„Papa, geh weg“ – Wie man psychische Lücken schließt

Nachdem jeder auf dieser Welt seinen Beitrag zur Winterhoff-Debatte geleistet hat, will ich auch noch kurz dazu etwas beitragen. Zudem es gut zu dem heutigen Tag passt.

Chopper sagte heute zu mir: „Papa, geh weg!“ in einem echt nicht netten Ton zu mir. Er hatte das die letzten Tage schon häufiger gehabt.

Winterhoff würde jetzt wahrscheinlich sagen: „Das Kind hat psychische Löcher. Sie sind nicht autoritär genug. Sie sind zu partnerschaftlich. Das Kind ist doch kein Symbiont. Kommen Sie bitte in die Familientherapie zu mir – ein paar Jahre wird das schon dauern.“

Wir haben gesagt (zur Mama hat der das nämlich auch gesagt): „Chopper, das verletzt uns. Das ist wirklich nicht nett. Wenn etwas los ist, dann versuch uns das zu sagen. Aber einfach nur -geh weg- das ist wie -hauen-„.

Er verstand das und es war noch ein schöner Abend.

Also Herr Winterhoff, die eigenen Erfahrungen sollte man auf jeden Fall anderen zur Verfügung stellen, aber das eigene Versagen sollte man erst einmal analysieren und nicht auf andere schieben. Dadurch, dass Ihr Buch in Deutschland zum Bestseller wurde, haben Sie der Nation den Spiegel vorgehalten. Das ist also unser Denken über Kinder.

Jetzt noch etwas zu den echten Forschungsergebnissen: Es gibt den Flynn-Effekt (Kinder sind intelligenter als ihre Eltern) – dieser kehrt sich auch anscheinend wirklich um (Kinder werden seit 1999 wieder „dümmer“). Auf Wikipedia lassen sich allerlei Ursachen-Theorien dafür finden. Jedoch keine davon zeigt auf liberale oder autoritative Eltern. Eine andere Erklärung sagt: Die Umkehrung gibt es nicht, sondern die Intelligenz wird durch neue Medien nur eine dynamische, die jetzt mit komplexen Szenarios und Simulationen umgeht, wo man vorher auf statische Situationen reagierte. Besonders förderlich für die neue Intelligenz sind Computerspiele.

Übrigens: Symbiose ist gut. Wenn Kinder keine Symbionten wären, dann wären sie wohl Parasiten. Ist das wirklich Ihre Idealvorstellung ?

Chopper und Nami kennen das Wort Autorität eigentlich gar nicht. Ich bin keine Autorität für sie, und die Mama ist keine Autorität für sie. Wir wissen einige Dinge über die Welt und sie können uns fragen. Wenn wir Tabus erklären, dann müssen wir sie auch erklären können. Wenn ein einfaches „Nein“ von mir nicht mit einem „Warum“ von meinen Kindern beantwortet werden würde, hätte ich es wahrscheinlich öfter bequemer, aber das Ergebnis wäre im schlimmsten Fall ein Befehlsempfänger. Und die deutsche Geschichte zeigt uns, Befehlsempfänger sind die wahren Monster.

Advertisements

4 Kommentare zu “„Papa, geh weg“ – Wie man psychische Lücken schließt

  1. In welchem Zusammenhang hat Chopper das „geh weg“ denn gesagt? Hat nur der Ton nicht nett geklungen oder hat er es wirklich unfreundlich gemeint?

    Charlotte sagt manchmal zu mir „die Mama raus“ oder „die Mama weg“ und meint damit, daß ich sie alleine lassen soll. Es klingt vielleicht nicht nett, aber ich bin mir sicher, daß sie es völlig sachlich meint – sie will einfach für sich sein.

    Als Samuel so um die zweieinhalb Jahre alt war, hat er öfter zu mir beim Einschlafen gesagt „zu eng“, wenn ich ihn in den Arm genommen habe. Es hat mich etwas erstaunt, aber er meinte es nicht böse, das weiß ich. Ich finde es eigentlich gut, wenn Kinder, ohne große Erklärungen abgeben zu brauchen, sagen können, daß sie ihre Ruhe haben wollen. Ich finde das gesund und normal (wenn auch vielleicht erstaunlich, wenn es einem als Eltern das erste Mal widerfährt).

  2. Bei uns kommt das auch vor. Entweder heisst es: Mama, geh! oder ‚Ich will meine Ruhe haben‘ oder ‚ich will allein sein.‘ (bei drei Kindern hat man mehrere Variationen 😉
    Ich finde es wichtig, wenn Kinder auch uns ihre Grenzen setzen, bzw. ihren Raum abstecken. Manchmal ist alleine für sich sein sehr wichtig.

  3. Ich denke auch, Kinder haben halt eine sehr direkte Art und achten nicht auf Höflichkeitsfloskeln. Meine Tochter sagt auch manchmal „Geh weg!“. Dann sage ich „Okay“ und gehe einfach. Sie wird schon ihre Gründe haben.

  4. 🙂 Danke für Euren Trost. Es stimmt schon, manchmal vergisst man solche Dinge.
    Auf der anderen Seite hat er es wirklich sehr, sehr unnett gesagt. Und das hat mich echt getroffen (vielleicht zusammen mit der Finanzkrise – die rüttelt meine Nerven echt durch).

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s