Kinder stören den Erwachsenen-Flow

Das Interview  „Zur Hölle mit der Disziplin“ hat ja bei den Bloggern heiße Diskussionen ausgelöst, bei Frau Ami sowie bei Frau Schlapunzel und bei Larrissa .

Besonders geht es um die Bücher von dem Doktor-Trotz-Unwissens-Winterhoff und auch von Herrn Bueb, der sein Versagen zum Diktum machte. Beide reden von Disziplin und meinen Disziplinierung und Konditionierung auf der untersten Stufe. Eigentlich weiß niemand, was Winterhoff eigentlich meint, da er anscheinend sein ganzes Studium durchgeschlafen hat und die Fachbegriffe so zufällig benützt, dass man manchmal denkt, da war ein Affe mit Thesaurus und Schreibmaschine am Werk.

Schlapunzel sagt in diesen Diskussion etwas sehr Wichtiges:

Die Zeit mit den Kinder ist Qualitätszeit.

Doch das sehen immer weniger Menschen so. Warum ist das so? (Vielleicht sehen es aber auch immer mehr Menschen so, denn wenn ich an die Methoden denke, wie meine Eltern erzogen wurden…. uiuiuiui)

Wir Erwachsenen haben unsere Abläufe, wir kennen tausend Handgriffe und haben langanhaltende Beschäftigungen wie Lesen, Schreiben, Arbeiten. Dort finden wir unseren Flow – weil wir diese Sachen gut können. Und wir haben kurze Abläufe, die weitgehend automatisiert ablaufen und in deren Routine wir uns sicher und flowig fühlen (Einkaufen, Ins Auto steigen, Anziehen).

Kinder dagegen haben ganz andere Abläufe – sie wollen nicht möglichst schnell zum Supermarkt gehen und noch etwas besorgen. Chopper und Nami wollen in jede Bank auf dem Weg dorthin – und bis zum erbrechen die automatischen Türen dort ausprobieren. 100 mal über eine Schneehaufen springen. Dafür schaffen sie es nicht, sich innerhalb von 2 Stunden anzuziehen. Auch im Supermarkt müssen erst einmal Einkaufswagen organisiert werden und viele Dinge sollen gekauft werden, die nicht auf unserer Liste stehen.

All das stört unseren Flow. Eine Tätigkeit, die wir in 10 Minuten meistern wird aufgespalten und mit 1000 Abenteuern angereichert, die für uns nichts damit zu tun haben. Und so müssen wir, um noch irgendwie unseren Flow (und somit unser Glück und unsere Ausgewogenheit zu bewahren) die Kinder von diesen Abenteuern abhalten. Sie müssen „mitziehen“ und „folgen“. Sonst sind wir Erwachsenen genervt und reagieren gereizt – kurz, wir verlieren unseren Flow.

Dennoch finde ich, der Schluß „Kinder brauchen Gleichaltrige und Erwachsene brauchen Gleichaltrige“ ist zu kurz gedacht. Wir können den Flow auch mit unseren Kindern zusammen finden. Interessanterweise sind es nicht die Kinderratgeber, die uns hier helfen, denn sie sagen nur, wie können wir unseren Kindern ein bestimmtes Verhalten und bestimmte Werten beibringen.

Für mich waren es die Fachbücher der pädagogischen Psychologie, bei ganz kleinen Kindern Piaget und für alle Lebensalter Vygotski. Diese beschäftigen sich damit, wie Kinder lernen. Wie aus der erlebten Umwelt Gedanken werden. Wie aus den 1000 Abenteuern ein Weltbild entsteht. Wie einfache Bewegungsabläufe gelernt werden und zu komplexen kombiniert werden.

Als wir Chopper bekamen, haben wir gleichzeitig das Buch „Babys erstes Jahr“ geschenkt bekommen. Diese Buch sagt uns, wann Chopper welche Entwicklungsstadien durchlaufen müsste. Beim dritten Kind war ich schlauer (hoffe ich) und wählte ein Buch das mir zeigt, wie ich Spaß mit dem Kind haben kann. Denn Spaß ist die einzige Sache, die garantiert, dass ich mich mit dem Kind gerne beschäftige und dass ich die Zeit als Qualitätszeit empfinde.

Das Buch heißt „Babys in Bewegung – Spielerisch bis zum ersten Schritt“

Babys in Bewegung: Spielerisch bis zum ersten Schritt

Leider!!!! enthält es keine einzige Quellenangabe. Ich habe es bis jetzt nur sporadisch quergelesen, doch ich habe das Gefühl es wirklich empfehlen zu können – und es scheint keine „schädlichen“ Tipps zu enthalten, wie Winterhoff und Kast-Zahn.

Mich würde interessieren, wer noch solche Bücher kennt? Bücher die einen neu erfahren lassen, wie schön es doch ist, Kinder zu haben.

Da ich meinen eigenen Ansprüchen gerecht werden will, hier ein paar Literaturhinweise:

Flow – Das Geheimnis des Glücks (Mihaly Csikszentmihaly)

Der bekannte und renommierte Glücksforscher klärt uns auf, was Glück ist, warum wir es empfinden, wie wir es herbeiführen können und wie es verloren geht.

Edward Deci – The psychology of Self-Determination

Der Guru der intrinsischen Motivation erklärt uns, wie schädlich Fremdbestimmung ist. Wie wir Handlungen erlernen und automatisieren.

Piaget Jean – Das Erwachen der Intelligenz beim Kinde

Wie entsteht das Denken

B.F. Skinner – Jenseits von Freiheit und Würde

Abrichten von Ratten durch klassische Konditionierung (scheint das Wissen zu sein, was Lehrer heutzutage über Motivation und Lernen mitkriegen)

Und natürlich das Standardwerk über Pädagogische Psychologie von Anita Woolfolk !

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5 Kommentare zu “Kinder stören den Erwachsenen-Flow

  1. Ich habe nach langem Zögern und Zweifeln Jesper Juul gelesen und habe mich und meine Vorstellungen in diesen Büchern komplett wiedergefunden, bzw. alle offenen Fragen wurden aufs Beste beantwortet. Hierbei meine ich insbesondere: „Grenzen, Nähe und Respekt“, sowie „Das kompetente Kind“.

  2. Mit gewisser Einschränkung kann ich noch empfehlen:

    „Weltwissen der Siebenjährigen: Wie Kinder die Welt entdecken können“ von Donata Elschenbroich

    Das war der Renner, als meine Kinder noch klein waren. Viele der Tipps sind etwas abgedreht, andere sollten selbstverständlich sein, aber das ist heute wohl nicht mehr so.

    Damals, in der Krabbelgruppe (jaaaa, man macht als junge Mutter eben auch gewisse Dummheiten *ggg*), erklärte mir eine beruflich sehr engagierte Mutter, dass sie im Gegensatz zu uns eher faulen Müttern, die daheim rumsitzen, keine Zeit für popelige Spaziergänge habe und es daher auch nicht dulden würde, wenn ihr Kind zehnmal in die Pfütze springt.

    He, für MICH war es damals echte Arbeit, so ziemlich jeden Tag in der Pampa spazierenzustehen und irgendwelche Blätter oder Kaugummipapierchen zu bewundern, aber das war MEINE Quality Time, und ich bin sehr froh, dass ich die Möglichkeit hatte, diese Zeit auszukosten.

    Dafür aber ist die andere Mutter wirklich deutlich wohlhabender als wir, von nix kommt nix 😉

  3. Jesper Juul fand ich auch sehr gut!
    Und sonst? Ich glaube, ich bin einfach erfinderisch geworden.
    Während meine Kinder am Fluss plantschten oder irgendwelche Ameisen ausbuddelten, holte ich mein Buch hervor und begann zu lesen.
    Wenn wir länger irgendwo verweilten, dann schrieb ich Ideen für Geschichten oder kleine Gedichte auf. Man könnte sich auch einen Malblock mitnehmen und skizzieren, oder anfangen zu stricken. 😀
    Wenn man als Eltern etwas zu tun hat, dann wird man auch nicht so schnell ungeduldig. ;-P
    Ich glaube, vielen Eltern mangelt es einfach an Phantasie und Ideenreichtum.
    Werdet wie die Kinder – sagte glaube ich Jesus. Und recht hatte er.
    Sie machen es uns vor, also sollten wir es nachmachen. 🙂

  4. Vielleicht weniger für die Anfangsphase (und Entwicklung) des Kindes (aber durchaus empfehlenswert für Eltern, deren Kinder noch so jung sind):

    Daniel Carter Beard (von der Pfadfinderbewegung:)
    * The Field and Forest Handy Book: New Ideas for Out of Doors
    * American Boys Handy Book: What to Do and How to Do It
    * The Outdoor Handy Book: For Playground Field and Forest

    (Es gibt auch ähnliche Bücher für Mädchen)

    Sowie Conn Iggulden, Hal Iggulden, und Martin Kliche’s
    * Dangerous Book for Boys (gibt es mittlerweile auch auf Deutsch und ebenfalls Girls editions)

    Die Mädchen Bücher sind eigentlich überflüßig bzw. man kann entweder die Mädchen oder den Jungsbücher haben… sie wecken der Ruf der Natur wieder auf.

    Diese Bücher handeln eher von einer Selbstverständlichkeit des Lebens und Entdeckens als von „Erziehung“…

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