Lehrerfreund 1000Sunny

Man möchte es kaum glauben, aber wir haben es wirklich geschafft bei Lehrerfreund genannt zu werden.

Als ich das gesehen habe, war ich wirklich (wirklich, wirklich, wirklich) überrascht.

Bei den meisten Lehrern funktioniert ja die Feind-Freund-Erkennung nicht so richtig, sobald sie das Wort Homeschooler (oder schlimmer Unschooler) hören. Die meisten schalten gleich weg und denken: „Aha, der findet Lehrer böse und hat ein überkommenes Lehrerbild – und deswegen will er uns seine Kinder nicht anvertrauen, obwohl das doch das natürlichste der Welt ist“.

Aber das ist ein Schwarz-Weiß-Denken. Ich glaube eher, dass Lehrer von der Politik stark geformt sind – und dass ein Lehramtsstudium auch nicht viel rausreißt, bloß weil es in den Räumen der Unis stattfindet. Ich glaube aber auch, dass die Umstellung auf Bachelor bei Lehrern etwas bringen kann und sie vielleicht doch eine fachgerechte Bildung bekommen können – mit der sie dann nicht darauf angewiesen sind Lehrer zu bleiben (falls sie sich moralisch von dem Beruf distanzieren).

Ich weiß auch, dass man viele Kompromisse mit seinen Idealen machen muss um Lehrer zu bleiben. So muss man Kinder um ein paar Notenstufen runterkorrigieren nur damit es passt. Man darf sie nicht individuell fördern, da in einem politisch unfütterten Massenbetrieb Gleichbehandlung herrschen muss. usw. Und ich denke auch, dass viele Lehrer denken, wenn ich es nicht mache, haben die Kinder ja nichts anderes. (Auch eine von Politik und Massenmedien indoktrinierte Sicht auf Eltern).

Ich glaube auch, da Kinder ja eh vom Staat erzogen werden, ziehen sich immer mehr Eltern immer stärker aus der Verantwortung (teilweise werden sie ja mit Schulversprechungen geblendet) und ziehen sich auf eine Beobachter und Zeugnisbegutachter-Position zurück, was dann wiederum den Eindruck der Lehrer verstärkt, dass Eltern die Sache nicht gebacken kriegen.

Zusätzlich herrscht ja auch für Eltern ein Anwesenheitszwang am Arbeitsplatz. Nicht die geleistete Arbeit zählt – sondern die Anzahl Stunden hinter dem Schreibtisch. Und so kann sich selbst der beste Arbeiter keine Zeit mehr mit seinen Kindern leisten, die für eine adäquate Erziehung nach heutigem gesellschaftlichem Konsens reicht.

Und so haben wir eine Gesellschaft erzeugt, in der die Eltern Lehrern misstrauen. Und Lehrer misstrauen Eltern. Autoritäre Eltern kämpfen mit Unerzogenen. Arbeitsplatzanbieter mißtrauen Arbeitnehmern. HarzIV Eltern kämpfen mit Mittelschichtseltern. Inländer gegen Ausländer. Raucher gegen Nichtraucher. Und eigentlich jeder gegen jeden. Alles überwacht durch Vater Staat. Dieser Vater, der jeden Tag neue Gesetze macht und dadurch natürliche Rücksichtnahme durch Rechtsanspruch ersetzt. Dieser Vater, der jeden Tag neue Umverteilungen beschließt und damit Neid und Missgunst auf allen Seiten erzeugt. Die Kultur ist ein kollosales Rattenrennen und Nackenbeißen beißen geworden – von ihren Anfängen im Spiel ist nichts mehr zu erkennen. Dieses ganze Gesellschaftsbild wird in der Schule nachgeformt und durch die Schule gefestigt und gerechtfertigt.

Ich richte mich nicht gegen den Lehrer an sich, der auch nur eine Marionette in dem Spiel ist. Ich richte mich gegen den Zwang! Den Zwang der Schule. Und jeder der dieses Gesetz für gut heißt, hat entweder ganz andere Motive (z.B. Mädchen früh aus frauenverachtenden Milieus zu bringen) oder unterliegt einer starken Dogmatisierung.

Die Erziehung meiner Kinder kann ich niemand anderem übertragen. Dazu bin ich nicht einmal bemächtigt, da ja die Kinder bei mir auf die Welt gekommen sind. Genauso wenig kann ich anderen Eltern das Erziehungsrecht auf ihre Kinder streitig machen und es auf den Staat übertragen. Der Staat kann das auch nicht. Und ein Rechtsstaat kann das schon gar nicht pauschal.

So bunt die Schulen auch sein wollen (und sich oft auch große Mühe geben), so bunt wie die Welt werden sie nie sein können. Und so offen die Schulen auch sein möchten, so frei wie die Welt werden sie nie sein können. Und deswegen bleiben Schulen für mich Gefängnisse. Und in Gefängnisse darf man niemanden zwingen. Und nach der intendierten Moral eines Rechtsstaates darf man nicht Massen von Minderjährigen pauschal zu jahrelanger Haft verurteilen.

Deswegen muss der Schulzwang abgeschafft werden und die freie Bildung denselben Anspruch auf finanzielle Unterstützung erhalten, wie die geschlossene Bildung. Damit wäre ein weiteres Stück Ideologie überwunden, an dessen Herkunft sich in Deutschland niemand gerne erinnert.

Ich höre Schüler oft sagen: „Deutschland ist ein freies Land – oder?“ – Ja, hoffentlich bald.

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