Warum tut Deschooling so weh?

(Deschooling bedeutet, sich aus der beschulten Unmündigkeit zu befreien)

Deschooling ist eine der heftigsten Erfahrungen, die man in seinem Leben machen kann.

Es ist wie ein Drogenentzug.

Die Droge Schule wirkt rein psychisch. Und die Droge wird von der Gesellschaft befürwortet und überall hoch gelobt.

Man kann seinen Entzug also nicht selbstsicher und mit Hilfe der Umgebung durchführen, sondern man muss es gegen die Welt machen. Und die Welt sagt einem: „Schule ist keine Droge, Schule ist gut für Dich… nimm sie, dann bist Du einer von uns“.

Und je länger man unter Einfluss der Droge stand, desto schlimmer ist der Entzug.

Die Faustregel heißt: „Bist Du noch ohne Schulabschluss brauchst Du pro Schuljahr 2 Wochen Entzug“ – diese Zeit verbringt man eigentlich nur mit kotzen. Man dröhnt sich zu – Fernsehen und Computerspiele rund um die Uhr.

Schlimmer ist es aber je älter man ist – und vielleicht sogar schon die Berufswahl abgeschlossen hat. Man merkt, dass man nicht das geworden ist, was man eigentlich sein würde. Man ist ein Produkt von Lob und Tadel, von sozialen Anreizen und Strafen. Man ist geworden, was die Lehrer einem zutrauten und was für Noten sie einem gaben. Man ist das geworden, was einem gute Lehrer beigebracht haben und hat gelernt das zu hassen, was einem schlechte Lehrer beibringen wollten.

Kurzum, man ist alles, ausser man selbst. Zu erkennen, dass man eigentlich das Leben eines anderen lebt, ist hart. Man weiß, dass man so viele Jahre schon verloren hat. Für die Phase des Deschooling wird oft auch das Bild vom erwachen aus einem Traum oder neuerdings auch die berühmte Szene mit der roten und der blauen Pille aus dem Film Matrix genommen.

Viele späte Unschooler berichten von Zeiten voller Tränen. Im Wohnungsflur zusammengekauert sitzen. Ein Buch in der Hand, Weinen, Wut, Unverständnis. Man kann jetzt nicht mehr einfach monatelang fernsehschauen, um die künstliche Welt auszukotzen. Man ist ein Teil von ihr. Man muss sich unter Schmerzen aus ihr herausschneiden. Man muss nochmal von Anfang anfangen. Und das Schlimmste: Die Kindheit und viele unwiederbringliche Jahre sind verloren. Die Kindheit wurde ohnmächtig in einem grauen Gebäude abgesessen  – zu Hause immer die nächste Prüfung im Nacken. Das Erwachsenenleben wurde vermietet an das Versprechen einer Karriere, Papiergeld und sozialem Status.

Man merkt, dass man nur eine Marionette ist, deren Fäden niemand mehr zu ziehen braucht. Die Fäden sind verankert in so vielen Selbstzwängen, dass man manchmal nicht mehr die Grenzen zwischen sich und dem Rest der Welt sieht. Umgeben von grauen Bürowänden und Menschen, die man nicht kennt. Menschen, mit denen man zwar lacht, aber nur solange, wie es witzig sein darf. In Gebäuden, die einen durch lange Fahrten von der Familie und den Menschen trennen. Über den eigenen Lebenssinn hat man das letzte Mal mit 8 Jahren nachgedacht.

Aber irgendwann ist auch diese dunkle Zeit vorbei. Irgendwann ist man aus dem langen Tunnel heraus, in den man als Kind gefahren wurde. Man erkennt die Dinge, die einen unglücklich machen auf einmal sehr schnell. Und man weiß, was gut für einen selber ist. Dennoch bleibt die Arbeit die eigenen Selbstzwänge Faden für Faden durchzuschneiden, solange bis man irgendwann ein freier Mensch ist, der auf sich und in sich ruht. Und an diesem Punkt kann man anfangen noch mal zu leben. Man kann sich jetzt ein echtes erfüllendes Leben suchen. Eines, das gesund macht, anstatt immer kränker.

Doch ab und an kommt er wieder, der bittere Geschmack, dass man so vieler Jahre beraubt wurde. Jahre, in denen man noch einen gesunden und jungen Körper hatte, der frei von Schmerzen die ganze Welt erkunden hätte können. Ein Körper, der in unmenschliche, künstliche Umgebungen gepresst wurde – mit dem einzigen Ziel, ihn auf eine 10-Stunden-Arbeitswelt vorzubereiten. Ohne Rücksicht auf den Menschen darin.

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6 Kommentare zu “Warum tut Deschooling so weh?

  1. Eine Sache kann ich ziemlich fett unterschreiben: das mit den Lehrern, dass man eben nur das lernt und kann, was einem gute Lehrer beibringen, während man die Inhalte mieser Lehrer verflucht und folglich damit auch nichts mehr zu tun haben möchte. Ich persönlich hatte in der Oberstufe (wo die Noten schon fürs Abi zählten) eine ziemlich berrückte Deutsch-Lehrerin, wo ich auf keinen grünen Zweig kam. Abgesehen davon ist mir diese ewige Analysiererei von Texten derbe auf den Sack gegangen (Sorry), weshalb ich jetzt erstmal naturwissenschaftlich studiere. Allerdings hab ich währenddessen auch erkannt, dass ich schreiben kann (deshalb auch der Blog) und jetzt schau ich mal, wie ich das verbinden kann, weil das eine komplett für das andere aufgeben, das will ich nicht.

  2. Ich weiß bis heute noch nicht, was diese ganze Analyse von Texten sollte. Ich habe letztes Jahr „Deutsch für Profis“ gelesen und da war alles erklärt. Ab da wusste ich, wie man einen guten Text schreibt (ist mir aber oft zu zeitintensiv) und wie man einen erkennt. Sogar Goethes Qualitäten habe ich gecheckt.
    Naja, ich habe nach der Schule dann Informatik studiert und bin dann ziemlich lange auf der Welt gesessen, nur um Computer zu programmieren (was echt toll ist – aber 12 Stunden am Tag – jahrelang – ohne eigenes Leben? ).

  3. Ich kenne kein einziges Kind, daß gern zur Schule geht. Schule ist Lebensraub und Kinder zur Sklavenmentalität erziehen. Hauptschulen sind darin direkter als die weiterführenden. Was können wir tun, um diesem Mißstand ein Ende zu machen. Viele Lehrer sind so blind für die Seelen der Kinder. Sie sehen nur die Leistung. Wenn die Leistung nicht erbracht wird von einem Kind , gibts emotionale Hiebe.(Demütigung, Drohungen,Angstmache,Strafen…)
    Ich bin sehr traurig über diese Mißhandlungen…und die AR-GE(Arbeitsgemeinschaft=Arbeitsagentur) darf minderjährigen Arbeitsfähigen das Geld kürzen bei Fehlleistungen in den Maßnahmen und sogar bei vermeintlichen Fehlleistungen tun sie das.Wenigstens für Minderjährige sollte es keine Sanktionen geben.Viele werden dadurch in die Kriminalität gedrückt.

  4. Hallo und willkommen!

    Das ist auch mein Eindruck, wenn ich mit Kindern spreche. Dennoch sind die Arbeitgeberverbände sehr erpicht auf eine Extra-Familiäre Betreuung durch industrielle Gehirnfabriken (Schulen). Dass unsere Meinung in Bälde in irgendwelchen Medien wirklich diskutiert wird ist sehr unwahrscheinlich. Dem BIP werden gerne alle möglichen Blutopfer gebracht, und die Kinder kann man am einfachsten verwursten – sie können sich nicht wehren.
    Und so werden wir in BILD und Funk weiterhin hören, wie toll die Schule für alle ist und wie gerne Kinder/Jugendliche an diesem Lebensort leben. Familie – wer braucht die schon?

  5. Hallo.

    Der Beit rag hier ist schon sehr heftig.
    Also ich für mein Teil habe mit der Schule schon lange abgeschlossen und bringe jetzt so Stück für Stück mein Leben in die Richtung, die ich für richtig halte.
    (Ja ich bin auch schon 39, oh oh )
    Ihr habt natürlich Recht, auch mir wurden viele Jahre gestohlen, Sachen aufgedrückt, andere Sachen widerum sinnloserweise beigebracht…
    Nur, wie gehe ich damit um?Entscheide ich mich, ein Opfer zu sein und zu jammern???

    Oder sage ich mir; „die habens nicht besser gewußt, die haben ihr damals bestes gegeben“
    „Ich habe das zugelassen, dass man mir diese Dinge beigebracht hat…“

    Ein Beispiel, wo ich seh stolz darauf bin, in der Lehre hatten wir Sozialkunde und da war ein Bild, eine Karikatur von Gott.
    Ich weiß nicht mehr genau mit welchen Worten, aber ich habe in einem Vortrag vor der gesamten Klasse meinen Standpunkt klar gemacht,daß es einen Gott gäben könnte und dass wir nicht das Recht haben, diesen hier do sinnlos und verachtend darzustellen. Ich habe nicht gewußt, wie die Reaktion ausfallen wird. Die Lehrerin (Damals war Sozialismus uns sie war in der Partei) gab mir eine gute Note und sagte irgendwas von eigener, persönlichen Meinung und Durchsetzen desselben…

    Was ich sagen will, befreie dich, befreie deine innere Kraft, es ist noch nicht zu spät.

    Vergib deinen Lehrern, Eltern, Kameraden, dem Staat, der Politik, den Meinungsmachern, den Medien, den …….

    Vergib ihnen allen!

    Nicht um deren Willen, sondern um deinerwillen.

    Denen interessiert es nicht, was du über sie denkst, du machst dich nur damit fertig, weil schlechte Laune, schlechte Stimmung usw…..

    Steh auf, befreie dich von falschen Idealen, suche deine Bestimmung, finde sie in deinem Herzen und geh los und mach,w as dein Herz dir sagt.

    (Mann, ich denk, ich bin 69 und gebe „Weisheit“ an meine Nachfolger weiter ^^)

    Ich suche noch weitere Kontakte am liebsten aus dem Bereich sachsen, die sich mit dem Thema Schule und den Folgen auseinandersetzen und sich gern austauschen wollen.

    Meine Kinder kommen jetzt auch nach und nach in den „Genuß“ dieser „Meinungsbildungsmaschine“ und ich will ihnen definitiv helfen, ihr eigenes Leben zu finden und zu leben.

    Bitte unterstützt eure Kinder, eure Eltern, eure Nachbarn und alle anderen Mesnchen…

    Viel Spa, Lebensfreude und Erfolg wünscht

    Ein Selbst-Denker

  6. Jetzt, 7 Jahre später entwickelt sich ja schon manches zum Positiven. Es gibt jetzt vorzeigbare deutsche Freilerner mit Abitur, Medien berichten auch über Freilerner ohne religiös-fundamentalistischen Hintergrund, das Schulfrei-Festival gibt es seit 2013 und kann sich vor Teilnehmern nicht retten.

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