Der zornige Wüterich

Schlimm… schlimm… (endlich) durften wir erleben, wovon andere Eltern immer erzählen: Die Trotzphase, die Tantren (also echt wildes Schreien).

Chopper war diese Tage so fertig, dass er öfter wirklich heftig schrie (Gottseidank nur zu Hause). Ich war echt schockiert, wie so etwas in Realität aussieht.

Wir hatten mal einen Nachbarsjungen da, der hatte über 1 Stunde geweint, bis er eingeschlafen ist  und war total unansprechbar. Wir konnten ihn nur trösten. Allerdings war er aus einem Haushalt, wo bestraft wird. Wahrscheinlich hatte er auf die Strafe gewartet – und versucht sie durch Weinen abzuwenden (das macht er immer so). Aber die Strafe kam einfach nicht – wie auch, wir bestrafen ja nicht.

Die Gran meinte dann, es wären die Tantrums, die bekämen 4-jährige. Ich sagte nur: „Das glaub ich nicht“ – ich glaube ja generell an keine Phasenmodelle bei menschlicher Entwicklung – bin ja kein Elektriker.

Wir hatten in letzter Zeit wirklich wenig Zeit, dafür umso mehr Streß. Die Finanzkrise, das Finanzamt, Mietnomaden, Wohnungsrenovierung (inklusive Handwerkerrechnungen), dann nochmal das Finanzamt und zu guter letzt eine fette Nachzahlung – natürlich noch den Mieterwechsel, wo man am Anfang nie weiß: zahlt er – zahlt er nicht?

Mittlerweile haben wir die meisten dieser Krisen überwunden, oder in Produktivität umgewandelt – bis auf das Finanzamt – das sind einfach ein paar Vampire, die einem im Nacken sitzen und saugen und beißen.

Wie dem auch sei. Wir machten uns also daran, den Kindern wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken. z.B. Chopper bekommt jetzt immer von mir so lange vorgelesen, bis ich heißer bin. Für Nami gilt das natürlich auch.

Unsere Nerven sind auch wieder da und es heißt wieder: mehr Spielen, mehr Erklären, mehr Vorlesen, mehr Zuhören, mehr Warten.

Und siehe da: 4 Tage ohne Tantrums – oder ähnliches.

Advertisements

4 Kommentare zu “Der zornige Wüterich

  1. Das ist schön, und ich gebe Dir recht. Soetwas ist nicht an ein bestimmtes Alter gekoppelt, sondern an die individuelle Entwicklung des Kindes und die äußeren Umstände.
    Wir hatten das vor kurzem ja sehr stark, und ich fand es seeehhhr anstrengend.
    Ich habe auch nicht immer die Möglichkeit auf Amelie’s Wünsche und Bedürfnisse einzugehen, so wie sie es braucht oder möchte. Und da entsteht dann sehr schnell so ein Kreislauf.
    Sie war sehr mit sich überfordert auf der einen Seite, und ich habe sie ebenfalls überfordern müssen auf der anderen.
    Aber auch ihre GEschwister hatten sie überfordert, und ihr Ventil war einfach Geschrei. Ich denke, dass da jedes Kind auch anders ist.
    Jamie hatte solche Anfälle eigentlich nicht. Und Lisa nur vermehrt nach der GEburt von Jamie.
    Bei Amelie läuft die ganze Entwicklung ganz anders, als bei den Großen.

    Und…ich glaube nicht, dass das mit Bestrafen zu tun hat, denn ich bestrafe hier auch nicht. Aber mit Zeit und Kontakt und Bindung zum Kind. Auf Bedürfnisse eingehen und sie erfüllen, usw. schon.

  2. Damit straft Ihr ja alle Eltern als RABENELTERN ab, die ein wut brüllendes Kind an die Supermarktkasse ziehen. Ich bin zwar geneigt Euch in vielen Fällen recht zu geben, wo ich inkonsequenz beobachte und das Kind natürlich gelernt hat, wie es Druck aufbauen kann. Aber ich glaube auch an die Dämonenhaftigkeit von Kindern, die ganz geschickt ihre wenigen Mittel gezielt einsetzen 🙂

  3. LOL, Sevenjobs… Dämonhaftigkeit… tsk, tsk, tsk…

    Also, ich kann nur sagen: es kann einem Treffen, muss nicht. Meine ersten 2 Töchter haben das nicht gemacht. Geschockt, amusiert und verwundert war ich als Sohn Nummer 1 völlig aus dem Nichts sich zu Boden (vor mir zwei absolut fremde Frauen) geworfen hat und gebrüllt hat. (Das war zwar im Einkaufszentrum, aber nicht an der Kasse, wo es vielleicht wegen „keine Schokoeier“ oder sowas hätte brüllen können, obschon keine meine 5 Kinder Theater an der Kasse abgeliefert haben.)

    Die Frauen guckten ihn kurz an, guckten mich an und schnatterten weiter, meinen Sohn nicht mehr beachtend. Ich habe mich leicht distanziert und er hörte von selbst genauso urplötzlich auf, wie er angefangen hatte.

    Vierte Kind wieder unauffällig (ist inzwischen 5) und das baldige 2 jährige Tochter hat schon mit 12 Monate gepflegt, sich zu Boden zu werfen, wenn ihr was nicht passt…

    Mein Fazit: jedes Kind ist anders. Alle unsere Weisheiten und Erfahrungen müssen mit vorbedacht an des einzelne Kind gewandt (wenn überhaupt) werden.

    (Und die wahren RABENELTERN sind die, die egal was ihre Sprösslinge anstellen, sich überhaupt nicht darum scheren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sevenjobs, ein schreiendes Kinder an der Kasse vorbei schleußend oder 1000Sunny, ein aufgewühltes, schreiender Bub im Wohnzimmer habend, als Rabeneltern abgestempelt werden sollen.)

  4. Bindung und auf Bedürfnisse eingehen – ohne sich selbst aufzuopfern – das ist wahrscheinlich das Wichtigste.

    Das Kinder dämonenhaft sind, das glaube ich nicht. Kann ich auch nicht nachvollziehen – ich habe bis jetzt noch kein so ein Kind kennengelernt. Ich glaube eher, dass sie noch nicht gelernt haben, dass man einen Menschen (Erwachsenen) nicht über die Klippe stoßen soll -auch wenn es gerade noch so Spaß macht. Und sie haben auch noch nicht gelernt, dass Erwachsene Grenzen haben, bei denen sie genervt oder schlimmer werden. Das können sie aber lernen.

    Andere Eltern würde ich nie als Rabeneltern bezeichnen. Obwohl es da interessante Websites gibt, von denen wir uns viele Inspirationen geholt haben 🙂
    Es gibt nun mal kein Lösungsbuch – und man ist auch nicht immer in Topform. Man muss sich nur eine Chance geben, öfter neu anzufangen. Auch kommt es auf die schon gelernten Lösungsstrategien des Kindes an, jemand der sich effektiver gegen Unwill wehren kann, der wird sich nicht auf den Boden werfen (vielleicht revidiere ich ja bei Kind – aber mein Paradigma ist nun mal: das rational denkende Kind).

    Ich bin kein Richter und ich finde andere Eltern, die sich aktiv um ihre Kinder kümmern, Super.
    Menschen, die im Supermarkt über schreiende Kinder die Nase rümpfen, sind nicht so mein Ding.

    In unserem speziellen Fall fühlte sich Chopper vernachlässigt und ignoriert – die Schuld lag aber nicht bei uns – wir mussten arbeiten, da wir das Geld brauchen und der Druck kam auch von außen (und wir haben eine Gesellschaftsstruktur, die nun mal die Eltern extrem belastet). Wir haben die Situation jetzt endlich wieder so weit unter Kontrolle, dass wir endlich wieder gut auf unsere Kinder eingehen können – glauben wir. Heute ist der 5te Tag ohne Wüterich 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s