Minityrannei – unsere ganz persönliche Herangehensweise

Frau Schlapunzel hat mich auf ihrem Blog an diese Problematik erinnert. Es gibt wohl keine Eltern auf dieser Welt, die das Problem nicht kennen: Kind bekommt seinen Willen nicht… Schreien.

Wie schon bei Gewalt ist eine Lösung erklärt, denke ich, dass ein Mensch (egal welchen Alters) eine Menge Strategien besitzt auf die er bei Problemen zurückgreift. Diese kann man alle Lernen. Ob ich also ein neues Wort lerne („Das ist ein Ball“) oder eine Konfliktstrategie ist kein großer Unterschied.

Natürlich muss die Strategie (genauso wie das Wort) dem Alter angemessen sein… ich kann also keinem zu jungem Kind GewaltFreieKommunikation beibringen, genauso wenig, wie es das Wort Desoxyribonucleinsäure können wird. (Siehe auch mein BingBing-Eintrag).

So genug meiner Theorie. Also was mache ich in einer konkreten Situation mit einem schreienden Kind.

Die Frage, die wir uns zu Anfang stellten, war: Mein Wille, oder sein Wille? Man selber kann nicht (oder will nicht), das Kind schreit.

Auf diese Frage gibt es keine gute Antwort, weil sie falsch gestellt ist. Was stört in dieser Situation. Das Schreien. Das Schreien ist Gewalt durch das Kind auf die Eltern um einen Zwang durchzusetzen. Das Schreien steht aber auch allen im Weg, man kann keine Lösung zusammen finden.

Als Chopper ungefähr 1,5 Jahre als war haben wir also, sobald er anfing zu schreien (oder zu weinen) sofort jede Aktion abgebrochen. Ein Elternteil hat sich dann mit ihm in einen leicht abgedunkelten Raum verzogen und mit ihm so lange gekuschelt, bis er sich beruhigt hat. Irgendwann haben wir ihm dann beigebracht, dass er noch 10 mal tief ein- und ausatmen kann, um sich noch effektiver zu beruhigen.

Wir haben ihm auch gut zugeredet und ihm aufgezählt, wer ihn alles liebt (Papa, Mama, Oma, Gran, Onkels, Tanten usw) – das hatte auch einen guten Effekt.

Chopper hat sich am Anfang gewehrt (und Nami auch) wenn ich (Papa) das Kuscheln übernommen habe. Bei der Mama war das nie ein Problem. Ein- zweimal ist er auch weggelaufen. Es hört sich ein bisschen wie Zwangsbekuscheln an, aber es ist die harmonischste Lösung, die wir bis jetzt gefunden haben und wir hatten guten Erfolg.

Mittlerweile kann Chopper die Lösung immer selber suchen und schreien gibt es fast nie. Er findet meist eine, die alle seine Wünsche berücksichtigt 🙂 – aber mit etwas Verhandeln wird sie dann doch allen gerecht.
Chopper wendet das mittlerweile auch manchmal bei Nami an – das ist total spannend.

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7 Kommentare zu “Minityrannei – unsere ganz persönliche Herangehensweise

  1. das klingt toll. nur eine frage habe ich noch: wie habt ihr nach dem kuscheln weitergemacht? hatte sich der eigentlich grund erledigt oder wurde da nochmal drüber gesprochen? und wie alt war der kleine, als ihr das eingeführt habt? und was mache ich in der zeit mit lilly – ich bin ja tagsüber allein!

    das ist eine wirklich tolle sache – das schreien beenden. durch nähe. ich probiere das morgen mal aus, wäre aber sher sehr dankbar, wenn du mir noch eine antwort geben könntest:) gerne per mail: amidelanuit@web.de

  2. Ich glaube mit der Lilly (15 Monate?) kannst Du das schon machen, wir haben das gleich von Anfang an eingeführt (wenn ich mich jetzt nochmal genau erinnere: unter einem Jahr).

    Zu der Frage mit: „Was mache ich in der Zeit mit dem anderen Kind?“

    Meistens will das andere Kind eh mitkuscheln (wenn die Mama kuschelt) oder selber spielen (wenn der Papa kuschelt 😦

    Wir fragen meistens in der Art: „Ich geh jetzt mit Chopper/Nami zum sich beruhigen… Willst Du mitkommen, oder spielen in der Zeit“. Das klappt eigentlich recht gut, da sie ja auch beide sofort wissen, was los ist – wir praktizieren das ja jetzt schon recht lange.
    Der andere will sich meistens das Geschrei eh nicht antun:)

    Wenn sich beide streiten und dabei anfangen zu weinen nehme ich beide mit ins Bettchen.
    ..
    Wichtig ist, sich Zeit nehmen, selber Ruhe zu bewahren. Ich lege mich immer mit dem/den Kindern ins Bettchen. Vielleicht gelingt es auch das Geschrei erst mal selber auszublenden. Manchmal, wenn es mir zuviel wird (Kopfschmerzen) hab ich mir einen Schallschutzkopfhörer bereit gelegt. Klingt brutal, aber man hat ja immer noch die körperliche Nähe, und durch die kann man die zusätzlich gewonnene Ruhe wieder auf das Kind übertragen. Bringt ja nichts wenn man die ganze Ladung Wut abbekommt und selber wütend wird.
    ..

    Danach fange ich immer an über das Problem zu sprechen, manchmal interessiert es die Kinder aber auch gar nicht mehr die wollen einfach irgendwas spielen.
    Wenn die Kinder jünger sind schlafen sie oft beim Kuscheln ein 🙂
    ..
    Wenn Du das erst jetzt einführst, solltest Du den beiden vielleicht vorher eine Erklärung vorschieben. Sonst wissen die gar nicht warum auf einmal das Licht ausgeht:)

  3. Hm…bei uns wird viel gekuschelt, von mir aus aber auch der Kleine kommt gerne zum Kuscheln. Auch wenn es Geschrei gibt versuche ich es oft mit körperlichem Kontakt wieder zum Erliegen zu bringen. Ich praktiziere somit eigentlich ganz automatisch das, was Du beschreibst, nur nicht so konsequent mit ins Bett gehen und so, sondern meist da, wo sich der Eklat gerade abspielt. Insofern hab ich ja doch eine Strategie! 🙂 War mir nur noch nicht bewußt, dass das so ist 😉

  4. die frage ist nur: bringt das stetige herausnehmen aus einer konfliktsituation wirklich klärung für denjeweiligen konflikt? oder verhindert der vorzeitige abbruch die klärung? und wäre es nicht manchmal auch ratsam für die entwicklung der konfliktfähigkeit der kinder, wenn sie lernen in einer konfliktsituation mal zu bleiben und sie durchzustehen? mit der hilfe der erwachsenen?

  5. Nun ja, wenn ich sehe (oder vielmehr lese), dass Chopper diese Taktik bei seine kleine Schwester anwendet, scheint das durchaus eine positive Effekt und somit auch einen riesen Schritt in Konfliktsituationbewältigungsfähigkeit (pfew): Nämlich alle Parteien erstmal zur Ruhe zu bringen.

    Wenn es erst ruhig geworden ist, können alle Beteiligten ihre Sicht vortragen und eine eigentliche Lösung gemeinsam gefunden werden…

    Wenn Chopper gelernt hat, erst seine innere Ruhe zu finden, und soweit ist, daß er seine kleine Schwester anleitet, ist das doch gut oder? Also, erster Schritt: innere Ruhe wieder finden. Zweiter Schritt: auf mein Gegenüber zugehen und ihm helfen, seine innere Ruhe zu finden. Dritter Schritt: Gemeinsame Konfliktlösung in Frieden und mit Respekt für den Gegenüber.

    Liebe Frau Ami,

    wie sieht bei Ihnen das „Konfliktsituation durchstehen“ aus? Was kann, soll, muss ein Erwachsene tun, um dies zu ermöglichen?

  6. ja anonym. eigentlich genau das, was vorher beschrieben wird:) fällt mir grad so auf……wahrscheinlich muss ruhe einkehren, bevor geklärt werden kann. ich kann auch besser diskutieren und klären, wenn ich nicht mit pochender halsschlagader da stehe:) wichtig ist mir nur, dass das konfliktthema nicht generell unter den tisch fällt, bloss weil alle wieder ruhig und bei sinnen sind.

    ansonsten: gut zusammengefasst die schritte! ich werde das heute gleich mal anfangen!

  7. Ami, Du stellst sehr pädagogische Frage, wenn ich es nicht wüsste, dass Du etwas mit Pädagogik zu tun hast, dann wüsste ich es spätestens jetzt 🙂

    Anonym hat das ja schon sehr schön erklärt. Die Frage, wie denn ein gutes „in der Konfliktsituation bleiben“ aussähe – würde mich auch interessieren.

    Heuler hat mich mal inspiriert, zu dem, was ich einen Erwachsenen-Test nenne. Er hat Winterhoffs Kriterien einfach mal auf einen mündigen Menschen angewendet – seitdem finde ich das eigentlich einen sehr guten Test: Würde ich auch so mit einem Erwachsenen umgehen, den ich ernst nehme?

    Hier also Heulers Beitrag – wie ich finde zum Schieflachen:
    http://www.heulers.de/paedagogik/tipps-fur-ehemanner/

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