute Staatsbürgerin“ kommt ihrer Schulpflicht nach bzw. sorgt dafür, dass ihre Kinder die Schulpflicht erfüllen. Dass nur in staatlich anerkannten Schulen (Schulen, die der Staat genehmigt) „ordentliche“ Menschen sich bilden können, ist doch nur ein Glaubenssatz.

  19. Ich wollte noch nachtragen, daß Du, sumpfel, m. E. „krank“ und angepasst“ gleichwertig verwendest (in Deinen hier gebrachten Beispielen).

    Ich wurde in der Schule nicht geknechtet, habe das vorhin auf Anfrage 1000Sunny per Email schon geschrieben, kann daher gar nicht in das allgemeine Schul-Schlechtreden einstimmen.

    Auch „Entschulung“ (nach Illich) ist m. E. sehr viel mehr als die Abschaffung der Schulpflicht und die Umwandlung der Schulen in offene und freie Bildungsorte, wobei das beides schon sehr wesentliche Punkte sind. Aber letztlich geht es um eine Entschulung des Denkens, und das betrifft eben aus meiner Sicht sehr viel mehr Bereiche als die Schule, und ob nun die Schule wirklich die alleinige Wurzel aler Übel ist, das bezweifle ich tatsächlich auch für die heutige Gesellschaft!

  20. @eljascha: das mit dem krank und gesund ist eine komplizierte Sache, …ich glaube, du hast verstanden, was ich meine

    Unsere Kommentare haben sich überschnitten, ich vertehe es so, daß Du eigentlich angepaßt meinst.

    Man soll die Sprache schon so genau wie möglich einsetzen (die Worte), um einander nichts unterzuschieben – wobei ich Dir das nicht uterstelle – aber ich mußte es klarstellen, denn für mich ist „krank“ eben etwas anderes.

  21. Ich bin nicht der Meinung, dass ich die Schule schlechtrede. Die Schule ist schlecht. Das ist meine bisher gewonnene Überzeugung. Pädagogisch und Soziologisch.
    Und ich glaube, ich baue auf ein gutes Fundament von Fakten auf. Schulzwang muss abgeschafft werden, um Menschen wie Tim einen Fluchtpunkt und eine Rückzugsmöglichkeit zu geben. Zusammen mit ein paar flankierenden Maßnahmen, die einen Verweigerer nicht Abstempeln.

  22. Hallo 1000Sunny, ich weiß jetzt nicht, ob Du allgemein alle Schulen meinst, oder ob Du mit Schule Schulpflicht sagen willst.

    Allgemein alle Schulen sind sicher nicht schlecht. Ein Beispiel: Mein Sohn war in einem Kindergarten, er ging gerne hin und ab seinem vierten Lebensjahr ganztägig. Es war in unserer Lebenssituation – mit einem kranken Kind, das ich sehr oft ins Krankenhaus begleiten mußte – die beste aller Lösungen. Und ich bin tatsächlich der Meinung, daß der Kiga ihm nicht geschadet hat, nein sogar vieles geben konnte!

    Dasselbe kann ich mir für Kinder und Jugendliche mit Schulen vorstellen! Sofern die Schule eine gute Einrichtung mit einer guten Leitung und Wert auf respektvollem Umgang und Elternnähe usw. ist, jawohl!

    Schlecht ist der Zwang, aber da mußt Du noch viel Überzeugungsarbeit mir gegenüber leisten, damit ich annehmen kann, daß allein der Zwang zum Schulbesuch Tim zu seiner Tat getrieben hat! Obwohl ich eindeutig eine Gegnerin der Schulbesuchspflicht und des Schulzwangs bin!

  23. Hallo Eljascha, ich behaupte nicht, dass der Schulzwang es ist, der Tim zur dieser Tat getrieben hat. Es ist die Unmöglichkeit der Flucht, die ihn immer wieder Zwang dort hinzugehen.

    Meine persönliche Kritik an der Schule geht über die pädagogischen Gründe hinaus und geht bis zu den soziologischen Konsequenzen, die eine Massenverwahrung an speziellen, isolierten Plätzen mit sich bringt. Aber das ist wirklich zu kompliziert, als dass ich es hier und jetzt voll erklären könnte – ich habe aber schon viel dazu geschrieben und auch eine Literaturliste angegeben, wenn es Dich interessiert.

  24. und geht bis zu den soziologischen Konsequenzen, die eine Massenverwahrung an speziellen, isolierten Plätzen mit sich bringt

    Das ist eben eine Frage, wie man Schule gestaltet, und ich bin überzeugt, daß man sie so gestalten kann, daß die Nachteile der Zusammenführung vieler Gleichaltriger an einem Ort in den Hintergrund rücken. Auch Familien oder andere Orte, wo Jugendliche und Kinder, die nicht zur Schule wollen hingehen, können Nachteile haben. Nie werden wir einen perfekten Ort schaffen können oder eine perfekte Gesellschaft, in absehbarer Zeit, immer wird es welche geben, für die nichts paßt.

    Ich bin ja auch der Überzeugung, daß die soziologischen Konsequenzen des Familiensystems, das unsere Kultur über die Jahrtausende hin kannte, zu seinem heutigen Verfall führten. Ich plädiere sehr für Familie und deren Unterstützung und Stärkung, und vor allem dafür, die Familien in Ruhe zu lassen, aber ich weiß doch auch, daß sie kein perfekter Hort sind, jedenfalls in zahlreichen Fällen nicht. Deswegen rufe ich aber nicht nach Schulen, aber um fair zu sein, muß ich die Schulen genauso neutral betrachten können wie die Familien, oder?

    Wenn die Familie perfekt sein würde, alle Familien, und es lauter unverwundete Menschen gäbe, dann würden vermutlich auch die dann entstehenden gesellschaftlichen Institutionen (zu denen dieser Name wohl nicht mehr passen würde) ganz anders sein – dennoch könnte es so eine Art Pendant zu Schulen geben, eben Orte der Bildung, die frei und offen sind.

    Aber wir stehen doch in der Realität mit all ihren Verwicklungen und Schieflagen, nicht in einer weit entfernten perfekten Welt!

  25. Die Welt muss nicht perfekt sein. Ich habe mich außerhalb der Schule in bestimmten Bereichen auf eigene Initiative hin gebildet, wo ich gute und doofe Erfahrungen gemacht habe mit Lehrern und Lehrerinnen. Ich konnte die doofen Erfahrungen gut integrieren. Meine doofen Erfahrungen in der Schule habe ich unter Zwang gemacht, in einer Art Haftsituation. Ich musste in die Schule, ich war in diesem Gebäude eingesperrt, dem Regiment derer ausgesetzt, die ich mir freiwillig nicht ausgesucht habe. Wenn ich mir einen Gesangslehrer ausgesucht hatte, mit dem ich dann doch nicht klarkommen konnte, stand die Option zu gehen. In der Schule gab es diese Option nie, nie legal. Und Schule war für mich viele Jahre meines Lebens DIE Welt, die ersten vier Jahre war ich Hortkind und in den Ferien in der Ferienbetreuung in meiner Schule – heute schwärmen viele von Ganztagsschulen, wie gut die Kinder dort aufgehoben wären. Nichts gegen Schule, alles gegen Schulpflicht.

  26. Hallo 1000Sunny, habe etwas gefuden, das Deine Position stärkt:

    Bei deutschen Amokläufern spielt die Schule offenbar eine große Rolle – und keineswegs eine gute: „Es gibt immer noch viele Schulen, die für Schüler ein Ort der Kränkung sind,“ so der Amokforscher Jens Hoffmann. Deutsche Schüler zeigen im Vergleich mit anderen Ländern schon in der Grundschule häufiger Angstsymptome. Dabei wäre die Schule eine wesentliche Quelle der Anerkennung. Doch diese Quelle versagt bei Amokläufern – wie auch Eltern oder die eigene Peer-Group nicht mehr genug Anerkennung bieten. Die Folge sind Hilflosigkeit, Verzweiflung, Wut und Hass.

    Schule als Kränkung

  27. @eljascha

    Guter Beitrag, denn so sieht es leider mittlerweile an Schulen wirklich aus.
    Un dlieder beginnt das Mobbing schon in Grundschulen. Denn das typische Bild ist:

    Hat einer kaum Geld und kann sich nicht alles das leisten was sich Kids mit finanziell besser gestellten Eltern leisten können beginnt das gehänselt werden. Und in diesem Fall können Eltern selten was dagegen tun außer sich mit den Lehrern in Verbindung setzen und reden. Und das ist mittlerweile auch schon in der Grundschule so, und da kommen Kinder nicht von allein drauf meiner Meinung nach.

  28. 1. Wir teilen die Überzeugung, dass die gegenwärtige Bildungskrise gelöst werden kann, indem Freiraum für eine Vielfalt von Bildungsmöglichkeiten geschaffen wird.

    2. Diese Vielfalt umfasst alle individuellen Möglichkeiten. Dazu gehören staatliche Regelschulen verschiedener Formen, Schulen aller pädagogischer Richtungen in freier Trägerschaft inklusive Fernschulen sowie freie Bildungsformen ohne Schule.

    3. Jeder Mensch hat gemäß UN-Menschenrechtserklärung und UN-Kinderrechtskonvention das Recht auf Bildung. Die Art, Form, Inhalte und Ziele dieser Bildung sind individuell wählbar und selbstbestimmt.

    4. Der Staat hat laut Art. 7 GG die Aufsicht über das Schulwesen. Dadurch wird unserer Überzeugung nach im Sinne der Grund- und Freiheitsrechte gemäß Art. 1-19 GG kein eigenständiger staatlicher Erziehungs- und Bildungsauftrag begründet. Die staatliche Gemeinschaft wacht darüber, das Recht auf Bildung für Menschen jeden Alters zu gewährleisten und Missbrauch zu verhindern.

    5. Wir setzen uns daher gemeinsam für die Umwandlung des europaweit nur in Deutschland praktizierten Schulzwangs in ein Grundrecht auf Bildung gemäß der Punkte 1-4 ein. Wir laden alle freiheitlich gesinnten Kräfte in Deutschland und Europa ein, uns hierbei zu unterstützen.
    http://bildunginfreiheit.de/index.php?page=2

    Unter diesem Link kann man diese Erklärung unterzeichnen.

  29. @sumpffuss
    „Sollen die Eltern zwischen Hausaufgaben und Zubettgehen das Kind auffangen, um es morgens wieder in die Hölle zu schicken?“

    Hier ist ein Hinweis auf einem Papier zum Thema Kinder, für die die Schule zur Hölle wird (es lohnt sich, auf dem Link zur Arbeit zu klicken und die ganze Arbeit zu lesen).

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