Kindergarten – Prepare for Combat

Eigentlich sollte ich ja schon im Bettchen sein und noch ein bisschen Harri B. Otter lesen (aber da läuft eh nur ein Quidditch-Turnier – Yeuch).

Der Kindergarten und dieses ganze blöde Gerede von der Leiterin ist noch nicht ganz durchgekaut bei mir.

Ich erinnere mich noch an diesen einen immer wiederkehrenden Satzsinn: Das bereitet sie schon auf die Schule vor.

Wenn man nicht im Kindergarten war, dann kann man

1.) seinen Willen wohl nicht durchdrücken

2.) seinen Platz nicht verteidigen, zwischen 30 anderen, die denselben Platz wollen

3.) die Lautstärke nicht ertragen, die 75 Kinder auf einmal erzeugen

4.) nicht still sein, wenn es einem gesagt wird

5.) dem anderen keine reinwürgen, weil die Gruppe das gerade verlangt

6.) nicht der Beste, Tollste, Schönste, Klügste, Schnellste, Stärkste, Reichste sein

Wirklich, wirklich …. was ich heute erlebt und gehört habe das ekelt mich an. Ich kann nicht verstehen, wie andere Menschen sich nicht von dieser institutionalen Containerisierung ihrer Kinder abwenden. In der Stadt scheint es wohl keinen schlimmeren Ort zu geben, als den Kindergarten … neben der Schule. Denn auf die Schule soll ja vorbereitet werden.

Ich bin da heute hingegangen, und dachte mir: Hey, wenn das dem Chopper gefällt, dann kann er ja da öfter mal hin… und auch die Nami… dann habe ich ein bisschen mehr Zeit und kann besser auf die Kinder eingehen, wenn sie dann hier bei mir sind.

Aber das was ich heute gesehen habe, das hat mich in eine Art Schockzustand versetzt. Ich erinnere mich an den Spruch: Wenn man das Böse vor Augen hat, dann fühlt man Ekel und Hilflosigkeit zugleich. Ich würde nicht sagen, dass der Kindergarten für mich das Böse repräsentiert. Oder, dass ich überhaupt an das Böse glaube. Aber ich glaube daran, dass wir Menschen eine besondere Fähigkeit haben uns Höllen vorzustellen und sie Wirklichkeit werden zu lassen.

Alles, was die Frau zu mir heute gesagt hat, war: Wir bereiten ihre Kinder auf den Krieg vor. Auf einen 12 Jahre langen Kampf, zu dem wir ihre Kinder dann zwingen werden. Und danach werden sie ein Leben haben, in dem sie sich zu allem selber zwingen werden. Vom frühen aufstehen, bis in eine Arbeite gehen, die sie nicht mögen. Dieser Kampf ist so schlimm und so ein mieses Rattenrennen, weil wir Beamten uns das Leben so vorstellen. Als feindlichen Platz auf Erden, ein Wettlauf mit jedem Mitmenschen, bei dem nur wenige gewinnen können. Und diesen Ernst des Lebens sollen sie schon jetzt schmecken. Wir verpacken das alles schön. Wir machen Projekttage, wir sind eine integrative Einrichtung und ein Bewegungskindergarten und nehmen am Projekt faustlos teil. Aber in Wirklichkeit ist das Leben für uns eine Qual. Zwang und Selbstzwang wechseln sich ab, wir haben innerlich gekündigt und die Rente ist unser einziges Ziel. Auf dieses Leben bereiten wir ihre Kinder vor. Erst im Kindergarten, dann in der Schule.

Hey! Für mich ist das Leben nicht so. Das Leben ist wundervoll und sparkling. Nur die Regierung nervt mich. Und solche Tage, an denen ich mit Regierungsglöcknern spreche, die sind nicht schön. Arbeiten macht mir Spaß. Meine Kinder machen mir Freude. Lernen ist ein Vergnügen für mich. Ich helfe meinen Mitmenschen wo ich nur kann. Ich gehe auf andere Menschen mit offenen Armen zu. Das ist das Leben.

„Erzählt mir nichts anderes. Da könnt ihr solange reden, bis euch die Zähne rausfallen. Ich weiß, dass das alles ein Haufen selbstverwahrheiteter Lügen ist. Lebt damit. Aber bekehrt mich nicht. Und zwingt mich nicht dazu meinen Kinder zu erzählen, dass euer Leben DAS Leben ist. Ich glaube euch nicht mehr. Ich war in der Schule; ich kenne alle Lügen. Ich bereite meine Kinder auf das Leben in der Gesellschaft vor, und nicht auf das Leben, dass ihr euch denkt, dass die Gesellschaft es führt.“

Der große Unterschied zwischen mir und diesen ganzen Kindergärtnern und Lehrern ist nämlich, ich habe den Kindergarten verlassen. Ich habe die Schule verlassen. Ich lebe draußen in der echten, großen, weiten, unüberschaubaren, widersprüchlichen, facettenreichen Welt. Und ich habe mich nicht wieder dahin verkrochen, wo mir ein Teil meiner Jugend gestohlen wurde. Und ich will auch nicht, dass meine Kinder in einem Gefängnis aufwachsen, in denen man ihnen erzählt, wie Beamte sich die Welt vorstellen. Sondern meine Kinder sollen diese Welt sehen, sie fühlen und sich eigene Gedanken machen. Kurz, sie sollen leben. Und das ab dem ersten Tag ihres Lebens.

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3 Kommentare zu “Kindergarten – Prepare for Combat

  1. Gut gesprochen! Wir beginnen heute abend unseren Kampf gegen die 32 Stunden Woche. verbal natürlich, aber ich fürchte wir werden auf völliges Unverständnis stoßen. Sind doch nur zwei Stündchen mehr, das werden die lieben kleinen doch verkraften. Für Eltern, die ihre Kinder im Hort betreuen lassen, fällt der Unterschied ja gar nicht weiter auf, aber für uns kommen die Kinder deutlich später nach hause und haben überhaupt keinen freiraum mehr.

  2. Ich glaube auch. Die haben mich gestern angeschaut, als ob ich vom Planeten Melmak wäre und ihre Katze fressen wollte.
    Vielleicht könnte man über eine Art Blog-Laola oder so etwas ein bisschen politische Aufmerksamkeit erreichen.

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