Nächtliches Rollschuhfahren

Es ist Mitte, eher Ende September. Die Nächte sind dunkel und die Abende sehen die Sonne nicht mehr.

Alles ist still, die Kinder schlafen und die Erwachsenen genießen ihre Qualitätszeit vor dem Fernseher.

Alle? Nein, durch die Nacht schleichen und schlurfen einzelne Punkte, auf keiner Landkarte sichtbar, von keiner Statistik erfasst.

Einer dieser Punkte sind wir: Nami, Chopper und Papa. Nami hält meine Hand und steht auf ihren Rollschuhen. Gerade 2 1/2 und einen Fuß vor den anderen setzend macht sie sich daran Rollschuh fahren zu lernen. Immer ein getappse. Oft fällt sie mir vor die Beine und hängt dann an meiner Hand. Baumelt um meine Beine, wie ein Schwengel in einer Glocke.

Vor uns läuft Chopper umher und fragt, wann er denn dran käme. Irgendwann entdeckt er, dass Rauch aus seinem Mund kommt. Es ist schon kalt. Warme Gedanken führen mich in südliche Länder.

Der Rauch ist Dampf, und zusammen entdecken wir den Regenbogen, der sich um den Schein der Straßenlaternen ringelt. Wenn wir ganz viel aushauchen. Und eine kleine Dampfwolke sich zwischen unserem Gesicht und dem Schein der Laterne sammelt, Dann ist der Regenbogen für einen kurzen Moment ein großer Kreis.

Nami hangelt wie ein Äffchen an meinem Arm, wird aber langsam sicher.

Als Chopper endlich die Rollschuhe anzieht – dauert es keine 2 Minuten, bis er wieder rein will. Vielleicht nächstes Mal. Denn bis auf das Rollschuhe an- und ausziehen sind solche Spaziergänge im Dunkeln mit den eigenen Kindern doch eine besinnliche Sache. Keine Ablenkungen und der Lärm des Tages ist mit der Sonne untergegangen.

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8 Kommentare zu “Nächtliches Rollschuhfahren

  1. Irgendwie mußte ich gleich an die Zauberlandkarte aus Harry Potter denken, auf denen man immer die Punkte mit dazugehörigen Namen wandern sieht…sowas hätt ich auch gern! 😉
    Würden wir noch näher beieinander wohnen, könnten wir uns sicher das eine oder andere Mal treffen, auf solchen Spaziergängen…

  2. Schade, die Karte des Rumtreibers würde Ihnen sicher gefallen! (Hab mich lange gegen die Bücher gewehrt, aber, als ich damit angefangen habe, konnte ich nicht mehr aufhören! Sie haben den Ruhm irgendwie schon wirklich verdient)
    Und übrigens: nur ca. 65 Kilometer weiter südlich von Ihnen!

  3. Hallo, Ihr Unbepotterten! Da kann ich Euch die Hand reichen – ich bin auch unbepottert. Die Bücher haben mich einfach nie interessiert.

    Dagegen hat mein Sohn, kaum daß er lesen konnte, jeden der nach und nach erscheinenden Bände mehrmals lesend und ebenso mehrmals hörend in gesamter Länge verschlungen. Einmal habe ich in einem der ersten oder dem ersten Band ein kurzes Stück gelesen und merkte sofort, wie sehr ich in den Bann gezogen wurde. Ich konnte die Faszination meines Sohnes nachvollziehen. Mehr davon gelesen habe ich dennoch nicht, aus Desinteresse ud Zeitmangel.

  4. Andrea: weil ich was gegen Massen-Hype habe und da nicht mitziehen wollte. Und überhaupt dachte ich nicht, dass das, was alle so toll finden, ich auch toll finde, schon aus Prinzip nicht 😉 Aber, wie gesagt, irgendwann hats mich auch gepackt…

  5. Ich habe mich auch mit aller Kraft gegen den Hype gestemmt. Außerdem sah ich das Buch als Zeitverschwendung an. Da ich mittlerweile aber Bücher um einiges effizienter lese, glaube ich kann ich es bald riskieren.

  6. Toller Text! Besonders gut fand ich „die Erwachsenen genießen ihre Qualitätszeit vor dem Fernseher“. Rieche ich da etwa Gesellschaftskritik?

    LG Steffi 🙂

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