Todesfalle Schulweg

Als letztes Jahr bei einem Schulbus-Unfall sehr viele Schüler gestorben sind (und dann noch ein paar weitere schlimme Schulbusunfälle waren) habe ich aus Pietätsgründen geschwiegen.

Heute ist das aber schon wieder passiert. Und letzte Woche auch! (Gottseidank nicht so schlimm, wie letztes Jahr)

Wer schon mal in einem Schulbus für Kinder war, der weiß warum. (Ich war sogar über ein Jahr Schulbus-Aufsicht – ich hatte eine 45 Minuten Fahrt – einfach).

In einem Schulbus sitzen an die 60 Kinder, die voller Energie in den neuen Tag starten – ausserdem ist jetzt die einzige Möglichkeit unbeaufsichtigt mal richtig Ramba-Zamba zu machen. Wenn Lehrer sich über laute Klassen von 30 Kindern beschweren, dann müssten sie erst mal das erleben, was ein Schulbus-Fahrer jeden Tag erleben muss. Oft sind die Schulbusse auch gegen Ende der Fahrt überfüllt, und so teilen sich 3 Kinder einen Platz – viele stehen aber sowieso auf den Sitzen.

Es gibt zwar eine Schulbus-Aufsicht, die ist aber keine Autoritätsperson, schlecht bezahlt (also sehr bestechlich), und steigt meistens erst bei der letzten Haltestelle zu (sonst wäre die Bezahlung super-schlecht).

schulbusunfall

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Der Busfahrer muss nach vorne schauen – ausserdem steht er sehr unter Druck, da der Schulbus natürlich sehr schnell ans Ziel gelangen muss, dabei aber die halbe Stadt durchqueren muss, die Eltern aber im Winter nicht eine halbe Stunde früher aufstehen wollen. Er kann also nicht alle 10 Minuten anhalten. In den 8 Jahren in denen ich ins Gymnasium gekarrt wurde – hatte ich den ganzen Tag nie so viel Spaß, wie auf der Hin- und auf der Rückfahrt. Der Bus stoppte in diesen 8 Jahren nur 3 Mal wegen der Lautstärke – dieses Durchgreifen hielt dann auch jedes mal ungefähr 4 Minuten.

Als ich noch in der 5ten war fand ich den Lärm unerträglich laut und setzte mich ganz vor zum Busfahrer – später hieß es natürlich: Party mit den anderen. Als Schüler denkt man ja nicht, dass man ernsthaft gefährdet ist.

Kleine Anekdote:

Später hat mich der Busfahrer sogar einmal rausgeschmissen. Die Gelegenheit nützte ich und ging zu Fuß nach Hause (es war in der Früh, am Abend wäre ich niemals ausgestiegen). Ein freier Tag für mich. Keiner verlor jemals ein Wort über diesen Tag – sonst hätte wahrscheinlich die Hütte gebrannt.

PS: Als Schulbusaufsicht ist man wirklich in Lebensgefahr – man steht und läuft die ganze Zeit durch den Bus.

PPS: Für ein Volk, das sich mittlerweile aufregt, wenn ein Kind gefahr läuft einen Schnupfen zu kriegen sind wir bei den Gefahren, die Schule und Schulweg bieten äussert großzügig.

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5 Kommentare zu “Todesfalle Schulweg

  1. Für ein Volk, das sich mittlerweile aufregt, wenn ein Kind gefahr läuft einen Schnupfen zu kriegen sind wir bei den Gefahren, die Schule und Schulweg bieten äussert großzügig.

    100 % Zustimmung!
    Ich habe das Argument zu gefährlicher Schulweg (verkehrstechnisch gesehen) in unserer ersten Bußgeldverhandlung (mein Sohn war im Grundschulalter) angeführt – der Richter war davon nicht im Geringsten beeindruckt.

  2. Habe das Foto jetzt gefunden.
    Vielleicht kann man aber die Öffentlichkeit dazu bewegen den Schulweg sicherer machen. Also Lehrer in die Schulbusse – Höchstens 10 Kinder pro Lehrer… usw.
    Das würde zwar mehr Kosten verursachen, aber das sollte unserer Heuchel-Heuchel-Sicherheit-Über-Alles-Gesellschaft die Sicherung dieser Todesfalle schon wert sein.

  3. Mitgefangen, mitgehangen 🙂
    Nein, natürlich nicht. Ich wünsche niemandem den Tod – aber ich denke, wenn nur 10 Schüler in einem Schulbus sind und ein Lehrer, der für Ordnung sorgt, dann würden vielleicht weniger Kinder sterben / oder schwer verunglücken.

  4. Aber woran liegt das? Das eben nur 10 Kinder drin sind?

    (Also es leuchtet ein, dass ein verunglückter Bus mit nur 10 Kinder drin einen kleineren Potenzial an verletzte Kinder hat, als ein vollgepackter Bus.)

    Ich beneide die Busfahrer nicht, unter solchen Bedingungen möchte ich gar nicht arbeiten!

    Aber es ist nicht immer der Inhalt des Buses (tobenden Kinder), dass zu einem Unfall führt… Und es ist nicht immer der überbelastete Busfahrer.

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