Grundschulwissen gegen Plätzchen backen

Gerade hatte ich folgenden Dialog mit der Mama:

Mama: Ich muss noch Teig machen, damit Du morgen mit den Kindern Plätzchen backen kannst.

Papa: Ich mag keine Plätzchen backen

Mama: Was soll ich dann in den Adventskalender als Nachricht schreiben?

Papa: Ich kann mit denen das Buch Grundschulwissen durchgehen (da war der Chopper heute sehr fasziniert davon – und es machte uns richtig Spass (wir haben ungefähr 80 Seiten gemacht))

Mama: Das machst Du doch sowieso

Papa: Aha, nur weil ich ein guter Vater bin kriege ich jetzt noch Strafaufgaben. Das ist genau, wie in der Schule. Immer wenn ich etwas gerne machen wollte und es vorschlug, sagte der Lehrer: „Das machst Du ja sowieso in Deiner Freizeit“.

Ich finde diese Einstellung sehr interessant: Die Mama hat das jetzt provokant und ironisch gemeint und ich werde wahrscheinlich ums Plätzchenbacken morgen herumkommen. Gottseidank!!!!

Aber! Die Lehrer in der Schule, die meinten das ernst, wir durften nie machen was wir wollen – oder was uns interessierte. Der Schulstoff war immer auch zugleich Strafe. Der Lehrer hätte das natürlich anders formuliert: „Interesse für Neues wecken“ oder „Zum Glück zwingen“ – ich kannte aber „Den Tod in Venedig schon“ – er war also nicht neu und bestimmt nicht beglückend. Bei vielen war gerade Stephen King und Richard Bachmann angesagt. Aldous Huxley war auch cool.

Da wir alle zum Glück gezwungen wurden verbrannten wir regelmäßig (nach dem Schuljahr) unsere Reclam-Heftchen gemeinschaftlich im Freien. Das war wahres Glück!

Blöd nur, dass ich jetzt (wo ich so weit bin) mir die Reclam-Heftchen alle neu kaufen muss (nicht wirklich -> Bibliothek). Aber gegen Goethe konnte ich immer noch nicht meine tiefe Abneigung von damals loswerden. Wenn ich heute an Goethe denke, kommt immer noch der Ekel hoch. Das ist der Effekt davon, wenn man jemanden zu seinem Glück zwingt.

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3 Kommentare zu “Grundschulwissen gegen Plätzchen backen

  1. Das ist lustig – genauso ging es mir auch.
    Deshalb habe ich in der Schule ja auch so oft gefehlt, um Zeit zu haben, die Bücher zu lesen, die mich WIRKLICH interessierten.

    Goethe hatten wir zum Glück in der SChule nicht. 🙂 Ich mag ihn auch sehr gern. 😉

  2. Darf ich etwas zitieren?

    Bildung beginnt mit Neugierde. Man töte in jemandem die Neugierde ab und man stiehlt ihm die Chance, sich zu bilden. Neugierde ist der unersättliche Wunsch, zu erfahren, was es in der Welt alles gibt.

    Bildung ist etwas, das Menschen mit sich und für sich machen: Man bildet sich. Ausbilden können uns andere, bilden kann sich jeder nur selbst. Eine Ausbildung durchlaufen wir mit dem Ziel, etwas zu können. Wenn wir uns dagegen bilden, arbeiten wir daran, etwas zu werden – wir streben danach, auf eine bestimmte Art und Weise in der Welt zu sein. Diese Art und Weise, der Welt und uns selbst zu begegnen, ist mein Thema.

    Aus: Wie wäre es, gebildet zu sein?

    Eine Hörprobe gibt es hier. (Hoffe, das funktioniert!)

    Ich glaube, da steckt ’ne Menge Weisheit drin, denn eigentlich muss sogar jeder Pädagoge auch zustimmen: die Kinder kann man nur was beibringen, sofern sie was lernen wollen. Im Englischen heißt das: You can lead a horse to water but you cannot make him drink!

  3. Was Papa 1000Sunny noch nicht weiß:
    Ums Plätzchen backen ist er nur rumgekommen, weil ich vergessen hatte, Eier zu kaufen. Also schnell den Inhalt im Adventskalender von heute und morgen ausgetauscht, und morgen können wir wieder diskutieren. Obwohl Papa 1000Sunny eigentlich schon einmal zugestimmt hatte, mit den Kindern zu backen…
    Ich finde, er sollte das alte (das ihm wegen dem Zwang, mit dem es für ihn verbunden war, total verhasst ist), in einem neuen Kontext probieren, ohne Zwang. Schließlich gehört das auch dazu, und in vielen Bereichen haben wir uns schon von den Zwängen gelöst.
    Nur Mut! 😉 Ich hab schließlich auch Prolog gelernt!

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