Noten und Lob – schön, aber für’n Ar…

Bei Dayna habe ich etwas gefunden, was ich schon lange empfinde. Ihr Sohn hat bei seinem Musikunterricht eine Evaluierung bekommen, die folgendes besagt: „Du hast alles exzellent gemacht.“

Als sie das ihrem Sohn vorlas, sagte der nur: „Und?“ – Er braucht kein Lob mehr und er braucht auch keine Motivation mehr. Er ist Unschooler – seine Motivation kommt aus ihm und sein Lob sind seine Ergebnisse. Wenn jetzt noch jemand kommt, und ihm erzählt, wie gut er etwas gemacht hat, dann wundert er sich nur.

(Seitengedanken: Für mich ist das ein weiterer Hinweis, dass ich vielleicht wirklich schon vor meinem offiziellen Unschoolertum ein Unschooler war. Immer, wenn mir irgendjemand in der Arbeit sagte: „Danke für die gute Arbeit“ – empfand ich das eher als Beleidigung. Wenn ihn meine Arbeit wirklich interessiert hätte, dann hätte er selbst mitgemacht (und nicht erst beim Ergebnis einen Knicks gemacht). Ansonsten interessiert ihn nur das Ergebnis, und mit dem Danke „kauft“ er mir nur die Arbeit ab, instrumentalisiert mich und nimmt mir mein Werk aus der Hand.)

Dennoch bin ich gespannt, wie die Welt aussieht, wenn wir irgendwann die Abhängigkeit von fremden Lob hinter uns lassen. Wenn wir unsere Arbeit machen, weil wir sie machen wollen – und nicht weil wir soziale Bestätigung in ihr suchen. Vielleicht bekommt in diesem Moment auch die Arbeit zu Hause – die Familie – wieder einen Wert in der Gesellschaft. Denn sie ist die einzige Arbeit, die komplett ohne Lob auskommen muss. Und während man von seinen Kunden (oder Arbeitgebern) Dank, Lob, Karriere bekommt, sieht man zu Hause nur eine Familie, die sich verändert.

Beschulte benötigen die Karriere und sind abhängig von dieser extrinsischen Motivation. Von dieser Arbeitgebermotivation und Evaluationsgesprächen. Unschooleds brauchen das nicht, sie betrachten ihre Ergebnisse und sagen: „Hey, da könnte ich noch dran arbeiten“ (oder was auch immer). Wenn jemand von außen zum bewerten kommt, dann wundern sie sich nur und denken: „Will der mir wirklich sagen, was er von meiner jahrelangen Arbeit und meinem Leben hält – auf der Basis der 10 Minuten, in denen er sich das angeschaut hat?“

Advertisements

3 Kommentare zu “Noten und Lob – schön, aber für’n Ar…

  1. Das wuppelt schon etwas bei mir los.

    Erstens: ich merke, wie ich ganz und gar nicht unschooler bin (alleine, wie ich darauf reagiere, wenn man mir Lob ausspricht oder mich kritisiert).

    Zweitens: das lässt so ziemlich die Eltern-Ratgeber im Regen (Loben Sie ihre Kindern, wenn sie was gutes, richtiges etc. machen! Selbst wenn es noch nicht perfekt ist… yada, yada, yada…)

    Drittens: das bestätigt wiederrum diese „Ich-botschaft“ Mentalität: „Mir gefällt, wie Du dies oder jenes gemacht hast…“, denn es setzt mein Gegenüber nicht unter Druck oder Verwunderung oder was auch immer, es ist blos eine Kundgebung von meiner Empfinden…

    (Ich könnte die Liste weiterführen, aber was denken die anderen Leser?)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s