Moralische Entwicklung bei Kindern

Chopper sträubt sich sein Frühstück selber an den Tisch zu bringen. Da reagiere ich mittlerweile ziemlich genervt – weil er es kann, aber aus irgendwelchen Gründen nicht tun will.

Heute früh sagte er: „Du trägst das Frühstück rüber und ich das Abendessen“. – nun gut, ich brachte es rüber.

Am Abend, als wir alle gerade beim Abendessen saßen, kamen Chopper auf einmal Tränen in die Augen. Wir fragten, was denn los sei, und er meinte, dass er nicht genug vom Abendessen rübergetragen hatte. Wir waren total überrascht, denn niemand mehr hatte an seinen morgendlichen Ausspruch gedacht und eigentlich hatten wir das auch nicht so ernst genommen. Tja, da saßen wir jetzt, völlig baff (und gerührt), und versicherten ihm, dass er sehr viel mitgeholfen habe. (Immerhin hatte er sogar für sich und die Nami Tassen geholt, Milch eingeschenkt und beide randvollen Tassen gleichzeitig rüber getragen).

Wenn ich das nach Kohlberg einordnen sollte, würde ich sagen:

Präkonventionelle Moral war es nicht – es war weder „Gehorsam“ noch drohte eine Strafe.

Konventionelle Moral war es auch nicht – er gewann keine Anerkennung dadurch und Regeln gab es hier auch nicht (außer seine eigenen).

Postkonvetionelle Moral ist nun das Einzige was noch übrig bleibt (sozialer Kontrakt, Vernunft, Moral, höhere Prinzipien, Menschenrechte)… hmm… vielleicht war es irgendwo ein Übergang zwischen Konventionell und Postkonventionell.

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4 Kommentare zu “Moralische Entwicklung bei Kindern

  1. Weißt Du, was ich glaube? Chopper hat Deine Erwartungshaltung gemerkt, daß Du willst, daß er gefälligst sein Frühstück selber zum Tisch trägt, weil er es ja kann. Eigentlich hätte er aber doch so gerne, obwohl er es selber kann, gehabt, daß der Papa (oder evt. die Mama) es für ihn macht. Einfach so, vielleicht um ihn ein bißchen zu verwöhnen, vielleicht als kleines Zeichen der Liebe.

    Er stieß auf Granit und kam daher auf die Idee auszuprobieren, ob Du bereit zum Tauschen wärest (wenigstens das – etwas für ihn tun, aber mit einer von ihm erbrachten Gegenleistung). Daher hat er das mit dem Abendessen vorgeschlagen. Er hat sich nun selbst ein Ziel gesteckt und damit sich selbst durch Eigeninitiative unter einen Erwartungsdruck gesetzt (nicht mehr der Erwartungsdruck vom „Herrn Papa“, sondern ein sich selbst auferlegter).

    Nun wurde er seinen eigenen Erwartungen nicht gerecht, er hat versagt, sein Ziel nicht erreicht. Die Folge: Enttäuschung, Tränen.

    Das schönste Wort, was ich mal zur Beziehung „Erwachsene – Kinder“ gelesen habe, war das Wort „absichtslos“. Absichtslos – keine Erwartungn – einfach nur Dasein, Geben, ganz frei und freiwillig, das was nöglich ist … In dem Artikel, in dem ich das las, ging es um die Beziehung Großeltern – Enkel und daß sie oft die erste sei, wo Kinder erlebten, daß ihnen Erwachsene absichtlos gegenüberstehen.

    Meines Erachtens wohnt übrigens auch dem Gedanken von „unerzogen“ dieses „absichtslos“ inne.

    Letztendlich sehe ich in dem, was da wie von Dir beschrieben passiert, eine beginnende und geglückte Konditionierung, aber keine freie moralische Entwicklung (wobei ich mir bisher keine Gedanken über moralische Entwicklung gemacht habe). Nach Deiner eigenen Einteilung wäre es eine „konventionelle moralische Entwicklung“, denn es gibt Regeln (jeder macht das, was er kann, selber) und Anerkennung (wenn man selber macht, was man kann, dann wird das positiv gesehen, wenn nicht, dann wird es als lästig empfunden).

  2. Hmmm…. ja das kann natürlich auch sein. Das mit dem Frühstück ist wirklich so eine Sache. In der früh stehe ich immer auf der Kippe zum Kopfweh und da ist mir jeder Handgriff zuviel. Es ist also sehr gut möglich, dass er das gemerkt hat, dass ich es von ihm erwarte, es rüber zu tragen. Ich habe es ja immerhin schon tausendmal gesagt – und mich (wenn ich wirklich nicht wollte) – auch schon geweigert.

    Vielleicht ist das schon der erste Schritt zum Selbstzwang.
    Auf der anderen Seite glaube ich wirklich nicht, dass er mal ein kleines Zeichen der Liebe wollte.

    …das mit dem Tauschgeschäft hat er eigentlich schon anders versucht. Er trug eine Hälfte, ich die andere Hälfte… einmal vergaß er es und trug es den ganzen Weg. Dann trug er es wieder zurück.
    Das mit dem Frühstück ist wirklich ein Rätsel.

    Ich muss das mal beobachten.

    (Allerdings läuft hier zur Zeit auch nicht alles super… der Winter geht zu lange, die Finanzkrise ist zu heftig, und meine Gesundheit nörgelt auch)

  3. Welch „bösartigste“ Durchtriebenheit und Raffinesse? Kinder erforschen, wie Psychologen, ihre Umwelt? Abtastende Maschinen, mit außerordendlicher Beobachtungsgabe, unbewusst notierend? Auf der Suche nach Realisierungsmodellen der eigenen Ziele? Strategien schmiedend, Pläne erfassend? Erfolgsweg des Wassers, welches in ausreichenden Mengen vorhanden ist, und nur in die richtigen Kanäle geleitet werden muss? Mittel zum Zweck? Eine Kommunikationsform eines natürlichen Wesens? Ein Kind affiziert ein moralisches erwachsenes Wesen? Gibt es schönere Gedanken? Lieben wir deswegen Kinder und fürchten sie zugleich? Transmoralisches (nicht-thetisches?) unmittelbares Bewusstsein? Hassen und verachten Kinder ihren Wirt? Den Wirten, auf den sie vorerst noch angewiesen sind, und den sie nur überwinden können, indem sie mit ihm in ein Verhältnis treten? Und was macht der die Gefahr erkennende Wirt?…

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