Rezeption von Homeschoolern/Unschoolern in der Öffentlichkeit

In unserer Gesellschaft ist es immer sehr interessant, wie sich die Meinung der Masse bewegt. Es ist als ob es eine gemeinsame Intelligenz, ähnlich wie bei den Borg in Startrek gäbe. Diese Borg-Intelligenz bewegt sich natürlich sehr langsam. Die Meinungsbildner müssen zuerst von einer Sache überzeugt sein, dann müssen sie geeignetes Material produzieren, dann muss es verbreitet werden. Danach muss der neue Consensus Omniae (oder eben die Borg-Meinung) erfasst werden und die Meinungsbildung geht in die zweite Runde.

In der letzten Runde war Homeschooler in den Bereich des möglichen gerückt worden. Und sogar die Existenz einiger tiefreligiöser Einzelfälle wurde propagiert.

Die neue Runde finde ich sehr erstaunlich. Es scheint sogar, als ob ich ein paar Runden verpasst habe. Die Schulpflicht wird nicht länger als Sine-Non-Qua (ohne das geht es nicht) betrachtet. Sie wird auch nicht auf ein Gesetz, das nur von Menschen gemacht wurde, herunterdegradiert. Sie wird – man staune –  immer öfter als Dogma bezeichnet.

So zum Beispiel in der Sendung morgen (3.Feb.2009)

Das Dogma der Schulpflicht ist ankratzbar

Immer öfter lese ich dieses Wort, wenn es um den Schulzwang geht (Schulpflicht ist ja nicht das Problem): DOGMA.

Aus diesem Grund will ich noch ein paar interessante Passagen aus Wikipedia zum Thema Dogma einfügen:

Unter einem Dogma (griech. δόγμα, dógma, „Meinung, Denkart, Lehrsatz“; Plural Dogmen oder seltener nach dem Griechischen Dogmata) versteht man eine festlegende Definition oder eine grundlegende Lehrentscheidung, der ein unumstößlicher Wahrheitsgehalt zugeschrieben wird.

….

Dogmen findet man auch in Religionen sowie in autoritären, absolutistischen und totalitären Gesellschaftsformen, in denen eine Religion, eine Weltanschauung oder eine Wertvorstellung als allein wahr, allgemeingültig, verbindlich und oft sogar als für alle Zeit gültig erklärt wird. Die Dogmen oder Paradigmen, auf denen diese Anschauungen beruhen, werden unter Berufung auf göttliche Offenbarung oder besondere Erkenntnisse als für wahr gehaltene Theorien oder naturrechtliche Legitimation formuliert, so dass eine Kritik daran automatisch auch eine Missachtung der Autorität darstellt und so eine Selbstimmunisierung gegen jede Kritik entsteht. Die systematische Lehre der Dogmen wird Dogmatik genannt.

Dieses hat mich verführt die Sektion „Extreme Formen dogmatischer Lehre“ um folgenden Paragraphen zu erweitern:

Der Schulzwang in Deutschland, der unterstellt, dass alle Kinder nur durch Anwesenheit in einer staatlich genehmigten Schule hinreichend sozialisiert werden können. Alle anderen Formen, wie Heimunterricht oder Unschooling. Abweichende Eltern werden ohne Beweise für dieses Dogma kriminalisiert und verfolgt.

Diese sensible Änderung kann allerdings nur von einem autorisierten Wikipedia-Mitarbeiter genehmigt werden…

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7 Kommentare zu “Rezeption von Homeschoolern/Unschoolern in der Öffentlichkeit

  1. ‚unumstößlicher wahrheitsgehalt‘: na, da bist du ja in der Wikipedia genau richtig! Auch so ein freiheitsliebendes Projekt, das an seiner eigenen Arroganz gescheitert ist. Und die Masse merkt es nicht. 😦

  2. Da hast Du vollkommen Recht. Immer, wenn etwas gut ist, springen gleich ein paar Millionen „Beamten“ auf und bringen das unter ihre Kontrolle. Aber so ist das nun mal (noch). Die Sozialrevolutionäre sind schon wieder an der nächsten Revolution dran… vielleicht zu viel Adrenalin…? Sei aber getrost, ich beziehe mich bei meinen Artikeln nicht auf mein Wikipedia-Wissen, sondern nütze es nur als Quellenangabe (wenn ich aus Büchern/Erfahrungen zitiere ist das eben nicht für jeden leicht einsehbar).

  3. Ich verstehe nicht, was es ist mit dem Arroganz auf sich hat?

    Wisst ihr, wie einfach es ist, zu einem autorisierten Wikipedia-Mitarbeiter „aufzusteigen“?

    Gerade ihr zwei mit euren unterschiedlichen Stärken und Wortgewandtheit, ihr könntet es doch „schaffen“ (wobei dieser Prozess eigentlich weniger mit „aufsteigen“ und „schaffen“ zu tun hat).

  4. Wikipedia scheint mittlerweile zu einem Beamtenstaat geworden zu sein. Nach tausend mal die Qualität kritisiert wurde, wurden Spielregeln eingeführt… so weit ich weiß herrscht zur Zeit eine rege Diskussion ob Blogs als Quellenangabe gelten sollen oder nicht.

  5. Wo bekommst Du deine Information über Wikipedias Struktur? (Ich habe einen Buch darüber gelesen, dass 2008 erschienen ist, ist wohl offenbar überholt…)

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