Rassismus beginnt in der Kindergartenvorbereitung

(Papa)

Gestern war ich bei einem Ehepaar, dass zu unserer Nachbarschaft gehört. Der Vater ist „Ausländer“ und die Mutter „Deutsche“ – Anführungszeichen, weil ich das Konstrukt der Nationalstaaten für reinen Unsinn halte.

Der Sohn war am Tag in der Kindergartenvorbereitung (gibt es wirklich!) gewesen und dort wurde ein Lied gesungen, dass ihn ziemlich verschreckt hatte. Am Abend sagte er seinem Papa, er habe Angst vor einen Krokodil. Dieses Krokodil frisst den Negerkönig – in dem Lied. Das finden „deutsche“ natürlich sehr lustig, aber anscheinend kam es der Erzieherin nicht in den Sinn, dass dieses Lied nicht von allen Kindern gleich aufgefasst werden könnte.

Dieses Lied, denke ich, wäre verzeihbar da wir ja wirklich wenig, sehr wenig Feingefühl für andere Ethnien in der Schule mitbekommen – schließlich ist Deutschland „die Hochkultur“! Alles andere sind nur Schwellen-, Entwicklungs-, und 3.te Welt Länder. Oder haben barbarische Sitten, wie die USA mit ihrem Waffenrecht. Bähbähbäh.

Allerdings war es das 2.te Mal, dass dieses Lied gesungen wurde. Und der Vater war nach dem ersten Mal schon in den Kurs gegangen und hatte die Erzieherinnen zurechtgewiesen. Aber so ein Erzieherinnen-Gedächtnis scheint nicht sehr viel Speicherkapazität zu haben, wenn es um ein paar Negerlein geht.

Und so wurde der kleine Junge schon zum zweiten Mal darauf aufmerksam gemacht, wer hier in Deutschland gefressen wird und wer in den Garten darf. Der Vater regte sich entsprechend auf und so gab es einen Riesenstreit. Kindergartenvorbereitung ist ja auch wichtig. Aber schon jetzt zu spüren, dass er einmal durch den Hauptschulabschluss fallen werde, das ist in diesem zarten Alter doch wirklich schon zu früh.

Die Eltern tun wirklich alles für dieses Kind und wollen, dass es gut in diese Gesellschaft „integriert“ wird. Wie schade ist es, dass sie nur Spielbälle in einem politischen Krieg der Kulturen sind, und dass ihr Kind nie eine wirkliche Chance hat.

Ausländer! Niemand hat das Recht euch zu assimilieren! Ihr integriert Euch gut, Ihr seid ja (meistens) freiwillig hierher gekommen. Seid stolz auf Eure Muttersprache, seid stolz auf die Sprache eurer Väter. Seid stolz auf Euer Temperament und auf das, was ihr seid. Lasst Eure Familien nicht von rassistischen Innenministern spalten. Sie kennen Euch nicht. Sie fühlen nicht mit Euch. Sie verstehen Euch nicht. Und das ist die Gemeinsamkeit, die Ihr mit uns allen habt. Sie verstehen auch uns nicht.

Wer einem Kind die Muttersprache oder die Vatersprache schlecht redet, der ist ein Verbrecher. Egal, wie viel Menschen ihn gewählt haben.

– Ich bin froh, dass wir uns entfernt haben, von dieser ganzen Kultusbande. Wir haben so schöne Tage, idyllische Abende und sanfte Nächte. Manchmal frage ich mich, warum es sich die ganze Welt so schwer macht?

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3 Kommentare zu “Rassismus beginnt in der Kindergartenvorbereitung

  1. Im Kindergartenalter nehmen die Kinder den Unterschied der Hautfarben normalerweise noch nicht wahr.

    Ich denke, daß das Kind wirklich Angst vor dem Menschen-fressenden Krokodil hatte (unabhängig welcher Hautfarbe dieser Mensch ist, der gefressen wird). Auch mit dem Wort Negerkönig kann ja ein Kindergartenkind noch nicht viel angfangen, wenn es das zum ersten Mal hört. Wurde das auch wirklich so genannt? Das wäre natürlich mehr als derb gegenüber den betroffenen Familienmitgliedern.

    Wir haben ja auch ein bißchen mit dem Thema zu tun, nachdem die Väter meiner Kinder beide Afrikaner sind. Einer ist mittlerweile ganz echt Deutscher, nämlich eingebürgert, und sein Charakter ist wirklich eher deutsch. Zu mir hat er mal gesagt, ich sei afrikanischer als er. 😉

    So richtig rassistische Anmache habe ich mit den Kindern (oder mein Sohn für sich) kaum erlebt, allerdings habe ich sie mit den Vätern erlebt. Es gibt aber auch ein Ost-West-Gefälle in Deutschland, was die Intoleranz gegenüber Farbigen betrifft, und da haben wir es im Westen wohl einfach besser.

    Im Kindergarten, wo mein Sohn war, hätte es sowas nicht gegeben. Der war multinational mit einer feinen Leiterin (städtische Kindertagesstätte!).

  2. Ich habe nicht alle Details wiedergegeben, da ich die Anonymität der Familie schützen wollte.

    Man muss sagen, dass sie noch in einer zweiten Gruppe sind, wo so etwas nicht vorkommt. Nicht alle sind gleich.

    Zudem ist der Junge ja auch noch sehr jung (Kindergartenvorbereitung) und in dem Alter vermischen sich manchmal noch Dinge – allerdings gab es in diesem Fall wirklich viele Indizien (die ich aber nicht aufzählen kann). Was ich schockierend fand ist, dass die Familie wegen so etwas (von außen) zu zerbrechen droht. Und es wäre wirklich mal interessant, wie viele Ehestreitigkeiten auf das Konto von Uneinigkeit über Probleme in Kindergarten/Schule gehen.
    Ich habe jetzt schon 3 Fälle erlebt, wo es wirklich bitter war. Und es wäre vielleicht keine Überraschung zu erfahren, dass der steigende Druck/Probleme in der Schule zu einem steigenden Familiendruck führt und übergeht in eine erhöhte Scheidungsrate.
    Das sind Spekulationen. Kennt jemand Studien?

  3. …hast du kaum erlebt…
    Wir schon.
    Zwar nicht im Kindergarten, weil meine Kinder dort nicht hingehen, aber im alltäglichen Leben schon.
    Bisher waren es nur Männer, die mehr oder minder unter Alkoholeinfluss standen und sich amüsierten, dass dort ‚ein Neger‘ in der Karre säße. Finde ich schlimm, und hat mich auch verletzt. Nicht das Wort an sich stört mich, sondern das Sich-Lustigmachen, die Art und Weise.
    Ich kann mir schon vorstellen, dass so ein kleines Kind sich auch schon im Kindergartenalter bewusst wird, dass es ‚anders‘ aussieht, als alle anderen.

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