Volkes Zorn – Anwälting radelt mit nacktem Kind

Hier das Interview (eine Gegendarstellung durch die andere Seite):

http://windelfrei.blog.de/2008/11/03/off-topic-anwaeltin-nacktem-kind-muenchen-4977902

Advertisements

9 Kommentare zu “Volkes Zorn – Anwälting radelt mit nacktem Kind

  1. Pingback: Nackt in München « Bedeutungswirbel

  2. Ich sehe meine Rolle als Mutter dennoch auch so, dass ich mein Kind vor Spontanauswüchsen seiner noch unausgereiften Persönlichkeit schützen muß. Und dazu gehört, dass es bei 16 Grad auf dem Radl nur angezogen mitkommt oder halt zu Hause bleiben muß. Sorry, aber die Frau scheint ja in ihrem Sinne argumentieren zu können, aber Schutz der Persönlichkeitsrechte finde ich in dem speziellen Fall mehr als merkwürdig. Wenn meinem Kind nachher einfällt, dass es nichts lieber machen würde, als nackt durch den kalten Herbstabend durchs Dorf zu spazieren, kann es schreien und zetern was es will, ich werde es sicher nicht gehen lassen…(zumindest nicht nackert)

  3. Da trifft wohl Psychologie auf Medizin. Für die Psychologen geht einer physischen Krankheit eine psychische Schwäche voraus (außer im trivialen Falle, wo einem ein Klavier auf den Kopf fällt).
    Ich gehe davon aus, dass jemand dem kalt ist, der das auch sagt (umso jünger umso lauter) – sonst wäre der Mensch wohl nicht durch die Evolution gekommen.
    Wenn Chopper im Winter nackt auf die Straße wollte, kam er meistens nach 2,3 Femtosekunden wieder herein – und wollte ganz schnell was angezogen.

    Davon abgesehen, finde ich geht es bei der Diskussion eigentlich um etwas anderes. Wie bereitwillig war die Gesellschaft Steine zu werfen? Wer fragte bei der Mutter nach? Hätte der Polizist eine echte Gefahr vermutet, wieso hat er das Kind nicht im warmen Streifenwagen nach Hause gebracht – oder zum Arzt? Anstelle dessen Jacke überwerfen und auf dem Fahrrad nach Hause schicken? Das wäre bei einer Unterkühlung doch ein Todesurteil. Wer belangt also den Polizisten?
    –Zusätzlich wird aber mit der Zeit eine Argumentationsmauer, gegen die Rolle von Eltern an sich aufgebaut. Aus lauter Einzelfällen wird ein Common Sense geschaffen, der die fortschreitende Verstaatlichung der Kinder auf das willfährige Polster des Kindswohls und der Inkompetenz der Eltern bettet.
    –Ich glaube die Mutter kannte ihr Kind sehr gut. Sie hat die Persönlichkeitsrechte gegen die Gefahren abgeschätzt und ihrer Einschätzung gemäß gehandelt. Ob wir die nun falsch oder richtig finden ist die andere Sache. Gäbe es keine Blogs/Internet hätte sie nie die Möglichkeit bekommen ihren Standpunkt der Sache darzulegen.
    –Wenn wirklich eine Gefährdung vorlag müssen sich die Gerichte damit beschäftigen (oder Leute die sich mit dem Fall, der Mutter und dem Kind intensive befassen wollen – im Sinne des Kindswohles). Leider hat sich die Bevölkerung hinreißen lassen und auf diesen Zeitungsartikel ihr Urteil gefällt. Und wäre es nicht anonym gewesen – bestimmt auch vollstreckt.

    https://freiebildung.wordpress.com/2008/05/30/nackt-unglaublich-aber-wahr/

  4. Schlapunzel, eigentlich wollte ich mich nicht in diese heisse Diskussion reinbringen, dennoch habe ich eine Frage:

    Gibt es einen Unterschied?:

    Kind: „alleine“ nackig unterwegs bei solchen kalten Temperaturen.

    Kind: nackig und in Begleitung einer (verantwortlichen) Erwachsenen, der auch Klamotten dabei hat–für den Fall, dass es dem Kind doch kalt wird.

    Deine Ausführung zum Unterkühlung fand ich sehr aufschlußreich. Gäbe es in deinem Denken einen Alter, wo es dann nicht so kritisch wäre? (Ab 2, ab 3, ab 4…?)

    Was mich immer etwas durchwirbelt bei solchen Diskussionen ist diese Grenze zwischen (inzwischen verankerte) „Gesellschaftliche Normen“ (z.B. TÜV geprüfte Fahrradsitze für Kinder gegenüber selbstgebastelte Konstruktionen) und rein physische Grenzen, die nicht misachtet werden sollen (Unterkühlungsgefahr bei Kleinkinder).

    Das Anziehen bzw. Nicht-anziehen in dieser Situation fällt meines Erachtens genau auf diese schmale Grenze. Es geht so ziemlich genau gegen unsere gesellschafliche Norm (ähnlich wie eine Geburt im Wald). Aber in andere Kulturen (z.B. im Norden) rennt man kurz nackig raus im Schnee (keine Ahnung, ob Kinder/Kleinkinder dies machen). Hier würde man sowas in der „Kneip-schiene“ stecken…

    So gesehen, kann ich nur 1000 Sunny’s Kommentar gestern früh nur zustimmen: wir sind (kollektiv) schnell dabei, eine Hetze anzutreiben, ohne eigentlich die Fakten auf den Tisch zu stellen… Das Denken und Kommunizieren haben wir (wieder kollektiv) längst verlernt.

    Danke 1000 Sunny für diesen Beitrag und den Aufruf, über so etwas nachzudenken. Danke auch Schlapunzel, für die Gegenargumente. Ich schätze es auch so, wie Sunny, wenn einer meiner Kinder raus, nackig und bei kühleren Temperatur, möchte dann bin ich bereit, es ihm diese Erfahrung machen zu lassen (ob ich dann mit dem Kind radfahren würde ist eine gaaaaaanz andere Frage).

  5. Aaaaaalso…zum ersten finde ich diese Diskussionsebene ganz wunderbar, da sie Argumente und Gegenargumente bestehen läßt! Und: ich verurteile nicht die Mutter an sich und ihr habt Recht, eine kollektive Hetzjagd find ich auch ganz schlimm, dazu sollte ich mich nicht hinreißen lassen. Doch irgendwie kitzelt es mich, auf den fahrenden Zug aufzuspringen…denn die meisten Menschen, die diese Radlaktion merkwürdig fanden, denken so wie ich. Ich finde sie auch merkwürdig. Dennoch ist es immer schlecht und schlimm, Eltern (alle Menschen) für etwas zu verurteilen, von dem man nur einen Auszug kennt. Dieses Beispiel schult mal wieder meine persönliche Affektfreudigkeit mich mit mehr Bedacht auf eine Seite zu schlagen…
    Eine Grenzen zu ziehen, ab wann ein Kleinkind sicher sagen kann, wann es wirklich friert, ist sehr schwierig. Denn die Entwicklung ist individuell sehr unterschiedlich in dem Alter. Ein Baby von einem Jahr kann es definitiv nicht. Ehe es seinen Unmut über Unterkühlung äußert, ist es bereits unterkühlt.
    Wenn mein Kind, das im März 2009 3 Jahre alt wird, mal kurz nackig in den Garten abhaut, weil es z.B. mal den Schnee barfuß testen will, nun gut. Damit könnte ich leben. Ich würde ihn auffordern, ganz schnell zu flitzen und wieder reinzukommen, gehe aber davon aus, dass er es in seinem Alter ziemlich schnell merkt, wie saumäßig er friert und ebenfalls in Femtosekunden wieder rein kommt 😉
    Sunny Du hast Recht, wenn Du sagt, man solle nicht mit Steinen auf die Mutter werfen. Aber ich verstehe trotz Gegendarstellung ihrerseits ihre Argumente nicht, weil sie meiner Meinung nach etwas weit hergeholt sind….aber das ist meine persönliche Meinung. Zum Glück ist nichts passiert und die Mutter wird es sich ein zweites Mal überlegen…die Angriffe, der sie sich ausgesetzt hat, muß sie, nach so einer Aktion aushalten, finde ich. Denn die gesellschaftliche Norm betrifft uns nunmal alle. Ob wir sie nun leben oder nicht. Wenn wir davon abweichen, müssen wir auch stark genug sein, die Anfeindungen oder schrägen Blicke zu ertragen….

  6. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass eine Demokratie (sollte sie mal als Staatsform in Angriff genommen werden) immer einen Minderheitenschutz braucht. Das finde ich sehr einleuchtend, sonst ist diese Demokratie ja nichts anderes als eine Tyrannei der Mehrheit.
    Ich glaube in Deutschland ist der Minderheitenschutz schon lange verloren gegangen. Politiker reden die ganze Zeit davon, dass sich Minderheiten der „Majoritätenkultur“ anpassen müssen – und mittlerweile glauben das sogar die Minderheiten.
    Ich denke, wir müssen nicht nur stark genug sein die Anfeindungen und schrägen Blicke auszuhalten, sondern wir sollten uns auch dagegen wehren eine Kultur der Anfeindungen und schrägen Blicke zu werden/bleiben. Mir fällt es schwer zu glauben, dass Menschen durch Anfeindungen Denkprozesse anstoßen. Vielmehr werden sich die Fronten verhärten und beide Seiten werden in eine aggressive Defensive gehen.

    @andrea
    In den Berichten über Unterkühlung stand, dass Babies dieses Problem mit dem „Nicht-Zittern“ haben. Baby geht laut Wikipedia von 0-12 Monate. Allerdings, wie es Schlapunzel schon sagt, die Entwicklung eines jeden Kindes ist verschieden. Aber was erzähl ich das einer 5-fachen Mutter 🙂
    Allerdings glaube ich, dass das Kind dieser Frau sehr gesund und sehr kräftig ist, es scheint nicht einmal einen Schnupfen davon getragen zu haben. Wäre eine gute Frage, die man dort stellen könnte.

  7. Nein, ich habe Schnupfen bekommen – danach war irgendwie Finanzkrise – da sind so Selbsterfahrungsdinge leider auf der Strecke geblieben.
    Vielleicht versuche ich es noch mal in der nächsten Zeit – wenn sich mein Immunsystem von der Finanzkrise erholt hat 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s