Resümee 1 Woche Schule – 2 Verschärfte für Widerstand gegen die Gehirnwäsche und Humor

Die erste Schulwoche in Bayern ist vorbei. Zeit für ein Resümee.

Da in meinem Teil der Familie alles grandiose Schulversager, Schulverweigerer und weiß nicht was sind, schildere ich heute die Ereignisse der ersten Woche von Mama1000Sunny’s Bruder.

Er ist Realschüler und mittlerweile 15 Jahre alt – dieses ist sein letztes Jahr vor dem Schulabschluss. Ich nenne ihn der Einfachheit halber Alexander.

In der ersten Woche ging er (mit ein paar Freunden) zu einem Dönerstand in der Nähe. Als sie dann eine halbe Stunde später im Rektorzimmer waren und alle ihre Namen preisgaben, musste Alexander lachen. Das war der erste verschärfte Verweis.

Ein paar Tage später ging Alexander auf die Toilette. Gerade war wegen Lehrermangels keine Lehrkraft in der Nähe um sie zu fragen, ob sie ihre höchstmajestätische Erlaubnis für die Entlehrung geben könnte. Seine Freundin ist etwas vorher auf die Toilette gegangen (um zu rauchen). Alexander ist aber Nichtraucher. Egal, beide kamen gleichzeitig von der Toilette zurück und wurden gleich zum Rektor geschickt.

Alexander: In Deutschland darf man jederzeit auf die Toilette.

Direktor 1: Du musst fragen, wenn Du auf die Toilette willst. (die Lehrerin war aber für nicht absehbare Zeit abwesend!)

Alexander: Man kann die Schule nicht über die Gesetze stellen.

Direktor 2: Aber in der Schule muss man das machen, was einem gesagt wird.

Die Diskussion ging etwas länger mit vielen Wiederholungen hin und her. Dafür gab es den zweiten verschärften Verweis. Als er aus dem Rektorzimmer raus war, hatte er ein paar Minuten später die Idee zum Lehrerzimmer zu gehen und sich dort ein BGB zu besorgen.

Welch Überraschung, als ihm dort der Rektor die Tür öffnete. Alexander fragte dennoch mutig nach dem BGB, der Rektor meinte „Jajaja, das findest Du ja auch im Internet“ und schloss die Tür wieder! Alexander klopfte noch einmal, dieses mal hatte er Glück und die Sozialkundelehrerin machte auf. Sie suchte für ihn ein BGB, lachte dabei und sagte: „Damit kommst Du nie durch“.

Kurzum ein BGB war nicht aufzufinden. Dafür ein Sack voller Disziplinarmaßnahmen.

Ich bin stolz auf Alexander, hoffe das er die Schule bald schmeißen darf und dann seine Prüfungen extern macht.
Hier noch ein paar besinnliche Bilder:

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5 Kommentare zu “Resümee 1 Woche Schule – 2 Verschärfte für Widerstand gegen die Gehirnwäsche und Humor

  1. Soll ich glauben, daß diese Bilder im Klassenzimmer von 15 Jährigen die Wände schmücken?

    Ich meine, ich finde nichts gegen einen Motto (auch das Motto leise zu sein, hat was mit Rücksicht auf Mitschülern etc. zu tun), aber ich finde diese Bilder eher 4-5 Klasse Niveau (vom Malerische, Gestalterisch her gesehen…)

    Aber ich finde es sehr schade (und läßt mich mit traurigen Erinnerungen an meine Schulzeit zurückblicken), wie wenig das Individuum ermächtigt wird, die Verantwortung für sein Lernen zu übernehmen… denn ich bin mir sicher, daß ein Schüler (egal welchen Alters auch immer) NICHT selbst auf die Idee kam, diesen wunderbaren Plakat zum Motto des Monats herzustellen. Er würde angeleitet oder bekam gesagt: Das ist was du jetzt machen sollst. Und das Ergebnis: Einfallslos, lieblos. (Hingegen ist Bild Nummer 1–welches leider etwas unscharf ist, wenigstens Farbe zeigt und eine Gestaltungsversuch vorweist, was dennoch höchstwahrscheinlich vorgegeben war…)

    Schade, wenn junge Menschen nicht stolz ihren Bemühungen zeigen dürfen, wollen, sollen.

    Was würde passieren, wenn dein Neffe Schüler mobilisieren könnte, einen Streik zu veranstalten: BGB und Menschenrechte in der Schule… (ich nehme einfach an, dein Neffe geht in München zur Schule) wenn alle Schüler mitmachen, könnte man eventuell etwas bewirken… Vermütlich brauchen Schüler eine Gewerkschaft.

    (Gewerkschaften sind doof, wie kann es sein, daß man sowas braucht, wenn es doch eine BGB und Menschenrechte in Deutschland geben??? Achja, Schüler sind keine Menschen. Arbeiter ebenfalls nicht. Bleibt nur die Frage: wer ist überhaupt „Mensch“ mit Rechten?)

  2. (Mama)
    Die Bilder hängen natürlich nicht bei Alexander im Klassenzimmer, sondern in der Grundschule bei uns um die Ecke.
    Das grausame finde ich ja, dass dem Schüler suggeriert wird, dass die Schule ein Wohlfühlhaus sei. Dazu muss man dann was malen. Und wenn man nicht kann, weil man nicht daran glaubt, ist man „komisch“, schlecht angepasst, und bekommt Probleme mit den angepassten Mitschülern, den Lehrern und vor allem: Selbstzweifel. Denn wenn alles gegen das eigene Gefühl spricht, welches Kind hat dann die Stärke sich 100% zu vertrauen? Es gibt nicht viele, die soviel Unterstützung von Zuhause erfahren, dass sie es könnten. Meistens tönen ja Eltern und Verwandte ja auch noch in den Lügen des Schulkanons mit.

  3. …ja, weil es denen auch regelrecht eingebrannt wurde…die meisten hinterfragen nicht weiter, weil es an ihrem Weltbild gewaltig rütteln würde – und das ist unbequem.

    Wenn ich da manche Eltern höre: „Wir sind ja eher für Schule, wie sie vor den 68ern war.“ sagte mir der Vater von Lisas Kumpel.
    Da streuben sich mir die Haare.
    Er findet die Schule wie sie jetzt ist nicht streng genug. :-O

  4. Ich denke zur Zeit schieben viele die Schuld hin und her, Ziele sind: Die Lehrer, die Schüler, die Eltern, die Politiker, die Gesellschaft.

    Ich denke, es ist der Zwang. Aus Zwang erwächst nichts Gutes. Man kann auch niemanden zu seinem Glück zwingen. Man kann jemanden vor Unglück beschützen, mehr aber auch nicht.
    Könnte dieser Schüler jetzt einfach sagen: „Also, wenn ihr mir so kommt, dann steige ich einfach aus und lern wie ich mag – mit Freunden, Alleine, Verwandte“. Wie wäre es dann?

    Der Vater von Lisas Kumpel würde sagen: „Was? Zwang ist wichtig! Er hat mich zu dem gemacht was ich bin.“ – Ein Mensch, der andere zwingen will seine Biographie zu wiederholen.

    Erster Schritt ist wohl wirklich den Kindern nicht von Morgens bis Abends zu erzählen, dass Schule das Wohlfühlhaus ist. Und auch kein Lebensort. Sozialkompetenzen und Wissen, das ganze Rüstzeug fürs Leben gibt es auch draußen. Im Freien. Dann hört das Einbrennen und die Gehirnwäsche auf. Und vielleicht wagen es mehr Menschen, wie Alexander, aufzustehen.

    Lehrer sind für mich nur Opfer, die mit sich widersprechenden Gesetzen leben müssen, nicht streiken dürfen, nicht boykottieren dürfen, keine herausragende Leistung bringen dürfen und ihren Schülern nicht die Wahrheit erzählen dürfen. Zwischen all dem nicht dürfen geht der Enthusiasmus unter und leider haben sie auch nicht die Bildung um sich daraus zu befreien.

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