Das Ausmaß der Indoktrination

Vorsicht: Dieser Text richtet sich klar und radikal gegen Schule. In den letzten Jahren habe ich mich intensiv mit diesem Thema beschäftigt. Auch mit pädagogischer Psychologie, die sich mit dem „Wie“ des Lernens befasst. Man könnte sagen, ich bin durch mit Schule. Und dieser Text ist mein Abschiedsbrief an diese Institution, die nur unser bestes will. Wer der Schule zugetan ist, sollte diesen Text lieber überspringen.

Vor ein paar Tagen habe ich einen Beitrag geschrieben, von dem ich dachte: Der ist jetzt mal echt harmlos und nett. Da haben wir alle was zu lachen.

Zu meiner großen Überraschung hat er eine sehr interessante Diskussion ausgelöst und auch bei heulers.de wird auf diesen Beitrag verwiesen.

Ein interessanter Punkt, den ich hier noch mal extra als Beitrag ansprechen will, ist das Ausmaß der Indoktrination in der Schule.

Ich glaube wir können das Ausmaß, in dem wir indoktriniert und betrogen sind, nicht abschätzen.

Es ist immens – es ist deswegen so unabschätzbar, da die ganzen Lehrmethoden, Lehrpläne darauf abgestimmt sind, von Leuten durchgeführt und von anderen konzipiert, die schon selbst in demselben Ausmaß dogmatisch denken.

Ein paar Beispiele:

Uns wird beigebracht, dass wir eine Gewaltenteilung haben. Dann zeigt man uns ein Diagramm, das vor lauter Pfeilen nur so strotzt. Total verzahnte Gewalten. Am Ende bestimmt aber die Legislative – alle anderen sind abhängig. Und am Ende bekommen wir natürlich keine Originallektüre ausgeteilt um zu überprüfen, ob wir auch wirklich Gewaltenteilung haben.

Macchiavellismus wird als schlimme Sache gelehrt. Uns wird aber nicht gesagt, dass Macchiavelli noch fiesere Ideen hatte (oder als bessere Option dargestellt hat): Beamte und Minister. Zwischen Regenten und Volk eine Menge Leute zu bringen, die die Drecksarbeit machen. Immer genug Leute, um jederzeit Köpfe rollen zu lassen, wenn das Volk unzufrieden mit den Gesetzen ist und man schnell Sündenböcke braucht. Oh, ach ja, Macchiavelli war auch Fan von Wehrpflicht. Am schönsten ist es doch den Bauern selbst sein Land verteidigen zu lassen. Da ist er motiviert und dem Feindbild viel eher zugänglich.

Uns wird auch nicht beigebracht, dass Nationalstaaten eigentlich nicht natürlich sind. Eigentlich bekommen wir von morgens bis abends nur politische Karten gezeigt (also Karten, auf denen die Ländergrenzen wichtig sind).

Niemals wird uns Originallektüre zum lesen gegeben. Bekommen wir doch einmal Originallektüre, ist es meistens harmlos oder wird nur in Ausschnitten gelesen. Oder gleich im Anschluss besprochen. Aber nie in Kombination mit anderen Originallektüren – oder die wichtigsten Vertreter der Strömungen zu der Zeit.

Wissen wir, was Plato von der Demokratie hält? Nicht wirklich. Wissen wir, worum es in dem Buch „der Staat“ eigentlich ging? Die Frage, die er eingangs stellt. Nicht wirklich.

Wissen wir, was Knigge wirklich geschrieben hat? Über die Anordnung von Löffeln und Gabeln?? Wirklich?

Und was war noch einmal so göttlich an Dantes Komödie?

Wir halten es sogar für absolut notwendig, ausländische Kinder in Deutsch zu unterrichten. Wir nennen das Integration. Haben wir jemals auch nur eine Untersuchung gezeigt bekommen, die diesem Vorgehen positive Effekte bestätigt? Nein, haben wir natürlich nicht.

Wir leben in einer Gesellschaft, die Gewalt verabscheut. Eine unserer renommiertesten Sportarten ist den anderen solange ins Gesicht zu schlagen, bis sein Gehirn versagt und er sogar das Bewusstsein verliert. Dass bis dahin eine Menge Blut spritzt, muss wohl nicht extra gesagt werden. Um ihn zu schwächen darf man auch andere empfindliche Körperteile treffen. Handschuhe trägt man hier, um die Fäuste zu schonen.

Sport generell wird uns als das Allheilmittel, die integrative Wunderwaffe gegen Krieg und Hass gelehrt. Dafür gibt es keine Belege. Im Gegenteil gibt es Belege, dass Sport (ob passiv oder aktiv) die Aggressionen steigert.

Wir leben in einer Gesellschaft, die Drogen verdammt. Außer natürlich Alkohol. Und Zigaretten. Und Speed, solange es oral an Kinder verabreicht wird und sich ihr Verhalten in der Schule damit verbessert.

Das ganze System Schule, so wie es jetzt implementiert ist, ist auf oberflächliches Wissen ausgerichtet. Durch diese Oberflächlichkeit besteht dieses Wissen eigentlich nur aus Vorurteilen und Klischees. Ich bin fast geneigt die Wette anzunehmen, dass ich für jedes Schulwissen, das wir lernen die entsprechende wissenschaftliche Literatur finden kann, die das Gegenteil beweisen will.  Es ist ein riesen Haufen Müll, den Kinder als Willkommensgeschenk in dieser Zivilisation zu fressen bekommen haben.

Ein riesen Haufen Müll, von dem wir uns erst mal entschlacken müssen, bevor wir noch einmal ein neues Leben beginnen können.

Doch die Chance all diese „Tatsachen“ durch echtes fundiertes Wissen zu ersetzen haben die meisten nicht. Denn sie haben keine Zeit. Die Zeit wurde verbraten. Und da Wissen für sie jetzt eh nur noch ein Haufen von Fakten ist, die man auswendig lernen muss, schreckt Bildung die Mehrzahl der Menschen ab. Bildung ist für diese Menschen, das, was ihre Lehrer damals für richtig hielten.

Die meisten Menschen blättern stundenlang in dicken und dünnen Einkaufskatalogen – lernen aber in ihrem Leben keine einzige Sprache mehr dazu und bleiben bei ihren Schulsprachen. Keiner sagt mit 30 mehr: „Hey, jetzt schaue ich mal, ob ich nicht auch noch ein Physikdiplom schaffe und Politologie und Philosophie sollte ich mir eigentlich auch mal reinziehen. Weil es interessant klingt und weil ich vielleicht gute Beiträge leisten kann.“

Obwohl die Didaktik und die didaktischen Mittel (Lehrbücher) stetig an Qualität gewinnen werden die Genies und Universalgenies weniger und weniger. In der Schule sind sie sogar verpöhnt: „Das Wissen der Welt verdoppelt sich alle paar Jahre, da kann keiner mehr alles wissen.“ Leonardo Da Vinci wußte auch nicht alles. Die Welt ist noch genauso groß, wie damals. Viele komplizierte falsche Modelle konnten durch einfache Modelle ersetzt werden. Die Gedanken der Koryphäen dieser Welt zu erfassen ist so einfach wie noch nie zuvor. Dank des billigen Buchdruckes und des Internets. Überhaupt läßt uns das Internet Informationen in Minuten finden, wo man früher Wochen brauchte.

Alle Vorraussetzungen für eine zweite Renaissance sind da. Ich glaube es steht nur noch eine Kleinigkeit im Weg.

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23 Kommentare zu “Das Ausmaß der Indoktrination

  1. gut gebrüllt, oliver 😉
    welche kleinigkeit ist es wohl, die uns noch im wege steht?

    p.s. das mit den nationalstaaten und -grenzen habe ich auch noch nie verstanden. als kind nicht, und jetzt immer noch nicht…

  2. Schule kann trotz allem auch ein Ort des Lernens sein. Summerhill, Sudbury, Freie Schulen, es gibt viele Beispiele. Sie sind sicherlich nicht immer perfekt, aber jede dieser Schulen erreicht viel für die „neue Rennaicance“. Oder sind das für Dich keine „Schulen“ mehr?

    Apropos Rennaissance: War das nicht die Zeit wo marodierende Söldnerbanden durch Europa gebrandschatzt sind? Die Zeit die den Leuten die Verwendung des Geldes eingebläut hat mit Waffengewalt? Die Zeit in der funktionierenden Gemeinschaften ihre Lebensgrundlagen (die Allmenden) von den Fürsten geraubt wurden (um ihre Söldnerbanden zu bezahlen). War das nicht die Zeit in der Frauen unter dem Generalverdacht standen Hexen zu sein, wenn sie sich nicht in die neuen für sie vorgesehenen Rollen fügten? Hm… ich glaub das will ich nicht, auch nicht in neu.

  3. @ Benni…

    aber von dieser geschichtlicher Warte aus betrachtet, ich frage mich, was die Menschen in 200-400 Jahren zu unsere Situation sagen werden?

    Wenn die Renaissance diese Besserungen für Frau, für die Gesellschaft damals einläutete, dann läutet eine neue Renaissance auch eine bessere Zeit bald herbei,oder?

    Ich weiss nicht, ob Du dich nicht täuschst, denn ich glaube, die neue Renaissance angebrochen ist, zumindest sehe ich in der heutigen Gesellschaft starke Ähnlichkeiten mit deine Zusammenfassung…

    Ich erlaube es mir deine Worte nur ein Bisschen zu verändern:

    Die Zeit in der funktionierenden Gemeinschaften ihre Lebensgrundlagen (und stattdessen Harz IV beziehen oder 1€ Jobs annehmen müssen) von den Staat/Wirtschaftsbosse geraubt wurden (um ihre Diäten zu erhöhen, um in marode Institutionen–wie Schule–mehr Geld verschwenden zu lassen, um Milliarden verschwinden zu lassen in ihren eigene Taschen zu stecken in eine Finanzkrise zu verlieren). War das nicht die Zeit in der Eltern unter dem Generalverdacht standen Hexen zu sein, wenn sie sich nicht in die neuen für sie vorgesehenen Rollen (bruttosozialprodukterhöhende, steuerzahlende Bürger, der für die Finanzkrise bürgen soll, z.B.) fügten? (Ganztagsbetreuung = Familienfreundlich)

  4. @steffino
    eigentlich wollte ich etwas wenig kämpferischer rüberkommen 🙂

    @Benni
    Was die Indoktrination betrifft ist Sudbury sogar ein recht krasses Beispiel. Hier wird die Demokratie schon in die Schulform selbst hineingepackt. Ich glaube es gibt auch Sudbury Schulen mit Konsens. Aber Demokratie – also die Herrschaft der Mehrheit – ist mir fremd geworden.

    @Benni/Andrea
    Ich denke auch, dass nach dem Mittelalter eine weltweite Entwicklung eingeläutet wurde (nach Norbert Elias), die bis heute andauert. Ansonsten stimme ich Andrea zu, besonders, nachdem ich die Hexenjagd auf Homeschooler erlebt habe. Allerdings meinte ich die Beiträge der Renaissance auf dem wissenschaftlichen Sektor. Hätte ich über die die sozialen Strukturen geschrieben hätte ich wahrscheinlich andere Beispiele verwendet – und ich hätte bestimmt auch über eine Kultur geschrieben, wo man seinen Nachbarn nicht mehr kennt, viele ihre Kinder nur noch am Kühlschrank oder beim Abendessen sehen und Familien immer mehr ausgehöhlt werden.

  5. Es ist so schwierig zu argumentieren, wenn man nur aus seinem Empfinden, dem Wissen, das man derzeit hat und dem erleben der eigenen Schulzeit schöpfen kann…Ich habe viele der Bücher, die Du oft anführst nicht gelesen…dennoch erlaube ich mir eine Meinung, die, die ich mir aus meiner bisherigen Biographie gebildete habe.
    Ich kann vieles was Du oben schreibst aus Deiner Warte nachvollziehen. Und ich finde es auch gut, wenn man manchmal radikal in seinen Meinungen ist. Oft oder nur dann kann man etwas verändern oder erreichen und viele Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass nur die radikalen Denker und Entdecker uns weiter gebracht haben…Hexer waren nicht nur okkulte Gegner, sondern auch jene, die neue Erkenntnisse unters Volk brachten. Dadurch wurden sie zum Feindbild, die Gesellschaft brauchte eine Weile, um gesagtes zu verdauen und zu begreifen und heute werden manche von den ehemaligen Ketzern als große Geister ihrer Zeit gefeiert…
    Was ich damit sagen möchte ich, dass es sein kann, dass Deine angestrebte Schulreform sich später als DIE genialste Sache überhaupt rausstellt…
    Was mir jetzt nur fehlt, heute, in einer recht aufgeklärten Zeit, in der jedem Bildung frei steht und auch zugänglich ist, wie sich das umsetzen lassen soll!? Das habe ich immer noch nicht verstanden.
    Was konkret ist die Kleinigkeit, die noch im Weg steht?
    Sollen alle Schulen abgeschafft werden, sollen alle Kinder mit einem Lehrauftrag an die Eltern nach Hause entlassen werden, sollen bestehende Schulen reformiert werden, soll es einfach nur einzelnen frei gestellt sein, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten? Wie kann sich das praktisch umsetzen lassen?
    Ich bin wirklich kein Verfechter der Schulen in Deutschland. Aber ich sehe eine wichtige Aufgabe in ihnen. Ich würde mir für die Kinder dieser Welt Schulen wünschen, in denen sie gern lernen, Spaß daran haben. Aber hey, was macht schon immer und ständig Spaß!? Ich selbst hatte in der Schule auch Stress und empfand es ab der Oberstufe als Qual dort hin zu müssen. Dennoch, im Nachhinein bin ich froh, die Schule durchgezogen zu haben. An diesem Konflikt, den ich in der Schule hatte, bin ich sicherlich auch gereift, denn letztendlich konnte ich ihn überwinden und habe mich durchgesetzt und meinen Abschluß gemacht. Vielleicht brauchte ich diesen Kampf…(ich brauche eigentlich immer einen Kampf…aber das ist eine ander Sache)…
    Auf alle Fälle finde ich diese Diskussionen sehr spannend.
    Zu Hause diskutiere ich oft auch mit meinem Mann darüber, wie man die Situation in Deutschland verbessern könnte, wie man es erreichen könnte, das weniger Menschen so ein verdriessliches, frustriertes Leben abhängig vom Staat führen. Unsere Idee war es eigentlich, genau in sozialen Brennpunkten die Menschen, die Kinder, die ja unsere Zukunft bedeuten, über die Schule zu erreichen. Ihnen wieder Werte, Moral, Wissen zu vermitteln…das wäre unserer meinung nach ein guter Ansatz, Kindern, die zu Hause nicht besonders viel vermittelt bekommen, wenigstens dann in der Schule zu erreichen. Aber genau: dafür braucht es eine gnadenlose Reform, ein Umkrempeln aller Schulstrukturen und tolle Lehrer und viel, viel Geld…ich sag ja, Lösungen sind wirklich schwierig…

  6. Eine ganz wichtige Sache noch, die wir in den Schulen verlernt bekommen. Die Unterscheidung zwischen Richtig und Falsch. Dafür gibt es ein Extra-Notensystem und Konferenzen. Und natürlich eine Beamtenschicht, an die diese Fähigkeit (als Aufgabe) übertragen wurde.
    Nachricht: Zwischen Richtig und Falsch kannst Du nicht entscheiden. Darfst Du auch nicht. Du hast immer einen über Dir, der Dir sagt, was richtig und was falsch ist. (Stanley Milgram läßt grüßen).

  7. @sunny: Inwiefern ist die „Indoktrination“ der Eltern prinzipiell besser als die anderer Menschen? Kinder sind auf Beispiele und ein Lernumfeld angewiesen.

  8. 🙂 Das ist mal eine kesse Frage.
    Allerdings betrifft dies mehr die Umsetzung des Schulgedankens zu Hause. Bei Unschooling sind die Eltern nicht normativ. Oder versuchen das zu minimieren. Kinder haben eine Menge Kontakt nach draußen (dies ist auch bei Homeschooling der Fall) – viel mehr als in der Schule.
    In ein Klassenzimmer bist Du eingesperrt mit einer Autoritätsperson, die sagt was richtig ist (sie bewertet das sogar in absoluten Zahlen). Zusätzlich hat sie noch die Institution Schule im Rücken – diese hat wiederum die Institution Lehrplan im Rücken. Dieser hat wiederum den Staat im Rücken. Dieser den Consensus Omniae verpackt in den Reißwolf Sozialisation.

    Wenn ein Kind sich dagegen auflehnen will (meistens ab 14) dann sieht das aus, wie David gegen ein Regiment von Golliathen. Und heraus kommt jemand, der sich mit einem Bürojob begnügt und Schule für die beste Medizin für Kinder hält.

  9. @sunny: Du hast die Frage nicht wirklich beantwortet. Warum sollte ein nicht direktiver Umgang und selbstreguliertes Lernen nicht auch an einer Schule möglich sein? Du setzt immer „Schule“ == „Durchschnittsschule“. Das ist nicht fair.

  10. @Benni
    Ich denke er ist möglich – egal wo. Auch an einer Schule (insofern die Politik nur noch mit Geld zur Seite steht). Ich habe sogar in
    https://freiebildung.wordpress.com/papa-uber-bildung/ über so eine Art Mini-München geschrieben. Allerdings hast Du halt bei einer Aggregation von Menschen immer gewisse Rahmenbedingungen, und kannst nie die Vielfalt anbieten, die Familien anbieten.
    Wenn Du es aber schaffst eine nicht-direktive Schule zu erschaffen, hast Du als nächstes die gesellschaftlichen und sozialen Implikationen, die eine Trennung der Gesellschaft in Erwachsene und Kinder mit sich bringt. Vielleicht gibt es hierzu noch einen extra Beitrag. Denn dieses Thema ist noch einmal genauso komplex.

    @Schlapunzel
    Diese „Der Kampf macht Dich stark“ ist eine vielverbreitete Theorie. Diese Stärke wird aber nicht im Kampf hervorgerufen. Resilienz wird durch zwei Faktoren aufgebaut: Liebevolle Umgebung und Erfahrung von Selbstwirksamkeit. In Deinem Fall waren das wahrscheinlich sogar wieder Deine Eltern. Du hast nur Glück gehabt, dass die Resilienz gereicht hat um die Schule zu überwinden. Damit hast Du dann erneut Selbstwirksamkeit erfahren.

  11. Also, bisher bin ich mit unserer nicht-direktiven Schule (freie aktive SChule nach Wild) äußerst zufrieden.
    Klar ist nicht alles perfekt.
    ABer zu Hause ist auch nicht immer alles perfekt.
    Ich selber kritisiere das allgemeine SChulsystem – die Regelschule auch genannt.

    Freie SChulen, an denen Schüler ganz selbst bleiben können und dürfen, finde ich fast genauso gut wie Homeschooling/Unschooling.

    Habe ich ja schon öfter geschrieben, dass ich uns weiterhin als unschooler sehe, da meine Tochter an ihrer SChule genauso lebt und lernt wie zu Hause. 😉

    Aber von diesen Schulen gibt es nicht viele, und sie haben auch oft mit SChwierigkeiten zu kämpfen – entweder wegen sehr kleiner SChülerzahl, schlechtem Ruf (die Allgemeinheit kann diese SChulen schlecht akzeptieren) oder sogar dem SChulamt.

  12. @ Schlapunzel und alle, die Vorschläge „Wie man es anders/besser machen kann“…

    Schlapunzel schrieb:

    Sollen alle Schulen abgeschafft werden, sollen alle Kinder mit einem Lehrauftrag an die Eltern nach Hause entlassen werden, sollen bestehende Schulen reformiert werden, soll es einfach nur einzelnen frei gestellt sein, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten?

    Meine Antwort: Ja.

    Ja und ohne Vorbehalt, ohne Reglung — vielleicht NUR mit der Bedingung, dass das Geld, was die Schulen pro Kind bekommen stattdessen direkt und abzugsfrei an den Eltern geliefert wird.

    So.

    Und wenn es gar keine Zwänge gibt und Freiheit praktiziert werden kann, aus diesen „Oh-Mein-Gott-Was-Machen-Wir-Jetzt“ werden sich Lösungen bieten. Wetten, einige neue Schulen machen auf? Mit engagierte und begeisterte (und nicht beamtete und demnach „kundbare“) Lehrerschaft.

    Ja. Was würde denn passieren, wen der Mensch die Verantwortung für sich (und gegebenenfalls seine Familie) wieder ganz übernehmen kann/soll/muss?

    Nur unheil? Welches Unheil ist höher zu werten, das momentane, isolierte etwas, was wir jetzt haben (träges Volk, untentschlossen vor ihren Blogs Fernseher), oder ein neues, wir-versuchen-uns-wieder-zu-finden-Chaos?

  13. @ 1000Sunny

    Du schreibst:

    Bei Unschooling sind die Eltern nicht normativ.

    Man kann durchaus Nicht-Unschooler sein und zugleich nicht normativ…

    wollte ich nur anmerken…

  14. @Andrea
    Da hast Du recht.
    Dasselbe „Ja“ für oben. Ich denke auch. Erst mal alle Schulen weg. Bildungsgeld an Eltern und dann werden schon Lösungen gefunden.
    Ich dachte aber mit diesem „Ja“ wäre ich alleine auf der Welt und selbst unter den radikalsten Unschoolern noch der Radikalste.

    @Selbstregulation in Schulen
    Das eigentliche Thema war die Qualität der Informationen die Schulen propagieren. Nicht die Art der Wissensvermittlung. Ich glaube man kann qualitatives Wissen sogar auch von einer Autoritätsperson lernen.

  15. Hei!
    Erstmal muss ich sagen, dass ich deinen/euren Blog sehr interessant finde, 1000sunny! Er hat mir einiges vor Augen geführt, über das es sich nachzudenken lohnt….

    Hierzu habe ich aber noch eine Frage:

    Wir halten es sogar für absolut notwendig, ausländische Kinder in Deutsch zu unterrichten. Wir nennen das Integration. Haben wir jemals auch nur eine Untersuchung gezeigt bekommen, die diesem Vorgehen positive Effekte bestätigt? Nein, haben wir natürlich nicht.

    Was wäre denn die Alternative?! Ohne Deutschkenntnisse würden die Kinder weiterhin „im Ausland“ leben…selbst im Falle des Unschoolings wäre dann das Spielen mit den Nachbarskindern erschwert…

  16. Oh, hallo Marc, darf ich versuchen, deine Frage zu beantworten?

    (Darf ich 1000Sunny?)

    Sind alle ausländische Kinder im gleichen Topf zu werfen?

    Meine Kinder sind ausländische Kinder, dennoch haben sie keinerlei Probleme in der Schule, auch nicht mit der Sprache. Das liegt vermutlich daran, dass wir das Lernen als Teil unseres (Familien)lebens sehen. Obwohl ich die Schule kritisch gegenüber stehe, da befinden sich unsere schulpflichtigen Kinder und kommen damit zurecht.

    Kinder, die aus Skandinavien, West-Europa oder Nordamerkia sowie Kinder, deren Eltern hier als höhere bezahlte Arbeitnehmer arbeiten, sind i.d.R. „gute Ausländer“, gut integrierbar, lernen die Sprache schnell, fallen in der Schule nicht negativ auf und sind eigentlich nicht Teil dieser Diskussion (manche dieser Kinder gehen eh auf Privatschulen…)

    Die Familien mit Migrationshintergrund und deren Kinder, das sind die, um die es geht.

    Und wenn man mich fragt, ist es weniger eine Frage der Integration bzw. Sprachfähigkeit des Kindes sondern eine Frage der Muttersprache und Beziehung zu den Eltern und persönliche Biographie.

    Damit meine ich, dass eine Zwangsintegration, wie sie hier stattfindet/stattfinden soll, kann nur Symptome behandeln.

    Ich sehe bei solchen Kindern in den Klassen meiner Kinder, dass die Eltern überhaupt keine Ahnung haben, was in der Schule passiert. In unsere Grundschule kann ich nur sagen, dass auch von Seiten der Schulleitung auch wenig Interesse besteht, diese Eltern einbeziehen zu wollen. Sie sehen sich aber auch nicht als Dienstleister für diese Familien, diese Kindern.

    Wie wäre es, wenn wir diese Kinder unterricht geben würden in ihre Muttersprache? Vielleicht mit ihren Eltern, während der Schulzeit? Wie wäre es, wenn eine Schulleitung sagen würde: wir nehmen Bildung ernst und wir nehmen Familie ernst. Wir nehmen Ausländer ernst?

    Wie wäre es, wenn eine 1./2. Klasse einer Schule alle Kinder ein und dasselbe Buch in sämtliche vertretene Muttersprachen der Kinder austeilen würde und sagen würde: das nehmen wir die nächste zwei Wochen durch? (Man könnte auch eine CD oder Kassette für die Analphabeten mit geben.)

    Möglicherweise würde man da ein „common ground“ schaffen. Zwischen Eltern und Kinder: die ausländische Eltern würden dann auf einmal irgendein Inhalt von der Schule endlich verstehen können, die ausländische Kinder würden einen Punkt haben, wo ihre Eltern etwas von der Schule mitbekommen.

    Ja, ja. Richtig, immer wieder diesen Zwang. (Unschoolerargument) Und die sollen deutsch lernen. (Schulzwangbefürwörterargument)

    Nun. Das wäre zumindest eine Anregung. Ich persönlich denke das Lernwelten oder Lernhäuser oder wie auch immer das genannt werden kann/soll, wo man ungezwungen zusammen kommen und altersgemischt die Welt entdecken kann, tausendmal besser und effektiver sowie ökonomischer wäre.

    Also Marc, wenn Du soweit durchgelesen hast (sorry, my German is manchmal terrible), dann ist die Frage weniger eine Frage der Sprache, und vielmehr eine Frage der Verständnis von Familie und was es heißt, zu lernen. Und bei den Migranten ist öfters zu merken, Familie hat eine ganz andere Stellenwert, wie bei uns, sowie das Bildungsverständnis ist gänzlich anders, wie bei hier üblich. Wenn die Bildungsinstitute diese Migranten erreichen möchte, so wird sie sich für diese Fragen Antworten finden müssen: Wie kann ich die Migranten (Kinder) respektieren und eine Interesse für die deutsche Sprache erwecken…?

    (Aber das wird nicht kommen, oder hoffentlich täusche ich mich…)

  17. (Mummy 1000Sunny)

    Darf ich auch mal, Andrea ? 😉

    Ich war ein solches Ausländerkind. Einer von den guten (mit Englisch als Muttersprache), aber in den Jahren, in denen ich keinen Englisch-Unterricht hatte, wurde immer von den Lehrern bemängelt, dass ich einen Akzent hätte, und mit der-die-das nicht immer richtig lag.
    Meine Eltern wurden gefragt, in welcher Sprache ich denn lese, und da die Antwort Englisch war, wurde meinen Eltern geraten, mir nur noch Deutsche Bücher zur Verfügung zu stellen. Da meine Eltern viel von Deutschland hielten, haben sie sich auch an diese Anweisung weitgehend gehalten. Mit dem Ergebnis, dass ich nur noch aus Langeweile gelesen habe, nicht mehr zum Spaß. Und einem langfristigen Ergebnis: Ich fühlte mich noch unwohler in diesem Land, mein größtes Ziel (bevor ich Papa 1000Sunny kennenlernte) war, dieses Land zu verlassen. Ich bin regelmäßig für die Ferien nach England abgehauen, mit dem Vorsatz, kein Deutsches Wort mehr zu denken, bis ich wirklich wieder muss. Wenn mir heute jemand Komplimente bezüglich meines akzent-freien Deutsches macht, dreht mir sich der Magen um, und schon schleichen sich ein kleiner Akzent und grammatikalische Fehler wieder ein. Erst dann fühl ich mich wieder wohl. Das schlimmste, was man mir sagen kann, ist: Du bist schon 20 Jahre hier? Ach, dann bist Du ja fast schon eine Deutsche.

    Ich bin schon lange hier, und Teil dieser Gesellschaft, und ich bin integriert, aber ich habe mich geweigert, zwangs-assimiliert zu werden. Es fühlte sich so an, als wollten sie mir alles nehmen, was mir wichtig war. England und Englisch bedeutete (und bedeutet immer noch) für mich, dass da freundliche Menschen sind, mit denen ich problemlos auskomme, weil wir dieselbe Sprache (auch zwischen den Zeilen) sprechen. Meine Familie, und vor allem der Teil der Familie, bei dem ich mich immer noch am meisten aufgehoben fühle.
    Der Zwang machte es mir unmöglich, die guten Seiten der Deutschen Sprache und Kultur auch nur ansatzweise zu sehen!

    Warum habe ich dann letztendlich akkzentfrei sprechen können, ohne grammatikalische Fehler? Weil ich die Übung hatte. Freunde sprachen (nur) Deutsch, um am Leben teilzunehmen in Deutschland muss man Deutsch sprechen. Und mit der Übung kommt auch die Qualität. Ganz sicher nicht durch Zwang.

    Ich denke, Migrantenkinder werden sehr schnell in die Kategorie „Ausländer“ geschoben, und eine so abgeschriebene Gruppe muss zusammenhalten, deshalb der Hang, sich eher mit anderen ausländischen zusammen zu tun als mit Deutschen. Mit Akzeptanz kommt man da am weitesten, nicht mit dem Stempel: Du bist fehlerhaft, ich nicht, ich weiß was für dich am besten ist, und das ist meine Kultur, meine Sprache, und deswegen zwinge ich dich jetzt dazu, meine Sprache zu lernen, damit ich dir den Rest meiner Kultur auch noch zeigen kann. Schließlich bist Du ja in meine Gegend gekommen, und nicht anders herum. (D.h. meine Gegend ist schließlich besser als Deine, was willst Du, ich will Dir doch nur helfen).
    Das Verhalten, das ich bei Kindern /Jugendlichen mit Migrationshintergrund sehe, erinnert mich sehr stark an mein Verhalten damals. Nur dass ich alleine war, so viele Engländer – und überhaupt Ausländer- gibt es an einem musischen Gymnasium nicht…

  18. Bildung steht mir in der heutigen Zeit nicht frei, wenn ich sechs bis 16 Jahre bin.
    In der Bildung ist der Mensch Subjekt. Der Mensch bildet sich. Aber: die Bildungspolitik macht den Menschen zum Objekt. Sie zwingt ihm eine Lehrform auf, einen Lehrplan, etc. Von Freiheit der Bildung kann keine Rede sein, solange ich nicht selbst bestimmen kann, wie und in welchen Dingen ich mich bilde. Und weil mir nun aber keiner meine Subjektivität nehmen kann, werde ich auch in der Beschränkung der Zwangsschule lernen, nur vielleicht nicht das, von dem viele Menschen meinen, dass es die Intention der ganzen Sache wäre.

  19. @ 1000Sunny Mama

    Du schreibst:

    Du bist schon 20 Jahre hier? Ach, dann bist Du ja fast schon eine Deutsche.

    Das kenne ich und mir dreht es den Magen um, wenn das mir gesagt wird. Auch von Seiten der Schule gibt es merkwürdige Bemerkungen mir gegenüber, weil ich (relativ) gut deutsch kann. Kein Mensch klärt ausländische Eltern über ihre Schulrechte auf (jedenfalls nicht in unsere Schulen hier im Ort). Ich bekomme die Infos nicht, weil man davon ausgeht, dass ich eh alles verstehe. (Das ich nicht hier zur Schule gegangen bin und eigentlich keine Ahnung habe, wie die Sachen hier geregelt werden, merkt keiner.) Und die „bedürftigen Ausländer“ kümmern sich eh nicht um die Bildung ihrer Kinder…

    Ja, was Du schreibst bestätigt auch das was ich geschrieben habe: Du bist eine „gute Ausländerin“, die Eltern bemüht um dein Schulleistungen, sodass Du sogar deutsche Literatur zum Lesen bekommst…

    Schade, dass sogar in der Schule solche Trennungen (gute/böse oder einfacher/schwieriger ausländische Schüler) gemacht werden… aber es ist einfach festzustellen:

    In der Schule kann (und gibt) es keine Möglichkeit, den Individuum zu sehen und zu begleiten. Es ist eine Massenabfertigung. Manche kommen damit zu recht, andere eben nicht und wieder andere biegen sich zu recht und knabbern danach jahrelang daran.

  20. @Marc
    Zuerst einmal: Danke für das Lob, und ich freue mich über jeden neuen Kommentator.


    Die Zwangsintegrierten haben ja schon ihre Sicht der Dinge geäußert.

    Jetzt will ich noch einen kleinen Beitrag aus meiner Sicht schreiben: Die aktuelle Politik erzeugt doppelte Semilingualität. Das bedeutet man kann zwei Sprachen nicht richtig.
    Je besser man seine Muttersprache beherrscht, desto besser kann man neue Sprachen lernen.
    Zusätzlich lernt man die Landessprache automatisch… sollte man gute Bildung bekommen… wenn kein Druck von außen ausgeübt wird (Druck presst die unterdrückte Gruppe nur ganz fest zusammen – und verhindert jeden Austausch). In den USA wird Muttersprachunterricht schon teilweise praktiziert, aber da dürfen die pädagogischen Psychologen ja auch bei der Bildungsgestaltung mitreden. Hier redet der Innenminister. Allerdings startet jetzt schon auch der türkischsprachige Unterricht. (Allerdings finde ich Frontalunterricht wiederum total idiotisch)
    Ein Nebeneffekt dieser „Integrationspolitik“ ist, dass man den Ausländern beibringt: Deutschland zu hassen und sich aktiv gegen die deutsche Kultur zu wehren.
    Neben den Alternativen, die schon genannt wurden (z.B. Muttersprachunterricht), Unschooling (entfaltet hier eine wunderbare Wirkung) bin ich dafür, dass man lieber nichts tut, bevor man wissentlich genau das Falsche tut. Macht der Staat nichts, entstehen natürliche Wege. Pocht der Staat auf sein „Genehmigungsrecht der Bildung“ verhindert er natürliche Wege. In Deutschland bestraft der Staat diese natürlichen Wege zusätzlich.

  21. aus der Berliner Zeitung vom 21.01.2009:
    Jetzt sollen auch noch Botschafter helfen
    Erst schrieben sie einen Brandbrief, nun waren die Schulleiter zu Besuch im Kanzleramt

    Berlin setzt bei der Schulmisere nun offenbar auch auf internationale Hilfe. Die Bundesregierung will nämlich die Botschafter verschiedener Staaten darum bitten, ausländische Eltern im Regierungsbezirk Mitte zu mehr Engagement für die Schullaufbahn ihrer Kinder aufzufordern. „Auf diese Weise sollen die Eltern je nach Herkunftsland besser erreicht werden“, sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), nach einem Treffen mit Schulleitern aus Mitte.
    [….]
    „Viele von uns älteren Lehrer sind in ihrer Ausbildung nicht auf die heutige schulische Situation vorbereitet worden, deshalb brauchen wir mehr Fortbildung“, sagte Blees. „Wir wollen nicht, dass es früher oder später knallt.“ Böhmer sagte, Berlins Schulen bräuchten „mehr Geld, mehr Ganztagsangebote, mehr Sozialarbeiter, mehr Schulpsychologen und mehr Elternarbeit“. Sie erinnerte auch an einen Beschluss der Kultusministerkonferenz, wonach bis 2012 die Leistungen von Schülern nichtdeutscher Herkunft an die der deutschen Schüler angepasst werden sollen. Da mussten anwesenden Schulleiter ein wenig schmunzeln. Hatten doch sämtliche Schulstudien der jüngsten Zeit gezeigt, dass viele Berliner Migrantenkinder besonders schlechte Schulleistungen erbringen, oft Probleme mit dem Lesen haben.
    […..]
    Sie prüfe nun, ob Berlin bei der Migrantenförderung ein „Sonderfall“ sei, ob das aufgewandte Geld etwa nicht richtig ankomme.

    Politisches Palaber und politisches Schwarzeloch… wo das ganze Geld verschwindet auf nimmerwiedersehen…

  22. Ich glaube nicht, dass das ein „Sonderfall“ ist, eher ein „Einzelfall“ 🙂
    Bei Planwirtschaft verschwindet das Geld meistens in der Bezahlung der Planer…

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