Kindergarten – gelebte Ungerechtigkeit und Einstieg in die Isolation

Vor zwei Tagen war ich also mit Chopper Kindergärten anschauen. Auf der einen Seite war es natürlich interessant, dass mittlerweile der überwiegende Teil der Eltern einen Kinderweitwurf-Wettbewerb unter sich veranstaltet: „Was nur von 8-16 Uhr – ich brauche aber von 7-18 Uhr“ – auf der anderen Seite ist es natürlich deprimierend, welche Mechanismen solche Einstellungen fördern.

Sehen wir uns mal den Ganztageskindergarten von innen an: Große Räume, Viele Spielgeräte, Riesengarten. Das ganze ist eine Art Turnhalle mit Spielzeug. Und Verkaufläden usw. Locker 400 qm (für 75 Kinder).

Sehen wir uns nun die privaten Wohnungen hier in München an. 3-4 Zimmer Wohnungen. Kleine Zimmer. Gerade mal so viel Platz um sich in der früh waschen zu können und arbeiten gehen zu können. Es drohen japanische Verhältnisse.

Sehen wir uns nun weiterhin an, wieviel Eltern mit Kindern untereinander machen. Da gibt es die Kindergruppe. Es gibt einen Kinderspielplatz. Und es gibt das Kinderturnen. Für die Größeren gibt es noch die Musikschule. Im Winter ist München für Eltern, die bei ihren Kindern bleiben praktisch eine Großstadt mit vielen Einzelzellen. Jedes Elternteil-Kind-Gespann verbringt seine Zeit in Isolationshaft.

Indoor Spielplätze kosten Stundenweise, und eine Menge Geld – zusätzlich sind sie für Eltern sehr erschöpfend – sie sind auch mit einer riesen Vorbereitung, Anfahrt und Abreise verbunden. Schwimmbäder… noch schlimmer … noch teurer.

Auf einmal kommt man in so einen großen Kindergarten. Ein Traum…. Ein paar Randbedingungen… Man darf nicht rein, wann man will… Eltern müssen leider draußen bleiben… Nur Vollzeitbuchung… Kosten werden planwirtschaftlich verteilt (das bedeutet: Gestaltungsfreiheit, Flexibilität 0.000)…

Was wäre es schön zu sagen: Hey alle meine Freunde, kommt wir treffen uns heute dort und dort. Wir nehmen alle unsere Kinder mit und dann gibt das eine Heidenparty. Und so kann man das jeden Tag machen. Kinder würden auf einmal wieder Spaß machen.

Eltern, die nicht dabei sein wollen, oder die etwas machen müssen, die können einfach so gehen und kommen, wann sie wollen (ihre Kinder können sie da lassen).

Die Eltern können Lerngruppen bilden, sich über Erziehung unterhalten. Man kann mit einem bestimmten Budget sich pädagogische Vorträge buchen. Vielleicht sogar noch eine Weiterbildung dort machen.

Halt ein offener Spiel-, Lern-, Lebens- und Gemeinschaftsort für alle.

Und hier ist das Problem: Dazu müsste es OFFEN sein. Hier schließt man aber lieber alle weg. Isoliert sie gegen sich gegenseitig. Bis man eine komplett atomisierte Gesellschaft hat. Leicht regierbar, wehrlos gegen jede Ungerechtigkeit. Ein guter Inhalt für eine Spottschrift oder Witzes über Menschen.

Als bester Witz wird diese ganze Isolation dann noch von einer Behörde organisiert, die sich Sozialreferat nennt.

Mal eine Fleißaufgabe für alle: Sucht eine Stelle, an der ihr einfach sitzen, spielen und sich mit anderen unterhalten könnt – zusammen mit euren Kindern.

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Ein Kommentar zu “Kindergarten – gelebte Ungerechtigkeit und Einstieg in die Isolation

  1. Definiere Sozialisation:

    Hier schließt man aber lieber alle weg. Isoliert sie gegen sich gegenseitig. Bis man eine komplett atomisierte Gesellschaft hat. Leicht regierbar, wehrlos gegen jede Ungerechtigkeit. Ein guter Inhalt für eine Spottschrift oder Witzes über Menschen.

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